Warenflüsse, Geldströme, Arbeitsmärkte. Wirtschaften an der Landesgrenze und darüber hinaus

Isabel Koellreuter

In: Stadt an der Grenze in einer Zeit der Gefährdung. 1912 – 1966 | S. 134-191 | DOI: 10.21255/sgb-07.03-539723 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

Durch Basel fliessen der Rhein, Waren und Rohstoffe: Zu Beginn des Jahrhunderts wurden wirtschaftliche Verbindungen ausgebaut und die Grenzstadt als Knotenpunkt im Netz des Welthandels gestärkt, doch Kriege und Krisen unterbrachen Waren- und Geldströme. In diesen Zeiten wurde, wer arm war, ärmer, und wer die Landesgrenze überqueren wollte, musste sich ausweisen. So wurde, wer von aussen kam, der Steuerung des Arbeitsmarkts unterworfen. Der Erste Weltkrieg förderte den nationalen und lokalen Willen zur Autarkie. Zugleich wurde Basel auch zum Standort der ‹Bank für Internationalen Zahlungsausgleich› – und für die junge chemisch-pharmazeutische Industrie wurde die Welt zum Markt. Basel entwickelte sich zur Chemiestadt. Trotz der Mechanisierung in Industrie und Gewerbe wuchs die Zahl der Beschäftigten. Gleichzeitig bot der sich entfaltende Dienstleistungssektor neue Stellen. Wo und ob Frauen arbeiten durften, blieb Thema von Debatten und Anlass für Verbote. Zögerlich öffneten sich Grenzen nach dem Zweiten Weltkrieg, Rock’n’Roll sprengte sie. Die langsam steigenden Löhne markierten das Ende der Knappheit und den Beginn der Konsumgesellschaft.

Zeit des Wassers: Hafen und Handel

Die Männer aus Politik und Wirtschaft, die sich am Abend des 9. Mai 1911 im grossen Saal der Safranzunft einfanden, waren der Einladung der ‹Handelskammer des Basler Handels- und Industrie-Vereins› gefolgt. Rudolf Gelpke, in der Region als leidenschaftlicher Schifffahrtspionier und Verkehrsexperte bekannt, und sein angekündigter Vortrag zur ‹Bedeutung des Badischen Bahnhofs› hatten grosse Anziehungskraft, der Anlass war sehr gut besucht.1

Mit dem Ausbau des Bahnknotenpunkts Basel-Weil stand im Nordwesten der Stadt auf schweizerischem wie auch deutschem Boden das bis anhin teuerste und imposanteste Eisenbahnprojekt der Badischen Staatsbahn kurz vor dem Abschluss. Von diesem Grossprojekt ausgehend gelte es, so Gelpke, Basel zum «bedeutenste[n] Brennpunkt des Binnenverkehrs von Centraleuropa» weiter zu entwickeln. Denn Basel sei nun für die Schweiz, was «Hamburg für Norddeutschland, […] Genua für Italien»: nämlich das Tor zur Welt.2 Durch dieses bewege «sich der Grossverkehr nach und durch die Schweiz», und dafür brauche es rechtsrheinisch einen grossen Hafen.

Gelpkes Vorstoss zum Ausbau der Basler Rheinschifffahrt sollte sich durchsetzen. Der Bau des grossen Hafens in Kleinhüningen – durch Akteure aus der Wirtschaft angestossen, von kantonalen und eidgenössischen Behörden gefördert – stärkte Basels Rolle als Transportknotenpunkt und Handelsstadt. Gleichzeitig veränderte er das ehemalige Fischerdorf von Grund auf. Die schweizerische Schifffahrt, die im 19. Jahrhundert vor allem gegenüber der Eisenbahn an Bedeutung eingebüsst hatte, nahm zu Beginn des 20. Jahrhunderts erneut Aufschwung. Besonders für den Transport von Grundnahrungsmitteln und Brennstoffen waren die Wasserwege geeignet.3 Bereits 1906 wurde auf der Grossbasler Seite eine erste Hafenanlage im St. Johann-Quartier mit direktem Anschluss an das Netz der Bundesbahnen eröffnet. Aufgrund der Lage im fliessenden Gewässer und des beschränkten Platzes waren die Ausbaumöglichkeiten jedoch limitiert. Deshalb evaluierte man bereits kurz nach der Eröffnung weitere Standorte.

Der Blick fiel rasch auf Kleinhüningen, das vermutlich auch aus diesem Grund 1907/1908 vollständig eingemeindet wurde.4 Kurze Zeit später begann ein Angestellter eines Basler Notariatsbüros im Auftrag des Finanzdepartements am Rheinufer Parzelle um Parzelle aufzukaufen – verdeckt, da sonst die Grundstückspreise wohl stark gestiegen wären. Das Land «war in den Händen einer Menge kleiner Besitzer, die es als Gemüsegärten eifrig bebauten, so dass mir ihre Vertreibung sehr leid tat», sollte Alt-Regierungsrat Paul Speiser-Sarasin in seinem Lebensrückblick festhalten: «Doch war nichts zu machen, es war ein neues Stück Verstaatlichung.»5 In seinen verschiedenen Rollen als Jurist, Verwaltungsrat von Banken und Industriebetrieben, Verkehrsexperte und Politiker trieb Speiser-Sarasin den Bau des neuen Hafens voran.

Als schliesslich 1917 – sechs Jahre nach Gelpkes Rede – dem Grossen Rat das Bauprojekt für einen Hafen in Kleinhüningen vorgelegt wurde, kam ein über zehnjähriger Planungsprozess zum Abschluss. Verschiedene Varianten waren geprüft worden, darunter auch eine binationale Hafenanlage auf badischem und schweizerischem Boden, die aber wegen der zu erwartenden «zeitraubende[n] Unterhandlungen» verworfen wurde.6 Der Krieg führte zu einem distanzierten Verhältnis zum Nachbarstaat und beschleunigte die Umsetzung eines rein nationalen Projektes.

Im Grossen Rat wurde der Vorschlag für den Hafen mit Begeisterung aufgenommen und der Bau ohne Gegenstimme beschlossen.7 Mit dem Aushub für das erste, hälftig durch den Bund finanzierte Hafenbecken wurde 1919 begonnen. Am 3. August 1923 fuhr feierlich der erste Schleppzug ein. Das Gelände wurde an private Reedereien und Logistikunternehmen verpachtet. Innert kurzer Zeit folgten weitere Anlagen wie der Siloturm für die Lagerung von Getreide, Lager- und Umschlagplätze für Kohle und Flüssiggüter und andere umfangreiche Infrastrukturanlagen. Von Beginn an stiegen die Umschlagsmengen kontinuierlich; 1938 wurden bereits rund 35 Prozent der schweizerischen Gesamteinfuhr über den Rhein abgewickelt. So trug der Ausbau des Hafens massgeblich dazu bei, Basel in der Zwischenkriegszeit zum schweizerischen Handelsplatz mit dem grössten Güterumsatz und zum Zentrum des Speditionsverkehrs und der Logistikbranche zu machen.8 Ab den 1940er-Jahren kamen die beiden neuen Hafenanlagen in Birsfelden und in Muttenz hinzu. Zwar nahm die Gesamtmenge der importierten Güter mit der Hochkonjunktur vor allem ab den 1950er-Jahren sprunghaft zu. Der Wasserweg verlor jedoch gegenüber dem stetig wachsenden Strassenverkehr an Bedeutung.

