Emotionen und Alltag: Das private Basel

Silas Gusset, Anina Zahn, Tobias Ehrenbold

In: Auf dem Weg ins Jetzt. Seit 1960 | S. 190-239 | DOI: 10.21255/sgb-08.04-547129 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

Im Basler Staatsarchiv liegt ein Fotoalbum, das die Szene der sogenannten Halbstarken dokumentiert. Die Bilder zeigen Jugendliche, die in Bars feiern, die sich modisch inszenieren, die leidenschaftlich gegen das Establishment sind. Was heutzutage gesellschaftlich akzeptiert ist, war um 1960 noch stigmatisiert. Damals dominierte ein konservatives Familienbild mit dem Vater als Alleinernährer und der Mutter, die für Kinder und Haushalt zuständig war. Seither hat sich die Gesellschaft liberalisiert, es entstanden Wohngemeinschaften, Kitas, die gleichgeschlechtliche Liebe gewann an Akzeptanz. Dabei verschoben sich auch die Grenzen zwischen privatem und öffentlichem Leben. Am Beginn dieser Verschiebungen standen häufig abweichende, subversive Lebensformen, beispielsweise der Konsum von harten Drogen, der nach grossen Widerständen zur gesellschaftlichen Verantwortung erklärt wurde. Doch Stigmatisierungen sind oft beharrlich, der Rückzug ins Private bietet auch Schutz vor Ablehnung. Nicht viele Menschen in Basel haben ihr eigenes Fotoalbum öffentlich gemacht.

Familie und Sexualität in Zeiten gesellschaftlicher Liberalisierung

Ein Bild trauter Zweisamkeit: Die Ehefrau kümmert sich um ihren Ehemann, lächelnd schöpft sie ihm die Suppe. Der kürzlich gewählte Basler Bundesrat Hans-Peter Tschudi und seine Ehefrau, Irma Tschudi-Steiner, erscheinen hier als ideales Ehepaar. Dabei hatte sie als erste Frau an der Philosophisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Universität Basel habilitiert. Später arbeitete sie als Privatdozentin der Pharmazie an den Universitäten Basel und Bern. Trotz ihrer akademischen Laufbahn betonte Hans-Peter Tschudi in einem Interview von 1972, seine Frau sei «in erster Linie Hausfrau».1 Das bürgerliche Familienideal nahm innerhalb der Familien eine klare Rollenzuschreibung vor, mit dem Ehemann als Ernährer und der Ehefrau als Haushälterin. Dieses Ideal prägte Gesetze, die Gesellschaftsordnung und persönliche Lebensentwürfe bis in die Gegenwart.

Wer dem bürgerlichen Familienideal nicht entsprach, geriet ins Visier der Behörden. Die Familie galt als Fundament einer gesunden Gesellschaft, ein zentrales Gut, das gegebenenfalls auch mit zivilrechtlichen Massnahmen geschützt wurde. Von Eingriffen in das Privatleben waren auch Jugendliche betroffen, die angeblich nicht gut erzogen waren. Zu Beginn der 1960er-Jahre erhöhte das Jugendamt seine Präsenz im öffentlichen Raum. Es schickte Detektive in die Kinos, Dancings und Spielsalons der Stadt. Das Jugendamt bezeichnete diese Freizeiteinrichtungen als «einschlägige» Orte, an denen sich «dubiose Elemente» herumtrieben. Die Detektive sollten gefährdete, sogenannt «verwahrloste» Jugendliche melden: junge Menschen, die Alkohol tranken oder Drogen konsumierten, ledige Frauen, die mit Männern anbandelten, Jungen mit Interesse an gleichgeschlechtlichen Beziehungen.2 Falls die Detektive ein solches Verhalten entdeckten, konnten die Behörden «fürsorgerische Massnahmen» ergreifen – das Basler Jugendamt fungierte in Basel-Stadt zugleich als Vormundschaftsbehörde. Eine solche Massnahme war die Fremdplatzierung, also die Unterbringung in einem Heim, einer Erziehungsanstalt, der Psychiatrie oder in einer Pflegefamilie. Solche Fremdunterbringungen gab es in der ganzen Schweiz. Das übergeordnete Recht schrieb den Kantonen vor, für das Kindswohl zu sorgen.3 Wurde dieses als gefährdet eingestuft, mussten die Behörden eingreifen. Von ihren Eltern wurden Kinder häufig aus sittlich-moralischen Gründen getrennt. Denn nicht nur die Jugendlichen selbst, auch die Familienverhältnisse standen unter Observation.

Noch um 1960 orientierten sich weite Teile der Gesellschaft an bürgerlichen und konservativen Familienmodellen. Der Vater hatte zu arbeiten, die Mutter musste ihre Kinder zu tüchtigen Bürgerinnen und Bürgern heranziehen und den Haushalt führen. Man war verheiratet, arbeitsam, fleissig. Sex war etwas für Verheiratete – das galt insbesondere für Frauen. Die Mutter war das Zentrum der idealen Familie, sie wurde bei Heimeinweisungen auch besonders oft erwähnt, zum Beispiel wenn sie arbeitete oder alleinstehend war.4 Alleinstehende Mütter und unverheiratete Eltern mussten bei den Behörden die elterliche Obhut für ihre Kinder beantragen. Eine prekäre Erwerbssituation, moralische Vorbehalte gegenüber dem Kindsvater oder Gewalt innerhalb der Familie waren Faktoren, die zu einer Fremdplatzierung führen konnten. Auch Scheidungen gaben oft Anlass zu einer Fremdplatzierung. Ab den 1940er-Jahren verbreitete sich die Annahme, dass die Trennung der Eltern für Kinder schädlich sei. Man bezeichnete die betroffenen Kinder als «Scheidungswaisen» und rechtfertigte damit eine staatliche Intervention. In Basel-Stadt wurden besonders viele Kinder aus gescheiterten Ehen fremdplatziert, eine Konsequenz der hohen Scheidungsrate im Kanton. Bei Scheidungen klärte das Jugendamt ab, ob das «Kindswohl» gefährdet sei. Das Basler Zivilgericht entzog 1965 bei fast einem Zehntel der Scheidungsverfahren die elterliche Gewalt. Ein weiteres Drittel der Eltern mussten nach einer Scheidung eine vormundschaftliche Aufsicht für ihre Kinder akzeptieren.5

Im Fokus der Behörden standen jedoch immer weniger die Familienverhältnisse, sondern die Jugendlichen selbst. Hinweise auf eine angeblich problematische Jugendkultur nahmen in den 1960er-Jahren zu. Dazu zählten die Behörden und viele Eltern das Zusammenleben in Kommunen oder Wohngemeinschaften, den Drogenkonsum und das nächtliche Ausgehverhalten.6 Auch hier konnte die Fremdplatzierung zum Einsatz kommen: Der Aufenthalt in einem Heim oder einer Pflegefamilie sollte die fehlbaren Jugendlichen erziehen und von ihrem angeblich falschen Lebensstil abbringen.

Die Zahl der Fremdplatzierungen insgesamt war zu diesem Zeitpunkt allerdings bereits rückläufig.7 Gleichzeitig schuf das Jugendamt neue Angebote, die eine Fremdplatzierung im Vorfeld verhindern sollten. Es erweiterte sein Beratungsangebot und eröffnete 1973 die Notschlafstelle für obdachlose Jugendliche.8 Der Kanton baute die kinderpsychiatrischen Angebote aus und trennte sie von der Erwachsenenpsychiatrie. Auch die Erziehungsheime selbst veränderten sich. Interne Reformen hatten sich bereits zu Beginn der 1960er-Jahren abgezeichnet, die 68er-Bewegung und ihre «Heimkritik» erhöhten den Reformdruck weiter.9 Heime wurden in dieser kritischen Perspektive als gewaltvolle Institutionen dargestellt, die den Jugendlichen nicht halfen, sondern sie bestraften. Weitgehend ausgenommen von dieser Kritik war das mitten in der Stadt gelegene Basler Waisenhaus. Es genoss einen guten Ruf, was auch daran lag, dass es nur sogenannte «erziehungsfähige» Kinder annahm. Wie andere Heime auch professionalisierte das Waisenhaus seine Betreuung seit 1960.10

Der gesellschaftliche Wandel erreichte auch die Behörden, die Fremdplatzierung wurde nur noch als äusserstes Mittel eingesetzt. 1978 führte der Bund das revidierte Kindesrecht ein.11 Mit der Revision wurden aussereheliche den ehelichen Kindern gleichgestellt und die elterliche Gewalt einer alleinstehenden Mutter automatisch erteilt. Damit war nicht nur eine Liberalisierung des Familienlebens verbunden, auch die Sexualität entzog sich allmählich immer mehr der staatlichen Kontrolle. Der Wandel ermöglichte neue Beziehungsformen, die insbesondere im städtischen Raum sichtbar wurden. Die Stigmatisierung von homosexueller Liebe hielt auch in Basel lange an. Zwar war gleichgeschlechtlicher Sex zwischen Erwachsenen in Basel seit 1919 und in der restlichen Schweiz seit 1942 erlaubt. Homosexuelle wurden aber weiterhin diskriminiert und verfolgt. Die Basler Polizei führte in Schwulenclubs Razzien durch, kontrollierte Schwule in Parks und führte bis 1980 ein Homosexuellenregister.12 Trotz dieser repressiven und homophoben Stimmung entstanden Räume, in denen Sexualität unter Männer stattfinden konnte. So bewilligten die Behörden den 1957 eröffneten ‹Isola›-Club in der Innenstadt. Im Club konnten Schwule unter sich sein und andere Homosexuelle kennenlernen. Um behördlich akzeptiert zu werden, war ‹Isola› auf Anpassung bedacht und betonte, dass auch Schwule «korrekte, saubere Menschen» seien.13

Auch für Homosexuelle waren die mit dem Jahr 1968 verbundenen gesellschaftlichen Umbrüche ein Moment der Politisierung. Inspiriert von internationalen Vorbildern sowie den Homosexuellen Arbeitsgruppen Zürich organisierten sich auch in Basel Schwule und gründeten 1972 die Homosexuellen Arbeitsgruppen Basel (habs). Die Organisation hatte zum Ziel, sich gegenseitig in der sexuellen Orientierung zu bestärken, gesellschaftliche Gleichberechtigung und Akzeptanz einzufordern und «die Homosexuellen ganz in die Gesellschaft zu integrieren».14 Ein Schlüssel zur Selbstbestimmung war das öffentliche Outing. Wer sich öffentlich zu seiner Homosexualität bekannte, zeigte seine inneren Bedürfnisse und protestierte gleichzeitig gegen das Stigma, ausserhalb der Gesellschaft zu stehen. An Demonstrationen, wie beispielsweise der ‹Gay 80› forderte die ‹habs› ihr Recht auf Liebe ein.

Die Presse berichtete positiv von der ‹Gay 80›, eine Zeitung schrieb von einem «in allen Farben schillernden Zug».15 In der Publikation ‹Männergeschichten› von 1988 stellten die Autoren fest, dass die gesellschaftliche Toleranz in Basel gewachsen sei. Schwulsein als «mögliche Lebensgestaltung» zu propagieren bedeute jedoch nach wie vor eine Grenzüberschreitung. Erst 2022 wurde in der Schweiz die gleichgeschlechtliche Ehe erlaubt.16

Ab den 2000er-Jahren stellten Bewegungen, die sich nun «queer» nannten, erneut die Vorstellungen von Sexualität und Geschlecht in Frage. Verschiedene sexuelle und geschlechtliche Identitäten ergänzten das Spektrum der Liebe. Das Kürzel «LGBTQI+» (für «lesbisch, schwul, bisexuell, transgender, queer, intersexuell und weitere Geschlechtsidentitäten») prägte die gesellschaftliche Debatte. In Basel manifestierte sich dieses neue Verständnis durch neue Angebote, wie das Filmfestival ‹Luststreifen›, das seit 2008 Filme zu Genderfragen zeigte. Im April 2017 nannten sich die ‹habs› um zu ‹habs queer Basel›. Die Themen Gender und Geschlecht polarisierten in Basel: 2023 führte der Vorschlag, Homo- und Bisexualität, Transpersonen und Intergeschlechtlichkeit ins kantonale Gleichstellungsgesetz aufzunehmen, zu heftigen Diskussionen. Vertreterinnen der Frauenrechtsbewegung fürchteten, dass das Gesetz die Bekämpfung der bestehenden Ungleichheiten zwischen Frauen und Männern vernachlässige. Homo-, bi- und transsexuelle Menschen sahen in dem Gesetz hingegen eine Anerkennung und einen dringend benötigten Schutz vor Diskriminierung.20 Ab den 1970er-Jahren gerieten auch die Normen heterosexueller Beziehungen zunehmend ins Wanken. Die 68er-Bewegung hatte die «freie Liebe» eingefordert. Kurz zuvor war in der Schweiz die Antibabypille auf den Markt gekommen; Sexualität wurde damit zunehmend vom Kinderkriegen losgelöst. Auch in Basel war es insbesondere die neue Frauenbewegung, die alternative Beziehungsformen und eine selbstbestimmte Sexualität der Frau einforderte.

