Bauten und Natur. Die Ordnung der urbanen Welt

Céline Angehrn

In: Stadt an der Grenze in einer Zeit der Gefährdung. 1912 – 1966 | S. 192-247 | DOI: 10.21255/sgb-07.04-535461 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

In rasantem Tempo wuchs die Stadt Basel im 20. Jahrhundert den Rändern ihres Territoriums entgegen. Bis Ende der 1960er-Jahre verschwanden so gut wie alle offenen Felder; Brachen und Baulücken wichen neuen Strassen und Häusern für die beständig zunehmende Bevölkerung. Funktionen gaben der Stadt nun ihre Gliederung vor: hier Wohnquartiere, da ein modernes Zentrum, dort die Infrastruktur am Rand. Die länger gewordenen Strecken bewältigten die Menschen, indem sie das Velo oder das weitverzweigte Tramschienennetz und seit der Jahrhundertmitte immer öfter motorisierte Fahrzeuge nutzten. Die Verstädterung verdrängte die Natur zwar aus der Stadt, gleichzeitig wurde sie in neuer Gestalt zurückgeholt. Gartenanlagen gliederten das verlorengegangene Grün wieder ein. Und während manche Tiere zusammen mit der Landwirtschaft aus der Stadt verschwanden, tauchten andere im Zoo, in den Wohnungen oder in den Labors wieder auf.

Dächer über den Köpfen: Mehr Häuser für mehr Menschen

«Circa eine Million!», mutmasste einer. Andere Schätzungen waren moderater: vielleicht dreihunderttausend, vielleicht sechshunderttausend? Einig waren sich zu Beginn der 1970er-Jahre jedenfalls alle befragten Passantinnen und Passanten, dass die Basler Wohnbevölkerung bis ins Jahr 2000 weiter kräftig wachsen würde.1 Kurz vor 1900 war die 100 000er-Marke überschritten worden, die statistisch definierte Schwelle zur Grossstadt. In den ersten siebzig Jahren des 20. Jahrhunderts verdoppelte sich diese Zahl noch einmal, die Einwohnerzahl erreichte ihren Zenit um 1970. Auf seine Frage, was für eine derart sich vergrössernde Stadt zu tun sei, bekam der Interviewer zu hören: «Ja: Bauen, bauen, bauen!», «mehr Häuser!» oder «Hochhäuser!». Die Antworten ergaben sich aus der Erfahrung von jahrzehntelangem Wachstum. Vor Augen hatten die Befragten offenbar in erster Linie neue Wohnhäuser. Denn neben Verkehrswegen und Infrastrukturanlagen brauchte eine grösser werdende Stadt vor allen Dingen eines: mehr Dächer über den Köpfen der vielen Menschen. Seit im 19. Jahrhundert die Stadtmauern geschleift worden waren, dehnte sich Basel nach allen Richtungen aus. Das Bauland jenseits des ehemaligen Stadtgebiets war anfänglich noch zu günstigem Preis zu haben. Stück für Stück legten sich neue Strassenzüge und ganze Stadteile um den historischen Stadtkern, sodass sich der Durchmesser der Stadt fortlaufend vergrösserte. Bald waren die enggezogenen politischen Grenzen erreicht, was die Siedlungsentwicklung aber nicht aufhielt.2 Wo Geografie und Topografie es begünstigten, ging Basel nahtlos in die Vorortsgemeinden Binningen und Allschwil über: so im Bachletten-, Gotthelf- oder im Hegenheimerquartier. Ähnliches geschah in Richtung Birsfelden, Münchenstein und Muttenz, dort jedoch vom Lauf der Birs, von Sportanlagen und Industriearealen unterbrochen.3 Auch über die Landesgrenzen hinweg entstanden durch das Stadtwachstum neue Nachbarschaften. Kinder aus dem St. Johann trafen sich in den 1950er-Jahren wöchentlich zum Fussballspiel mit Kindern aus dem Elsass.4

Das wachsende Stadtgebilde war ein Resultat verschiedener Baukonjunkturen.5 In den 1920er- und 1930er-Jahren wurde an den Wohnungsbau im Stil der Gründerzeit aus der Epoche vor dem Ersten Weltkrieg angeschlossen: Häuserzeilen wurden verlängert und zu Blockrandbebauungen geschlossen, so in den Quartieren Gundeldingen, St. Johann oder Klybeck. Lange, mehrgeschossige Häuserzeilen entstanden auch etwa am Morgarten- und Wasgenring. Der Bauboom der Zwischenkriegszeit brachte Gewinner wie den in einfachen Verhältnissen aufgewachsenen Unternehmer Wilhelm Baumgartner hervor, der als sogenannter Spekulant die Gunst der Stunde nutzte. Zwischen 1926 und 1938 erbaute er rund 300 standardisierte drei- bis fünfstöckige Mehrfamilienhäuser und verkaufte sie gewinnbringend weiter. Unter dem Begriff ‹Baumgartnerhäuser› sollte ihnen ein langes Nachleben im Basler Stadtbild und wegen ihrer soliden architektonischen Qualität eine anhaltende Beliebtheit bei den Bewohnern und Bewohnerinnen beschieden sein.6

Der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs brachte die Bautätigkeit in Basel wie in anderen schweizerischen Städten weitgehend zum Erliegen. Erst Subventionen von Bund und Kanton kurbelten den Wohnungsbau ab 1942/43 wieder an. Da von den gesprochenen Geldern hauptsächlich Wohngenossenschaften profitieren konnten, folgte bis 1950 deren kurze, aber ergiebige Hochzeit: fast 5500 Genossenschaftswohnungen entstanden.7 Dennoch blieb der Anteil genossenschaftlichen Wohnraums im Städtevergleich in Basel gering. Die Subventionen wurden 1950 durch ein eidgenössisches Referendum gestoppt, wenngleich die abstimmenden Männer in Basel-Stadt für die Weiterführung votiert hatten.8 Mit dem Wegfall der Bundesgelder blieben auch die kantonalen Subventionen aus, sodass in der anschliessenden Zeit der Hochkonjunktur wiederum private Auftraggeber und Investoren das Bauwesen dominierten.9 Eine aktive Rolle in der Bereitstellung von Bauland für den Wohnungsbau spielte in der Situation des sich verknappenden städtischen Bodens die Christoph Merian Stiftung als Grossgrundbesitzerin. Sie stellte Land zum Kauf, im Baurecht und für eigene Wohnbauprojekte zur Verfügung.10 Neben der in die äussersten Winkel vordringenden Erstüberbauung trugen Nachverdichtungen zur Schaffung von zusätzlichen Behausungen bei. Ab Mitte der 1940er-Jahre wurden in Innenstadtnähe zahlreiche ältere Liegenschaften aus dem 19. Jahrhundert durch fünf- bis sechsgeschossige Neubauten ersetzt.11 Wie eine Studie der frühen 1960er-Jahre zeigte, entstand zu diesem Zeitpunkt die Hälfte aller neu erstellten Wohnungen auf Abbruchland, das heisst auf Boden, auf dem zuvor ältere Häuser gestanden hatten. Auch hier waren Gewinne zu erzielen, weil die neuen Wohnungen höhere Mieten einbrachten. Dass die Grundstücke in der Mehrheit kurz vor Abriss die Hand gewechselt hatten, liess zudem auf einen gewinnorientierten Grundstückshandel schliessen.12

Die intensive Wohnbautätigkeit in den ersten zwei Dritteln des 20. Jahrhunderts veränderte Basels Aussehen markant: Zwischen 1910 und 1970 hatte sich der Wohnungsbestand der Stadt fast verdreifacht.13 Ihr Territorium war nun so gut wie vollständig überbaut. Basel setzte sich aus Quartieren mit unterschiedlichem Charakter zusammen. Bereits 1921 sprachen die Statistiker von «Wohlstandsvierteln» (etwa Bachletten, Alban), «Mittelstandsvierteln» (etwa Wettstein, Gundeldingen) und «Arbeitervierteln» (etwa Matthäus, St. Johann).14 Auch mündliche Bezeichnungen brachten Ungleichheiten zwischen den Wohnlagen zum Ausdruck. In der ganzen Deutschschweiz etablierte sich für Wohnsiedlungen am Stadtrand inoffiziell die abwertende Bezeichnung «Negerdörfli», so auch in Basel. Neben staatlichen Notunterkünften in Kleinhüningen wurden Wohnsiedlungen für den unteren Mittelstand am Dorfrand von Riehen und auf dem Bruderholz so genannt. Wie selbstverständlich kam hier ein Begriff aus dem kolonialen Kontext zur Anwendung, mit dem die ‹dorfähnliche› Abgeschlossenheit und eine niedrige soziale Stellung der entsprechenden Siedlungen zum Ausdruck gebracht wurden.15 Am oberen Ende der Stufenleiter befand sich die sogenannte Dalbe – das Quartier St. Alban – als Wohnort wohlhabender, alteingesessener Familien.16 Der Name des Quartiers bezeichnete auch den Soziolekt der städtischen Oberschicht: dalbanesisch.

Lebenspraktisch bedeutete die Aufteilung in unterschiedliche Viertel, dass bestimmte Bevölkerungskreise nur in ausgewählten Stadtteilen verkehrten, während sie andere selten oder nie betraten. Als Mitglieder zweier Basler Oberschichtsfamilien 1926 das Projekt ‹Ulme› ins Leben riefen, brachen sie damit ein Tabu. Dem Ideal christlicher Sozialarbeit durch unmittelbare Nachbarschaft mit Arbeiterfamilien verpflichtet, wohnten sie für einige Jahre in Kleinhüningen – einem für ihre Herkunft untypischen Stadtteil. Einige ihrer Grossbasler Verwandten besuchten sie dort kein einziges Mal.17

Das Basler Wohnungsgesetz von 1907 definierte Minimalstandards für vermietete Räume wie einen «Luftkubus» von 10 Kubikmetern pro Person.18 Dennoch blieb die Wohnsituation vieler Menschen lange prekär. Bekannt waren zum Beispiel die unterdurchschnittlichen Bedingungen im historischen Zentrum; die Arbeiterzeitung ‹Basler Vorwärts› sprach 1932 gar vom «Gässchenelend in der Innenstadt».19 Auch aus diesem Grund wurde eine Sanierung der Altstadt beschlossen, die den dortigen Wohnstandard heben sollte.