Für Kleinhüningen waren die Folgen des Hafenbaus tiefgreifend. Aus dem ehemaligen Fischer- und Bauerndorf wurde innert weniger Jahren ein Hafen- und Industriequartier.9 Bereits vor dem Bau des Hafens hatten sich entlang der Gleisanlagen der badischen Bahn industrielle Betriebe angesiedelt. Die neuen Verkehrsanlagen beschleunigten die Industrialisierung des Stadtteils. So war bei der Wahl des neuen Standortes der Gasfabrik (1931) die unmittelbare Nähe zum Kohlenumschlagplatz entscheidend. Mit dem Bau des zweiten Hafenbeckens im Jahr 1936 verschwanden die letzten Bauernhöfe.

Wie dieser Wandel von den Zeitgenossen erlebt wurde, lässt sich beim Kleinbasler Schriftsteller Hermann Schneider nachlesen. In seinem Roman ‹Schiffe fahren nach dem Meer› beschreibt er, wie ältere Männer in modernen Lokalen um verlorene Spargel- und Erbsenpflanzplätze und vertriebene Lachsschwärme trauern. «Was ist gekommen?», lässt Schneider sie fragen. «Dreckkähne, verölt und voll Kohlenstaub. Mach dein Schlafzimmerfenster einen Tag lang auf, und du legst dich abends in eine Kohlengrube», lautet die Antwort. Nun verdienten die einstigen Gärtner und Fischer ihr Auskommen als Kranführer oder Chemiearbeiter und trafen auf eine neue Generation von Ladenverkäuferinnen, Hafenarbeitern und Schifferjungen.10 Ihre Wahrnehmung trog die Menschen nicht: Bereits im Zonenplan von 1919 war Kleinhüningen zusammen mit dem benachbarten Klybeckquartier und anderen Gebieten am Rand der Stadt als Industriequartier ausgewiesen worden.11 An dieses konnten nicht «die gleichen Ansprüche an Stille und landschaftliche Schönheit der Gegend gestellt werden, wie in einer Wohnkolonie», liess sich die Regierung vernehmen, als es um die Einrichtung einer Brikettfabrik ging. Vielmehr sollte die Entstehung der Anlagen als Beitrag zur prosperierenden Handels- und Industriestadt begrüsst werden, im Wissen um die engen Grenzen des Kantonsgebiets.12 Mit dem Ersten Weltkrieg verstärkten sich die Bestrebungen, die Schweizer Wirtschaft aus der Abhängigkeit von ausländischer Infrastruktur zu lösen. Gerade in der Schifffahrt war man bislang auf das Wohlwollen und die Kapazitäten deutscher Schifffahrtsunternehmer angewiesen gewesen, was zu gravierenden Engpässen geführt hatte. Im Versailler Friedensvertrag wurde die Schweiz als Rheinuferstaat anerkannt und sie erhielt das Recht auf uneingeschränkte Schifffahrt von Basel bis ins offene Meer, was die Pläne zur Schaffung einer eigenen Reederei beflügelte. Die Gründung der ‹Schweizer Schleppschiffahrtsgenossenschaft› im Jahr 1919 war von nationalem Interesse und erfolgte unter Beteiligung von acht Kantonen, dem Verband schweizerischer Gaswerke und der Schweizerischen Bundesbahnen. Sie wurde denn auch feierlich im Berner Rathaus besiegelt.13 Aus der Genossenschaft, die anfangs lediglich über einen Heckraddampfer und fünf Kähne verfügte, wurde rasch ein international ausgerichtetes Reederei-Unternehmen. Um ihre Flotte möglichst gut auslasten zu können, begann sich die Schleppi, wie sie im Volksmund genannt wurde, ab 1935 an diversen Speditionsunternehmungen im In- und Ausland zu beteiligen. Diese Beteiligungen wurden zur ‹Alpina International Transport AG› (ab 1960 ‹Panalpina Welttransport›) zusammengefasst. Mit Neugründungen und Übernahmen etablierte sich das global tätige Unternehmen im Bereich Gütertransport und Logistik.

Während die schweizerische Flussschifffahrt auf dem Rhein mit Unterbrüchen auch während des Zweiten Weltkriegs funktionierte, war die Teilnahme an der internationalen Seeschifffahrt vorerst nur über die Zusammenarbeit mit anderen europäischen Ländern möglich.14 Wiederum war es ein Krieg, der mit der Schaffung einer nationalen Hochseeflotte ein Projekt von nationaler Tragweite beförderte. Zwar war es den eidgenössischen Behörden gelungen, sich bei Kriegsbeginn für die Versorgung aus Übersee Schiffe einer griechischen Reederei zu sichern. Aber die Ausdehnung des Kriegs Ende 1940, insbesondere die Besetzung Griechenlands, verunmöglichte den Schiffen die Einfahrt ins Mittelmeer. Deshalb wurde der Hafen in Kleinhüningen 1941 als Schweizerischer Registrierhafen definiert. So wurde Basel nicht nur über die Binnenschifffahrt, sondern auch als Heimathafen für die Hochseeschifffahrt aus schweizerischer Sicht zum ‹Tor zur Welt›. Schon im Frühjahr 1941 fuhr mit der ‹Calanda› ein erstes Schiff unter Schweizer Flagge. Bis 1945 durchquerten bereits 14 in Basel registrierte Schiffe die Weltmeere.

Allerdings gab es für die Arbeit auf den Schiffen kaum ausgebildetes Personal in der Schweiz. Eingestellt wurden deshalb vor allem holländische und deutsche Männer, auch nach Einrichtung eines eigenen Schulschiffes der Reederei 1940.15 Wachsende Warenflüsse ab der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts machten aus Basel einen Transitraum zwischen Nord und Süd, zwischen Aus- und Inland. Dieser beschränkte sich nicht auf die Hafenanlagen, sondern erforderte den weiteren Ausbau des Eisenbahn- und des Strassennetzes sowie die Einrichtung von Lagerplätzen an den Rändern der Stadt. Eine besondere Bedeutung kam dem 1922 auf dem Dreispitz eröffneten Zollfreilager zu.17 Die Idee war simpel und bereits in diversen anderen Hafenstädten erprobt: Im Zollausschlussgebiet trafen unverzollte Produkte aus der ganzen Welt ein. Innerhalb des Freilagers wurden sie umgepackt, gelagert oder konfektioniert. Lag die Enddestination dieser Waren in einem Drittland, reisten sie unverzollt weiter. Wurden sie hingegen in die Schweiz weitervermittelt, hob der Durchgang durch die Verzollungshalle den Zustand der Zollfreiheit auf. Der Profit dieses Geschäftsmodells resultierte aus den Lagergebühren.