In der Öffentlichkeit herrschte lange ein Bild der Frau vor, die zuweilen selbst Opfer ihres Körpers wird: Die NZZ stellte 1973 gar einen kausalen Zusammenhang zwischen weiblicher Anatomie und krimineller Energie her. Der Zeitung zufolge nehme die Wahrscheinlichkeit eines Ladendiebstahls zu, «wenn sie sich in einer besonderen körperlich-seelischen Konstellation befinden» – wenn also Frauen schwanger waren, sich in den Wechseljahren befanden oder die Periode hatten.21 Zu dieser Zeit gab es auch in Basel fast ausschliesslich männliche Gynäkologen. Dem Thema Frauengesundheit verschrieb sich eine Selbsthilfegruppe, die Ende der 1970er-Jahre im Frauenzentrum in der Kaserne Untersuchungen und Beratungen anbot. Man wollte Kenntnisse über den eigenen Körper erlangen, «weil wir Frausein nicht als lebenslängliche Krankheit erleben wollen».22 1980 ging aus der Frauengesundheitsbewegung die Gruppenpraxis Paradies in der Nachbargemeinde Binningen hervor, eine Praxis «von Frauen für Frauen».23

Ganz oben auf der Agenda der Frauenbewegung stand das Thema Schwangerschaftsabbruch. In Basel bestand seit den 1950er-Jahren mit dem Sozialmedizinischen Dienst eine staatliche Institution, die sich unerwünschter Schwangerschaften annahm. Sie beriet und unterstützte Schwangere und informierte über Verhütungsmöglichkeiten. Bei einem Wunsch nach einem Schwangerschaftsabbruch überprüften, wie vom Gesetz vorgesehen, zwei Ärzte die psychische Gesundheit und soziale Situation der Schwangeren und entschieden über eine Abtreibung.24 Das sogenannte Basler Modell fand breite Anerkennung. Wie die damalige Leiterin des Dienstes berichtete, wurden durchaus auch Gesuche abgelehnt. «Für unseren Entscheid» sei die Hälfte der Frauen im Nachhinein «dankbar» gewesen.25 Solche Aussagen werteten feministische Kreise als bevormundend, sie forderten eine Liberalisierung des Schwangerschaftsabbruches, zum Beispiel die Straffreiheit innert einer bestimmten Frist, die Legalisierung und eine Enttabuisierung.26 Erst die Fristenregelung, die 2002 schweizweit den straffreien Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche einführte, beendete die Debatte vorläufig.

Das konservative Familienbild und die «Institution Ehe» begannen zu bröckeln. Die Zahl der Eheschliessungen verringerte sich in Basel zwischen 1970 und 1975 um rund die Hälfte von 2000 auf 1000 pro Jahr.27 Aber die gesellschaftliche Liberalisierung verlief in kleinen Schritten. Basel schuf das Konkubinatsverbot erst 1978 ab – sechs Jahre später als beispielsweise der Kanton Zürich. Bis dahin durften uneheliche Paare nicht zusammenleben. Partnerinnen und Partner, die gemeinsam wohnten, aber nicht verheiratet waren, mussten mit Stigmatisierungen leben und beispielsweise Anzeigen von Vermietern erdulden. Im Konkubinat lebenden Ausländerinnen und Ausländern drohte gar die Gefahr, dass ihre Aufenthaltsbewilligung nicht verlängert wurde.28

Die Abschaffung des Konkubinatsverbots und die Revision des bundesweiten Ehegesetzes waren der deutlichste Ausdruck der sich verändernden Beziehungsmodelle. Die in den 1970er-Jahren ansteigende Scheidungsrate von unter 400 auf über 500 Scheidungen pro Jahr weist auf die Entstigmatisierung von Trennungen hin.29 Die Möglichkeiten zum Ausleben der Sexualität nahmen in den 1970er- und 1980er-Jahren zu, die Beziehungsformen wurden vielfältiger. Die Vorstellungen der idealen Ehe lösten sich indes nicht in Luft auf. Die Arbeitsteilung heterosexueller Paare blieb in weiten Teilen konstant. Und auch Gewalttaten und Diskriminierungen gegen Schwule und Lesben blieben noch weit über die 1990er-Jahre hinaus bestehen. In der neuen Verfassung von 2005 wurden Familien in Basel-Stadt eine Reihe von Grundrechten garantiert. Insbesondere das Recht auf familienergänzende Betreuung «die den Bedürfnissen der Kinder entspricht» war eine grosse Neuerung gegenüber der alten, über hundertjährigen Verfassung.30 Diese erwähnte zwar die Bildung von Kindern als wichtige Staatsaufgabe und sah die «Unterbringung und Erziehung verwahrloster und gebrechlicher Kinder» durch die Behörden vor.31 Die neue Verfassung gab der Familie jedoch ein neues Gewicht. Familie wurde nicht mehr länger als Pflicht verstanden, bestehend aus einem arbeitenden Vater, einer umsorgenden Mutter und wohlerzogenen Kindern. Der Staat sollte von jetzt an «das Recht auf Familie» und auf «ehe- und familienähnliche Formen des Zusammenlebens» garantieren.32

Dass die Familie um 2000 eine derart wichtige öffentliche Angelegenheit werden konnte, hatte viel mit demografischen Veränderungen zu tun. In den 1990er-Jahren nahmen in Basel Befürchtungen zu, junge Familien könnten vermehrt wegziehen und die Bevölkerung zunehmend aus alten Menschen bestehen.33 Die Stadt sollte deshalb für Familien aufgewertet werden.

Die Frage, wie Familien und insbesondere Kinder in der Stadt leben sollen, war indes nicht neu. In Basel gab es seit dem frühen 20. Jahrhundert öffentliche Spielplätze, 1957 eröffnete im Horburgpark einer der ersten ‹Robispielplätze› Europas, wo Kinder Neues ausprobieren und den Spielplatz selbst gestalten konnten. Ihren Hauptfokus richtete die Stadtplanung damals noch auf den Verkehr und den Strassenbau. Das Kind, so der Jugendpfarrer Alfred Kunz, würde durch die «Kinderfeindlichkeit der Stadt» und insbesondere den Autoverkehr verdrängt, habe keinen Platz mehr zum Spielen, ausser in wenigen Zonen.34 Das war mit ein Grund dafür, dass ab den 1960er-Jahren Angebote für Kinder wie Jugendzirkusse (Basilisk 1969, Bruderholz 1978), der Ferienpass (1975) oder der Kinderzoo (1977) ausgebaut wurden. Autofreie Wohnstrassen, wie jene an der Kleinbasler Bärenfelserstrasse, waren ein vieldiskutiertes Modell, um die Stadt für Kinder und Familien freundlicher zu machen. In den 1990er-Jahren verschob sich der Fokus der Stadt, es ging nicht mehr nur darum, Kindern mehr Spielmöglichkeiten zu verschaffen, sondern den Familien einen attraktiven Wohnort zu bieten. Die familienergänzende Kinderbetreuung steht exemplarisch für diesen Wandel. Lange waren breite Teile der Bevölkerung skeptisch gegenüber Kinderkrippen, Tagesheimen oder der Tagesschule. Zwar existierten bereits seit dem ausgehenden 19. Jahrhundert Tagesheime und Kindertagesstätten in Basel. Sie waren aber nur für Mütter aus der Arbeiterklasse gedacht. 1971 subventionierte der Kanton dreissig Kinderkrippen und Tagesheime, zwanzig davon betrieb der Frauenverein am Heuberg, eine wohltätige Frauenorganisation. Der Frauenverein hatte aber strenge Aufnahmebedingungen für seine Einrichtungen und wies viele Anfragen ab, denn die ausserfamiliäre Betreuung komme nur als «Notlösung» in Frage, wie eine der Betreuerinnen in einem Fernsehbeitrag erklärte.35 Die Zahl arbeitender Frauen und Mütter nahm ab den 1960er-Jahren jedoch stetig zu, was bedeutete, dass viele Frauen und Familien auf private Lösungen angewiesen waren, zum Beispiel auf Hausangestellte, die 1970 noch 5,5 Prozent aller erwerbstätigen Frauen in Basel-Stadt ausmachten, auf Verwandte und Nachbarschaftsnetze oder die aufkommenden Au-Pairs.36

Zur allmählichen Anerkennung der ausserfamiliären Betreuung von Kindern trugen mehrere Entwicklungen bei. Ein wichtiger Faktor war das Frauenstimmrecht, das 1966 im Kanton und 1971 bundesweit eingeführt wurde. Die ersten linken und bürgerlichen Grossrätinnen forderten bereits 1969 gemeinsam mehr Kinderhorte und Tagesheime.37 Die Vorstösse waren vorerst erfolglos, verhalfen jedoch der Auffassung zur Verbreitung, dass es nichts Verwerfliches und Schädliches habe, Kinder in externe Betreuung zu geben. Hinzu kam die 68er-Bewegung, die eigene Krippen mit neuen pädagogischen Konzepten aufbaute. Als Mittel zur Selbsthilfe unter Müttern entstand zudem Ende der 1970er-Jahre die Idee der Tagesmutter. Einen grossen Anteil an der Entwicklung einer Tagesbetreuung hatten italienische Migrantinnen, die gezwungen waren zu arbeiten, um in der Schweiz bleiben zu können.38 Viele gaben ihre Kinder in bereits bestehende Krippen. Zudem bauten Migrationsorganisationen wie die ‹Missione Cattolica Italiana› eigene Krippen auf, die der Kanton subventionierte.

In den 1990er-Jahren übten Politikerinnen, Vereine und Unternehmen vermehrt Druck aus, das Betreuungsangebot auszubauen. Meldungen über lange Wartelisten häuften sich und machten das Anliegen dringlich. Parlamentarierinnen jeglicher politischer Couleur forderten zum Handeln auf. Ausreichende Betreuungsplätze seien die Voraussetzung für gleiche Chancen von Frau und Mann im Beruf.39 2003 verabschiedete der Kanton das erste Tagesbetreuungsgesetz. Die überkommene Vorstellung, dass nur Kinder von Eltern betreut werden sollten, die aus einer Notsituation heraus arbeiten mussten, wurde nun endgültig verabschiedet. Auch Kinder von Eltern, die gemäss der zuständigen Kommission des Grossen Rates «ohne finanzielle Not arbeiten wollen», sollten Anrecht auf einen Platz haben.40 Hinzu kam, dass Unternehmen nicht länger auf gut ausgebildete Frauen verzichten wollten.

Mit der neuen Kantonsverfassung von 2005 garantierte Basel-Stadt als erster Kanton das Anrecht auf einen Betreuungsplatz für Kinder. Seither baute der Kanton das Angebot an Kitas und Tagesheimen auch dank neu gesprochener Bundesgelder für die Tagesbetreuung stark aus. 2007 führte Basel-Stadt Tagesstrukturen an den Schulen ein und erweiterte diese danach stetig.41 Wurden 1999 erst 2500 Kinder in Tagesheimen, -krippen, -schulen und -familien betreut, waren es 2018 etwa 4000. Auch der Anteil der Familien, die institutionelle Kinderbetreuung in Anspruch nahmen, stieg. Obwohl in einer Familienbefragung von 2000 fast alle Familien angaben, ihre Kinder extern betreuen zu lassen, waren es noch zwei Drittel, die eine private Lösung dafür hatten.42 2018 nahmen bereits sechzig Prozent der Haushalte mit Kindern ein institutionelles Angebot in Anspruch. Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl war Basel-Stadt 2020 im schweizweiten Vergleich der Kanton mit den meisten Betreuungsplätzen für Kleinkinder.43

Aber nicht nur der Ausbau von Betreuungsangeboten zeugte vom neuen Augenmerk auf die Familie. Diese sollten sich in Basel «wohl fühlen», was «bessere Rahmenbedingungen» voraussetze, so ein Mitglied der Regierung 2000.44 Die Stadt gestaltete in den 2000er-Jahren Parks um und wertete Spielplätze auf, so zum Beispiel die in Kleinbasel gelegenen Claramatte und die Dreirosenanlage. Zudem unterstützte die Stadt die Quartiertreffpunkte, die unter anderem als Begegnungsorte für Familien gedacht waren.45 Mit dem Kinderbüro erhielten Kinder 2003 eine Interessensvertretung, die sich für ihre Anliegen stark machen sollte. Neue Wohnbauprogramme beinhalteten den Bau grösserer Wohnungen, zudem gewährte der Kanton für Familien Steuererleichterungen. Zusammengenommen gab all dies Familien mit Kindern in Basel eine neue Bedeutung: Familienfreundlichkeit wurde zu einem Standortfaktor.