In den 1960er-Jahren fanden viele italienische Gastarbeiter und Gastarbeiterinnen Arbeit in der Schweiz. Ihre Unterbringung in Basel in notdürftigen Gruppenunterkünften und überbelegten Familienwohnungen führte der Film ‹Siamo Italiani› vor Augen.20 Wie einer der Filmprotagonisten formulierte, erstellten zwar die Italiener in Zeiten der brummenden Wirtschaft die neuen Häuser. In diesen komfortablen und modernen Wohnungen aber war für sie kein Platz.21

Dass sich die Wohnlagen im Stadtgebiet tatsächlich stark unterschieden, zeigt die Statistik. Die Ausstattung der Wohnungen mit einem Warmwasseranschluss, einer eigenen Toilette oder einem eigenen Badezimmer divergierte je nach Stadtviertel. Anhaltende Wohnungsknappheit machte zudem schon die Wohnungssuche oft schwierig, besonders in den auf die Weltkriege folgenden Jahren. Selbst in der baufreudigen Zeit des Wirtschaftsaufschwungs hinkte das Angebot der Nachfrage konstant hinterher.22 Staatliche Massnahmen wie Mietzinsbeiträge an bedürftige Familien, die eidgenössische Mietpreiskontrolle oder eine 1934 eingerichtete kantonale Schlichtungsstelle für Mietstreitigkeiten wirkten regulierend auf den sozialpolitisch brisanten Wohnungsmarkt ein.23 Ausserdem baute Basel ab 1919 Kommunalwohnungen und richtete Notunterkünfte ein, um die Obdachlosigkeit insbesondere von Familien zu verhindern.24 Am Besitzanteil der öffentlichen Hand von zwei bis vier Prozent gemessen, blieb der staatliche Einfluss auf dem Basler Wohnungsmarkt bis in die 1960er-Jahre aber überschaubar. Demgegenüber sank der Anteil der Wohnungen in Privatbesitz von über achtzig Prozent um 1940 auf rund sechzig Prozent im Jahr 1960, während derjenige in der Hand von Gesellschaften, Firmen und Versicherungen stark stieg.25

In die Horizontale, in die Vertikale: Wohnungsbau in alle Richtungen

Die Stadterweiterung des frühen 20. Jahrhunderts ging verschwenderisch mit dem Boden um. Im Sinne eines umfassenden Gesundungsprogramms waren lose bebaute und stark durchgrünte Einfamilienhausquartiere gefragt. In Basel führte dieses Ideal zur Entstehung zweier neuer Quartiere, die einander in ihrer horizontalen Entfaltung ebenso ähnlich waren, wie sie geografisch und konzeptionell auseinander lagen: das Hirzbrunnen- und das Bruderholzquartier. In der zweiten Jahrhunderthälfte war der Traum vom Einfamilienhaus mit Garten zwar noch nicht ausgeträumt. Der sozialdemokratische Baudirektor Max Wullschleger befand noch 1960, es wäre wohl «das Idealste und Gesündeste», wenn alle so leben könnten.32 Aber der Boden war knapp geworden: Nun wurde in die Höhe gebaut. Ende des Ersten Weltkriegs existierten an zwei Enden der Stadt Basel noch grössere unbebaute Flächen: die eine im Nordosten Richtung Riehen, die andere auf der Anhöhe südlich des Gundeldingerquartiers. Letztere schien der Stadt so fern, dass selbst der «Übersichtsplan der Stadt Basel» von 1913 das Gebiet nur teilweise abbildete. An diesen beiden städtischen Peripherien entstanden im 20. Jahrhundert mit dem «Hirzbrunnen» und dem «Bruderholz» zwei neue Wohnquartiere. Sie waren gleichermassen inspiriert vom international rezipierten Programm der Gartenstadt, das der britische Stadtplaner Ebenezer Howard als Reaktion auf ungesunde Lebensverhältnisse in industrialisierten Stadtzentren um 1900 entwickelt hatte. Er propagierte neue Quartiere – eigentliche Kleinstädte – am Rande städtischer Zentren mit viel «Sonne, Luft und Licht». Auf dem Bruderholz und im Hirzbrunnen entstanden so die für die Zeit typischen Einfamilienhäuser mit Garten, wie sie etwa auch im Basler Bachlettenquartier und in vielen anderen Städten anzutreffen waren.33 Trotz verwandter Grundgedanken unterschieden sich das Bruderholz und das Hirzbrunnen jedoch deutlich. Zum einen topografisch: Während sich Ersteres über einen Hügel ausdehnt, erstreckt sich Letzteres auf ebener Fläche. Zum anderen waren die zwei neuen Quartiere auch für eine unterschiedliche Klientel gedacht. Das Hirzbrunnenquartier entstand im Zeichen des sozialen Wohnungsbaus.34 Ab 1924 planten die Architekten Hans Bernoulli und August Künzel eine zusammenhängende Siedlung von in Basel bislang unbekanntem Ausmass. Sie hatten eine «Quartieranlage aus einem Guss» vor Augen, bestehend hauptsächlich aus Reiheneinfamilienhäusern.35 Die Landgenossenschaft Hirzbrunnen erwarb das Grundstück. Bernoulli – bekannt auch für seine unkonventionellen Sympathien für eine Verstaatlichung von Grund und Boden – baute darauf die für ihn typischen Kleinhäuser, die er auch im Langen Loh an Basels Grenze zu Allschwil oder in Zürich realisierte.36 Die Überzeugung, dass Einfamilienhäuser, und seien sie noch so klein, mit einem eigenen Garten eine «gesunde» Alternative zu den sogenannten Mietskasernen darstellten, trieb er 1925 für die ebenfalls im neu entstehenden Quartier gelegene Genossenschaftssiedlung ‹Im Vogelsang› auf die Spitze. In maximal kostengünstiger Bauweise wurden eingeschossige Einfamilienhäuschen für Familien mit mindestens vier Kindern gebaut. Tatsächlich kamen Familien mit bis zu zehn Kindern in den drei Zimmern mit Wohnküche unter. Für diejenigen, die in diese Kleinsthäuser einzogen, ging mitunter ein Traum in Erfüllung. Vom Hirzbrunnen habe ihr Vater schon lange geschwärmt, bevor die Familie von Kleinhüningen in den ‹Vogelsang› wechselte, erinnert sich eine der ersten Bewohnerinnen.37

Innert fünf Jahren war das von der Landgenossenschaft Hirzbrunnen erworbene Areal vollständig bebaut. Das Quartier wuchs nun in Richtung Riehen und der Langen Erlen weiter. Für die 1930 vom Schweizerischen Werkbund und dem Bund der Basler Wohngenossenschaften angeregte erste Schweizerische Wohnbauausstellung (Woba) in Basel wurden kleine Musterhäuser im Stil des Neuen Bauens erstellt.38 Der Verzicht auf einen Flur, die Abtrennung von Schlafecken durch Vorhänge oder dreiseitig aneinander gebaute Häuser zur Reduktion von Heizkosten zeugten von einer ausgeprägten Experimentierlust. Mit ihren Flachdächern unterschieden sich die Woba-Häuser deutlich von den Einfamilienhäusern der 1920er-Jahre im Reformstil eines Hans Bernoulli. Gemeinsam war ihnen jedoch das sozialpolitische Ziel, einkommensschwachen Familien ein eigenes Haus zur Verfügung zu stellen. Weitere experimentelle Kleinhaussiedlungen entstanden nach dem Zweiten Weltkrieg, etwa die Holzhäuschen der Siedlung ‹Im Landauer›. Einfamilienhäuser und eine hohe Dichte an genossenschaftlichem Wohnraum waren für das Hirzbrunnen also seit seiner Entstehung charakteristisch.

Das Bruderholzquartier – die Stadterweiterung im Süden – war von Beginn an für eine andere Zielgruppe gedacht.39 Im regierungsrätlichen Ratschlag von 1913 war von einem «Villenquartier» die Rede.40 Auf dem noch von Bauernhöfen geprägten Gebiet entstanden bald erste prachtvolle Häuser und Villen, in der Zwischenkriegszeit kamen grosszügige Reiheneinfamilienhäuser hinzu. In ihrem 1944 posthum veröffentlichten Roman ‹Der barmherzige Hügel› beschrieb Lore Berger die Szenerie: «Einfamilienhäuser in Blocks für den guten Mittelstand, freistehende Häuser für dicke Geldbeutel, raffiniert und kostspielig gebaute Logis mit Terrasse, Garage im Unterbau». Im Resümee: «Alles in allem ein gutes Wohnpublikum […].»41 Als nach dem Zweiten Weltkrieg ein weiterer Bebauungsschub einsetzte, erfolgte die Ausstattung des Quartiers mit Läden und einer eigenen Poststelle. Dass das Bruderholz finanzkräftige Bewohnerinnen und Bewohner anziehen sollte, nicht zuletzt als Steuerzahlende, zeigte im Weiteren der staatliche Landankauf beim sogenannten Buremichelskopf im Jahr 1954. Das Land wurde zum Zweck der Bebauung mit Villen an Private weiterverkauft.42

Eine substanzielle Erweiterung und soziale Diversifizierung erfuhr das Bruderholz ab Mitte der 1940er-Jahre, als im Osten die ‹Siedlung Jakobsberg› entstand.43 Der Architekt Hermann Baur zeichnete für den Bebauungsplan der Siedlung für «mittlere und niedere» Einkommen verantwortlich. In mehreren Bauetappen entstanden bis in die 1960er-Jahre Ein- und Mehrfamilienhäuser, zum Teil zur Miete, zum Teil zum Kauf. Am Rande des Bruderholzes entwickelte sich so ein Wohngebiet, das in weiten Teilen – wie das Hirzbrunnen – als Gesamtüberbauung geplant und genossenschaftlich organisiert war. Eine zweite Grossüberbauung kam ab Mitte der 1960er-Jahre mit der Siedlung Sesselacker der Christoph Merian Stiftung hinzu.44 Auch sie kombinierte Reiheneinfamilienhäuser zur Miete mit wenigen Mehrfamilienhäusern. Als Ende der 1960er-Jahre einzelne Hochhäuser in beide Siedlungen integriert wurden, zeigte dies den Übergang in eine neue Ära des Städtebaus an. Die allerersten Basler Wohnhochhäuser von 1951 waren eine Attraktion.45 Eine Besichtigung gehörte im Jahr ihres Bezuges gar zum Programm der Basler Mustermesse. Beeindruckend war neben der Gebäudehöhe von 38 Metern ihre Innenausstattung mit Deckenheizung, Kehrichtschacht, Personenaufzügen, Waschmaschinen und Wäschetrocknern. 150 Familien kamen in den Genuss, die bis dahin in Basel unbekannte Wohnform als Erste zu erproben. 1951 zogen sie in die Hochhäuser der Genossenschaft ‹Entenweid› nahe dem Kannenfeld-Gottesacker, der bald darauf zum Park umgestaltet werden sollte.46

Die «Wohntürme» versprühten einen Hauch von American Way of Life und hielten manchen Komfort bereit. Für ihren Bau sprachen aber auch ganz pragmatische Gründe. Der Verband Schweizerischer Konsumvereine zum Beispiel, der wie zahlreiche andere Schweizer Medien die neuen Häuser in seiner Zeitschrift vorstellte, argumentierte mit Blick auf zeitgenössische Hochhauskritiken: Ob die in die Höhe ragenden Bauten schön anzusehen seien, darüber gingen die Meinungen wohl auseinander. Die vergleichsweise niedrigen Baukosten und die resultierenden sozialverträglichen Mieten würden ihren Bau aber rechtfertigen.47 Dank einer Mietobergrenze konnten auch Familien mit bescheidenem Budget in die ‹Entenweid› einziehen. Indem die Hochhäuser Wohnraum in der Vertikalen schufen, entstand zudem auf wenig Fläche ein Zuhause für viele.

In Zeiten der notorischen Wohnungsknappheit überstieg die Nachfrage nach den ‹Entenweid›-Wohnungen das verfügbare Angebot jedenfalls bei Weitem. Die ersten Mieterinnen und Mieter hatten nur kleinere Nachteile zu beanstanden, die nicht mit der neuen Wohnform an sich zu tun hatten. Sie betrafen vielmehr einen ungesicherten Strassenübergang und die Nachbarschaft zur Bahnlinie ins Elsass, die für Lärm- und Rauchbelästigung sorgte. Geschätzt wurden hingegen die Dachterrassen als geteilter Aussenraum, wo spielende Kinder vor dem zunehmenden Strassenverkehr geschützt waren. Dem Zusammenleben so vieler Menschen unter – im wörtlichen Sinne – einem Dach trugen ausserdem spezifische Vorkehrungen wie eine Trittschallisolierung Rechnung. Die geräuschintensive Präsenz vieler Kinder war in der Planung mitbedacht worden.