Zu den Förderern der Idee gehörte der Unternehmer Fritz Schwarz-von Spreckelsen. Kurz nach der Eröffnung des Zollfreilagers verlegte er den Geschäftssitz seiner Leder-Import AG hierhin.18 Von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen betrieb er hier Europas grösstes Lederhandelsunternehmen. Das feine Chevreauleder stammte von Viehherden in Nord- und Südamerika, vermittelt wurde es an Schuhfabriken in ganz Europa. Der kleinste Teil des über Basel gehandelten Leders gelangte allerdings in die Schweiz, meist nahm die Ware direktere Wege zur Zieldestination. Die Geldströme jedoch liefen über Basel: Schwarz-von Spreckelsens eigentliches Geschäftsgebiet bestand weder im Import noch im Export, sondern im Vermitteln von Waren zwischen weit voneinander entfernten Märkten.19

Basis auch für den Basler Transithandel war ein dicht gewobenes Handelsnetz. Durch dieses gelangten Rohstoffe aus dem globalen Süden in die nördliche Hemisphäre, während umgekehrt ein Transfer von Industriegütern von Nord nach Süd stattfand. Der Transithandel war nicht nur integraler Bestandteil einer globalen Warenwirtschaft, wie sie sich gegen Ende des 19. Jahrhunderts ausgebildet hatte. Vielmehr gehörte er zusammen mit Banken, Reedereien, Börsen, Diplomaten und Logistikunternehmen zu den Gestaltern der internationalen Arbeitsteilung und trug so zur Globalisierung des kapitalistischen Wirtschaftssystems bei.20

Als Handelsstadt und Umschlagplatz mit langer Geschichte stellte Basel einen Knotenpunkt innerhalb des globalen Handelsnetzes dar: Von knapp 80 Schweizer Transithandelsfirmen waren zu Beginn der 1930er-Jahre 32 in den beiden Basler Halbkantonen domiziliert. Ihr Geschäftsvolumen war gewaltig: Gemäss einer Schätzung lag der Transithandel vor Ausbruch der Weltwirtschaftskrise mit einem jährlichen Anteil von 40 Millionen Franken an der schweizerischen Zahlungsbilanz gleichauf mit den Banken, weit vor den internationalen Transporten (30 Millionen) und dem Versicherungsgeschäft (22 Millionen).21 Dennoch blieb er nahezu unsichtbar. Die Bedeutung der Branche wurde weder in der Handelsbilanz reflektiert noch im Rahmen der eidgenössischen Betriebszählungen, da das Geschäft am Domizil nicht sehr personalintensiv war.

Zu den grössten Schweizer Transithandelsfirmen gehörte die Basler Handelsgesellschaft (BHG). Als sie 1959 ihr hundertjähriges Bestehen feierte, stellte ein Journalist allerdings beinahe verwundert fest, dass sie in der Stadt nahezu unbekannt sei.22 Die BHG war aus der Basler Mission hervorgegangen und hatte sich 1859 als selbständige Aktiengesellschaft konstituiert. Über die Standorte der Basler Mission in Indien und Westafrika vermittelte sie Rohstoffe wie Baumwolle, Palmöl und Kakao in westliche Industrieländer. Im Gegenzug gelangten Fertigwaren aus Europa in die Tropen. Der Erste Weltkrieg unterbrach das lukrative Geschäft, da die britischen Machthaber den Besitz der als deutschlandfreundlich geltenden BHG beschlagnahmten. 1928 erhielt sie ihr Eigentum in Afrika, nach 1952 schliesslich auch in Indien zurück. Das Geschäft in Afrika allerdings hatte die Gesellschaft mit der Gründung der ‹Union Trading Company International› (UTC) bereits 1921 wieder aufgenommen. Es waren äussere Umstände, die ab Ende der 1930er-Jahre allmählich zu einem Rückzug aus dem Geschäft mit Rohstoffen führte: der Zweite Weltkrieg und die Verstaatlichungen des Kakaohandels in Ghana – zuerst durch die britische Kolonialmacht und nach 1952 durch die Regierung Kwame Nkrumahs. Der Handel mit den neuen unabhängigen Staaten Westafrikas allerdings versprach weiterhin lohnende Geschäfte. So begann die UTC grosse Kaufhäuser aufzubauen, in denen «vom Kragenknöpfli bis zum Cadillac» mit Ausnahme von Waffen und Schnaps alles erhältlich war.23 Was bei der Planung des Hafens während des Ersten Weltkriegs zu kompliziert erschienen war – ein binationales Projekt –, wurde knappe dreissig Jahre später als Kooperation zwischen Frankreich und der schweizerischen Eidgenossenschaft umgesetzt. Am 8. Mai 1946, dem ersten Jahrestag der deutschen Kapitulation, wurde im französischen Blotzheim ein binationaler Flughafen eingeweiht: Die Anwesenheit eines französischen Ministers, eines Bundesrates, von Amtsträgern des ‹Département du Haut-Rhin› und des gesamten baselstädtischen Regierungsrats zeugte von der hohen staatspolitischen Bedeutung des Anlasses. Begeistert berichteten die Medien auf beiden Seiten der Grenzen von der «entente cordiale», dem «ésprit de la paix et de la coopération».24

Die zeitgenössische Bezeichnung ‹Le miracle de Blotzheim› bezog sich allerdings nicht auf die binationale Kooperation, sondern auf das Tempo der baulichen Umsetzung. Innert nur sieben Wochen hatten 350 mehrheitlich französische Arbeiter und über 100 deutsche Kriegsgefangene mit amerikanischem Pioniermaterial für militärische Behelfsflugplätze eine 1270 Meter lange Piste errichtet.25 Dieser Bauphase war eine über fünfzehnjährige Projektierungsphase vorausgegangen. Beschleunigt wurde das Projekt am Kriegsende, angetrieben von Befürchtungen, den Aufschwung der Passagierluftfahrt nach dem Krieg und damit volkswirtschaftlich den Anschluss zu verpassen.

Hatten beim Ausbau des Hafens die Warenströme im Fokus gestanden, so ging es beim Flughafen vor allem um die Mobilität der Menschen. Erwartet wurde insbesondere eine Zunahme der Geschäftsreisen. Doch das ‹Wunder› hatte seine Kehrseite: Während Jahren blieb Blotzheim ein Provisorium, während sich die Passagierzahlen in Genf und Zürich vervielfachten. Erst nach weiteren Ausbauschritten stiegen ab der zweiten Hälfte der 1950er-Jahre die Passagierzahlen zögerlich an.

Kohle, Getreide und Geld: Was eine Wirtschaft am Laufen hält

«Kohle, Kohle und nochmals Kohle», antwortet René Bolliger, ein ehemaliger Schiffer, auf die Frage, was die Schiffe der Schleppfahrtsgesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts transportierten. Seine Berufslaufbahn auf dem Rhein hatte er als Fünfzehnjähriger während des Zweiten Weltkriegs begonnen. Stückkohle, Nusskohle, von Anthrazit bis ganz fein, selten auch mal Koks: Das holten sie mit dem Schiff im Ruhrgebiet ab, direkt von den Zechen. Seltener waren die Getreidefahrten, die jeweils in den Seehäfen begannen.26 Bis weit ins 20. Jahrhundert hinein blieben Kohle und Getreide die wichtigsten Umschlaggüter in den Basler Häfen. Rund 75 Prozent der gesamten Kohleneinfuhr gelangte über Basel in die Schweiz, auch per Eisenbahn aus Deutschland und Frankreich. Brenn- und Treibstoffe für Industrie und Privatbedarf waren die Grundlage für wirtschaftliche Aktivitäten und damit für das Wachstum der Stadt. Feiner Rauch entsteigt den insgesamt acht Kaminen der Lebensmittelfabrik ‹Thomi + Franck›, die auf dem Briefkopf des Unternehmens von 1953 abgebildet sind. Sie stehen für die Aktivität und den Erfolg des Unternehmens, ebenso wie die Vielzahl rauchender Hochkamine auf engem Raum, die bis in die Mitte des Jahrhunderts Zeichen für die prosperierende Stadt waren.27 Basel hatte sich seit der Wende zum 20. Jahrhundert zu einem Ballungsraum energieintensiver Industrien entwickelt. Kohle war nicht nur Energieträger. Aus dem Abfallstoff der Gaskokerei gewann man Koks, Ammoniak, Benzol und Steinkohleteer, allesamt Grundstoffe für die Teerfarbenextraktion und die pharmazeutische Industrie.28 Doch nicht nur für die Industrie war Kohle wichtig: Mit Kohle – in geringerem Ausmass mit Holz – heizte und kochte man auch in Privathaushalten. Mit dem Ausbau des Gaswerks und der Expansion der Versorgungsnetze in der Zwischenkriegszeit bis nach Liestal, Rheinfelden und ins Birseck stieg ihr Verbrauch. Die Versorgung mit Kohle war allerdings immer wieder gefährdet, musste sie doch fast vollständig importiert werden.29 1915, einige Monate nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs, wurde die Kohle beinahe ausschliesslich aus Deutschland bezogen. Aus dieser Abhängigkeit heraus entwickelten sich Tauschgeschäfte: Deutschland lieferte der Schweiz Kohle und erhielt im Gegenzug Kredite. Die Verknappung der Kohle insbesondere ab Herbst 1917 traf alle: Sie fehlte im Haushalt, den Bäckern und den Wäscherinnen, in Hotels und Pensionen. Die Stadtbevölkerung litt: Im Januar 1918 durften sich Kinder, denen zu Hause kein beheizter Raum zur Verfügung stand, in Schülerhorten aufwärmen gehen.