Basel sucht einen eigenen Umgang mit Aids und Drogen

«Endgültig positiv!» Christina Vogel konnte die Diagnose nicht fassen, die ihr 1985 mitgeteilt wurde. «An Aids habe ich nie gedacht. Ich bin seit Jahren drogenfrei und bin nicht fremdgegangen. Ich musste den Arzt fragen, ob ich die Kinder noch umarmen dürfe.»46 Aids war damals mit sozialer Stigmatisierung verbunden, da man davon ausging, dass die Krankheit nur die Schwulenszene und Drogenabhängige betreffe. Nach dem ersten Schock begann sich die junge Mutter zu engagieren. Vogel war Gründungsmitglied der Aids-Hilfe beider Basel, machte eine Ausbildung zur Therapeutin und bot an Baselbieter Schulen Aufklärungsunterricht und Drogenprävention an. Ihre Geschichte zeigt, wie sich Drogensucht und Aids von einem privaten Problem zu einer gesellschaftlichen Verantwortung wandelten. Drogen und Aids waren eng verknüpft, nicht nur in Biografien wie jener von Christina Vogel. Auch gesellschaftspolitisch brachte das Aufkommen von Aids ein Umdenken im Umgang mit Drogen mit sich. Noch 1967 hatte die ‹National-Zeitung› festgehalten: «Rauschgift – keine Gefahr bei uns».47 Wenige Jahre später war der Drogenkonsum ein für die Öffentlichkeit sichtbares Phänomen, 1975 war in derselben Zeitung zu lesen: «In beängstigendem Umfang nimmt der Konsum harter Drogen zu.»48 Das war die Zeit, als auch die eingangs erwähnte Christina Vogel das erste Mal Drogen konsumierte. Nach dem Tod ihrer Grossmutter, bei der sie in Riehen aufgewachsen war, kam sie ins Heim. Um 1970 lernte sie «ältere Schüler» kennen, «sie trugen bunte Kleider, verflickte Jeans, und die Jungen hatten langes Haar», sie waren «anders».49 Sie rauchte Hasch, wurde im Heim dabei erwischt und in die psychiatrische Klinik eingewiesen, wo sie das erste Mal harte Drogen konsumierte: «Endlich gehörte ich dazu, jetzt war ich auch dabei, und die Gesellschaft der Erwachsenen konnte mir gestohlen bleiben.»50

In Basel wurde «das Drogenproblem» mit dem ersten Autonomen Jugendzentrum (AJZ) Claragraben, das von 1972 bis 1973 bestand, zum öffentlich debattierten Thema. Wiederholt führte die Polizei Razzien durch, die Hauseigentümerin kündigte wegen ausschweifenden Konsums der eingemieteten Disco wie auch dem Restaurant und bald dominierten die Drogen den AJZ-Alltag. Drogen gehörten zur Protesthaltung dazu, mit ihrem Konsum grenzten sich die Jungen vom bürgerlichen Leben und der Arbeitswelt der Erwachsenen ab. Diese Situation spitzte sich im zweiten Basler AJZ zu. Im ab 1981 besetzten AJZ Hochstrasse richteten die Bewohnerinnen und Bewohner für die Junkies einen Fixerraum ein, lange bevor Fixerräume politisch denkbar wurden.51 Im Nachgang bewerteten Sympathisanten und Besetzende den zunehmenden Konsum und die dadurch zunehmende Gewalt und Beschaffungskriminilität als einen der Gründe, weshalb der Traum eines AJZ scheiterte.

Der zunehmende Drogenkonsum wurde weltweit zu einem politischen Thema. Die Schweiz verabschiedete 1975 ein restriktives Betäubungsmittelgesetz. War die Politik zuvor liberal mit Drogenkonsum umgegangen, versuchte sie das Problem nun mit einer Kriminalisierung der Konsumentinnen und Konsumenten zu lösen und etablierte damit eine auf Abstinenz ausgelegte Drogenpolitik, Jahre bevor dies internationale Abkommen verlangten. Die Strafandrohungen sollten junge Menschen vom Drogenkonsum abhalten, die Drogen dadurch aus der Gesellschaft wieder verschwinden.52 Auch Christina Vogel litt unter der neuen Härte des Gesetzes. Noch als Jugendliche kam sie mehrere Monate in Untersuchungshaft und wurde danach administrativ versorgt, also ohne reguläres Gerichtsverfahren weggesperrt. Das neue Betäubungsmittelgesetz sah nebst der repressiven Ahndung von Handel und Konsum auch Prävention und Therapie vor – zumindest in attestierten leichten Fällen und wenn sich die betreffende Person «therapiewillig» zeigte. Es waren meist Private, die diese Vorgaben umzusetzen versuchten. 1971 entstanden in Basel die Drogenberatungsstelle ‹Drop-In› und therapeutische Wohngemeinschaften, in denen Jugendlichen geholfen und wo sie beraten wurden.53

Auch die Behörden erkannten, dass sie Jugendliche über die Gefahren von Drogen aufklären mussten. 1972 eröffnete das Jugendamt eine Drogenberatungsstelle. Die Idee der «Prophylaxe», also von vorbeugenden Massnahmen, wurde wichtiger und schliesslich im Basler Jugendhilfegesetz 1984 gesetzlich verankert. Trotz diesen Versuchen, den therapeutischen und präventiven Ansatz zu stärken, war die Idee der Abstinenz bis in die 1990er-Jahre dominant in der staatlichen Drogenpolitik.

Die Abstinenzpolitik scheiterte jedoch. Ende der 1970er-Jahre spitzte sich das Drogenproblem zu, immer mehr junge Leute starben an ihrer Drogensucht, einige von ihnen sichtbar in öffentlichen Toiletten oder in Parks.54 Von den AJZ verlagerte sich der Drogenkonsum auf die Strasse. Zwar gab es in Basel keine so grosse und international beachtete Drogenszene wie den Platzspitz oder den Letten in Zürich. Doch auch hier konzentrierte sich die Drogenszene, hauptsächlich im Unteren Kleinbasel, was für die Anwohnerschaft und für die Stadt zunehmend zum Problem wurde. Ab den 1980er-Jahren waren vermehrt kritische Stimmen zu hören, die sich für einen repressiven Ansatz stark machten. Aber erst das Aufkommen von Aids veranlasste die Regierung, von ihrem Kurs abzuweichen und ihre Drogenpolitik zu liberalisieren. Aids sei Mitte der 1980er-Jahre, als in Basel erstmals zwei Männer an der Krankheit starben, eine «Skandalkrankheit» gewesen, schrieb Christina Vogel in ihrer Autobiografie.55 «Zuerst hiess es, es sei eine Schwulenkrankheit, und später kamen noch die ‹Drögeler› dazu. Wie bequem!»56 Wie man sich anstecken konnte, darüber war noch wenig bekannt. Es herrschte Panik, schliesslich ging man davon aus, dass man nach Erhalt der Diagnose noch gut ein Jahr zu leben hätte.57

Tatsächlich steckten sich zu Beginn hauptsächlich schwule Männer mit HIV an. Die tödliche Bedrohung traf die kleine Community schwer. «Die Angst war übergross, denn sehr schnell begriff ich, dass sie auch begründet war», berichtete später ein schwuler Mann, der 1984 positiv auf HIV getestet wurde. «Meine Freunde um mich herum starben, einer nach dem andern.»58 Die gesellschaftliche Toleranz, die sich die Schwulenbewegung hart erkämpft hatte, drohte wieder verloren zu gehen. Im 1988 erschienenen Buch ‹Männergeschichten› klagten die Autoren über «neue Diskriminierung» und beschwerten sich über den «Vorwurf, AIDS verursacht zu haben».59 Ihnen zufolge begünstigte die mediale Berichterstattung die Wahrnehmung, Schwule seien «Sexmonster» und eine Ansteckung nicht selten die «Quittung für ein falsch gelebtes Leben».60

Die als erstes betroffene Schwulenszene ging bei der Bekämpfung der Krankheit voran, namentlich die Schwulenorganisation ‹habs›.61 1983 bildete sie eine Aids-Gruppe, die ein Beratungstelefon einrichtete und einen Informationsflyer verfasste. Rasch kam es zur Zusammenarbeit mit Gesundheitsdiensten, die Kontakte unter anderem zur Dermatologischen Klinik pflegte. Die zuvor privat und unter der Hand organisierte Hilfe wurde zunehmend offiziell und staatlich unterstützt. 1986 gründeten Aktivistinnen und Aktivisten, darunter viele, die zuvor in der Schwulenbewegung aktiv gewesen waren, die Aids-Hilfe beider Basel – ein Jahr, nachdem der bekannte Fernsehjournalist André Ratti die Gründung des Vereins Aids-Hilfe Schweiz im Fernsehen öffentlichkeitswirksam verkündet hatte.62 Bald darauf schloss sich die Aids-Hilfe Schweiz mit dem Bundesamt für Gesundheit zusammen, es folgte eine grossangelegte Informationskampagne zu Safer Sex und Ansteckungsrisiken.63 Schwule agierten zum ersten Mal als anerkannte Partner des Staates. Die Kampagnen führten zu einer Verschiebung: vom Fokus auf Risikogruppen hin zum Fokus auf Risikoverhalten, auch von Heteros. Die Prävention etablierte sich als Mittel erster Wahl, um Neuansteckungen zu bekämpfen.64 Bald kannte jedes Kind in der Schweiz das in Basel entwickelte «Stop-Aids»-Signet mit aufgerolltem Kondom. Das Thema Sex und Verhütung kam im öffentlichen Raum an, wurde enttabuisiert. Sexualität war nicht länger nur Privatsache, sondern Teil der öffentlichen Gesundheitspolitik.

Das Problembewusstsein wuchs, was zur Unterstützung von Institutionen führte, die sich dem Kampf gegen Aids verschrieben hatten. 1989 eröffnete in Basel das schweizweit erste Pflegeheim für Aidskranke, das ‹Lighthouse›.65 Die Quartierbewohnerinnen und -bewohner zeigten dem Chefarzt der Dermatologischen Universitätsklinik zufolge viel «Verständnis und Toleranz» dem Projekt gegenüber.66 Es folgten Sportanlässe, Ballettaufführungen, Kunstausstellungen und Dinner mit viel internationaler Prominenz – alles Benefizveranstaltungen für das Lighthouse und andere Projekte und Organisationen. Die Solidarität mit den Betroffenen nahm zu, aber auch die Überzeugung, etwas gegen die Krankheit unternehmen zu müssen.

Denn immer mehr Drogenabhängige infizierten sich durch unsaubere und gemeinsam benutzte Heroinspritzen mit HIV. Diese Infektionen befeuerten die Angst, dass sich Aids beispielsweise über die Prostitution auf gutbürgerliche Familien ausdehnen könnte. Die tödliche Krankheit schien die gesamte Bevölkerung zu bedrohen. Zwei nicht-staatliche Organisationen in Basel lancierten 1987 ein Pilotprojekt, das weitreichende und langfristige Veränderungen mit sich bringen sollte. Die Aids-Hilfe beider Basel und der Verein für Gassenarbeit Schwarzer Peter verteilten in der Basler Drogenszene Präservative und saubere Spritzen, um die Weitergabe von schmutzigen und möglicherweise infizierten Spritzen zu verhindern. Die Behörden bewilligten die Verteilaktion. Sie dauerte zwar nur wenige Monate, war aber wichtig, weil sie Möglichkeiten einer suchtbegleitenden Drogenpolitik in der damals strikt auf Abstinenz setzenden Schweiz aufzeigte.73 Private und Behörden begannen daraufhin mit liberaleren Ansätzen in der Drogenpolitik zu experimentieren, die zunächst in Basel und einige Jahre später auch in der Schweiz gesetzlich verankert wurden. Aids war der Anlass für einen Bruch mit der bisherigen Drogenpolitik. Dass die Basler Behörden in ihrer Drogenpolitik lange keine klare Linie verfolgten, lag auch am damaligen gesellschaftlichen Umfeld. Was im Bereich des Drogenkonsums rechtens war und was nicht, wurde Ende der 1980er-Jahre national und international neu ausgehandelt. Just als in Basel und anderen Schweizer Städten über liberalere Ansätze diskutiert wurde, wählten viele Staaten die Repression als Mittel gegen den Drogenkonsum, insbesondere die USA. 1988 wurde im Rahmen eines Abkommens der Vereinten Nationen der Konsum von Drogen erstmals auf völkerrechtlicher Ebene kriminalisiert. Auch in der Schweiz galt zu dieser Zeit noch die repressive und auf Abstinenz zielende Drogenpolitik. Doch in einzelnen Städten zeichneten sich Reformen ab. Insbesondere die Stadt Bern preschte mit ihrem ab 1986 betriebenen legalen Fixerraum voran. Das Zürcher Stadtparlament erklärte 1988 die «Überlebenshilfe» zu einem Ziel der städtischen Drogenpolitik und richtete kurze Zeit später eine mobile Arztpraxis auf dem Platzspitz ein.