Wie in der Verordnung für den Bau von Hochhäusern von 1930 definiert, waren Hochhäuser nur an «städtebaulich (ästhetisch und verkehrstechnisch) geeigneten und sorgfältig ausgewählten» Orten zulässig.48 Diese Kriterien waren im St.-Johann-Quartier offenbar erfüllt, während sich anderswo die Begeisterung für in die Höhe ragende Wohnbauten vorerst in Grenzen hielt. Ein bereits 1952 im Nachgang zu den ‹Entenweid›-Häusern projektiertes Vorhaben für drei Hochhäuser am Hechtliacker, am Abhang des Bruderholzes, wurde von den Behörden abgelehnt. Während die Architekten mit einer optimalen Einpassung der Bauten in das abschüssige Gelände argumentiert hatten, stellte sich die Gegenseite auf den Standpunkt, sie störten das Stadtbild an dieser Stelle. Mit einer Verspätung von zehn Jahren wurde schliesslich eines der drei Häuser realisiert, zeitgleich mit weiteren Hochhäusern an anderen Orten in der Stadt.49 An den Wohnungsbau in die Höhe hatte man sich zwischenzeitlich anscheinend gewöhnt.

Herausbildung einer funktionalen Stadt: Infrastrukturgürtel und Zentrumsbildung

In einem Stadtführer aus dem Jahr 1923 war zu lesen, dass Basel soeben von «einer mittelalterlichen zu einer modernen Stadt geworden» sei.50 Allerlei «moderne» Vorzüge wurden in diesem Büchlein des lokalen Verkehrsvereins aufgezählt: neben der Schwemmkanalisation des vorherigen Jahrhunderts zum Beispiel auch die als hygienisch geltende Kremation. Die Stadt, wie sie hier beworben wurde, zeichnete sich nicht nur durch Sehenswürdigkeiten und beschauliche Spazierrouten aus, sondern auch durch ihre Infrastruktur, die sich förderlich auf die Gesundheit der Menschen, die Annehmlichkeit des täglichen Lebens und die Effizienz aller wirtschaftlichen Abläufe auswirkte. Wie ein Kranz legten sich die entsprechenden Versorgungswerke und Areale um sie herum, während ihr Inneres zum Stadtzentrum im modernen Sinn avancierte. Im Inneren der Wohngebäude etablierte sich im Verlauf des 20. Jahrhunderts ein gesteigerter Lebensstandard. Wenngleich sich die Ausstattung je nach Quartier in unterschiedlichem Tempo vollzog, wurden die Wohnräume insgesamt heller, wärmer und hygienischer. Trinkwasser floss hinein, Abwasser wieder hinaus. Warmwasser stand immer häufiger direkt ab Hahn zur Verfügung. Ein eigenes Badezimmer wurde vom Luxus zur Regel. Bis 1930 waren quasi alle Basler Haushalte ans Stromnetz angeschlossen, während sich noch um die Jahrhundertwende nur wohlhabende Familien, grosse Geschäfte und Industriebetriebe elektrisches Licht hatten leisten können.51

Bis zum Beginn des 20. Jahrhunderts hatte die Stadt diejenigen Werke selbst übernommen, die eine solche «Modernisierung» der Haushalte – und gleichermassen von Staatswesen, Gewerbe und Industrie – erst möglich machten und die früher zum Teil in der Hand von Privaten gelegen hatten: die Wasserversorgung und die Kanalisation, die Gas- und Stromproduktion.52 Es war diesen damit ähnlich ergangen wie der Basler Strassenbahn, die 1895 verstaatlicht worden war: Auch der öffentliche Verkehr war damals schon so wichtig geworden, dass der Staat ihn nicht länger Privaten überlassen wollte. Gleiches galt schliesslich für die Entsorgung von Haushaltsabfällen. Im Zeichen von Hygienepolitik und Seuchenprävention wurde auch die Abfallentsorgung zur Staatsaufgabe. Anders als die Wasser- und Energieversorgung lieferte sie jedoch nicht, sondern befreite von Stoffen, und das in wachsendem Umfang: Die Menge des Hauskehrichts sollte sich von 1910 bis 1966 mehr als verfünffachen, denn nicht zuletzt wegen zunehmender Verpackungen waren die Abfälle immer schlechter kompostierbar.53 Der Basler Hauskehricht wurde ab 1943 in der Kehrichtverbrennungsanlage vernichtet, während nahe gelegene Institutionen wie das Bürgerspital erstmals von der so gewonnenen Fernwärme profitierten.54

Die nunmehr städtischen Versorgungswerke brauchten Platz, der ihnen am Stadtrand zur Verfügung gestellt wurde. In geringer Entfernung zu chemisch-pharmazeutischen Fabriken und zur Landesgrenze bildeten sich so in den Quartieren Kleinhüningen und im St. Johann industriell geprägte Areale heraus. In der Nähe des um 1920 ausgehobenen Kleinhüninger Hafens wurde 1931 die neue Gasfabrik sowie 1963 ein Fernwärmewerk errichtet. Im St. Johann wurde in der Nähe der alten Gasfabrik von 1860 und der Dampfzentrale von 1899 in den 1940er-Jahren die Kehrichtverbrennungsanlage erbaut, während Strafanstalt, Schlachthof und Stadtgärtnerei zentrumsnaher lagen.

Wer in der Nachbarschaft der grossen Versorgungswerke wohnte, hatte mit entsprechenden Emissionen zu kämpfen. So beschwerte sich der Quartierverein Kleinhüningen während Jahren über die Geruchs- und Staubbelästigung durch die Gaskokserei. Zugleich schickten einige Ärzte Kinder in die Gasfabrik, weil Berichte über die Heilwirkung der Dämpfe bei Keuchhusten kursierten. Dem schenkten die Behörden aber keinen Glauben und lehnten die Einrichtung eines «Keuchhustenzimmers» ab.55 Nicht weniger verärgert klang es auf der anderen Rheinseite, am Stadtrand in Richtung Frankreich: Unermüdlich wurden die Bewohnerinnen und Bewohner bei Behörden und Betreibern mit Klagen über gewerbliche, industrielle und öffentliche Nutzungen vorstellig. Es stank und war laut, unerklärte Oxydationen wurden festgestellt, der Rhein verfärbte sich.56 Selbst die Kehrichtverbrennungsanlage, die unhygienischen Deponien und der eigenmächtigen Müllverbrennung in Höfen und Gärten den Garaus machen sollte, sorgte anfänglich für Beschwerden wegen Gerüchen.57

Die Einrichtungen zur Trinkwasserversorgung besetzten ebenfalls grosse Gebiete am Rande der Stadt. Sie verwandelten ihre Umgebung aber in gegenteiliger Weise: Sie markierten und schufen Grün- und Naherholungszonen. So zum einen im Bereich der Langen Erlen: Das ab 1882 betriebene Pumpwerk erforderte eine Schutzzone, die Bebauung und Anbautätigkeit einschränkte. Die Wassergewinnung beförderte so den Status des Gebiets als Wald- und Parkanlage.58 Zum anderen auf dem Bruderholz: In der Nähe des 1905 in Betrieb genommenen Wasserreservoirs wurde 1926 der Wasserturm erbaut. Er wurde zu einem beliebten Ausflugsziel. Als 1954 das Kraftwerk Birsfelden gebaut wurde, entstand mit der Kraftwerksinsel ein weiteres Naherholungsgebiet. Der oberste Stadtgärtner bezeichnete dessen Grünflächenplanung einmal als die «grösste Aufgabe», die er jemals angegangen sei: Auch hier brachte die Infrastruktur gestaltete Natur hervor.59 Neben diesen Versorgungswerken im Dienste von Komfort, Hygiene und Produktivität umsäumten mit der Psychiatrie und dem Zentralfriedhof zwei weitere Grossareale die Stadt. Ihnen war gemein, dass sie Krankheit und Tod ausser Sichtweite rückten. Die Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt bestand seit 1886 im Nordwesten Basels. In ihrer Nähe entstand 1935 die Wohn- und Arbeitsstätte ‹Milchsuppe› für Menschen mit einer Behinderung.60 Die periphere Lage dieser Einrichtungen bot den Vorteil einer grünen Umgebung, schied die Patienten und Patientinnen aber zugleich von der Stadt ab.61 Der Basler Zentralfriedhof Hörnli wiederum, 1932 auf Riehener Boden eröffnet, löste die Platznöte der Gottesäcker. Die Verstorbenen lagen nun ausserhalb der Stadtgrenzen.

Zu den stadtumgebenden Infrastrukturanlagen kamen schliesslich auch die Basler Rheinhäfen sowie der 1946 eröffnete Flughafen als Ablösung des früheren Flugplatzes Sternenfeld hinzu. In Ergänzung zu den bereits seit dem 19. Jahrhundert erbauten Bahnhöfen und zugehörigen Lagerplätzen boten sie neue Umschlagplätze und neue Anschlüsse Basels an die Welt. Zur Jahrhundertmitte war Basel so von allen Seiten her umgeben von Werken, Institutionen und Anlagen, die dem Funktionieren der Stadt dienten: der Steigerung von Wohlbefinden und Gesundheit, dem Wirtschaftsleben sowie einem beschleunigten Verkehr von Personen und Gütern. Ein Versorgungsgürtel hatte sich um die Stadt gelegt.

Am Stadtrand gelegen, gehörte die Infrastruktur zwar zu Basel, sie war aber nicht alleine für Basel gedacht. Schon 1907 wurden Riehen und Binningen, 1910 Birsfelden, Allschwil, Bottmingen und Oberwil, 1913 Grenzach und Wyhlen an das Basler Gasnetz angeschlossen.62 Auch bei der Elektrizitätsgewinnung war man aus Rentabilitätsgründen auf einen möglichst weiten Rayon von Abnehmerinnen und Abnehmern bedacht. Verschiedene Schweizer Stromanbieter, darunter auch das Basler Kraftwerk Augst von 1912, konkurrierten bis in die 1930er-Jahre unverhohlen um die Belieferung des Elsass.63 Was die Abfallentsorgung betraf, war Basel schon lange mit seiner Nachbarschaft verbunden, mit der Kehrichtverbrennungsanlage von 1943 drehte sich die Fahrtrichtung der Abfalltransporte allerdings um: Anstelle von Mülldeponien in Baselland sowie im grenznahen Elsass war ein Gebäude mit hohem Kamin im St. Johann nun ihre Endstation.64 Ab 1946 nutzte mit Binningen die erste Baselbieter Gemeinde die städtische Kehrichtverbrennungsanlage mit, weitere folgten bald.65 Gemeinsam genutzte Infrastruktur wurde entsprechend in den bis in die 1960er-Jahre anhaltenden Debatten über eine Wiedervereinigung der beiden Basler Halbkantone vorgebracht. Sie diente ebenso als Argument für eine Kantonszusammenlegung wie gegen sie, wenn deren Gegner die bewährte Praxis einer geteilten Nutzung über die Kantonsgrenzen hinweg ins Feld führten.66 Die Verbindungen, die durch Basels Infrastrukturgürtel entstanden, reichten zudem über die unmittelbare Nachbarschaft hinaus. Einige Vorhaben waren bereits als Gemeinschaftsprojekte aus der Taufe gehoben worden, allen voran der 1946 eröffnete binationale Flughafen Basel-Mulhouse im französischen Blotzheim. Auch Elektrizitätswerke wurden in der Regel von mehreren Partnern zusammen betrieben, hierunter das Stromkraftwerk Oberhasli im Berner Oberland. Seit sich Basel 1927 daran beteiligte, stellte dieses eine Art Aussenstelle des Infrastrukturgürtels dar. Über Freileitungen von 175 Kilometern Länge gelangte der Strom in die Stadt.67 Die Infrastruktur machte Basel so nicht nur zu einer «modernen Stadt», wie es der Verkehrsverein in den 1920er-Jahren beschrieb. Über Leitungsnetze, Staatsverträge und Verkehrswege verband sie Basel auch dauerhaft mit den umliegenden Gemeinden, Kantonen und Ländern. Am 12. Juli 1944 verfasste der sozialdemokratische Regierungsrat und Vorsteher des Baudepartements, Fritz Ebi, eine kurze interne Notiz: Er wünschte die Aufstellung eines «Richtungszeigers auf dem Aeschenplatz». Es dauerte nur drei Tage, da war der neue Wegweiser aufgestellt. «Zur Innerstadt in das Geschäftszentrum», war darauf zu lesen.68 Die neue Signalisation bezeugte eine Entwicklung, die schon im 19. Jahrhundert ihren Anfang genommen hatte: Auch ein attraktives und funktionales Stadtzentrum gehörte zur modernen Stadt.