Allerdings erwuchs der Kohle durch die elektrische Industrie eine gewichtige Konkurrentin.30 Bereits 1908 hatte der Kanton Basel-Stadt mit dem Bau eines Flusskraftwerks in Augst begonnen. Auch andernorts in der Schweiz wurden Wasserläufe nutzbar gemacht: Der Mangel der Kriegszeit beschleunigte die Substituierung von Kohle durch Wasserkraft, die Versorgung der Schweiz sollte so unabhängig wie möglich werden. Viele grosse und auch kleinere Betriebe stellten auf den elektrischen Antrieb um, auch die Eisenbahn.31 Auf dem Kohlenplatz beim Bahnhof wurde der schwarze Berg kleiner und verschwand schliesslich vollends. An seiner Stelle wurde 1929 die Markthalle errichtet, ein Grossmarkt für Frischobst und Gemüse.

Ganz verschwand die Kohle jedoch nicht aus dem Stadtraum. Zahlreich blieben die Reklamationen über Rauchbelästigungen und mit Russ bedeckte Wäsche, gerichtet an das Sanitäts-, später das Baudepartement. Sie kamen aus der Nachbarschaft von Bäckereien oder Schreinereien, bei denen sich die Umstellung, wohl der hohen Kosten wegen, verzögerte.32 Weiterhin traf man auf die russigen Gesichter der Kaminfeger, denn zum Heizen blieb die Kohle bis weit in die 1950er-Jahre die wichtigste Energiequelle. Mit der enormen Steigerung des Energiebedarfs nach 1947 wurde sie zuerst durch Erdöl ergänzt und schliesslich bis in die 1970er-Jahre ganz durch dieses ersetzt.

Das städtische Leben durchdrang die Kohle also auf unterschiedliche Art. Während die einen Wäsche im Rauch aufhängten, machten andere ein Vermögen mit dem Rohstoff. Schon als Max Geldner als eines von fünf Kindern des Gründers der ‹Kohleunion AG› aufwuchs, war er von exquisiter Kunst umgeben. Mit dem Eintritt in die väterliche Handelsfirma um 1910 begann er eine eigene Sammlung aufzubauen. Vom Vater übernahm er das Interesse an den grossen holländischen Malern und erweiterte die Sammlung durch moderne Schweizer Kunst. Seinen Kunstbesitz hinterliess er dem Kunstmuseum. Für Ankäufe des Hauses und für wissenschaftliche Forschung richtete er ausserdem eine nach ihm benannte Stiftung ein.33 Hafer und Weizen waren weitere Rohstoffe, die im Alltag der Menschen in Basel eine zentrale Rolle spielten. Bis zur Mitte des Jahrhunderts blieb Brot das mit Abstand wichtigste Grundnahrungsmittel weiter Bevölkerungsschichten. In Mühlen wurde das Getreide auf immer effizientere Weise verarbeitet. 1938 konnte der Direktor und Besitzer der Klingentalmühle Georges Bernheim zuschauen, wie zwischen Ufer und Schiff Arbeiter an einer neuartigen Saugvorrichtung hantierten. Die Pumpe wurde in Betrieb gesetzt, und 350 Tonnen Hafer gelangten unter der Rheinuferpromenade hindurch direkt in ein neues Silo, das 2000 Tonnen Getreide fasste: «[S]taub- und geruchlos» ging die neue Einrichtung in Betrieb, wie einen Tag später in den beiden grossen Tageszeitungen zu lesen war.34 Das Ereignis galt als kleine Sensation, erfolgte doch auf diese Weise das Umladen des Getreides ohne Fahrt mit Lieferwagen durch die engen Altstadtgassen und unter Einsparung mehrerer Arbeitsschritte.

Wie bei der Klingentalmühle erfasste die technische Modernisierung nebst grossen auch kleinere Gewerbebetriebe aus den unterschiedlichsten Branchen.35 Allerdings konnten längst nicht alle mithalten, denn der Kapitaleinsatz war oft hoch. Vielleicht stellten deswegen die meisten der noch verbliebenen Mühlen in der Stadt im ersten Viertel des Jahrhunderts ihren Betrieb ein. Gegen die Konkurrenz der Aktienmühle, der grössten regionalen Industriemühle, war nur schwer anzukommen.36 In solchen Fällen empfahl sich das Besetzen von Nischen, so auch bei Bernheim, der sich auf Hafer spezialisierte und dem es mit seiner Mischfutteranlage gelang, seinen Betrieb auf eine solide Basis zu stellen.37 Dabei half auch der Schutz, den der Bund den Mühlen vor Importen zu Dumpingpreisen gewährte, wenn sie im Gegenzug ein gesetzlich vorgeschriebenes Pflichtlager an Vorräten unterhielten.38 Diese staatlichen Vorkehrungen gingen zurück auf die Erfahrungen während des Ersten Weltkriegs, als der Bundesrat seine marktliberale Haltung zugunsten einer stärkeren zentralen Regulierung aufgegeben hatte. Das Ausbleiben von Getreidelieferungen aus dem Ausland hatte den Brotpreis in Basel zwischen 1914 und 1920 mehr als verdoppelt.39 Dem Brot galt die Hauptsorge der unteren Schichten. Je ärmer eine Familie war, desto höher fielen die Ausgaben für Brot gemessen an ihren Gesamtausgaben aus.40 Man wich auf Kartoffeln aus, aber auch diese waren längst nicht für alle in genügender Menge erhältlich. Gerade die städtische Arbeiterschaft und auch Teile der Beamtenschaft, die keine Möglichkeiten zum Eigenanbau hatten, litten massiv unter der Verteuerung und Verknappung der Lebensmittel. Trotz aller Massnahmen war bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs der Selbstversorgungsgrad beim Getreide mit 33 Prozent nur geringfügig höher als 1914. Doch nun waren die Behörden besser vorbereitet. Der Konsum wurde nicht nur durch Rationierungsmarken gelenkt, sondern auch über die Einführung einer neuen Brotsorte, die ständig dunkler und in der Konsistenz härter wurde.41