In Basel eröffnete der Verein Virus 1989 das erste Fixerstübli ‹Lucky›. An diesem Ort am Lindenberg konnten sich Süchtige nicht nur sauberes Spritzenmaterial holen, sondern auch gleich vor Ort Drogen konsumieren.74 So wurden Infektionen verhindert und medizinische Nothilfe gewährleistet. Obwohl der Chef des Betäubungsmitteldezernats verlauten liess, dass sich nicht nur die Drogenkonsumentinnen und -konsumenten, sondern auch die Betreiber des ‹Luckys› strafbar machten, bewilligten die Behörden schliesslich den Betrieb. Die Regierung unterstützte den Konsumraum sogar mit einer finanziellen Zuwendung. Insbesondere im Kleinbasel wehrten sich allerdings Anwohnerinnen und Anwohner gegen neue Einrichtungen, weil sie eine «Zementierung» des Problems fürchteten.75 Ein Anwohner berichtete dem Regierungsrat schriftlich von «gebrauchten Spritzen im Briefkasten, übelriechender, verunreinigter Hauseingangspartie, Vandalismus, aggressiver Belästigung durch Drogenabhängige».76 Erst der ‹Drogenstammtisch› trug nach heftigen Auseinandersetzungen zur Beruhigung der Situation und besserem gegenseitigen Verständnis bei.

In den 1990er-Jahren pflegte Basel eine liberale Drogenpolitik. Während Zürich wie auch Bern ihre Drogenszenen polizeilich räumten, setzten sich in Basel verschiedene Parteien erfolgreich für progressive Lösungen ein.77 Insbesondere die FDP drängte auf ein radikales Umdenken. 1987 bildete sie eine Drogenkommission, die – parteiintern nicht unumstritten – öffentlich die Entkriminalisierung der Konsumentinnen und Konsumenten sowie eine rezeptpflichtige Drogenabgabe forderte.78 Darauf aufbauend entwickelten die Basler Behörden das Konzept der «Schadensminderung», das die drei bisherigen Säulen der Drogenpolitik – Prävention, Therapie, Repression – ergänzen sollte. Das Vier-Säulen-Modell in Basel war geboren, 1991 institutionalisierte es die Basler Regierung als erster Kanton.

Die rasche Umsetzung des Vier-Säulen-Modells geschah vor dem Hintergrund der Aids-Epidemie, die für Drogenabhängige eine grosse Gefahr darstellte. Die Politik reagierte damit auch auf die grossen Ängste, die diese Krankheit in der Gesellschaft hervorgerufen hatte. Bessere Lebensbedingungen für Drogenabhängige sollten die Verbreitung des HIV eindämmen. Zudem sollten Süchtige weg von der Strasse gebracht werden, nicht nur um Drogentote zu vermeiden, sondern auch um die Anwohnerschaft vor einer offenen Drogenszene zu schützen.

Hinter der progressiven Drogenpolitik standen bürgerliche Regierungsräte: bis 1992 der LDP-Regierungsrat Peter Facklam und ab 1992 der zuvor noch als sicherheitspolitischer Hardliner bekannte FDP-Regierungsrat Jörg Schild. Automaten, an denen benutzte Spritzen im Austausch gegen neue, saubere Spritzen entsorgt werden konnten und ein kantonales ‹Gassenzimmer› waren die sichtbarsten Auswirkungen der neuen Politik. Der Kanton setzte den Zürcher Politiker Thomas Kessler als ‹Drogendelegierten› ein und verankerte so die Neuausrichtung in der Verwaltung.79 Zwar erfolgte die Wende erst zu einem Zeitpunkt, als selbst der Bundesrat schadensmindernde Massnahmen empfahl und kurz darauf einen ersten Versuch zur staatlich kontrollierten Abgabe von Heroin aufgleiste. Aber sie geschah auch in einer Zeit, in der viele andere Kantone, insbesondere in der Romandie, aber auch der Nachbarskanton Basel-Landschaft, an ihrer Abstinenzpolitik festhielten. In Basel bestätigte dagegen die Stimmbevölkerung 1994 die Neuausrichtung. Sie stimmte einem Kredit für die ärztlich begleitete Abgabe von Heroin zu.80 Bundesweit wurde der neue Ansatz erst 2008 gesetzlich verankert.

Die Schweiz und insbesondere auch Basel leisteten drogenpolitische Pionierarbeit. In Westeuropa stiess das neue Modell auf grosses Interesse. Das Fixerstübli ‹Lucky› berichtete 1991 von einer langen «Gästeliste» von Drogenfachleuten und Politikern aus dem Ausland und anderen Kantonen.81 Im Laufe der 1990er-Jahre etablierten sich ähnliche Konzepte im übrigen Europa. Ausserhalb Europas und in völkerrechtlichen Konventionen blieb hingegen die repressive und kriminalisierende Tendenz in der Drogenpolitik dominant.

Der Drogenkonsum in Basel wurde ab den 2000er-Jahren zunehmend unsichtbar. Er verlagerte sich von der Strasse in die ‹Kontakt- und Anlaufstellen›, die vormaligen ‹Gassenzimmer›, weg von der Innenstadt, an die Ränder der Stadt.82 Der Kanton hatte zuvor seine Präventionsarbeit ausgebaut, die Teil der Verwaltungsstrukturen wurde. In den 1990er-Jahren waren Präventionsprogramme häufig auf die Verhinderung von Drogenkonsum und auf Safer Sex ausgelegt. Jetzt wurde Prävention ein über die Themen Aids und Sucht hinausgehender integraler Bestandteil kantonaler Gesundheitspolitik.89 Auch in der Biografie der bereits erwähnten Christina Vogel zeigte sich diese Hinwendung zur Präventionsarbeit: Wie andere HIV-positive oder ehemals drogenabhängige Menschen bot sie an Schulen Gespräche mit suchtgefährdeten Jugendlichen sowie Aufklärung zu Drogen und Safer Sex an.90 Prävention war zum neuen Paradigma der Gesundheitspolitik geworden und löste die repressive Ahndung von Drogensüchtigen ab. Was Präventionsprogramme nicht lösen konnten, war die anhaltende soziale Stigmatisierung HIV-Positiver und die Ausgrenzung Heroinsüchtiger.

Wohnen ist privat, Wohnen ist politisch

Im Sommer 2018 nahm die Basler Stimmbevölkerung vier Initiativen an, die den Schutz der Mieterinnen und Mieter stärken sollten. Besonders symbolträchtig war das «Recht auf Wohnen», eine Forderung, die als Artikel in der Kantonsverfassung verankerte wurde und deshalb auch international für Aufmerksamkeit sorgte. Die ‹Frankfurter Allgemeine Zeitung› titelte: «Mieter in Basel proben den Aufstand».91 Der «Aufstand» hatte eine Vorgeschichte. Seit den 1960er-Jahren stritten sich Interessenverbände, Parteien und Private vehement darüber, wie die Wohnungsnot zu lindern sei. Das lag auch daran, dass das Wohnen eng mit dem eigenen Lebensentwurf zusammenhing. Die Ansprüche an die Wohnung als privater Rückzugsraum veränderten sich markant, gefordert waren grössere Wohnflächen und mehr Komfort. Angesichts der mangelnden Landreserven im Stadtkanton wurde Wohnraum zu einem knappen und kostbaren Gut. Eine Frau steht in einer engen Küche, während im Hintergrund der Fernseher läuft. Sie kocht, vielleicht für die Kinder und den Ehemann, die gleich nach Hause kommen. Wir befinden uns im Jahr 1976, in einer Dreizimmerwohnung im St. Johann.92 Diese Szene wird sich so oder ähnlich in vielen Haushalten Basels abgespielt haben. Die Küche war das Herzstück des Wohnens, das bestätigten 1963 fast tausend Basler Frauen in einer Umfrage. Die Bemühung von Architekten, das Wohnzimmer in das Zentrum zu stellen, sei letztlich ein «männlicher Standpunkt», im Alltag der Familie sei die Küche wichtiger.93

Das Fernsehen nahm in der Wohnung der kochenden Frau im St. Johann einen prominenten Platz ein, sogar in der Küche war es präsent. Meist stand der Fernseher im Wohnzimmer, er verkörperte ein verändertes Freizeitverhalten. Seine Ausbreitung begann in den 1960er-Jahren, als das Schweizer Fernsehen seinen regulären Betrieb aufnahm und sich auch mittelständische Haushalte ein Gerät leisten konnten.94 Zeitgleich mit dem Fernseher entwickelte sich das Telefon zum unverzichtbaren Wohnungszubehör. Die Zahl der Telefonanschlüsse in Basel stieg zwischen 1960 und 1990 von rund 60 000 auf 140 000.95

Auch der Kühlschrank entwickelte sich zu einer Massenware und einem erschwinglichen Haushaltsgerät. Die abgebildete Wohnung im St. Johann verfügte ebenfalls über ein Exemplar. Neben dem Kühlschrank erleichterten weitere Geräte die Hausarbeit, darunter die Trommelwaschmaschinen, die das mühselige Waschen von Hand obsolet machten.96

Während technische Neuerungen den Alltag der Menschen revolutionierten, veränderten sich auch die Ansprüche an den Wohnraum. In Basel wurden in der Hochkonjunktur hauptsächlich Wohnungen mit wenigen Zimmern gebaut. Auch das hatte gesellschaftliche Gründe: Singlehaushalte nahmen zu, Grossfamilien wurden seltener. Noch 1950 lebten durchschnittlich drei Personen in einer Wohnung. Dreissig Jahre später war der Einpersonenhaushalt die häufigste Wohnform, dicht gefolgt vom Leben zu zweit. Parallel dazu stieg der Wohnflächenbedarf kontinuierlich an. Damit verbunden war ein Problem für Familien, die in Basel leben wollten: Wohnungen mit genügend Zimmern waren rar und teuer.

Die Probleme des Wohnungsmarktes spiegelten sich auch in der Anzahl leerer Wohnungen. Trotz der regen Bautätigkeit in der Stadt betrug die Leerstandsquote in den 1960er-Jahren zwischen null und 0,2 Prozent. 1963 war die Wohnungsnot besonders frappant: Im gesamten Kanton wurden nur vier leere Wohnungen registriert.97 Erst mit der Rezession der 1970er-Jahre und dem Bevölkerungsschwund beruhigte sich die Situation. Dennoch blieb die Wohnungsnot ein Dauerthema in der Basler Politik.

Ein eigenes Haus in Basel-Stadt wurde für Private zunehmend unerschwinglich. Zwischen 1970 und 1980 sank der Anteil von Wohngebäuden im Besitz von Privatpersonen von 62 Prozent auf 34 Prozent.98 Dagegen nahm der Anteil der juristischen Personen wie Stiftungen, Kapitalgesellschaften oder Genossenschaften zu, die Wohneigentum besassen. Diese Entwicklung setzte sich in den 1980er-Jahren wegen der steigenden Reserven der Pensionskassen und ihrem Investitionsbedarf fort. Obwohl der Anteil der Personen, die in ihrem Wohneigentum lebten, von 11,7 Prozent im Jahr 1970 auf 15,4 Prozent im Jahr 2020 zunahm, blieb Basel-Stadt der Kanton mit dem höchsten Mieterinnen- und Mieteranteil der Schweiz.99 Veränderte Ansprüche an das Wohnen spiegelten sich in neuen Wohnformen wider. Einige kamen mit der 68er-Bewegung auch nach Basel. Die revolutionärsten waren Kommunen und Wohngemeinschaften, im Volksmund ‹WG› genannt. Die ersten Kommunen entstanden um 1967 in San Francisco, kurze Zeit später tauchte das neue Lebensmodell in Berlin auf und verbreitete sich von dort aus im übrigen Westeuropa.100 In Kommunen lebten meist junge Menschen zusammen, teilten sich Räume und pflegten linksalternative Beziehungs-, Erziehungs- und Lebensformen. Es war ein Gegenentwurf zum bürgerlichen Leben in der Kleinfamilie.