Dieses Zentrum – ‹Innerstadt› oder ‹Innenstadt› genannt – erfüllte mehrere Aufgaben zugleich: Bereits im 19. Jahrhundert hatte sich hier eine Verdichtung von bürgerlichen Kulturorten und zugehörigen Repräsentationsbauten herausgebildet.69 Zwischen Steinenberg und Barfüsserplatz waren auf private Initiative hin monumentale Gebäude für Musik, Theater und Kunst errichtet worden. Als die Barfüsserkirche 1894 zum Historischen Museum wurde, komplettierte dieses das Areal der später so genannten Kulturmeile. Was es in Basel an ‹Hochkultur› zu erleben gab, war fortan in diesem Bereich der Stadt zu finden. Zwar mussten sich die das Stadtzentrum beanspruchenden Kulturinstitutionen wiederholt gegen Konkurrenz behaupten: Wie im 19. Jahrhundert die Schausteller, so brachten nach der Jahrhundertwende das Varieté-Theater und das Kino das Stadttheater in Bedrängnis.70 Als 1928 der Kinotempel ‹Palermo› direkt dem Theater gegenüber eröffnete, empfanden dies Theaterbegeisterte als Affront.71 Tatsächlich erfreuten sich die neuen Kinosäle einer Beliebtheit in bislang ungekannten Ausmass: Wie keine andere Kulturinstitution vermochte das Kino ein Millionenpublikum anzusprechen.72 Ähnliche Konflikte um das Nebeneinander verschiedener kultureller Angebote am Steinenberg spielten sich im Stadtcasino ab. Der berühmte Dirigent Paul Sacher fand es skandalös, dass sich nach dem Zweiten Weltkrieg die Gewohnheit eingebürgerte, im Musiksaal auch Ausstellungen oder Boxwettkämpfe zuzulassen.73 Allen Konkurrenzkämpfen zum Trotz war der Status des Steinenbergs als Kulturstätte aber unbestritten. Als in den 1950er- und 1960er-Jahren – gerade feierte das Ballett des Stadttheaters Welterfolge – eine Neugestaltung des Areals zur Diskussion stand, war vom «kulturellen Zentrum» der Stadt die Rede.74 Schlussendlich resultierte aus dem mehrstufigen Planungsprozess der Theaterneubau von 1975.75

Die bereits im 19. Jahrhundert entstandene Ballung von Kulturinstitutionen in der Innenstadt wurde im 20. Jahrhundert noch verstärkt, als das Kunstmuseum nach jahrlanger Standortsuche 1936 ebenfalls zentrumsnah am St. Alban-Graben eröffnete.76 Ähnliches bewirkten die neuen Gebäude der Universität, unter ihnen das Kollegienhaus von 1939. Auch für sie schien etwa das Kleinbasel, wo das Volkshaus als Versammlungsort der Arbeiterbewegung, das ‹Varieté Clara› oder die Herbstmesse beliebte Treffpunkte bildeten, als Standort trotz Expansionsbedarfs nicht in Frage zu kommen: Grossbasler Standorte in Zentrumsnähe wurden bevorzugt. Nur kurzzeitig, im Glauben an eine mögliche Wiedervereinigung mit dem Kanton Basel-Landschaft in den 1960er-Jahren, wurde die Verlegung ganzer Fakultäten auf basellandschaftliches Terrain diskutiert. Die Ablehnung der Wiedervereinigungsinitiative 1969 beendete diese Gedankenspielerei jedoch rasch.77 Der Städtevergleich zeigt, wie auffällig diese Konzentration universitärer und kultureller Einrichtungen auf engem Perimeter ist. In Zürich, Genf oder Strassburg hatte das Stadtwachstum des 19. und 20. Jahrhunderts zu einer Ausdehnung des Stadtzentrums oder zur Vervielfachung städtischer Zentren geführt – nicht so in Basel.78

Neben seiner Funktion als Stätte von ‹Hochkultur› und Hochschule wurde das Zentrum auch zum Geschäftszentrum, wie die vom Bahnhof herkommenden Besucher und Besucherinnen seit 1944 auf Ebis Wegweiser lesen konnten. Auch diese Rolle hatte sich schon im 19. Jahrhundert herauszukristallisieren begonnen, gut ablesbar an der Verbreiterung, Begradigung und Neubebauung der Freien Strasse.79 Vielgeschossige Kauf- und Bankhäuser säumten sie ebenso wie stattliche Zunfthäuser. Die Verkehrsplanung nahm Rücksicht darauf. Zwar waren die Geschäfte ein gewichtiges Argument für eine «Talentlastungsstrasse» quer durch das Zentrum. Die Kundschaft sollte bequem bis vor die Türen der Einkaufsläden gelangen – im Idealfall mit dem Auto. Eine erneute Verbreiterung der Freien Strasse als Hauptschlagader der Geschäftscity stand hingegen nicht zur Diskussion – nicht zuletzt wegen der hohen Grundstückspreise, welche hier inzwischen erreicht wurden.80 Vielmehr sollte die neue Autostrasse parallel zu ihr verlaufen.

Seit sich in den 1930er-Jahren der Begriff der «Altstadt», ein Lieblingsthema der Heimatschutzbewegung, auch in der Stadtplanung etablierte, wurde dem Stadtzentrum nebst Kultur- und Geschäftszentrum schliesslich eine weitere Funktion zugewiesen. Bestimmte Strassenzüge des historischen Stadtkerns wurden als erhaltenswürdig klassifiziert.81 Im Zonenplan von 1939 schied man erstmals kleinere Gebiete beidseits des Rheins als «Altstadt» aus. Für sie galt zwar noch kein echter Abbruchschutz. Bauliche Massnahmen hatten sich in den definierten Strassenzügen aber, so die Vorgabe, ästhetisch an der bestehenden Bausubstanz zu orientieren. In der Altstadtzone war Altes somit explizit gewünscht, während Basel anderswo sichtbar erneuert wurde. Im Resultat führte dies in den entsprechenden Abschnitten allerdings nicht nur zu Erhalt und Sanierung alter Bausubstanz, sondern auch zum Nachbau von mittelalterlich anmutenden Gebäuden, so zum Beispiel am Nadelberg nach einem Brand in den 1950er-Jahren.82 Ein dergestalt harmonisiertes, «ursprüngliches» Stadtbild entsprach dem modernen Geschmack und diente dem Zweck des Stadtzentrums, die historische Keimzelle einer wachsenden Stadt darzustellen.

Die Innenstadt, wie Regierungsrat Ebi sie im Jahr 1944 auf seinem Wegweiser hatte ausweisen lassen, war damit einerseits Teil einer vergrösserten und in funktionale Teile gegliederten Stadt. Andererseits war das moderne Stadtzentrum seinerseits binnendifferenziert. Es erfüllte mehrere Aufgaben zugleich: Bürgerliche Kultur- und Repräsentationsbauten, grosse Geschäftshäuser und die verwinkelten Gassen der Altstadt teilten sich seinen engen Raum.

Beschleunigte Mobilität: Ein Durchkommen für den Massenverkehr

Im 20. Jahrhundert nahm die innerstädtische Mobilität zu. Wichtiger Treiber dieser Entwicklung war eine wachsende Entfernung zwischen Wohnen und Arbeiten. Mitte der 1950er-Jahre pendelten rund achtzig Prozent der Berufstätigen innerhalb von Basel zwischen Wohnort und Arbeitsstätte, wie das Statistische Amt errechnete: Im Grossbasel führten die meisten Arbeitswege in Geschäfte und Büros im Stadtzentrum, im Kleinbasel war das Industriegebiet in Kleinhüningen der am häufigsten angesteuerte Arbeitsort. Hinzu kamen mehr als 17 000 weitere Berufstätige, die aus anderen Kantonen und dem grenznahen Ausland zupendelten.83 Die grosse Zahl der durch die Stadt navigierenden Menschen sowie eine wachsende Zahl von Verkehrsträgern resultierten in einem gesteigerten Verkehrsaufkommen; in Verbindung mit festen Arbeitszeiten führte dies zu eigentlichen Stosszeiten. Neu gebaute Brücken über den Rhein verflüssigten den Verkehr. 1934 wurde die Dreirosenbrücke eröffnet, 1955 die bis 1975 bestehende St. Albanbrücke. 1973 folgte die Schwarzwaldbrücke als Autobahnbrücke. Die Basler Strassenbahn – das sogenannte Tram – begleitete Wachstum und Ausdehnung der Stadt in alle Richtungen.84 Basel wuchs dort weiter, wo das Tram hinfuhr. Umgekehrt war, wo immer neue Wohnquartiere entstanden, auch der Anschluss an das innerstädtische Schienennetz ein Thema. Schon früh zierte ein Baselstab die Aussenseiten der 1895 in Staatsbesitz übergegangenen und elektrisch betriebenen Tramwagen, später kamen Basilisken hinzu. Mit Basler Emblemen geschmückt, war das grüne Gefährt innert weniger Jahrzehnte zum unverzichtbaren Bestandteil der städtischen Mobilitätsinfrastruktur geworden.

Die Zahl der per Tram beförderten Personen stieg in den ersten drei Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts parallel zum Ausbau des Streckennetzes. Nach 1945 schnellte die Zahl der Fahrgäste weiter in die Höhe, auf über 60 Millionen pro Jahr.85 Dennoch war Tramfahren nicht für alle eine Selbstverständlichkeit. Die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre schlug sich zum Beispiel unmittelbar in einem Rückgang der Passagierzahlen nieder, und auf steigende Fahrtkosten reagierten die Fahrgäste empfindlich. Die grosse Konkurrenz des Trams war nicht zuletzt aus finanziellen Gründen das Fahrrad. In der Zwischenkriegszeit wurde das Velo in Basel wie in anderen Städten zum Massenvehikel, das auch gewerblich zum Einsatz kam, wenn Geschäfte und Betriebe ihre Bestellungen auslieferten. Um 1950 kamen über vier Fahrräder auf zehn Basler Einwohnerinnen und Einwohner. Daneben war die Bewältigung von längeren Strecken zu Fuss nicht ungewöhnlich. Eine der ersten Basler Trambilleteusen zum Beispiel erinnerte sich, dass sie selbst zu Beginn der 1960er-Jahre ihren Arbeitsweg zu Fuss zurücklegte, wenn sie vor dem ersten Tramkurs zur Frühschicht erscheinen musste.86

Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich auch in Basel der Trend zu einer zunehmenden Motorisierung des Individualverkehrs ab. Der Zuwachs der Personenwagen hatte in den 1920er-Jahren begonnen, beschleunigte sich nach 1945 stark und legte in den 1960er-Jahren weiter zu. Motorisierte Gefährte dominierten die Strassen nun endgültig, während sich die letzten Pferde, denen die Fahrbahnen des 19. Jahrhunderts gehört hatten, aus dem Strassenbild verabschiedeten.87 In Kreisen des Basler Grossbürgertums rief die Motorisierung anfänglich noch Widerstände hervor; dass Autos die präsentablen Kutschen und Chaisen ersetzten, wurde nur zögerlich akzeptiert.88 Gesamthaft gesehen war die Entwicklung aber nicht mehr aufzuhalten. Waren 1960 knapp 25 000 Personenwagen im Kanton registriert, so waren es 1966 bereits fast 40 000.89 Wie das Statistische Amt ermittelte, waren die meisten Autobesitzer verheiratete Männer mittleren Alters.90 Nicht selten war die Anschaffung eines Motorrads vorausgegangen – sozusagen als motorisierter Zwischenschritt vom Velo zum Auto. Dass die Autos den Männern gehörten hiess aber nicht, dass weniger Frauen am Steuer sassen, das hielten selbst die Statistiker fest. Die Karikatur angeblich ungeübter Fahrerinnen auf der «Witzeseite» von Zeitungen stiess einer Basler Autofahrerin 1955 jedenfalls sauer auf: «Ich selber fahre schon seit dreissig Jahren ohne Unfall, ohne einen Menschen oder ein Tier angefahren […] zu haben!»,91 reklamierte sie in einem Leserbrief.92