Kurze Zeit nach der Aufhebung der Rationierung im Jahre 1948 begann der Brotkonsum zu sinken.42 Durch die gesteigerte Kaufkraft breiter Bevölkerungsschichten verlor Brot an Bedeutung, während der Fleischkonsum rapide anstieg. Mit der Abnahme der Bäckereien – von 220 im Jahr 1945 auf 150 um 1965 – wuchsen auch die Absatzprobleme der Handelsmühlen. Georges Bernheims Mühle hingegen florierte, denn sein Geschäft lag inzwischen in der Produktion von Futtermitteln für die Fleischproduktion. So gross war sein Unternehmen geworden, dass das Domizil mitten in der Stadt nicht mehr genügte. Wie viele andere städtische Gewerbebetriebe wanderte Bernheims Mühle aus dem begrenzten Kantonsgebiet ab. 1966 bezog der Unternehmer ein modernes Mischfutterwerk in Kaiseraugst mit Wasser-, Bahn- und Autobahnanschluss.43

Dass die Menschen nun zu viel anstatt zu wenig Brot zur Verfügung hatten, freute den Hausspatz und die «verwilderte Haustaube»: Solange die Verschwendung von Lebensmitteln «als eigentliche Sünde galt», hatten sich die Tauben auf den Feldern in der Umgebung der Stadt ernährt. In der städtischen Gegenwart hingegen, bemerkte ein Ornithologe 1966, hatte sich ihre Ernährungslage derart günstig entwickelt, dass sie inzwischen selbst im Winter brüten konnten.44 Privatbanken, Grossbanken und Lokalbanken: Zusammen mit der Börse, Versicherungsgesellschaften, Finanz- und Holdinggesellschaften und Intermediären wie Treuhändern, Anwälten und Notaren waren sie die Ingenieure eines komplexen und immer dichter werdenden Netzes von Finanzströmen. Der Basler Bankenplatz bildete die Grundlage für jegliche wirtschaftliche Interaktion in der Stadt. Ob Getreidelieferungen aus Russland bezahlt werden mussten, der Kanton in den Bau neuer Hafenanlagen investierte oder die Näherin ihr Erspartes sicher aufbewahrt wissen wollte: In jeden Austausch von Waren und Dienstleistungen, ob innerhalb der Stadt oder ausserhalb, waren Finanzdienstleister involviert. Mit dem Anschwellen der Warenflüsse wuchsen auch die Geldströme und die Notwendigkeit, diese verlässlich zu organisieren.

Noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts war Basel der wichtigste Finanzplatz der Deutschschweiz gewesen.45 Die über Basel getätigten Bankgeschäfte und Anleihen reichten bis weit ins Elsass und nach Südwestdeutschland. Aus Basel kamen die Mittel für den Aufbau der Textilindustrien in der Region und darüber hinaus. Mit der Gründung der Schweizerischen Kreditanstalt 1856 hatte Basel seine Vorreiterschaft an Zürich abgeben müssen. Doch mit dem ‹Schweizerischen Bankverein› und der ‹Basler Handelsbank› waren von sieben Grossbanken weiterhin zwei in Basel domiziliert. Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs war der schweizerische Finanzplatz polyzentrisch organisiert – mit der Metropole Zürich und den beiden Grenzstädten Genf und Basel als ebenfalls bedeutende und traditionsreiche Bankenzentren.46 Zur Integration des schweizerischen Finanzplatzes trug die Gründung der schweizerischen Bankiervereinigung im Jahr 1912 wesentlich bei. Die Initiative für einen Dachverband der Schweizer Bankenwelt war von Basler Privatbankiers ausgegangen. Alfred Sarasin-Iselin, Direktor der gleichnamigen Bank, hatte zu den Mitgründern gehört, später übernahm er das Präsidium.

1914 zählte man in Basel rund 100 Bankinstitute und Versicherungen. Ihr Angebot war ausdifferenziert: Für die Bedürfnisse einer lokalen, kleineren und mittleren Kundschaft standen Lokal- und Regionalbanken zur Verfügung, wie die Handwerkerbank oder die zinstragende Ersparniskasse. Dominant war in diesem Segment die unter staatlicher Aufsicht stehende und mit staatlicher Garantie ausgestattete Kantonalbank.

In der Betreuung von Grosskunden aus Industrie und Handel hingegen waren die Grossbanken federführend. Sie waren aus Zusammenschlüssen von Privatbankiers und der Konzentration von Basler Industrie- und Kaufmannskapital hervorgegangen. Ihre Bedeutung für das internationale Geschäft lässt sich auf ihr frühes Engagement im Transithandel zurückzuführen.47 Die Nähe zwischen Industrie und Banken zeigte sich deutlich in der Zusammensetzung der Verwaltungsräte: Während Jahrzehnten präsidierten beispielsweise Bankiers die ‹Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel AG› (Ciba), umgekehrt waren Geschäftsleitungsmitglieder baslerischer und schweizerischer Industriebetriebe in den Aufsichtsgremien der Banken vertreten.48 Im Zentrum der helvetischen Unternehmensverflechtungen stand seit Ende der 1920er-Jahre Alfred Sarasin-Iselin.49 Sarasin-Iselin, der zeitweilig neun Verwaltungsratssitze innehatte, gehörte zum alteingesessenen Grossbürgertum der Stadt. Seine Lehrjahre hatten ihn nach Paris, Berlin und New York geführt. Zurück in Basel wurde er Mitglied der Handelskammer und gehörte zu den frühen Förderern der Rheinschifffahrt und der Elektrizitätswirtschaft. Er engagierte sich politisch und kirchlich, als Mitglied der Liberalen Partei, des Kirchenrates und im Komitee der Basler Mission. Seine Wahl in den Verwaltungsrat der Nationalbank 1922 war von grosser Bedeutung, trug sie doch dazu bei, die regionalen Eliten auf nationaler Ebene zu integrieren.

Kriege und Krisen erschütterten den Bankenplatz Basel, stärkten ihn aber zugleich auch. Als Einlegerinnen und Einleger bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs ihr Geld zurückverlangten, brachten sie damit viele Banken in Bedrängnis. Hatte die geografische Lage der Stadt als Drehscheibe den hiesigen Banken bisher zum Vorteil gereicht, so sahen sie sich nun innerhalb der nationalen Grenzen isoliert und von einem grossen Teil ihres Einzugsgebiets abgeschnitten. Die Kredite, die sie ins Ausland vergeben hatten, mussten teilweise abgeschrieben werden. Doch langfristig gingen der Schweizer und damit auch der Basler Finanzplatz gestärkt aus dem Krieg hervor.50 In der Zwischenkriegszeit etablierte er sich wiederum zu einem Zentrum grenzüberschreitender Geschäfte. Über die 1928 in Basel gegründete ‹Internationale Gesellschaft für Chemische Unternehmungen AG› (IG Chemie) – die kapitalstärkste Holding-Gesellschaft der Schweiz – konnte beispielsweise der deutsche IG Farben-Konzern auch nach der Machtübernahme durch die Nationalsozialisten diskret seine weltweiten Beteiligungen weiterführen.51