Auch in Basel nahm die Zahl der Kommunen und WGs – zu Beginn wurden diese beiden Begriffe synonym verwendet – rasch zu. 1971 berichtete das Polizeidepartement von dreissig, ein Jahr später bereits von sechzig Kommunen und WGs. Zeitgenössische Schätzungen gehen gar von rund 200 WGs und Kommunen aus. Ihre Existenz versuchten die Bewohnerinnen und Bewohner aus guten Gründen zu verheimlichen, denn sie lebten in einer gesetzlichen Grauzone.101

Dass die Wohngemeinschaften und Kommunen in Polizeiberichten erschienen, war Ausdruck für ihre gesellschaftliche Ächtung. Die Polizei führte Razzien durch, der Fahndungsdienst kontrollierte WGs, denn sie würden «Jugendlichen, lichtscheuen Elementen, Rechtsbrechern und Rauschgiftsüchtigen Unterschlupf gewähren».102 Man fürchtete Sexorgien, Drogenhöhlen und revolutionäre politische Aktivitäten. Nicht nur der eigene Wunsch nach einem alternativen Leben, sondern die anfänglich vehemente gesellschaftliche Ablehnung machte das Leben in einer WG zu einem politischen Statement.

Nach anfänglicher Aufregung konnte sich die WG langfristig als akzeptierte, vorwiegend studentische Wohnform etablieren – im Gegensatz zur Kommune, der immer ein linksradikales Image anhaftete.103 Dies lag auch an der wachsenden Zahl der Studierenden, die sich an der Universität Basel von 1960 bis 1973 von rund 2500 auf 5000 verdoppelte.104 Zimmer bei Familien oder einer erwachsenen Vermieterin, einer sogenannten Schlummermutter, wurden knapp. Zwar liessen private Stiftungen und Vereine im Laufe der 1960er-Jahre mehrere Studentenheime bauen, viele mit möblierten Zimmern. Doch viele Studierende zogen kollektive Wohnformen vor, die so in Studentenheimen nicht möglich waren. 1970 gründeten Studierende als Selbsthilfeorganisation den Verein Studentische Wohnvermittlung (WoVe). Basel hinkte dabei Zürich hinterher, wo die Studentische Wohngenossenschaft (WoKo) bereits seit 1956 existierte. Die WoVe richtete WGs ein und festigte damit deren Ruf als typische studentische Wohnform.

In den 1970er-Jahren begannen auch die städtischen Behörden, die neue Wohnform zu akzeptieren. Während das Polizeidepartement repressiv handelte, reichten andere Departemente die Hand. 1974 vermietete die Stadt im Wettsteinquartier erstmals ein Haus an eine sozial durchmischte grosse WG, 25 Jahre später berichtete der Verwalter von durchwegs positiven Erfahrungen, schliesslich habe es sich nicht «um eine Kommune oder ein vergleichbares Gebilde» gehandelt.105 Die WG wurde nun positiver wahrgenommen. In den darauffolgenden Jahrzehnten wandelte sich die WG zu einer zweckmässigen und kostengünstigen Lebensform.

Auch jenseits studentischer Kreise spiegelte die Architektur der 1980er-Jahre einen verstärkten Gemeinschaftssinn. Als pionierhaft galten die Wohnhäuser an der Hammerstrasse.106 Die vom Basler Architekturbüro Diener & Diener geplanten und von 1978 bis 1981 gebauten Blöcke boten Wohnungen für Familien, Wohngemeinschaften und Singles. Sie vereinten damit nicht nur neu entstandene Wohnbedürfnisse, sondern nahmen Trends vorweg. Ein öffentlich zugänglicher Hofraum stand exemplarisch für die «Wechselbeziehung von öffentlichen und privaten Bereichen», die gemäss den Architekten städtisches Leben auszeichne.107 Gemeinschaftsflächen, öffentlich zugängliche Räume und die Verbindung von Wohnen und Arbeiten sollte das in Verruf geratene Leben in der Stadt wieder attraktiv machen. Es war ein Kontrapunkt zum ländlichen Einfamilienhaus mit Gartenzaun. Sommer 1980 im St. Johann: Mehrere Häuser an der Ryffstrasse sind besetzt. Zuvor hatten sich Hauseigentümer und Bewohnerinnen und Bewohner vor Gericht gestritten, ob die Liegenschaften abgerissen werden dürften oder nicht. Die Besetzung war der letzte Versuch, die Häuser vor dem Abbruch zu bewahren. Es ging dabei nicht nur um die betroffene Häuserzeile, sondern um den Erhalt von günstigem Wohnraum. Sie wolle nicht mehr «permanent herumgeschoben werden», erklärte eine der Besetzerinnen im Film ‹z. B. Ryffstrasse›. In den letzten Jahren musste sie mehrmals aus alten und heruntergekommenen, dafür aber günstigen Häusern ziehen.108 Ihre Haltung teilten in Basel der Mieterverband sowie verschiedene linke Parteien und Organisationen.

Die Besetzung ging aus einer Mieterbewegung hervor, die sich gegen steigende Mieten und Wohnungsknappheit wehrte.109 Freie Wohnungen waren in der Nachkriegszeit ein knappes Gut, die Leerstandquote war tief, die Mietzinse stiegen. Lange war der Wohnungsmarkt stark reguliert, da der Bund im Zweiten Weltkrieg einen Kündigungsschutz und eine Mietpreiskontrolle für Altbauten eingeführt hatte. Nach 1960 wurde der Mieterschutz aufgeweicht. In Basel wehrte sich die Linke gegen die einsetzende Liberalisierung. Auch der Regierungsrat wollte «finanziell Schwache vor [dem] wirtschaftlichen Ausbeutungswillen einiger Weniger schützen».110 Die gegenteilige Position vertraten bürgerliche Parteien, insbesondere die LDP, und der Hausbesitzerverein, so der damalige Name des heutigen Hauseigentümerverbands. Für sie lag der entscheidende Grund für die Wohnungsnot im erhöhten Raumbedarf der Mieterinnen und Mieter. Zudem stelle der Mieterschutz, der vor allem bei Altbauten greife, eine Marktverzerrung dar. Ein LDP-Grossrat forderte 1963, der Staat solle die Mietzinskontrolle aufheben. Denn der Staat verursache «auf Dauer mehr Schaden als Nutzen».111

Bis 1972 hob der Bund den Kündigungsschutz und die Mietpreiskontrolle für Altbauten schrittweise auf. Dies führte auch in Basel zu Mietzinserhöhungen für Altbauwohnungen. Der bundesweiten Liberalisierung stellte Basel-Stadt eine kantonale Regulierung des Immobilienmarkts entgegen. 1968 verabschiedete der Kanton ein Gesetz, das Abbrüche bewilligungspflichtig machte.112 Einige Jahre später ergänzte das Parlament: Wohnungen dürfen nicht als Büros zweckentfremdet werden. Tatsächlich nahm die Zahl der Hausabbrüche pro Jahr seit den 1970er-Jahren ab.

Die Einschränkung der sogenannten Zweckentfremdung von Wohnungen sollte der Immobilienspekulation einen Riegel schieben. Vor allem die Mieterbewegung kritisierte, dass diese dennoch ungemindert weiter betrieben würde. So schrieb die aus einer Hausbesetzung hervorgegangene Mieteraktion 1979, dass die Spekulation «wie eine Lawine über die Stadt» rolle: «Mieten steigen, Wohnungen werden luxusrenoviert, Häuser abgebrochen, Mieter mit ihrem ganzen Haushalt hin- und hergeschoben.»113 Insbesondere im Gundeldinger- und im Matthäusquartier, wo der Altbaubestand gross war, kam es zu Kaskadenverkäufen. Häuser wurden gekauft und kurz darauf mit Gewinn weiterverkauft.114 Viele der ehemals günstigen Wohnungen wurden zu Stockwerkeigentum und Büroräumen umfunktioniert. Erst ein dringlicher Bundesbeschluss von 1989, der den Weiterverkauf von Häusern während fünf Jahren verbot, beruhigte die Situation. Auf Kantonsebene präzisierten Regierung und Parlament, wann eine Bewilligung für einen Abbruch zu erteilen sei.

In den 1990er-Jahren kam es in Basel-Stadt zu weiteren Liberalisierungen. Die Immobilienkrise führte dazu, dass viele Bürogebäude leer standen.115 Gesetzesänderungen ermöglichten Umnutzungen in beide Richtungen. Zudem beeinflusste der Wegzug vieler gutverdienender Familien den Wohnungsbau.

Private, insbesondere Stiftungen und Genossenschaften, kümmerten sich zunehmend um den sozialen Wohnungsbau. 1990 gründeten Anthroposophen die Bodenstiftung Edith Maryon, sechs Jahre später kam die Stiftung Habitat hinzu.116 Beide Stiftungen setzten Akzente in der Stadtentwicklung. Als auf den ehemaligen Industrieareale Erlenmatte und Lysbüchel Wohnraum gebaut werden sollte, kaufte Habitat einen grossen Anteil der Parzellen und gab sie teilweise an Genossenschaften im Baurecht ab. Damit erlebte der Genossenschaftsbau einen Aufschwung. Genossenschaften machten rund zehn Prozent des Wohnungsbestandes in Basel-Stadt aus und boten verhältnismässig günstigen Wohnraum an, insbesondere in den Quartieren Hirzbrunnen und Iselin.117 Wie der Regierungsrat 1986 bemerkte, war die Auswahl der Mieterinnen und Mieter von solchen Wohnungen jedoch höchst selektiv, unter anderem hatten Ausländer, ledige Mütter oder Arbeitslose kaum Zugang. Im 21. Jahrhundert wurde das Angebot der Genossenschaften stark ausgebaut.118

Der Kanton hatte sich derweil beim Wohnungsbau auf die obere Mittelschicht und zahlungskräftige Familien fokussiert. Ein Beispiel dafür war das Programm ‹Logis Bâle›, das sich 1998 zum Ziel setzte, innert zehn Jahren 5000 «grosse Wohnungen mit guter Qualität» zu bauen. Die Ausrichtung auf zahlungskräftige Mieterinnen und Mieter war nicht unumstritten. «Ottonormalverbraucher» könnten sich die neuen Preise nicht mehr leisten, befand 2012 der Präsident des Quartiervereins St. Johann, wo durch Logis Bâle besonders viele Neubauten entstanden waren.119 Die Rede war von einer Gentrifizierung, einem Strukturwandel, in dessen Zuge ärmere Menschen aus Viertel wegziehen mussten, wo sie sich das Leben nicht mehr leisten konnten. In Basel forderten soziale Institutionen und Parteien auch deshalb stärkere Regulierungen des Wohnungsmarktes, um dieser Gentrifizierung entgegenzuwirken. Das Schlagwort «Recht auf Stadt» fasste ihre Haltung zusammen. In den 1960er- und 1970er-Jahren bedeutete Alterspolitik hauptsächlich, Heime zu planen und zu bauen. Der Kanton musste damals auf die zunehmende Zahl betagter Einwohnerinnen und Einwohner reagieren. Zwischen 1961 und 1974 erhöhte sich der Anteil der über 65jährigen an der Basler Bevölkerung von 11,4 auf 19,6 Prozent, vergleichbar mit den Städten Zürich und Bern.120 Allein zwischen 1967 und 1970 wurden 431 Alterswohnungen erstellt. 1982 gab es im Kanton gesamthaft vierzig Altersheime. Alterssiedlungen und Pflegeheime sollten der «Vereinsamung» der älteren Generation entgegenwirken. Darum baute der Kanton sie in den Quartieren, wo gemäss Regierungsrat «der Kontakt zu den Nachbarn und Bekannten eher gewahrt» würde. Dort wollte er ein geborgenes und familiäres Zuhause anbieten.121 Doch kaum waren die neuen Altersheime gebaut, fand in der Betreuung betagter Personen bereits ein Umdenken statt. Ältere Personen verblieben dank besserer finanzieller Absicherung und neuer ambulanter Pflegemöglichkeiten länger in der eigenen Wohnung. Der Kanton unterstützte diese Entwicklung. Die spitalexterne Pflege, in der Deutschschweiz als ‹Spitex› bekannt, wurde ausgebaut, Geriatriebetten in Heimen abgebaut.122 Der Kanton setzte sich Ende des 20. Jahrhunderts zum Ziel, dass ältere Menschen so lange wie möglich in ihren eigenen vier Wänden leben sollten. Das Anliegen war, ältere Menschen am Leben in der Stadt teilhaben zu lassen – die Regierung plädierte 2020 für die «Solidarität zwischen den Generationen».123 Während in den 1960er-Jahren noch die «Überalterung» der Gesellschaft befürchtet und die ältere Generation als ein Unterbringungs- und Pflegeproblem angesehen worden war, betonte die Stadt nun deren wichtigen Beitrag für das Zusammenleben.