Lange schon bevor die Autos in den Jahren des Wirtschaftsaufschwungs die Basler Strassen fluteten und sie, fahrend oder parkiert, zu einem politischen Streitthema wurden, rechnete das Stadtplanbüro mit dem Auto. Als «Correctionen» waren Strassenverbreiterungen und -begradigungen bereits im 19. Jahrhundert bekannt. Im 20. Jahrhundert wurden sie zur wichtigsten Planungsgrundlage, um dem Autoverkehr im Namen einer «verkehrsgerechten Stadt» freie Fahrt zu gewähren. Parkplatzprojekte flankierten dieses Vorhaben: In den 1950er-Jahren wurde zum Beispiel eine «atombombensichere» Unterhöhlung der gesamten Grossbasler Innenstadt diskutiert, die Zivilschutzräume für den Kriegsfall mit Parkiermöglichkeiten für rund 3000 Autos kombiniert hätte.93 Zur Umsetzung gelangte dieser gigantische Bau im Unterschied zu konventionelleren Parkhäusern nicht. Welche dominante Stellung das Auto im Verkehr des 20. Jahrhundert erlangt hatte, war dennoch überall erfahrbar, so auch auf den Strassen selbst. In den 1930er-Jahren eingerichtete Fahrradwege wurden zugunsten der Autos in den 1950er-Jahren wieder aufgehoben.94 Helmut Hubacher, verkehrspolitisch aktiver Grossrat der Sozialdemokratischen Partei, gab später zu Protokoll, er habe in den Jahren der Hochkonjunktur das Velofahren aufgegeben, weil er sich «ziemlich verloren vorkam im Autoverkehr».95 Das ging nicht nur ihm so: Der Basler Fahrradbestand ging Mitte der 1950er-Jahre zurück, bevor das Velo in den 1970er-Jahren eine neuerliche Renaissance erleben sollte.

Gleichzeitig stürzte der Aufstieg des Autos das aus dem vorherigen Jahrhundert stammende Tram in eine Krise. Gegenüber motorisierten Vehikeln erschien das Tram vielen als altmodisch und ungelenk. Mit dem Ziel, den Stadtverkehr zu entflechten und damit der besorgniserregend hohen Zahl der Verkehrsunfälle zu begegnen, wurde in den 1950er- und 1960er-Jahren seine Verlegung unter die Erde als «Tiefbahn» diskutiert. Auf einigen Linien ersetzten Busse die Trams, und internationale Verbindungen ins grenznahe Ausland wurden eingestellt. Die Stimmberechtigten votierten an der Urne zweimal gegen Kredite für die Beschaffung von neuem Rollmaterial. Erst unter den veränderten politischen Vorzeichen der Umweltbewegung und den Rufen nach einer «wohnlichen» Stadt sollte das Tram in den 1970er-Jahren erneut an Popularität gewinnen: Es blieb Basel erhalten, auch ohne in den Untergrund verbannt worden zu sein.

Verschwunden und zurückgeholt: Veränderungen der Stadtnatur

Die Kühe kümmerte es wenig: Sie fanden immer noch Futter auf ihrer angestammten Weide. Im Hintergrund spielte sich allerdings Einschneidendes ab. Die Tage des Hofs ‹Luftmatt› waren gezählt, die ‹Baumgartnerhäuser› an der Sevogelstrasse im Bau. Der Berufsfotograf Bernhard Wolf fing die Szenerie auf seinem Bild zu Beginn der 1930er-Jahre gerade noch rechtzeitig ein. Drei Jahrzehnte später sollten solche Landwirtschaftsbetriebe in Basel kaum mehr zu sehen sein. Die Höfe wurden abgerissen, die Tiere und Maschinen verkauft oder versteigert. Die Landwirtschaft machte Platz für eine Stadt im Wachstum. An ihre Stelle traten neue Wohnüberbauungen und Verkehrswege, gewerblich-industrielle Nutzungen und Infrastrukturbauten.

Der erste Wirtschaftssektor schrumpfte in der gesamten Schweiz, in Basel aber besonders deutlich. Kam die eidgenössische Betriebszählung von 1905 für die Stadt Basel noch auf 202 landwirtschaftliche Betriebe, so waren es 1965 gerade noch sechs.105 In den Gemeinden Riehen und Bettingen verteidigten die Höfe ihr Bleiberecht länger. 1965 standen dort insgesamt noch 28 Landwirtschaftsbetriebe.106 Aus der Stadt aber verschwanden Kühe und mit ihnen der als lästig beklagte Güllegeruch.107 Auch der Pferdebestand dezimierte sich auf einen Bruchteil; eine Ausnahme bildeten einzelne in grossbürgerlichen Kreisen gehaltene Tiere – ein kostenintensives und prestigeträchtiges Hobby. Der Umbau der Stadtnatur im Zuge der Verstädterung zog aber eine Gegenbewegung nach sich: Neue Formen der Naturnutzung und der Naturerfahrung entstanden. Die zeitgenössische Presse verfolgte den Abbruch der Basler Bauernhöfe genau. Die Überschrift «ein Bauernhof verschwindet» war über Jahrzehnte in den Basler Zeitungen anzutreffen.108 Mitunter klangen nostalgische Töne an, etwa wenn ein Gymnasiallehrer im ‹Basler Jahrbuch›, begleitet von selbst angefertigten Zeichnungen, beschrieb, dass mit dem aufgehobenen ‹Birsfelderhof› ein Stück «Heimat» dem neuen Wasserkraftwerk «zum Opfer gefallen» sei.109 Anderswo dominierten nüchterne Aussagen zu Sachzwängen. Schon 1933 hielten die ‹Basler Nachrichten› «eine längere Weiterexistenz» der in Basel bestehenden Höfe für «wohl ausgeschlossen». Die verbliebenen Milchkannen, resümierten sie trocken, «können in das Historische Museum wandern».110 In jedem Fall machte das «Verschwinden der Bauernhöfe» den systematischen Umbau der Landschaft fassbar. Die Stadt wurde zu einem Gebiet, das sich der Landwirtschaft entledigt hatte. Gleichermassen wurden Bauernhöfe zu einem Gegenstück der Stadt, zum Sinnbild von Land und Ländlichkeit.

Dass sie als Baslerinnen Städterinnen waren, erfuhren auf diese Weise die Gymnasiastinnen des Mädchengymnasiums seit den frühen 1940er-Jahren. Im Rahmen des allgemeinen Landdienstobligatoriums von 1942 wurden sie zum ersten Mal zu Arbeitseinsätzen auf Bauernhöfe in die Nachbarkantone geschickt. Während Verteuerung und Verknappung von Grundnahrungsmitteln im Ersten Weltkrieg in Basel den Eindruck erweckt hatten, einer willkürlichen Praxis durch die Landwirte ausgeliefert zu sein, schwächte sich dieses Misstrauen in den 1930er-Jahren ab; die Landwirtschaft wurde nun im Zuge der Geistigen Landesverteidigung zur Grundfeste der Schweizer Identität erklärt.111 Auch der Landdienst der Basler Gymnasiastinnen stand im Kontext solcher nationalen Einheitsbekundung zu Kriegszeiten. Schon 1943 formulierte der Rektor des Mädchengymnasiums, Paul Gessler, allerdings seine Absicht, mit dem Landdienst «eine Tradition zu schaffen», die über das Kriegsende hinaus Bestand haben sollte. Die «Annäherung zwischen Stadt- und Landbewohnern» sollte von Dauer sein.112

Tatsächlich blieb ein freiwilliger Landdienst auch nach Aufhebung des Obligatoriums im Jahr 1946 Bestandteil der Schullaufbahn der Basler Gymnasiastinnen.113 Waren sie von diesem zurückgekehrt, schrieben die jungen Frauen ihre Eindrücke Jahr für Jahr nieder.114 Die so entstandenen Berichte bezeugen, dass der Landdienst eine Kontaktaufnahme «zwischen Stadt- und Landbewohnern» in Gesslers Sinn ermöglichte. Gleichzeitig bot sich der Einsatz auf den Bauernhöfen in Basels Umgebung dazu an, den Unterschied zwischen Stadt und Land bewusst zu halten.

Helfende Hände wurden infolge des Strukturwandels der Landwirtschaft – gekennzeichnet durch Motorisierung, den Einsatz von Chemikalien und reduzierte Tierbestände – zwar immer weniger benötigt.115 Dennoch fuhren die Basler Gymnasiastinnen auch in den Jahrzehnten der Hochkonjunktur zahlreich ins Baselbiet, besonders wenn die nicht-mechanisierbare Kirschenernte anstand. Freundschaften entstanden, und manch eine Schülerin kehrte jedes Jahr auf denselben Hof zurück, motiviert auch weiterhin von der Vorstellung eines beidseitigen Nutzens solcher Begegnungen. In den Notizen einer Siebzehnjährigen zeigten sich Ende der 1950er-Jahre Spuren der Enttäuschung, als sie realisierte, dass sich die Unterschiede zwischen Stadt und Land verwischten. Der Gegensatz hatte sich in einigen Belangen abgeschwächt. Über ihren Landdienst in der Nähe von Sissach berichtete sie: «Herr Wüthrich ist ein ‹Stadtbauer›; er besitzt ein Auto, Waschmaschine, verschiedene Maschinen fürs Feld, z. T. die neuesten Haushaltungsgeräte. Wenn am Sonntag Besuch eintrifft, wird ihnen Linzertorte vorgesetzt, und nicht Brot und Speck, wie erwartet! […] So hat er sich in manchem eher den Lebensgewohnheiten der Städter angeschlossen. Mich dünkt dies schade!»116 Im Zuge der Stadtentwicklung verkleinerten sich Basels Grünflächen: Brachen, Felder und Wiesen wurden rar. Als eine Art Kompensation entstanden im 20. Jahrhundert begrenzte, teilweise eingezäunte Areale, die ausdrücklich für den Aufenthalt im Grünen gedacht waren. Leitidee für alle diese Anlagen war die des Gartens: Angelegt wurden private Hausgärten, Kleingärten zur Miete ebenso wie durch den Staat unterhaltene Parkanlagen, auch «öffentliche Gärten» genannt.

Das Gartenstadtideal prägte die Siedlungsentwicklung in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Neben den neuen Quartieren auf dem Bruderholz und im Hirzbrunnen war es auch in der weiteren Region zu erkennen, beispielsweise in der Genossenschaftssiedlung ‹Freidorf› in Muttenz von 1921.122 Genutzt wurden viele der privaten Hausgärten zuallererst für die Selbstversorgung. Häufig fand sich darum bis zur Jahrhundertmitte auch ein Kleintierstall in den Gemüsegärten von Arbeiter- und Mittelstandsfamilien. Landwirtschaftliche Nutzungsweisen überdauerten so im Kleinformat.