Während die Finanzmärkte in den kriegsversehrten Nachbarländern nach 1918 am Boden lagen, wurde der Franken zu einer der stabilsten Währungen weltweit. Die Schweizer Banken genossen grosses Vertrauen, nicht zuletzt deswegen wurde ein Grossteil des internationalen Zahlungsverkehrs über die Schweiz abgewickelt. Dies war neben der Neutralität des Landes ein wichtiger Grund für die Wahl Basels zur «Stadt der Weltbank!», wie die ‹Basler Nachrichten› am 20. November 1929 jubelten.52 Dass die Stadt als Sitz der ‹Bank für Internationalen Zahlungsausgleich› (BIZ) auserkoren wurde, stellte auch einen Kompromiss zwischen den unterschiedlichen Vorstellungen der konkurrierenden Grossmächte Frankreich und Grossbritannien dar. Und dass Basel vor der Finanzmetropole Zürich zum Zug kam, schrieben Zeitgenossen der günstigen Verkehrslage zu: Die Stadt war in sechs Stunden von Paris, in 14 Stunden von Berlin aus erreichbar.53 Während in Zeiten guter Konjunktur das Engagement der Banken ausserhalb der nationalen Volkswirtschaft hohe Erträge generierte, führten die zuvor so erfolgreichen Aktivitäten im Ausland in der Wirtschaftskrise zu grossen Verlusten.62 Die Bilanzsumme der Grossbanken, die 1930 auf einem Höhepunkt angelangt war, halbierte sich im Verlauf der Jahre 1934 und 1935. Liquidierungen und Stützungsaktionen waren die Folge: Einige Grossbanken überlebten nur mit massiver Unterstützung des Bundes, die Handelsbank musste ihr Kapital reduzieren. Auch der Bankverein hatte mit Problemen zu kämpfen, konnte aber während der gesamten Krisenjahre immer einen Gewinn verbuchen und auch Dividenden zahlen.63 Von Prosperität und Wachstum, aber auch von der zunehmenden Internationalisierung des Basler Finanzplatzes in der Nachkriegszeit erzählt die Veränderung des Geschäftszentrums, das sich zwischen Bahnhof, Aeschen- und Bankenplatz entfaltete. Innert weniger Jahre erhielt die Vorstadt mit dem Verschwinden von Werkstätten und Gasthöfen und der Errichtung moderner Geschäftshäuser ein neues, beinahe grossstädtisches Gesicht.

Trotz steigender Gewinne wurden anfangs der 1960er-Jahre Sorgen über die Zukunft des Basler Finanzplatzes laut: Während nach dem Zweiten Weltkrieg in Genf und vor allem in Zürich die Anzahl der Bankhäuser zunahm, verzeichnete man in Basel gegenüber der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg einen kleinen Rückgang. Ob der weniger ausgebaute Flughafen dafür verantwortlich war, wie der Direktor des Bankvereins mutmasste?67 Selbst in der Arbeiterpresse wurden Befürchtungen geäussert, die Stadt drohe «einbeinig» zu werden, «wenn wir als bedeutende Industrie lediglich noch die Chemie beherbergten».68 Und im Grossen Rat ging gar das Gerücht um, der Bankverein würde seinen Hauptsitz nach Zürich verlegen. Regierungsrat Alfred Schaller winkte ab: Von einer generellen Abwanderung von Wirtschaftsorganisationen könne nicht die Rede sein, auch bleibe der Rechtssitz des Bankvereins weiterhin in Basel.69

Frauen blieben sowohl aus der Basler als auch der Schweizer Wirtschaftselite mit wenigen Ausnahmen bis zur Einführung des Frauenstimmrechts und darüber hinaus ausgeschlossen.70 Rein rechtlich stand es ihnen zwar offen, eine Führungsposition innezuhaben. Die wirkungsmächtige geschlechtsspezifische Rollenzuteilung sah für sie hier aber keinen Platz vor. Auch die Führungsetage des Schweizerischen Bankvereins blieb eine reine Männerbastion, bis 1972 mit der Genfer Ständerätin Lise Girardin eine Frau in den Verwaltungsrat gewählt wurde.71

Von Farben und Heilmitteln: Eine Industrie setzt sich durch

Die Schweizer Presse war sich einig: Hans Müller habe den Schweden Gunnar Nilsson dermassen überraschend niedergestreckt, dass der Schiedsrichter zu spät mit Zählen begonnen habe. Müller wurde deshalb nur Vierter an den olympischen Spielen von 1948. Doch auch so gilt er als der erfolgreichste Schweizer Boxer des 20. Jahrhunderts. Eine Karriere als Profiboxer blieb ihm allerdings verwehrt, konnten doch aufgrund des Zweiten Weltkriegs die meisten internationalen Turniere nicht stattfinden. So verdiente er seinen Lebensunterhalt als Farbarbeiter bei der ‹J. R. Geigy AG›. Die Firma war stolz auf ihren Ausnahmesportler: Gleich zweimal interviewte ihn die Hauszeitung nach seiner Olympiateilnahme und zeigte ihn bei seiner täglichen Arbeit, die ihm, der «mit gewichtigen Gegenständen» zu tun hatte, auch Teil des Trainings war.72

Eine Ausnahme auf dem Rosentalareal war auch die zwei Jahre jüngere Elsa Mühlethaler. Sie hatte als erste Frau in Bern ein veterinärmedizinisches Studium absolviert und dieses mit einem Doktorat abgeschlossen. Als sie 1942 ihre Arbeit bei Geigy aufnahm, war sie die erste Frau mit einem akademischen Abschluss. Mühlethalers Arbeitsplatz befand sich im topmodernen Sandmeyer-Laboratorium, wo sie sich mit Fliegen beschäftigte. Gemeinsam mit dem späteren Nobelpreisträger Paul Müller, der 1939 die insektizide Wirksamkeit von Dichlordiphenyltrichlorethan (DDT) entdeckt hatte, forschte sie im Bereich der Insektenvertilgungsmittel. Zwischen 1942 und 1948 unternahm sie mehrere Auslandreisen nach Frankreich und in die USA, welche dazu beitrugen, die führende Stellung der Firma in der Insektizidforschung zu fördern.73

Müller, der Farbarbeiter, und Mühlethaler, die Tierärztin, waren zwei von rund 10 000 Frauen und Männern, die im Jahr 1948 in der chemisch-pharmazeutischen Industrie beschäftigt waren. Müller zählte zur Kategorie der rund 8500 Arbeiterinnen und Arbeiter, während Mühlethaler zur Minderheit der Angestellten gerechnet wurde.74 Beide waren sie Teil einer industriellen Unternehmung, die Farbstoffe, Medikamente und Agrochemikalien produzierte und weltweit auf den Markt brachte.