Orte der Freizeit

‹Atlantis› und ‹Café Florida›, ‹Färimaa› und ‹Express-Bar›, ‹Sonne› und so weiter: Hier verkehrten Dieter Ehrlich und seine Freundinnen und Freunde, die um 1960 die Basler Szene der ‹Halbstarken› bildeten. Sie hörten Rock’n’Roll, trugen Jeans, Lederjacken und riesige Gürtelschnallen, waren gewaltbereit und trinkfest. Ehrlich hat ihre Treffpunkte auf einer Seite seines Fotoalbums niedergeschrieben. Es waren Kneipen, sogenannte Beizen. Eine Stammbeiz der Szene war das ‹Café Oasis›, in seinem Album bezeichnete es Ehrlich als «Unser Café im Kleinbasel».

Die Beiz, das Café oder die Bar: Das waren nicht nur Orte, wo man ass. Es waren Orte des «gemeinsamen Herumhängens», wie Ehrlich es später beschrieb.124 Jede Szene, jede Jugendkultur, jedes gesellschaftliche Milieu hatte ihre eigenen Orte. Die Halbstarken traf man in Beizen, die meisten ausgestattet mit Music-Boxen, Flipper- und Töggeli-Kasten. In einem besonders ausgefallenen Café, dem ‹Café Tropic›, wurden Schlangen gehalten.125 Die Treffpunkte machten die Szene zu einem grossen Stück aus.

Nicht nur die Szenen wählten ihre Treffpunkte, auch die Restaurants und Bars suchten sich ihre Kundinnen und Kunden aus – und verweigerten anderen den Zutritt. Das ‹Café Tropic› beispielsweise, seit den 1940er-Jahren Treffpunkt für Künstlerinnen, Musiker und Studierende, tolerierte keine Jugendliche mit langen Haaren. Diese erhielten ein Kärtchen mit folgender Aufforderung: «Wir bitten Sie, Ihre geschätzte Freizeit an einem anderen Ort zu verbringen!»126

Der wachsende Wohlstand in der Nachkriegszeit machte Freizeit zu einem wichtigen Teil des persönlichen und gesellschaftlichen Lebens. Kürzere Arbeitszeiten führten zu mehr freien Zeitfenstern, die nun genutzt wurden, um Sport zu treiben, ins Restaurant zu gehen und Freunde zu treffen. 1962 führte der Kanton Basel-Stadt die Fünftagewoche und die 44-Stunden-Woche ein, in der Folge sank die durchschnittliche Arbeitszeit.127 Zur selben Zeit nahmen die Freizeitangebote stark zu, viele von ihnen waren auf ein spezifisches Zielpublikum ausgerichtet. Grossen Anteil daran hatten die verschiedenen Jugendszenen, die seit den 1960er-Jahren aufkamen. Was man in der Freizeit tat, diente nicht nur der Erholung, sondern zeigte gesellschaftliche Zugehörigkeiten an. Es entstand eine neue Freizeitindustrie, die ihre Angebote vermarktete und so neue Bedürfnisse schuf. Die Freizeit wurde zunehmend kommerzialisiert. Die Beiz als Treffpunkt kam nach 1960 unter Druck, bis 1970 verschwanden in Basel rund dreissig Restaurants und zehn Kaffees. Dafür nahm die Zahl der Kantinen stark zu, von 44 auf 134.128 Die englische Arbeitszeit, von Staatsbetrieben bereits im Zweiten Weltkrieg eingeführt, setzte sich in den 1960er-Jahren durch und brachte einen Arbeitstag mit kurzer Mittagspause und früherem Arbeitsschluss mit sich. Dies stellte das Essverhalten um die Mittagszeit auf den Kopf. Damit die Mitarbeitenden weder nach Hause noch in ein Restaurant essen gehen mussten, benötigten sie eine Essensmöglichkeit am Arbeitsplatz.

Ein 1977 ausgestrahlter Fernsehbericht über das Horburgquartier berichtete von einem Trend in der Gastronomie: «neue, sterile Restaurants ersetzen die alte Quartierbeiz».129 Eines dieser geschlossenen Restaurants war die ‹Farnsburg› am Barfüsserplatz, ein beliebter Jugendtreffpunkt, das 1979 durch einen McDonald’s ersetzt wurde. Es war die erste Filiale des US-amerikanischen Fast-Food-Anbieters in der Schweiz.

Ein gehobenes und dezidiert bürgerliches Restaurant war das ‹Café Spitz› auf der Kleinbasler Seite der Mittleren Brücke. Nachdem das Traditionsrestaurant, das Mitte des 19. Jahrhundert von den drei Kleinbasler Ehrengesellschaften übernommen worden war, zunehmend verlotterte, machten Gerüchte um Verhandlungen mit einem Besitzer mehrerer Nachtclubs die Runde. Die Ehrengesellschaften befürchteten, dass «eine andere, aus dem Milieu kommende Gästestruktur» ihr Restaurant in Beschlag nehmen würde.130

Das ‹Café Spitz› wurde 2003 in einer ethnografischen Studie als durch und durch «bürgerlich» beschrieben: Gästen mit einem sichtbar anderen gesellschaftlichen Hintergrund werde zu verstehen gegeben, hier lediglich geduldet zu sein.131 Dieselbe Studie kam zum Schluss, dass die Lokale der Basler Gastronomie kaum mehr klar verortbar waren. Die Gesellschaft hatte sich verändert, die Milieus hatten sich gemischt. Arbeiterbeizen oder dezidiert bürgerliche Cafés waren seltener geworden.

Hinzu kamen Gesetzesänderungen. 1995 liberalisierte der Kanton das Gastgewerbegesetz: Ein neues Restaurant musste nicht mehr einem von Beamten ausgemachten «Bedürfnis» entsprechen. Zudem strich Basel-Stadt als erster Kanton die Polizeistunde.132 Die Liberalisierung beflügelte das Angebot: Innert fünf Jahren stieg die Zahl der Restaurants, Imbisse, Bars und Diskotheken von 352 auf 558 an. Eine neue Erscheinung war die zunehmende Anzahl Schnellimbisse, die vom neu erlaubten 24-Stunden-Betrieb profitierten. Zu den beliebtesten Gerichten zählte der Döner Kebab, eine türkische Spezialität. Zwar führte der Kanton die Polizeistunde zehn Jahre später wieder ein, die Entwicklung war jedoch nicht mehr aufzuhalten.

Ein Basler Spezifikum war der Verein Fümoar, der im Jahr 2010 gegründet wurde.133 Nachdem die Stimmbevölkerung einem kantonalen Rauchverbot in Innenräumen zugestimmt hatte, schlossen sich hundertachtzig Lokale zu einem Verein zusammen. Gäste mussten sich einen Mitgliederausweis kaufen, um in den Lokalen verkehren zu dürfen. Das Bedürfnis, in der Bar weiterqualmen zu können oder auch einfach die Notwendigkeit, nicht gehen zu müssen, veranlasste 200 000 Menschen, Mitglied des Rauchervereins zu werden – womit Fümoar laut Eigenaussagen der grösste Verein der Schweiz war. Erst ein Bundesgerichtsurteil 2013 machte den Zigaretten in in Bars, Clubs und Beizen den Garaus.134 Ende des 20. Jahrhunderts wurde der Rhein zu einem überaus beliebten Freizeitort in Basel. Das zunehmende Flussschwimmen machte ihn zu einem Treffpunkt. Im Sommer 1981 initiierte die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft das erste Rheinschwimmen, über tausend Menschen machten mit, Hunderte schauten vom Flussufer aus zu. Ein Artikel im Stadtbuch zeugt vom Staunen, das das Schwimmen im Fluss auslöste. Es sei ein «ungewöhnliches Bild», wie «der Basler ‹seinen› Rhein entdeckt».135 Wenig später kam der erste Schwimmsack auf den Markt (1985), in ihm konnten Schwimmerinnen und Schwimmer ihre Kleider und Schuhe vor dem Wasser schützen, mit ihm trieben sie den Rhein hinunter. Hinter dem nützlichen Accessoire stand die Absicht, die verbesserte Wasserqualität des Rheins unter Beweis zu stellen. Die Initiatoren der Imagekampagne waren die Kläranlagebetreiberin Pro Rheno, Firmen der Basler Chemie, das Gewässerschutzamt und die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft. Das Schwimmen im Rhein wurde zu einem Trend, den selbst die Brandkatastrophe von Schweizerhalle 1986 und das kurzfristige Badeverbot nicht aufhalten konnten. Ab den 1980er-Jahren trugen kartierte Empfehlungen und markierte Schwimmzonen zu einem sicheren Schwimmerlebnis bei.

Das Rheinschwimmen war indes kein neues Phänomen. Baslerinnen und Basler badeten bereits im Mittelalter im Fluss. Auch Rheinschwimmsäcke in Form eines «imprägnierten Segeltuchsacks» existierten bereits im 19. Jahrhundert.136 Abfälle aus Haushalt und Industrie verdarben das Schwimmvergnügen jedoch ab den 1950er-Jahren. Aber auch als die schlechte Wasserqualität das Rheinschwimmen verunmöglichte, war das Rheinbord ein beliebter Treffpunkt. Einen eigentlichen Boom erlebte das Schwimmen im Rhein ab den 1990er-Jahren, wovon die steigende Zahl Teilnehmender beim jährlichen Rheinschwimmen zeugen.

Der Kanton und diverse private Unternehmen förderten die zunehmende Nutzung des Rheins. 1999 beschloss die Regierung nach Gesprächen mit der Bevölkerung, das Rheinufer aufzuwerten.137 Das Kleinbasler Rheinufer verwandelte sich ab 2005 in eine «Riviera» mit Badestrand zwischen Wettstein- und Schwarzwaldbrücke. Weitere Aufwertungen folgten, wie die ab 2002 allmählich installierten Buvetten, in der warmen Jahreszeit geöffnete Cafés im Freien.

Spätestens ab 2003, als ein Hitzesommer in Basel für hohe Temperaturen sorgte, kam die Vorstellung des mediterranen Basels auf. Der Basler Journalist Hans-Peter Hammel, stadtbekannt als ‹-minu›, schrieb: «Nie war Basel mediterraner, nie haben sich mehr Menschen im Rhein abgekühlt.»138 Immer mehr Menschen verbrachten ihre freie Zeit am und im Rhein. 2019 analysierte ein Buch über das Flussschwimmen, es gäbe «keinen anderen Ort» in Basel, an dem «so viele und so unterschiedliche Menschen zusammenkommen und sich als Teil derselben Stadtgesellschaft erfahren».139 Der Rhein sei der zentrale Raum in der Stadt, das gemeinsame Schwimmen im Fluss stelle Zusammenhalt in einer pluralen Gesellschaft her.

Das Basler Standortmarketing kommerzialisierte das Rheinschwimmen und die sommerliche Stimmung, die sich am Ufer abspielte. Das Rheinschwimmen wurde zunehmend zur Touristenattraktion: 2019 konnten Rheinschwimmende kurz vor der Mittleren Brücke durch kräftiges Winken ein Selfie auslösen und durch das Teilen in sozialen Medien das hochsommerliche Flair Basels in die Welt tragen.140 Solche Bilder prägten die Vorstellung des Rheins als riesiger Freizeitpark, als Badi – schweizerisch für Freibad – für alle, worüber die wirtschaftliche Bedeutung des Rheins und des Hafens in Vergessenheit geriet. Eine populäre Freizeitaktivität ist der Sport, seine gesellschaftliche Bedeutung manifestierte sich in Basel in zahlreichen Vereinen. Im Nachkriegsboom erfuhren sie einen beachtlichen Zuwachs. Zwischen 1945 und 1975 stieg die Anzahl Aktivmitglieder von rund 10 000 auf knapp 30 000. Seither blieben die Zahlen stabil auf diesem Niveau.141 Im selben Zeitraum erlebte auch der Firmensport eine Blüte in Basel. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer engagierten sich in immer mehr Sektionen, darunter Boccia, Faustball, Fussball, Handball, Leichtathletik, Kleinkaliberschiessen, Korbball, Schach und Tennis.142 Sport und Bewegung nahmen neue Funktionen im gesellschaftlichen Leben ein. Sie förderten den sozialen Zusammenhalt, trugen zur Gesundheit bei und bereiteten Spass.