Um möglichst vielen Baslerinnen und Baslern einen Garten zur Verfügung stellen zu können, boten Organisationen wie der ‹Frauenverein zur Hebung der Sittlichkeit› oder Industriebetriebe ausserdem kleine aneinandergereihte Landstücke zur Pacht an.123 Auch diese Gärten dienten dem Anbau von Gemüse und Früchten für den Eigenbedarf und boten zugleich die Möglichkeit zu einer ‹gesunden› und ‹sinnvollen› Betätigung. Mietgärten waren sowohl bei Familien des Mittelstands, die sich von der Lebensreform inspirieren liessen, wie auch bei Angehörigen aus der Arbeiterschaft beliebt. Den höchsten Bestand an Kleingärten erreichte Basel nach dem Ersten Weltkrieg im Jahr 1919, als rund ein Drittel aller Basler Haushalte ein Stück Land bewirtschaftete. Zwar sank danach die Zahl der Kleingärten, nicht aber die Nachfrage. Der «Hunger nach Pflanzland» könne kaum gestillt werden, hiess es im Jahr 1926. Viele Pächter und Pächterinnen verbrächten «jede Viertelstunde», die sie erübrigen könnten, in ihrem Garten.124 Im Zweiten Weltkrieg erwies sich die Nützlichkeit der Kleingärten für die Nahrungsmittelversorgung von Neuem. Der staatlichen Weisung nach mussten sie im Rahmen der ‹Anbauschlacht› zu mindestens einem Drittel der Fläche mit Kartoffeln und zu einem Drittel mit Beerenobst bepflanzt werden.

Wie anderswo veränderten sich die Gärten in Basel in der zweiten Jahrhunderthälfte. Die Reallöhne stiegen, der Anreiz zum Eigenanbau von Lebensmitteln verringerte sich, und die Ladenregale lockten mit neuen Produkten. Private Gärten wurden immer mehr zu Freizeitorten, zum Spielen und Erholen gedacht. Sogenannte Wohngärten waren romantischer gestaltet als die früheren Nutzgärten. Man ging auf lose aneinander gereihten Trittplatten anstelle von schnurgeraden Wirtschaftswegen, gepflanzt wurden Gehölze, Blumen und Spielrasen.125 Bei den Mietgärten vollzog sich ein vergleichbarer Wandel; Gemüsebeete wurden zunehmend mit Blumenbeeten ergänzt. Zugleich bekamen die beliebten Kleingärten den Siedlungsdruck nach dem Zweiten Weltkrieg in Basel wie in anderen Schweizer Städten besonders zu spüren. Zugunsten von Wohn- und Infrastrukturbauten wurden sie reihenweise aufgehoben oder verlegt – ins Elsass, in den Kanton Basel-Landschaft oder nach Riehen.

Wie sehr Basels Bodenreserven ausgeschöpft waren, zeigte sich ausserdem daran, dass seit Mitte der 1950er-Jahre auf Stadtgebiet nur noch wenige Einfamilienhäuser mit eigenem Garten gebaut wurden. Die einstige Gartenstadtidee hatte für Basel ausgedient, während etwas ausserhalb weiterhin Einfamilienhäuser entstanden, etwa in Riehen.126 In Basel jedoch wurden nun hauptsächlich platzsparende, mehrstöckige Wohnhäuser gebaut. Diese Entwicklung beobachtete Richard Arioli, oberster Stadtgärtner von 1940 bis 1970, mit Sorge.127 «Zwischen den Blöcken», hielt er fest, «findet man nirgends mehr einen Gartenraum, den man zu mehr als zum blossen Durchschreiten benützen könnte oder möchte.» Die Grünflächen rund um die nach 1945 erstellten Mehrfamilienhäuser seien nichts mehr als «Gebäudeabstände», «Zwischenräume».128 Ein prominentes Beispiel für die Kritik am anonymen Abständsgrün zwischen Hochhäusern war das De-Bary-Areal in der Breite, das Mitte der 1960er-Jahre überbaut wurde.129 Die Stadtgärtnerei unter Arioli machte es sich vor diesem Hintergrund zur Aufgabe, die Attraktivität von Basels Parks und Grünanlagen als «öffentliche Gärten» zu steigern. Dass die Aufhebung des Kannenfeld- und des Horburg-Gottesackers zugunsten neuer Parkanlagen beschlossene Sache war, passte bestens in dieses Konzept. Die gezielte Bewirtschaftung von Grünanlagen durch die Stadt reichte zwar schon länger zurück. Bereits seit der Jahrhundertwende verfügte Basel über den Schützenmattpark sowie, auf basellandschaftlichem Boden, den Margarethenpark. In der Zwischenkriegszeit kamen Sportanlagen und Freibäder hinzu. Unter Arioli intensivierten sich die Bemühungen der öffentlichen Verwaltung, die Menschen in diese Parkanlagen zu locken, erneut. Die Zahl an Sitzgelegenheiten, Klettergerüsten, Sandkästen und Wasserspielgelegenheiten wurde markant erhöht. Zudem wurde all dies an neuen Standorten platziert: Sitzmöbel und Spielgeräte fanden sich nicht mehr nur in einigen wenigen Ecken, sondern wurden zunehmend über das ganze Gebiet der Parks verteilt.131 Aussergewöhnliche Attraktionen waren eine Gartenbibliothek im Kannenfeldpark oder die 1957 eingerichteten ersten Basler ‹Robinson-Spielplätze›.132

Tatsächlich galt Ariolis besonderes Augenmerk den Kindern. Seiner Ansicht nach waren sie die ersten Leidtragenden der Verstädterung. Der motorisierte Verkehr der Nachkriegszeit, so argumentierte er, habe ihnen die Strassen als natürliches Habitat geraubt. Darum müssten die städtischen Grünflächen zu allererst dem Kinderspiel zur Verfügung stehen.133 Das Engagement des initiativen Stadtgärtners war von Erfolg und Anerkennung gekrönt. Nicht nur trugen viele Spielplätze Ariolis Handschrift. 1985 sollte er für sein umfassendes Wirken zudem mit dem Ehrendoktortitel der Universität Basel geehrt werden.

Arrangements des Zusammenlebens: Haustiere, Zootiere und Versuchstiere

Im Zuge der Verstädterung wurden Nutztiere, die als Arbeitstiere oder zur Ernährung gehalten wurden, in Basel immer seltener. Seit den 1930er-Jahren ging die Anzahl von Pferden und Kühen rasant zurück. Kleintiere wie Geflügel, Schweine und Ziegen fanden sich noch etwas länger – etwa in Hinterhöfen und Gärten –, verschwanden aber ab den 1960er-Jahren ebenfalls vielerorts.136 Gleichzeitig kamen neue Formen der Tierhaltung auf, und neue Kontakte zwischen Menschen und Tieren entstanden, beispielsweise in Form der Haustierhaltung. Das sich wandelnde Verhältnis zwischen Menschen und Tieren beschäftigte Tierschutzvereine, Behördenvertreter, Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen. Denn die Beziehungen, die Menschen in einer Stadt wie Basel im 20. Jahrhundert zu Tieren eingingen, waren vielfältig und mitunter äusserst widersprüchlich. Immer mehr Menschen teilten sich im 20. Jahrhundert Wohnraum und Alltag mit Tieren, die sie nicht als Zug- und Lasttiere oder zur Ernährung nutzen. Die Haustierhaltung zu reinen Freizeitzwecken verbreitete sich immer weiter. Vögel, Katzen, Hunde und später kleine Nagetiere zogen in die Basler Stuben ein. Rund viertausend gehaltene Hunde wurden um 1930 in Basel gezählt. Der Grossteil von ihnen gehörte mit einer Schulterhöhe von maximal 40 Zentimetern zu den sogenannten kleinen Hunden, deren Funktion höchstens noch sekundär in der Bewachung von Haus, Hof oder anderen Tieren lag.137 Ihr emotionaler Stellenwert war dafür umso höher. Die Hundebegeisterung führte auf dem Schweizer Zeitschriftenmarkt gar zu einer Neuerscheinung. Ab 1926 wurde in Basel ‹Unser Hund› als erste in der Schweiz vertriebene Hundezeitschrift produziert. Neben medizinischen Fragen, Rassenportraits, Hundefotografien und Hundezeichnungen kam darin auch die Hundehaltung in der Stadt zur Sprache: Erklärt wurde zum Beispiel, wie die in Stadtwohnungen gehaltenen Hunde, «Etagenhunde» genannt, «zimmerrein» gemacht und vor den Gefahren des Verkehrs geschützt werden konnten oder im städtischen Umfeld zu genügend Auslauf kamen.138

Vonseiten der Behörden wurde die Hundepopulation streng überwacht.139 Einmal jährlich mussten alle Hunde vorgeführt werden, ausserdem wurde eine Hundesteuer fällig. Dieses Kontrollbedürfnis entsprang einem althergebrachten Bewusstsein um die Problematik von Tieren in Städten unter hygienischen Gesichtspunkten. Wo sie sich unkontrolliert verbreiteten, konnten sie eine Bedrohung darstellen. Als Krankheitsüberträgerinnen – und Vorratsvernichterinnen – vielleicht am meisten gefürchtet waren die Ratten; aber auch zum Beispiel gegen Stechmücken wurde gezielt vorgegangen, lange bevor Basel zu einem eigentlichen Zentrum der chemischen Schädlingsbekämpfungsindustrie werden sollte.140 Im Fall der Hunde war insbesondere die Angst vor der Tollwut gross. Mitte der 1920er-Jahre führten Tollwutfälle zu einer mehrmonatigen Maulkorb- und Leinenpflicht im ganzen Kantonsgebiet. Deren Aufhebung wurde im Januar 1926 von den Hundefreunden und Hundefreundinnen gross gefeiert. ‹Unser Hund› empfahl den Basler Leserinnen und Lesern, den Tag mit einem «besonderen Ausgehen» zu zelebrieren und die Hunde zur Feier des Tages mit einer Schleife zu schmücken.141

Es war die Praxis des Spazierengehens, die Hunde wie kein anderes Haustier nicht nur in privaten Räumen, sondern auch auf den Gehsteigen und in öffentlichen Anlagen präsent machte. Schon früh führte dies zu Nutzungskonflikten. Während die Behörden in der Hundesteuer seit jeher ein Mittel zur Regulierung des Hundebestandes sahen – nicht registrierte Hunde wurden getötet –, leiteten die Hundebesitzenden daraus eigene Ansprüche ab. Sie befanden zum Beispiel, dass die Stadt für die Reinigung der von Hunden verschmutzten Strassen aufkommen müsse. Nach dem Zweiten Weltkrieg verschärfte sich diese Problematik, weil ungenutzte Flächen zusehends verschwanden und auch die Bordsteinkanten, wo nun immer öfter Autos parkiert waren, nicht mehr als Hundetoiletten dienen konnten. Inoffiziell hatte die Stadtgärtnerei in Parks schon länger mit Pflanzungen experimentiert, von denen bekannt war, dass sie von Hunden gemieden wurden. 1966 richtete sie in einem Pilotprojekt erstmals spezielle Hundetoiletten ein. Das Aneinandervorbeikommen im von verschiedener Seite beanspruchten öffentlichen Raum sollte mit der neuen Einrichtung vereinfacht werden.142 Eine neue städtische Sehnsucht nach Tierbeobachtungen liess die Baslerinnen und Basler seit dem späten 19. Jahrhundert in zwei Richtungen ausschwärmen. Zum einen pilgerten sie in Scharen ins Umland zur Beobachtung der Singvögel. Am Anfang war es der Gesang der Nachtigall, der in die stadtnahen Wälder lockte: Die ornithologische Gesellschaft, die solche Exkursionen anbot, erlebte grossen Zulauf.143 Zum anderen waren 1871 beziehungsweise 1874 fast zeitgleich der Tierpark Lange Erlen und der Zoologische Garten eröffnet worden.144 Mit dem Wohlstandswachstum der Nachkriegszeit wurde der ‹Zolli›, wie die Basler und Baslerinnen die beliebte Institution nannten, zum Anziehungspunkt für die Massen: Fast eine Million Eintritte verzeichnete der Zoo im Jahr 1966.145 Tiere dort zu besuchen und zu beobachten, war nun endgültig zu einem von vielen geschätzten Freizeitvergnügen geworden.