Zur Branche gehörte eine Vielzahl von Laboratorien und Fabriken. Dominiert wurde das Feld der Basler chemisch-pharmazeutischen Industrie zwischen 1912 und 1966 jedoch von fünf Unternehmen: J. R. Geigy AG (Geigy), Gesellschaft für Chemische Industrie in Basel AG (Ciba), F. Hoffmann-La Roche & Co. AG (Roche), Chemische Fabrik, vormals Sandoz AG (Sandoz) und die stets etwas kleinere Firma Durand & Huguenin, die 1969 in die Sandoz integriert wurde. Bereits nach dem Ersten Weltkrieg entwickelte sich die Branche zur Leitindustrie in Basel. Im Baedeker-Reiseführer von 1937 folgt nach der geografischen Verortung Basels am Rhein die Erwähnung «seiner grossen Industriebauten» am Kleinbasler Ufer. Der Blick von aussen charakterisierte die Stadt zum einen als Knotenpunkt wichtiger Verkehrsstrassen und zum anderen als Zentrum grosser Industrien.75 Auch der Blick von innen, jener des Kantonsstatistikers, sah die Stadt zu Beginn der 1940er-Jahre als «ein schweizerisches Industriezentrum», was auf die Chemie zurückzuführen war. Seiner Einschätzung lag die Zahl der Beschäftigten zugrunde. Gut ein Drittel aller Männer und Frauen, die für die chemische Industrie der Schweiz tätig waren, arbeitete in Basel.76 Keine andere grössere Schweizer Stadt wurde in ähnlicher Weise von der Industrie und einer Branche im Speziellen geprägt. Die Ursprünge der grossen Chemieunternehmen in Basel sind oft als logischer Ablauf der Industriegeschichte dargestellt worden: «Als Brücke» gilt die «sogenannte Veredelungsindustrie» der ehemals so wichtigen Seidenbänder, insbesondere die synthetischen Farbstoffe.77 Falsch ist das nicht, aber es ist nur ein Teil der Geschichte: Die Voraussetzungen waren durchaus vielfältiger. So widmete sich Roche von Anfang an dem Verkauf und der Fabrikation pharmazeutischer Präparate. Entscheidend für das Fortkommen der grossen Unternehmen war auch die Verfügbarkeit von Kapital. Der junge Kaufmann und Firmengründer Fritz Hoffmann-La Roche etwa erfuhr während der turbulenten Anfangszeit seines Unternehmens um die Jahrhundertwende zunächst Unterstützung durch die verwandtschaftlich mit ihm verbundene Handelsbank. Als diese dem Unternehmen 1897 den Kredit kündigte, verschufen ihm wiederum Verwandte Zugang zu Vermögen aus Handel und Seidenbandindustrie.78

Das Wachstum der chemisch-pharmazeutischen Industrie zwischen 1912 und 1966 war immens: Bereits im Jahr 1923 überholten Teer- und Indigofarben die Exportwerte der vormals dominierenden Seidenbandindustrie. 1935 war die chemisch-pharmazeutische Industrie schon zur drittwichtigsten schweizerischen Exportindustrie avanciert. Bis 1939 betrug ihr Anteil an der Gesamtbeschäftigung in Basel rund zehn, 1965 über fünfzehn Prozent.79 Gewichtiger noch als die Beschäftigungszahlen dürfte der Anteil an der Wertschöpfung gewesen sein. Einer Schätzung zufolge betrug dieser 1975 rund ein Drittel des kantonalen Sozialprodukts.80 Unbezifferbar sind die indirekten Auswirkungen für andere Industrien und Gewerbezweige, die Metall- und Maschinenindustrie zum Beispiel oder auch für Betriebe der Grafik. Deren internationaler Durchbruch in der Werbewirtschaft der 1950er-Jahre ist eng mit Geigy verknüpft.81

Das Wachstum fand auch räumlich seinen Niederschlag: Die Industrieareale dehnten sich aus und besetzten immer grössere Gebiete im Stadtraum und auch über die Kantons- und Landesgrenze hinweg in Grenzach und Hüningen, nach dem Ersten Weltkrieg zudem in Schweizerhalle und im Fricktal. Ab den 1950er-Jahren prägten markante Gebäude das Basler Stadtbild: das Hochhaus der Geigy auf dem Rosentalareal zum Beispiel. Bei seiner Einweihung 1958 war es mit seinen 53 Metern das höchste Gebäude der Stadt.82

Die Ausdehnung der Areale sorgte im Rahmen von Landkäufen oder Umzonungen wiederholt für Diskussionen grundsätzlicher Art: Machte die Anerkennung der Industrie als «unentbehrliche Grundlage unserer Wirtschaft» Bodenknappheit und Wohnungsnot erträglich?83 Der politische Wille setzte hier eindeutig einen Primat. Als Roche Ende der 1950er-Jahre ihre Fabrikations- und Forschungsanlagen entgegen den Bedürfnissen der Quartierbevölkerung zu erweitern wünschte, setzte sich der sozialdemokratische Regierungsrat Max Wullschleger bei der Aushandlung des Kompromisses vehement für die Interessen des Unternehmens ein.84

Konflikte ergaben sich auch in anderer Hinsicht: Klagen über die Verpestung der Luft, die Vergiftung des Wassers und die Verschmutzung des Bodens begleiten die Geschichte der Branche seit ihren Anfängen.85 Wer in einem Industriequartier wohnte, litt immer wieder unter beissenden Dämpfen und Gestank. Die Behörden gingen einzelnen Beschwerden zwar nach. Aber auch hier funktionierte die Allianz zwischen dem Staat und den Unternehmen gut. Auf Klagen folgten meist kleinere Eingriffe, wie zum Beispiel die Verdünnung des Abwassers, bevor es in den Rhein geleitet wurde. Mit der Erhöhung der Produktion nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs steigerten sich auch die Emissionen. Die Industriebetriebe gingen dazu über, die Abfälle weiter weg zu schicken: Neue Hochkamine sollten die unmittelbare Nachbarschaft entlasten, und tatsächlich verteilten sich die Geruchsemissionen derart, dass Reklamationen aus immer grösserer Entfernung kamen.

Bereits in den 1940er-Jahren begann die Industrie zudem, die festen Abfälle ausserhalb der Stadt – und damit auch ausserhalb der öffentlichen Wahrnehmung – in stillgelegten Kiesgruben der Region zu vergraben. Als es in den späten 1950er-Jahren zu einem Ablagerungsverbot im Dreiländereck kam, entsorgte man den Abfall ausserhalb der Region, zum Beispiel in dem über 50 Kilometer weit entfernten jurassischen Bonfol. Übrig blieb ein Erbe von langer Dauer: Die Sanierung der kontaminierten Böden in und ausserhalb der Stadt sollte die Behörden und Unternehmen auch in der Zukunft beschäftigen.86 Im ‹Chemiebild› oder ‹Die neue Zeit› zeichnet sich eine mit Mutterpilz infizierte Roggenähre vom linken Rand her vor dem morgendlichen Himmel ab. Niklaus Stoecklins Anordnung von Gegenständen bildet die unterschiedlichen Stadien und Elemente der Entwicklung von Medikamenten ab: von den Naturstoffen, die bei Sandoz Ausgangspunkt waren, über Reagenzgläser hin zu den abgepackten Medikamenten ganz rechts. Der Schwerpunkt liegt auf der Forschung, während der Maler den eigentlichen Herstellungsprozess übergeht: Das Bild betont so den schöpferischen und wissenschaftlichen Charakter der Medikamentenproduktion im Labor. Das Licht der aufgehenden Sonne in einer undefinierten Landschaft, das Stoecklins Bild etwas Surreales verleiht, verweist auf eine hoffnungsvolle Zukunft, die sich mit der pharmazeutischen Forschung ankündigt: So ist dem Werk das Fortschrittsbewusstsein der Zeit eingeschrieben.