Diese Entwicklung zeigte sich auch bei den Turnvereinen, die sich von ihrer bürgerlich-erziehenden Funktion emanzipierten und zu polysportiven Vereinen wurden. Im Jüdischen Turnverein Basel beispielsweise interessierten sich die jüngeren Mitglieder vermehrt für Ballspiele und Laufdisziplinen statt für Gemeinschaftsturnen und klassische Übungen am Boden, dem Reck oder an den Ringen.143 Fussball, Tennis und Schwimmen lösten Turnen und Gymnastik als beliebteste Sportarten ab. Um 1970 liess die Basler Regierung gemeinsam mit der Vita Lebensversicherung, einer Tochtergesellschaft der Zurich (Versicherung), erste Vita-Parcours an den Kantonsgrenzen bauen. Behörden und Fachleute erhofften sich, dass die sportliche Betätigung dem vermehrten Konsum von Alkohol, Tabak und fetthaltigen Lebensmitteln Gegensteuer bieten könne.144 Ausserdem begann das Erziehungsdepartement den Sportunterricht zu entmilitarisieren. In den Verwaltungsberichten war nicht mehr die Rede von «Körperpflege», sondern von «Sport und Freizeitgestaltung».145

Das Bundesgesetz über die Förderung von Turnen und Sport von 1972 beschleunigte diesen Prozess landesweit, mit ‹Jugend+Sport› (J+S) lancierte der Bund im selben Jahr zudem ein umfangreiches Sportförderprogramm. Der Staat erklärte Sport zur Gesundheitsmassnahme und damit zu seiner Verantwortung. Eigenständig aktiv wurde der Kanton Basel-Stadt vermehrt gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Seither setzte er diverse, vielfach niederschwellige Projekte um: die ersten Sportklassen am Gymnasium Bäumlihof, Sportcamps, offene Turnhallen, einen Sportmarkt oder einen Online-Sportkalender.

Der Wunsch, Sport zu treiben, war zu diesem Zeitpunkt längst nicht mehr an eine Vereinsmitgliedschaft gebunden. Trotzdem erhielten Vereine weiterhin Zulauf, nicht zuletzt wegen der sozialen Dimensionen des Vereinslebens. Sportvereine waren zum Beispiel beliebte Orte für Zugezogene. In der Nachkriegszeit entstanden in Basel zahlreiche Fussballvereine für Mitglieder mit Migrationshintergrund. Flüchtlinge des niedergeschlagenen Ungarn-Aufstandes riefen 1958 den SC Hungaria Basel ins Leben. In den 1960er-Jahren gründeten italienische Gastarbeiter eigenständige Fussballvereine in der Region, zum Beispiel die US Olympia oder den SC Inter Club. Später riefen Serben den FC Srbija, Türken den FC Türkgücü Basel, Kroaten den NK Alkar, Kosovaren den FC Dardania und Bosnier den FC Bosna ins Leben.146 Bei vielen, auch traditionell schweizerischen Vereinen spielte die Nationalität der Mitglieder immer weniger eine Rolle. Die Sportvereine bildeten die zunehmend pluralisierte Gesellschaft ab und leisteten Integrationsarbeit im privaten Bereich.

Basel entwickelte sich in diesem Zeitraum immer mehr zu einer multikulturellen Gesellschaft. Neben Sportvereinen bildeten auch verschiedene Kirchen einen wichtigen Treffpunkt für ausländische Einwohnerinnen und Einwohner. Insbesondere islamische Glaubensgemeinschaften gewannen in Basel an Zulauf. Im Gegensatz dazu verlor die lange dominante protestantische Kirche sehr viele Zugehörige.