«Exotische» Tiere machten den Reiz des Zoos aus. Denn obwohl er anfänglich als Heimstätte für Tiere des Alpenraums und aus Europa gedacht worden war, wurden hier bereits nach wenigen Jahren Tiere wie Elefanten oder Löwen präsentiert. Sie prangten auf den Werbematerialien und versprachen ein aussergewöhnliches Erlebnis. Ihre Präsenz zeugte von der Entstehung des Zoos in Zeiten von Imperialismus und Kolonialismus: Mit grosser Selbstverständlichkeit bedienten sich europäische Zoos an den Tierbeständen kolonisierter Länder. Erst nach dem Zweiten Weltkrieg veränderte sich die Tierbeschaffung grundlegend, als internationale Abkommen entstanden und koordinierte Zuchtprogramme eingeführt wurden. Undenkbar wurden jetzt auch die sogenannten «Völkerschauen», die der Basler Zoo bis in die Zwischenkriegszeit veranstaltet hatte.146 Dass nicht-europäische Menschen als Angehörige sogenannter «Naturvölker» evolutionär weniger weit entwickelt und «näher beim Tier» seien, war die Vorstellung hinter ihrer entwürdigenden Zurschaustellung gewesen. Die Betroffenen, die hauptsächlich aus afrikanischen, seltener aus asiatischen oder australischen Gebieten kamen, waren auf Tourneen unter der Leitung eines europäischen Leiters nach Basel gekommen und mussten inszenierte, archaisch anmutende Gebräuche nach dem Geschmack des Publikums aufführen. 1935 verschwanden solche Schauen aus dem Zoo, während die Exotisierung nicht-europäischer Kulturen und Menschen in Variétés, Zirkussen oder Filmen ihre Fortsetzung fand.147

Sein Publikum emotional zu binden, war eine Marketingstrategie des Zoos. Kinder wurden als eigene Zielgruppe beworben. Fragen und Anliegen konnten sie in einem Briefkasten deponieren; von der Zooverwaltung erhielten sie ausführliche briefliche Antwort. Zustande kamen so kleine Dialoge, in denen Tierwissen vermittelt wurde.148 Auch dass einzelne Tiere mit Namen vorgestellt wurden, diente der Bindung der Besucher und Besucherinnen. Schon früh war ein Elefant unter dem Namen ‹Miss Kumbuk› bekannt, in den 1920er- und 1930er-Jahren gab es die Schimpansen ‹Max› und ‹Moritz›. Mit einem Namen versehen, vertraten die Tiere nicht mehr nur ihre Art, sondern erschienen dem Publikum als Individuen. Zu Beginn der 1960er-Jahre wurde ein kleiner Eisbär namens ‹Luzi› zum Liebling der ganzen Stadt. Weil man annahm, dass er durch seine Tiermutter ungenügend versorgt werde, wurde mit ihm verfahren wie wenige Jahre zuvor mit dem Gorillakind ‹Goma›: Er wurde menschlichen Eltern anvertraut. Die reizenden Bilder, welche die Handaufzucht des kleinen Bären abgab, wirkten als hervorragende Werbemittel. 1964 hatte Luzi gar einen Auftritt in der ‹Schweizer Filmwochenschau›. Als er nach knapp vier Monaten in den Zoo zurückkehrte, war er so berühmt, dass die Besuchenden ihn unablässig bei seinem Namen riefen.149 Parallel zu solcher Vertrautheit mit nicht-heimischen Tieren, wie sie der Zoo systematisch förderte, geboten neue Erkenntnisse aus Biologie und Medizin Massnahmen zur Abstandswahrung. Abgesehen davon, dass Zootiere den Menschen gefährlich werden konnten – seltene, aber tragische Zwischenfälle bestätigten es – und schon Käfige und Gehege eine Trennung markierten, verlangten es übertragbare Krankheiten. Im Winter 1937/38 kam es zu einer besonders drastischen Massnahme, als der Zoo für mehrere Monate schliessen musste, weil die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen war: Eine Übertragung auf Tierbestände ausserhalb der Zoomauern wurde befürchtet.150 Das im 20. Jahrhundert entwickelte Ziel einer artgerechten Haltung führte in Verbindung mit dem Wunsch, die Tiere in möglichst lebensechter Umgebung zu präsentieren, ausserdem zu einer sukzessiven Vergrösserung der Gehege. In einem ersten Schritt wurden, wo es möglich war, seit den 1920er-Jahren Wassergräben oder aufsteigende Mauern anstelle von Gitterstäben eingesetzt. Weiter wurden die Gehege mit verwinkelten Stellen ausgestattet, zum Beispiel mit abgesonderten Wurfboxen. Imitiert wurden damit Elemente der Lebensräume der Tiere in freier Wildbahn.151 Die Kleinstkäfige aus den Anfangsjahren des Zoos hatten ausgedient. Entsprechende Berührungsversuche durch die Menschen waren seltener geworden.

Dass der Zoo 1960 ein striktes Fütterungsverbot einführte, unterstrich den Trend zu einer vergrösserten Distanz.152 Neben der Verhinderung von Infektionen sollte damit der Gefahr des Überfütterns entgegengewirkt werden. Schon seit den 1950er-Jahren hatten die Verantwortlichen versucht, den Besuchenden abzugewöhnen, mitgebrachte Speisen wie Äpfel oder Zucker in die Gehege zu werfen. Übergangsweise durften am Zookiosk verkaufte Nahrungswürfel verfüttert werden. Nach einem neuerlichen Ausbruch der Maul- und Klauenseuche allerdings war auch damit Schluss. Weil es eine geschätzte Interaktion unterband, empfanden viele Besucherinnen und Besucher das neue Regiment als Einschnitt und gewöhnten sich nur langsam daran. Übrig blieb die Möglichkeit, bestimmten Tierarten wie den Seelöwen bei der Fütterung durch das Personal zuzusehen: an Spitzentagen ein von Hunderten miterlebtes Spektakel. In den 1930er-Jahren entbrannte in Basel eine tierpolitische Debatte, die in der ganzen Schweiz für Aufsehen sorgte. Es ging um Tierversuche. Dass solche in Basel als Chemie-, Pharma- und Universitätsstadt stattfanden, war kein Geheimnis; ebenso wenig, dass die jüngsten Erfolge von Medizin und Pharmakologie auf ihnen fussten. Neben Kleintieren wie Ratten kamen auch Hunde und Katzen in den Labors zum Einsatz.153 Ob diese Tierexperimente aber legitim seien, darüber gingen die Meinungen auseinander. Im Kern stand die industrielle Verwertung von Tieren zur Diskussion, wie sie sich zeitgleich auch in der Fleischverarbeitung etablierte. Eine als Anti-Vivisektionsbewegung organisierte Gegnerschaft erinnerte daran, dass dieselben Tiere, die in den Labors litten, zuhause geliebt wurden. «Ihr Basler Frauen und Männer mit dem Herz am rechten Fleck […] so denkt stets, wenn hinter den Mauern in dunklen Verliessen unschültige Tier kläglich bellen und winseln, es sind auch fühlende Mitgenossen deines Hundes, deines Büsi […]!», appellierte der 1926 gegründete Basler ‹Verein gegen die Vivisektion›.154 1939 brachte er eine Vorlage zur Abstimmung, die ein kantonales Versuchsverbot an Hunden, Katzen und anderen «Hochtieren» sowie eine Narkosepflicht und die Reduktion auf unbedingt notwendige Versuche vorsah.155 Denn bisherige Vereinbarungen zur Narkose und zur Reduktion der Tierexperimente fussten auf freiwilliger Basis.156

Grossflächige Inserate pro und contra Tierversuche prägten die Basler Presselandschaft im folgenden Abstimmungskampf über Wochen. In drastischen Worten beschrieb der umtriebige Verein gegen die Vivisektion, was die Tierversuche seiner Meinung nach beinhalteten und schilderte «Zerschneiden, Zersägen, Verbrühen, Verbrennen der Tiere, das Anbohren des Schädels, […] Zerstörung der Augen, mechanische Dreh- und Brechversuche […], Verhungern- und Verdurstenlassen» und ähnliches mehr. Doch auch die Initiativgegnerschaft organisierte sich rasch und professionell. Sie gründete ein Komitee und besetzte es mit ranghohen Vertretern aus Verwaltung, Universität und Privatwirtschaft. Vom Gesundheitsamt, der Universität und der chemisch-pharmazeutischen Industrie kamen ausführliche Gutachten, die von einer Unverzichtbarkeit von Tierversuchen sprachen.157 Neben den jüngsten Fortschritten in der Medizin machten sie die Komplexität der Forschung geltend: Nur Fachleute, nicht aber Laien könnten über die Notwendigkeit von Tierversuchen befinden.

Tatsächlich stand für Basel in dieser Hinsicht viel auf dem Spiel – unter den Vorzeichen von Wirtschaftskrise und Kriegsbeginn erst recht. Die Stadt könne, so sah es eine breite Koalition unterschiedlicher Gruppierungen, das Risiko einer Abwanderung der chemisch-pharmazeutischen Industrie nicht in Kauf nehmen. Ärzte- und Apothekervereine sowie sämtliche Parteien und Gewerkschaftskreise sprachen sich gegen ein Versuchsverbot aus. Selbst dem Basler Tierschutzverein ging ein solches zu weit. Zwar prangerte auch dieser etablierte und in gutbürgerlichen Kreisen verankerte Verein Fälle von Tierquälerei an, warnte seine Mitglieder aber vor dem «Gestürm der Antivivisektionisten».158 Am Ende gab es nichts zu deuteln: Mehr als 75 Prozent der Stimmenden sagten Nein zu einem Vivisektionsverbot.159 Ein ähnliches Abstimmungsresultat hatten Initiativen in anderen Kantonen erzielt, etwa 1924 in Zürich. Damit blieben Tierversuche nicht nur erlaubt, sondern vorerst auch uneinheitlich reguliert. Erst das eidgenössische Tierschutzgesetz von 1978 enthielt dazu schweizweit gültige Bestimmungen.160

In der Akzeptanz von Tierversuchen spiegelte sich ein komplexes Verhältnis zwischen Menschen und Tieren. Einerseits wurden sie als einander ähnlich gesehen. Das Tierexperiment legte nahe, dass vom tierischen Organismus auf den menschlichen geschlossen werden konnte. Andererseits hatten die Bedürfnisse der Menschen nach modernen Heilmitteln, Fortschritten in der Medizin und einer funktionstüchtigen Industrie Priorität vor dem Wohl einzelner Tiere. Dass man Versuche an ihnen billigte, selbst an Hunden und Katzen, bringt ausserdem zum Ausdruck, wie flexibel das Verhältnis zu Tieren gehandhabt wurde: Während im Labor wissenschaftliche, medizinische und ökonomische Gründe ihre Vernutzung rechtfertigten, waren sie in Wohnzimmern geliebte Gefährten. Das eine wurde vom anderen strikt getrennt.