Anmerkungen

  1. Zit. nach Angst 2011, S. 89. HLS: Irma Tschudi-Steiner. Unigeschichte seit 1460: Frauenstudium. Online: https://unigeschichte. unibas.ch/akteure/frauenstudium, abgerufen am 26.06.2023.
  2. Zit. nach Janett 2022, S. 148.
  3. Businger; Janett; Ramsauer 2018.
  4. Janett 2022, S. 102–114, 186–188, 198–200.
  5. Ebd., S. 132–135. Kälin 2019, S. 137–138. Schulthess; Leu-Weber 1971, S. 6. Banz 1966, S. 23.
  6. Janett 2022, S. 196–206.
  7. Ebd., S. 112–113.
  8. Ebd., S. 207–246. Baumeister 2022. Unigeschichte seit 1460: Geschichte der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel. Online: https://unigeschichte.unibas.ch/ fakultaeten-und-faecher/medizinische-fakultaet/juengste-entwicklungen-der-medizinischen-fakultaet/kinder-und-jugendpsychiatrie, abgerufen am 26.06.2023.
  9. Kälin 2019.
  10. Ebd.
  11. HLS: Kindesrecht.
  12. Delessert 2012. Schubert 2012, S. 13. Miescher; Trüeb 1988. Walser 2013. «Demonstration in Basel», Blickpunkt, SRF, 23.06.1980. Online: https://www.srf.ch/play/tv/blickpunkt/video/demonstration-in-basel? urn=urn:srf:video:23bfdbfe-e120-4cff-bac4-6c937cd27b35, abgerufen am 23.03.2023.
  13. Zit. nach Miescher; Trüeb 1988, S. 90.
  14. Zit. nach Schubert 2012, S. 8.
  15. Artikel abgedruckt in ebd., S. 23.
  16. Miescher; Trüeb 1988, S. 133–134.
  17. Bichsel; Gerster; Baumgartner 1996. Eigenmann 2022. Schubert 2012, S. 84.
  18. «Selbstporträts», in: Frau ohne Herz. Zeitschrift für Lesben und andere Frauen (25), 1989, S. 29.
  19. Huber 2016.
  20. «Neues Gleichstellungsgesetz sorgt für Zwist unter Feministinnen», in: SRF News, 05.02.2023. Online: https://www.srf.ch/ news/schweiz/basel-will-lgbtqi-einbinden-neues-gleichstellungsgesetz-sorgt-fuer-zwist-unter-feministinnen, abgerufen am 27.06.2023.
  21. «Selbstbedienung – die grosse Versuchung», in: NZ, 11.12.1973.
  22. Schaller 1980, S. 6.
  23. Suter 2020.
  24. Mall-Haefeli 1973, S. 91–98. «Familienplanung», Blickpunkt, SRF, 20.4.1977. Online: https://www.srf.ch/play/tv/blickpunkt/ video/familienplanung?urn=urn:srf:video:fb694fdb-d929-450b-9e09-3d3 ffa715272, abgerufen am 27.6.2023. Unigeschichte seit 1460: Der Einfluss des Gesellschaftlichen Wandels auf die Frauenmedizin. Online: https://unigeschichte. unibas.ch/fakultaeten-und-faecher/medizinische-fakultaet/juengste-entwicklungen-der-medizinischen-fakultaet/ frauenklinik/der-einfluss-des-gesellschaftlichen-wandels-auf-die-frauenmedizin, abgerufen am 26.06.2023.
  25. Mall-Haefeli 1973, S. 95.
  26. Tamm; Heilmann 1983, S. 22. Küng; Stingelin; Meyer 1982, S. 4–5.
  27. StatJB, Tabelle «Eheschliessungen nach Heimat, Zivilstand, Alter».
  28. HLS: Konkubinat. Grossmann 2019, S. 239–246. StABS, PD-REG 8d (1) 5-1 6, Konkubinat. Zur Vorgeschichte vgl. Wenger 2009.
  29. StatJB, Tabelle «Ehescheidungen nach Heimat, Ehedauer, Kinderzahl und Scheidungsgrund».
  30. Archiv Kantonsblätter Basel-Stadt, SG 111.100, Verfassung des Kantons Basel-Stadt vom 23.03.2005, Art. 11, Abs. 2a. Online: https://www.gesetzessammlung.bs. ch/app/de/texts_of_law/111.100, abgerufen am 30.06.2023.
  31. Verfassung des Kantons Basel-Stadt vom 2. Dezember 1889, Artikel 14.
  32. Archiv Kantonsblätter Basel-Stadt, SG 111.100, Verfassung des Kantons Basel-Stadt vom 23.03.2005, Art. 11, Abs. 1h und 1i. Online: https://www.gesetzessammlung. bs.ch/app/de/texts_of_law/111.100, abgerufen am 30.06.2023.
  33. Regierungsrat Basel-Stadt 1999. Frey 1997.
  34. Kunz 1975, S. 110.
  35. «Kinderkrippe Basel», Antenne, SRF, 11.11.1971. Online: https://www.srf.ch/play/ tv/antenne/video/kinderkrippe-basel? urn=urn:srf:video:0c5db448-0a28-4860-9622-3c6223f47885, abgerufen am 03.04.2023.
  36. Gujer; Hunziker; Hungerbühler 1982, S. 393. Banz 1964a, S. 119.
  37. Gschwind 2018, S. 3–4. Von Holt; Bosshardt 2001.
  38. Falk 2019, S. 39–55. Grossmann 2019, S. 129–135. Kinderkrippen Bläsistift 2021.
  39. Von Falkenstein 2001.
  40. Bericht der Bildungs- und Kulturkommission des Grossen Rates zum Ratschlag und Entwurf zu einem Gesetz betreffend die Tagesbetreuung von Kindern sowie Bericht des Regierungsrates zu zwölf Anzügen, einer Petition und einer Initiative vom 18. August 2003.
  41. «Schulen werden zu anregenden Lernorten», in: bz Basel, 14.08.2007. «Kinderbetreuung in Basel: endlich ein Gesamtkonzept!», in: bz Basel, 12.04.1999. Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt: Sozialberichterstattung, 2019, S. 40. Online: https://statistik.bs.ch/files/berichte-analysen/Sozialberichterstattung-2019.pdf, abgerufen am 28.06.2023.
  42. Bucher 2000, S. 96. Abteilung Gleichstellung von Frauen und Männern 2019, S. 9.
  43. «11 Ranglisten zur Lebensqualität in Schweizer Städten», in: SRF News, 23.02.2023. Online: https://www.srf.ch/news/gesellschaft/lebensqualitaet-ranking-2023-11-ranglisten-zur-lebensqualitaet-in-schweizer-staedten, abgerufen am 03.05.2023.
  44. Bucher 2000, S. 3.
  45. StABS, STA DS BS 9 9025, Ratschlag betreffend Gewährung von Subventionen für den Betrieb je eines Quartiertreffpunktes für die Jahre 2001 bis 2003 an Verein Breite-Zentrum Treffpunkt Breiti, Verein Familienzentrum Gundeli, Verein Kontaktstelle für Eltern und Kinder Basel-West, Verein Quartiertreffpunkt Kasernenareal, Verein Burg am Burgweg (Wettstein-Quartier), Förderverein Pro QuBa (Quartierzentrum Bachletten), 2000.
  46. Vogel 1989, S. 137.
  47. Zit. aus Knill 2019, S. 14.
  48. «Depressionen in einer kranken Welt», in: NZ, 06.08.1975.
  49. Vogel 1989, S. 17.
  50. Ebd., S. 18.
  51. Bänziger; Herzig; Koller u. a. 2022, S. 102. Straumann 2000, S. 31–34. Behringer 2019, S. 38–46.
  52. Knill 2019, S. 15–21. Vogel 1989, S. 52–82.
  53. Rudolf von Rohr 2014, S. 46–48. «Drogenkette Basel», CH-Magazin, SRF, 21.05.1976. Online: https://www.srf.ch/play/tv/ch-magazin/video/drogenkette-basel?urn= urn:srf:video:cc503aa9-209e-4bc3-bc6e-124fffdc5a79, abgerufen am 03.04.2023.
  54. Knill 2019, S. 22.
  55. Vogel 2003, S. 152.
  56. Vogel 1991, S. 49.
  57. Ruffli 1989.
  58. Zit. nach Götz; Hicklin; Battegay 2018, S. 19.
  59. Miescher; Trüeb 1988, S. 134.
  60. Ebd.
  61. Götz; Hicklin; Battegay 2018, S. 57, 86–87. Schubert 2012, S. 19–21. Ruckstuhl; Ryter 2017, S. 233.
  62. Götz; Hicklin; Battegay 2018, S. 119–157.
  63. Ebd., S. 123–157
  64. Ruckstuhl; Ryter 2017, S. 233–236.
  65. Götz; Hicklin; Battegay 2018, S. 42–45. Ruffli 1989.
  66. Ruffli 1989.
  67. «Das Basler Rotlicht wird grün eingegrenzt», in: bz Basel, 27.06.2016. Online: https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/das-basler-rotlicht-wird-grun-eingegrenzt-ld.1565301, abgerufen am 03.04.2023.
  68. Kantonales Übertretungsstrafgesetz vom 15. Juni 1978, Artikel 38, in: Sammlung der Gesetze und Beschlüsse wie auch der Polizeiverordnungen, welche vom 1. Januar 1978 bis 31. Dezember 1980 für den Kanton Basel-Stadt erlassen worden sind, S. 74–75.
  69. StABS, STA DS BS 9 8684, Ratschlag und Entwurf zu einer Änderung des Kantonalen Übertretungsstrafgesetzes (Prostitution) vom 18. Juni 1996. Vgl. auch Anklin 2011, S. 95–97.
  70. «‹Strassendirnen› werden von der Claramatte weggewiesen», in: bz Basel, 07.10.1999.
  71. «Verbotsschilder im Milieu: Fragwürdiger Nutzen», in: BaZ, 12.11.1999.
  72. «Sexarbeiterinnen sind Frauen mit Würde», in: 20 Minuten, 04.11.2016.
  73. Knill 2019, S. 35.
  74. Ebd., S. 36–37, 45.
  75. Stoll 1991.
  76. Zit. aus ebd.
  77. Bänziger u. a. 2022, S. 162–164. Knill 2019, S. 58. Ruckstuhl; Ryter 2017, S. 228–230.
  78. Saner 1994. Pfister 2019, S. 184–194. Rudolf von Rohr 2014, S. 50–51.
  79. Rudolf von Rohr 2014, S. 56–57. Knill 2019, S. 51.
  80. Gschwind 2022, S. 191.
  81. Zit. nach Knill 2019, S. 56.
  82. Rudolf von Rohr 2014, S. 52, 57.
  83. Rudolf von Rohr 2014, S. 23. Knill 2019, S. 67.
  84. «Als Basel ein Hanfmekka war», in: TagesWoche, 10.11.2011. Online: https://tageswoche.ch/politik/als-basel-ein-hanfmekka-war/index.html#comments, abgerufen am 27.06.2023.
  85. StABS, STA DS 8 169, Verwaltungsbericht 2002, Kapitel IX Staatsanwaltschaft, S. 324.
  86. «Hanfläden: Das Leben in der Grauzone», in: BaZ, 09.09.2002.
  87. Bänziger u. a. 2022, S. 296–299. Basler Stadtbuch, Chronik-Eintrag, 21.11.2012.
  88. Medienmitteilung des Bundesrats: Bund bewilligt erstes Gesuch für einen Cannabis-Pilotversuch in Basel-Stadt, 19.04.2022. Online: https://www.admin.ch/gov/de/ start/dokumentation/medienmitteilungen.msg-id-88047.html, abgerufen am 27.06.2023.
  89. Ruckstuhl; Ryter 2017, S. 207–250.
  90. Vogel 2003, S. 82–83.
  91. Zit. nach Spirgi 2018, S. 1.
  92. «Als Wohnraum nicht mehr gefragt», in: NZ, 24.01.1976.
  93. Wunderle 1963, S. 36.
  94. HLS: Fernsehen. Historische Statistik der Schweiz (HSSO). Online: https://hsso.ch/ de/2012/n/27, abgerufen am 27.06.2023.
  95. Statistisches Amt: Von den Anfängen der Telefonie. Online: https://www.statistik. bs.ch/zahlen/statistisches-jahrbuch/daten-geschichte/telefon.html, abgerufen am 06.02.2023.
  96. Binnenkade 1994. Schumacher 2012. HLS: Waschen.
  97. Moll; Sandtner; Saner 2002, S. 36–37. StatJB 1963, Leere Wohnungen und Geschäftsräume seit 1963, S. 106.
  98. StABS, STA DS BS 9 7950, Bericht zu Wohnfragen im Kanton Basel-Stadt, 1986, S. 17–21.
  99. Bundesamt für Statistik: Mietwohnungen. Online: https://www.bfs.admin.ch/bfs/ de/home/statistiken/bau-wohnungswesen/wohnungen/mietwohnungen.html, abgerufen am 28.06.2023.
  100. Gilcher-Holtey 2017, S. 53–56. Piñeiro 2017, S. 40–52.
  101. Pichler 1973. StABS, STA DS BS 8 139, Verwaltungsbericht 1972, Polizeidepartement, S. 49.
  102. Petignat 1975. StABS, STA DS BS 8 139, Verwaltungsbericht 1972, Polizeidepartement, S. 49.
  103. Piñeiro 2017, S. 52.
  104. Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt: Studierende der Universität Basel nach Heimat und Geschlecht. Online: https://statistik.bs.ch/indikatorenportal/9475, abgerufen am 12.12.2024. Unigeschichte seit 1460: Neue studentische Wohnformen seit den 1960er-Jahren. Online: https://unigeschichte.unibas.ch/akteure/studentisches-wohnen/neue-wohnformen-seit-den-1960er-jahren, abgerufen am 26.06.2023. Unigeschichte seit 1460: Verein Studentische Wohnvermittlung (WoVe). Online: https://unigeschichte.unibas.ch/akteure/studentisches-wohnen/verein-studentische-wohnvermittlung-wove, abgerufen am 26.06.2023.
  105. «1 Haus, 25 Jahre, 94 Menschen, 1000 Stories», in: BaZ 16.06.1999. Vgl. auch «Basel will neue gesetzliche Grundlagen für WG’s [sic] erarbeiten», Antenne, SRF, 05.02.1973. Online: https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:822e21c8-fe4c-4a7a-8c16-1d3a3bdd7f2c, abgerufen am 27.06.2022.
  106. Huber 2014, S. 89. Diener & Diener Architekten: Wohnhäuser Hammerstrasse, Basel, 1978–1981. Online: http://www.dienerdiener.ch/de/project/apartment-buildings-hammerstrasse, abgerufen am 27.06.2023.
  107. Diener; Schett 1981, S. 36.
  108. «Z. B. Ryffstrasse», Schweizerisches Sozialarchiv, Vid V_075. Online: https://www.bild-video-ton.ch/bestand/objekt/Sozarch_ Vid_V_075, abgerufen am 27.06.2023. Dubois 1980.
  109. Straumann 2000, S. 20. Piñeiro 2017, S. 9, 27–28.
  110. Zit. nach Weick 2018, S. 50.
  111. StABS, Protokolle: Grosser Rat 89, Protokoll des Grossen Rats von 1962 Mai 10 bis 1963 April 25, 14.03.1963, S. 508.
  112. Weick 2018, S. 88–93.
  113. Zit. nach Piñeiro 2017, S. 80.
  114. Imhof 1991.
  115. Aschwanden 2017, S. 71. STABS, STA DS BS 9 8663, Ratschlag und Entwurf zu einer Änderung des Gesetzes über Abbruch und Zweckentfremdung von Wohnhäusern vom 10. November 1975, vom 2. April 1996. «Immobilienmarkt, Überangebot an neuen Bürohäusern», Tagesschau, SRF, 11.01.1993. Online: https://www.srf.ch/play/tv/-/video/-?urn=urn:srf:video:58343a62-302c-4002-8dd3-30248761d033, abgerufen am 27.06.2023.
  116. Bosshardt 2019.
  117. Imhof 1998, S. 122. StABS, STA DS BS 9 7950, Bericht zu Wohnfragen im Kanton Basel-Stadt, 1986, S. 23, 25.
  118. Baur 2013. Regionalverband Wohnbaugenossenschaften Nordwestschweiz 2012. Labhardt 2017.
  119. Basler Stadtbuch, Chronik-Eintrag (mit Audio-Beitrag), 30.05.2012. «Umfrage zur Zufriedenheit im St. Johann», in: Basler Stadtbuch, 30.05.2012.
  120. Wunderle 1975, S. 50–51. Miville 1982. Bundesamt für Statistik: Historischer Atlas der Eidgenössischen Volkszählungen, Grafische Darstellung nach Gemeinden. Online: https://www.atlas.bfs.admin.ch/ maps/193/de/14450_14904_14445_14426 /23013.html, abgerufen am 27.06.2023.
  121. StABS, STA DS BS 9 7555, Bericht des Regierungsrates zu den Vorschlägen der Kommission für Altersfragen und spitalexterne Krankenpflege (KASK) für ein Konzept zur Betreuung der Betagten im Kanton Basel-Stadt vom Oktober 1979 und zu sieben Anzügen betreffend die Betreuung der Betagten.
  122. Grundlagen für die Gestaltung der Alterspolitik im Kanton Basel-Stadt. Bericht der Fachkommission Richtplan Alter, Oktober 1998. Fasnacht 2006, S. 195–201.
  123. Gesundheitsdepartement Basel-Stadt: Vision «Gut und gemeinsam älter werden im Kanton Basel-Stadt». Online: https://www. bs.ch/gd/alter, abgerufen am 12.12.2024.
  124. «Wir hatten wunderschöne Zeiten als Halbstarke», in: BaZ, 26.01.1999.
  125. Matti; Müller; Riedo 2000, S. 157–161.
  126. Zit. nach ebd., S. 160.
  127. Degen 1986, S. 171–178.
  128. StatJB 2005, Gastgewerbe seit 1950, S. 155. Basler Stadtbuch, 31.01.1942.
  129. «Das Horburg-Quartier in Basel», Bericht vor 8, SRF, 10.02.1977. Online: https://www. srf.ch/play/tv/bericht-vor-8/video/das-horburg-quartier-in-basel?urn=urn:srf: video:d875b750-798e-4320-9b11-aa8cc74aabea, abgerufen am 27.06.2023.
  130. Erzberger 1986.
  131. Förster 2003.
  132. Nanni 2006, S. 20. StABS, STA DS BS 9 9222, Ratschlag und Entwurf zu einem Gesetz über das Gastgewerbe (Gastgewerbegesetz), 2003, S. 17. StatJB, Tabelle «Gastgewerbe seit 1950», 2005, S. 155.
  133. Giger 2010. Vgl. für die Vorgeschichte Pfister 2009, S. 19.
  134. «Basler Raucherverein ‹Fümoar› wird aufgelöst», in: bz Basel, 29.10.2015. Online: https://www.bzbasel.ch/basel/basel-stadt/basler-raucherverein-fumoar-wird-aufgelost-ld.1728447, abgerufen am 27.06.2023.
  135. Leuzinger 1981. Büttner u. a. 2020, S. 163.
  136. Ludwig 1962. Vgl. auch Ziltener 1994. Schürch; Baumeister 2018. Basler Stadtbuch, Chronik-Einträge «Rheinschwimmen».
  137. Regierungsrat Basel-Stadt 1999, S. 19–35 (Impulsprojekt Rhein). Werkstadt Basel: Konsens zum Thema: Auf zu neuen (Rhein-)Ufern, 1999. Online: http://www. werkstadt-basel.ch/aktion/Konsenskonferenzen/ergebnisse/kk_rhein.php, abgerufen am 05.12.2022. Vgl. auch Baudepartement des Kantons Basel-Stadt: Rheinuferaufwertung, 26.09.2008. Basler Stadtbuch, Chronik-Eintrag, 26.07.2002.
  138. -minu (Hanspeter Hammel) 2003, S. 23.
  139. Ruby; Shinohara; SAM Schweizerisches Architekturmuseum 2019, S. 13.
  140. «Basel macht Rheinschwimmer zu Werbebotschaftern», in: htr.ch, 29.07.2019. Online: https://www.htr.ch/story/tourismus/ basel-macht-rheinschwimmer-zu-werbebotschaftern-24108.html, abgerufen am 27.06.2023. Koller; Müller; Reusser 2016, S. 15.
  141. StatJB 1945–2020.
  142. Sportmuseum Schweiz; Rohner; Mangold 2016. Meier 1979, S. 162–164.
  143. Straumann 1999, S. 10–11.
  144. House of Switzerland: «Zurich vitaparcours» – mehr als ein sportliches Konzept, eine Institution. Online: https://houseofswitzerland.org/de/swissstories/gesellschaft/zurich-vitaparcours-mehr-als-ein-sportliches-konzept-eine-institution, abgerufen am 27.06.2023.
  145. StABS, ED-REG 54, Abteilung Sport / Sportamt, 1950–2012.
  146. Raz; Schaub 2014, S. 90–97.
  147. Pfister 2014, S. 327–335. Hofmann 2013. Felder 1991, S. 31. StatJB 1960–2020. HLS: Religionen.
  148. Inforel, https://www.inforel.ch/, abgerufen am 27.06.2023.
  149. Baumann 2005, S. 20–21.
  150. Ebd., S. 22–24.
  151. Schoch 2011, S. 35–40.
  152. StatJB 2009.
  153. Kantonale Denkmalpflege: Zukunft Kirchenraum. Zur Neunutzung von Sakralbauten in Basel. Abendführungen der Kantonalen Denkmalpflege, April bis November 2012, Basel 2012. Ryser 2012, S. 16.
  154. Held 2012.
  155. Zit. nach Offene Kirche Elisabethen, https://offenekirche.ch/, abgerufen am 27.06.2023. «Die Unkonventionelle – die Offene Kirche Elisabethen bricht seit 25 Jahren kirchliche Traditionen», in: bz Basel, 26.04.2019. Online: https://www.bzbasel. ch/basel/basel-stadt/die-unkonventionelle-die-offene-kirche-elisabethen-bricht-seit-25-jahren-kirchliche-traditionen-ld.1359555, abgerufen am 27.06.2023.