Anmerkungen

  1. Wedell; Stähli 1972.
  2. Zur erst später einsetzenden grenzüberschreitenden Raumplanung vgl. Koellreuter; Kolb; Leypoldt 2017.
  3. Zum Wachstum der stadtnahen Gemeinden vgl. Kreis 2019; Blanc 1996.
  4. Gallusser 2016, S. 32.
  5. Zu Basels (Wohn-) Baugeschichte im Überblick vgl. Rieger 2012.
  6. Brandenberger; Zophoniasson-Baierl; Zünd 2010.
  7. Würmli 2012, S. 14.
  8. Cuénod 2012, S. 54 ff.
  9. Ebd.; Rieger 2012; Würmli 2012.
  10. Winkler 1986, S. 24–25; Suter 1985, S. 116–131.
  11. Rieger 2012, S. 35.
  12. Wunderle 1964b.
  13. «Wohnungsbestand», in: StatJB, div. Jahrgänge.
  14. «Die Einteilung der Stadt Basel in Wohnviertel (statistische Bezirke)», in: StatJB, 1921, S. 12.
  15. Siegfried-Schupp vgl. Reck Schöni 1994; zu Kleinhüningen vgl. Hugger 1984; zum Bruderholz vgl. Escher 1958; zur Kolonialismusgeschichte vgl. Fischer-Tiné; Purtschert 2015.
  16. Sarasin-Von der Mühll 1931.
  17. Schürch; Koellreuter 2013, S. 39–66.
  18. Koller 1995.
  19. «Schützet die alten Winkel», in: Basler Vorwärts, 27.01.1932.
  20. Grossmann 2019, S. 79 ff.
  21. Seiler; Gnat; Kovach 1964.
  22. Moll; Sandtner; Saner 2002, S. 34–37.
  23. Weick 2018; Rohrbach 2009; Schmutz 1955.
  24. Philipp 1967, S. 115 ff.
  25. Frey; Kiechle 1983, S. 41; Weick 2018.
  26. Zum Haus ‹Zum neuen Singer› vgl. Huber 1979.
  27. Thüring 2005.
  28. dt.: Das Haus für alleinstehende Frauen an der Speiserstrasse, in: NZ, 25.08.1929.
  29. Meyer, Peter: Wohnhaus für alleinstehende Frauen «Zum neuen Singer», in: Das Wohnen, Schweizerische Zeitschrift für Wohnungswesen 5 (5), 1930, S. 91–92.
  30. Moll; Sandtner; Saner 2002, S. 36–37.
  31. Vgl. exemplarisch: Suter 1985, S. 121 ff.
  32. Merkle; Merkle; Arioli u. a. 1960, S. 9.
  33. Zur Geschichte des Einfamilienhauses vgl. Hartmann 2020; zu Zürich vgl. Kurz 2008.
  34. Zum Folgenden vgl. Muster 1987; Bernoulli; Künzel 1930.
  35. Bernoulli; Künzel 1930, S. 265.
  36. Zu Bernoulli vgl. Claus; Zurfluh 2018.
  37. Interview mit Margrit Spörri von Noëmi Crain Merz, 06.04.2016.
  38. WOBA 1930.
  39. Zum Bruderholz vgl. Ehret; Flierl 2021; Flück 1992; Dietschi 1975.
  40. StABS, STA BS 9 1888, Ratschlag betreffend die Bebauung des Bruderholzes und die Erstellung einer Strassenbahnlinie nach dem Bruderholz, 29.05.1913.
  41. Berger 2018 [1944], S. 19.
  42. Dietschi 1975, S. 33–34.
  43. Baur 1947; Baur 1968.
  44. Suter 1985, S. 118.
  45. Zum Hochhausbau in Basel vgl: Spechtenhauser 2016b.
  46. Zur ‹Entenweid› vgl. Wohngenossenschaft Entenweid 2010; SWA, H + I H 659.
  47. «Die Hochhäuser der Wohngenossenschaft Entenweid in Basel», in: Schweizerischer Konsum-Verein Basel, Nr. 48, 02.12.1950.
  48. «Auszug aus der Basler Verordnung für den Bau von Hochhäusern, vom 11. Februar 1930», in: Schweizerische Bauzeitung 97/98 (19), 1931, S. 243–244.
  49. Spechtenhauser 2016b, S. 22–25.
  50. Verkehrsverein Basel 1923, S. 15–16.
  51. Tréfás; Manasse 2006, S. 68–70.
  52. Tréfás; Manasse 2006.
  53. «Kanalisation und Kehrichtabfuhr seit 1910», in: StatJB 1971, S. 236.
  54. Tréfás; Manasse 2006, S. 91.
  55. StABS, BD-REG 11d 3-17 (1) 1.
  56. Vgl. exemplarisch: StABS, Schiffahrt M VII C 132.
  57. StABS, PA 577a 14.
  58. Tréfas; Manasse 2006, S. 120 ff; Rüetschi 2004, Anhang 2, S. X ff.
  59. Andersen 1994, S. 202.
  60. Muschter 1985.
  61. Seit 1923 bestand ausserdem ein Ambulatorium der Psychiatrie im Stadtzentrum. Vgl. Imboden; Ritter 2013.
  62. Tréfás; Manasse 2006, S. 35.
  63. Ebd., S. 66–68.
  64. Muster 1986.
  65. Hodel 1994, S. 209.
  66. Epple 1998, Teil II, S. 203–478.
  67. Tréfás; Manasse 2006, S. 73–77.
  68. StABS, BD-REG 1 A 609-3, Schreiben des Vorstehers des Baudepartements an das Allmendbureau, 12.07.1944.
  69. Aeberhard 2020.
  70. Blubacher 2022; Koslowski 1998.
  71. Stirnimann 2022.
  72. Schärer 2022.
  73. Keller; Schibli 2020, S. 123.
  74. Kachler 1975, S. 30.
  75. Huber 2014, S. 232–236.
  76. Meier 1986.
  77. Kreis 1986, S. 130–131.
  78. Zaugg 2013a.
  79. Huber 2014, S. 206; div. Beiträge in: Scheel 2013.
  80. Möhle 2016, S. 37.
  81. Vgl. hierzu: Vinken 2010.
  82. Ebd., S. 96–97; Meier 1984, S. 187–188.
  83. Ramseyer 1957.
  84. Zur Geschichte der Basler Strassenbahn vgl. Appenzeller 1995.
  85. Ebd., S. 216.
  86. Basler Verkehrsbetriebe 2020, S. 42–43.
  87. Vgl. exemplarisch: Settelen 1983.
  88. Musfeld 2022, S. 47, 62–63.
  89. «Motorfahrzeug- und Fahrradbestand seit 1960» in: StatJB 1968, S. 141.
  90. Fasler 1957, S. 92.
  91. «Blitzableiter: Frau am Steuer», in: Die Weltwoche, 09.12.1955.
  92. Vgl. hierzu auch: Musfeld 2022, S. 266–275.
  93. H. A. 1958.
  94. Zaugg 2013b, S. 23.
  95. Zit. nach: Felder 2010, Anhang, S. 25.
  96. Zur Verkehrsplanung vgl. Möhle 2016, S. 34–39; Kreis 2015b, S. 50–69; Martin 2013; Felder 2010.
  97. Von der Mühll; Oberrauch 1940.
  98. Zum Folgenden vgl. Felder 2010.
  99. Zur Verkehrsplanung in anderen Städten vgl. Blanc 1994.
  100. «Vom Fussgänger zum Bussgänger», Antenne, Schweizer Fernsehen, 28.01.1966.
  101. Abplanalp 2021, https://blog.nationalmuseum.ch/2021/11/der-erste-fussgaengerstreifen/, abgerufen am 30.11.2022.
  102. Ulli 1983.
  103. StABS, BD-REG 1 A 609-13.
  104. Burckhardt; Kutter 1953, S. 59.
  105. Ohne Riehen und Bettingen. Die Zählung von 1905 fasste die Bereiche Viehzucht und Gartenbau mit den landwirtschaftlichen Betrieben zusammen: «Die Betriebe nach Betriebsgruppen und nach Zahl der beschäftigten Personen. Aus den Ergebnissen der eidgenössischen Betriebszählung vom 9. August 1905», in: StatJB 1921, S. 220; «Eidgenössische Betriebszählung 1965», in: StatJB 1969, S. 98.
  106. «Eidgenössische Betriebszählung 1965», in: StatJB 1969, S. 98.
  107. Labhardt 2019, S. 62.
  108. Einige Beispiele: «Das Verschwinden der Bauernhöfe auf Basler Boden», in: BN, 28.02.1933; «Der Rankhof verschwindet als Bauernbetrieb», in: BN, 27./28.03.1943; «Ein Bauernhof verschwindet», in: NZ, 27.03.1943; «Ein Bauernhof bei Basel verschwindet», in: BN, 03.01.1956.
  109. Bühler 1953, S. 61.
  110. «Das Verschwinden der Bauernhöfe auf Basler Boden», in: BN, 28.02.1933.
  111. Fritzsche 1998.
  112. StABS, ED REG 1c 924-6 (1), Brief des Rektors Paul Gessler, an den Vorsteher des Erziehungsdepartementes Basel, Mai 1943.
  113. StABS, ED REG 1c 924-6 (1).
  114. StABS, ED-REG 26c 7-2 (1).
  115. Zum Strukturwandel vgl. Leuenberger 2001, S. 56–57.
  116. StaBS, ED-REG 26c 7-2 (1).
  117. Im Hof 1978.
  118. Moser; Brodbeck 2007, S. 206.
  119. Koellreuter 2009.
  120. Spycher 2010.
  121. Thomas Braun 2020.
  122. Wolf 2019.
  123. Zu den Kleingärten vgl. Falter 1984; Kern/ Schärli 2009.
  124. Ziegler 1926, S. 36–38.
  125. Frei-Heitz; Huber; Stoffler u. a. 2013, S. 13–16.
  126. Huber; Spechtenhauser 2018.
  127. Zu Arioli vgl. SWA, Biogr. Arioli, Richard.
  128. Arioli 1959.
  129. Frei-Heitz; Huber; Stoffler u. a. 2013, S. 18.
  130. Miescher; Trüeb 1988.
  131. Falter 1984, S. 58.
  132. Merkle; Merkle; Arioli u. a. 1960, S. 165; Rüdisühli 1959.
  133. Arioli 1951.
  134. Ruby; Shinohara 2019.
  135. Basler Stadtbuch, Chronik-Eintrag vom 1. August 1968.
  136. «Nutztierbestand» und «Viehbesitz im Kanton Basel-Stadt», in: StatJB, div. Jahrgänge.
  137. «Hundebestand», in: StatJB, div. Jahrgänge.
  138. «Unser Hund: Schweizerisches illustriertes Blatt für Hundefreunde» (wechselnde Titel), erschienen in Basel zwischen 1925 und 1939.
  139. StABS, Fleisch O I. Hundepolizei.
  140. StABS, Land und Wald Q 3; StABS, DI-REG 1c 3-10-11 (2); Straumann 2005.
  141. «Basel wird bannfrei», in: Unser Hund, 08.01.1926.
  142. StABS, SV-REG 4313, 12.04.08.
  143. Ritter; Salathé 2020, S. 80 ff.
  144. Zu den Langen Erlen vgl. Kirschbaum-Reimer; Wirz 1996.
  145. Zur Geschichte des Zoos vgl. Burkhardt 2021; Zoo Basel 1999; Geigy 1974.
  146. Staehelin 1993; Staehelin 1992; Brändle 2013.
  147. Brändle 2013.
  148. StABS, PA 1000a (1) Q4.1 (1).
  149. Steinemann 1967, S. 72.
  150. StaBS PA 1000a C 1 (1), Jahresberichte des Zoologischen Gartens, 1937 und 1938.
  151. Guldenschuh 1999.
  152. Zum Folgenden vgl. Burkhardt 2021, S. 123–141.
  153. Zur Praxis der Tierversuche vgl. Haller 2012, S. 100–107.
  154. StABS, SD REG 1 3-0-53 (1), Blatt des Basler Vereins gegen die Vivisektion.
  155. StABS, STA DS 9 3795, Bericht des Regierungsrates zum Initiativbegehren betreffend den Erlass eines Gesetzes zur Einschränkung und Humanisierung der Vivisektion, 09.09.1939.
  156. StABS, SD REG 1 3-0-53 (1).
  157. StABS, STA DS 9 3795, Bericht des Regierungsrates zum Initiativbegehren betreffend den Erlass eines Gesetzes zur Einschränkung und Humanisierung der Vivisektion, 09.09.1939.
  158. StABS, PA 1123a B 2 (1), Basler Tierschutzverein, Jahresbericht pro 1933, S. 8.
  159. Basler Stadtbuch, Chronik-Eintrag vom 2. Dezember 1939.
  160. Maehle 2012, https://hls-dhs-dss.ch/de/ articles/027815/2012-10-12/, abgerufen am 15.11.2022.