Tatsächlich standen hinter den standardisierten und industriell gefertigten Produkten der Basler Leitindustrie – von den synthetischen Farben, Kunststoffen, Kosmetika, Insektiziden, Vitamin- und Hormonpräparaten bis hin zu den Antidepressiva – forschungsintensive Prozesse. Die an Küchen gemahnenden Laboratorien der Pionierzeit wichen spezialisierten Gebäuden und Anlagen. In allen Betrieben wurden die Forschungsabteilungen ausgebaut: Allein auf dem Rosentalareal der Geigy verdreifachte sich das Forschungspersonal von 1937 bis 1957 auf 430 Personen. Im Jahr 1967 investierten die vier grossen Basler Unternehmen 800 Millionen Franken in die Forschung, während Bund und Kantone im selben Jahr für Universitäten und Hochschulen gesamtschweizerisch insgesamt 500 Millionen ausgaben.87 Die Konzentration von grossen, erfolgreichen Betrieben machte Basel und seine urbane Agglomeration im Zusammenspiel mit universitären Forschungseinrichtungen zu einem international bedeutsamen naturwissenschaftlichen Forschungsstandort. Dies löste einen Zuzug von gut ausgebildeten Wissenschaftlerinnen und Technikern aus dem In- und Ausland aus, die sich auch in den Vororten der Stadt niederliessen.88

Die kostspieligen Investitionen in die Forschung mussten sich finanziell lohnen: Der 1907 für die Chemie implementierte Erfinderschutz ermöglichte es den Basler Unternehmen, die Ressource ‹Wissen› mit Eigentumsrechten zu versehen. Der Patentschutz wurde auf immer mehr Länder ausgedehnt, was in den Unternehmen parallel zum Ausbau der Forschung auch zur Erweiterung der Patentabteilungen führte.89

Eine andere Strategie, die Risiken der hohen Investitionen abzufedern, bestand in Preisabsprachen, Marktaufteilungen und Zusammenschlüssen, sowohl auf internationaler Ebene als auch innerhalb der Region. So schlossen sich 1918 beispielsweise Ciba, Geigy und Sandoz, in Erwartung eines massiven Wettbewerbs mit der deutschen Industrie wie auch mit den neu entstandenen Farbindustrien in Ländern wie Grossbritannien, zu einer Interessensgemeinschaft zusammen, in welcher sie die Produktionsgebiete untereinander aufteilten und einen Gewinnschlüssel vereinbarten. Dass Roche sich in den 1930er-Jahren den Vitaminen zuwandte und Ciba sich der Hormone annahm, war Inhalt eines Gentlemen’s Agreement.90

Forschen und Erfinden beschränkten sich keineswegs auf die Laboratorien der Unternehmen. Der Weg zu einer Entdeckung war immer auch spezifischen Kontexten und Konstellationen geschuldet: Als Beispiel eines gelungenen Zusammenwirkens privatwirtschaftlicher Akteure und Hochschulen gilt das Vitamin C. Dem damaligen ETH-Privatdozenten und späteren Basler Professor und Nobelpreisträger Tadeus Reichstein war die Synthetisierung des Vitamins gelungen. Bei Roche wurde es zur Produktionsreife entwickelt, patentiert und erfolgreich vermarktet. Die ab 1917 systematisch angegangene Erforschung des Naturstoffs Mutterkorn führte bei Sandoz auf nicht vorhergesehene Pfade: Weltweites Aufsehen erlangte die Entdeckung der psychogenen Wirkung von Lysergsäurediethylamid (LSD) durch den Chemiker Albert Hofmann. Seine rauschgetränkte Velofahrt vom St. Johann-Quartier nach Bottmingen im April 1943 wurde gar zum Stoff für Romane.91 Weniger bekannt ist, dass das industrielle Interesse am Mutterkorn die Auseinandersetzung mit Pflanzenzucht und Agrochemie beförderte.92

Die Produkte der Branche wirkten auf alle Bereiche des Lebens: von der Lebensmittelproduktion bis zur Fotografie, von der Beschaffenheit von Baumaterialien bis hin zur Farbe von Textilien, Leder und Haaren. Nicht zuletzt revolutionierten die chemisch-pharmazeutischen Firmen im Zusammenspiel mit dem Gesundheitswesen die Humanmedizin.93 Vorstellungen von Gesundheit wandelten sich; Krankheiten, die als unheilbar gegolten hatten, wurden heilbar. Selbst psychische Leiden wurden therapiefähig. Nach dem Zweiten Weltkrieg gerieten Psychopharmaka in den Fokus der Basler Unternehmen. Die Erprobung der Wirkstoffe führte zur Zusammenarbeit mit Kliniken, die Patientinnen und Patienten Testsubstanzen verabreichten, meist ohne deren Wissen. So wurde die stimmungsaufhellende Wirkung von Imipramin entdeckt. Geigy brachte den Wirkstoff 1958 unter dem Namen ‹Tofranil› auf den Markt. Damit errang die Firma einen bedeutenden Erfolg.94

Zu eigentlichen ‹Blockbustern› wurden die sogenannten Tranquilizer ‹Librium› (1960) und vor allem ‹Valium› (1963), die in den Laboratorien der Roche USA entwickelt worden waren. Sie gehörten in den 1960er- und 1970er-Jahren zu den weltweit am meisten verordneten Medikamenten, wurden sie doch auch zur Stressbewältigung im Alltag eingesetzt. Mit ihrem Song «Mother’s Little Helper» thematisierten die ‹Rolling Stones› den Medikamentenkonsum einer bürgerlichen Mittelschicht und setzten Valium 1966 gleichzeitig ein musikalisches Denkmal.95 Kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurden rund neunzig Prozent der Produktion der Basler Fabriken ins Ausland exportiert: Der wichtigste Absatzmarkt war Deutschland, gefolgt von Frankreich, Grossbritannien und den USA.96 Bereits um die Wende zum 20. Jahrhundert hatten jedoch Arzneien und Farben aus den Basler Fabriken ihren Weg bis nach Indien, Neuseeland und Tasmanien gefunden. Für den Vertrieb ihrer Produkte auf beinahe allen Kontinenten profitierten die Basler Unternehmen von den feingesponnenen Netzen des Welthandels. Auf dieser Basis liessen sich eigene auswärtige Verkaufsorganisationen aufbauen.97 Erste Produktionsbetriebe im Ausland entstanden ebenfalls im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts. Dazu zählten Niederlassungen in der Nähe der französischen Textilzentren Lyon und Rouen ebenso wie auch in Russland oder England. Aus heutiger Perspektive gelten die Werke in Basels Nachbargemeinden Huningue und Grenzach als ausländische Niederlassungen. Ganz anders jedoch war die Wahrnehmung vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs, als die Überquerung der Landesgrenze kein Hindernis darstellte und in den Führungsetagen von Geigy und Roche gar über eine Verlegung der Firmensitze nach Grenzach nachgedacht wurde. Diese frühe Internationalisierung war für die Branche charakteristisch. Nebst der Erschliessung immer entlegenerer Märkte verstärkten die Firmen in der Zeit nach 1945 die Internationalisierung ihre Produktion. Der geschäftliche Erfolg führte zu einem enormen Ausbau ihrer internationalen Präsenz. Durch ihre internationale Ausrichtung waren die Basler Unternehmen vom Weltgeschehen unmittelbar betroffen. So wurde etwa Roches russische Niederlassung im Zuge der Revolution 1918 verstaatlicht. Während des Ersten Weltkriegs profitierten die Unternehmen zwar von der Ausschaltung der deutschen Konkurrenz bei gleichzeitig starker Nachfrage nach Farben. Zugleich litten sie wegen der Auslandabhängigkeit ihrer Rohstoffe. Erfahrungen wie diese trugen zu einer stärkeren Binnenorientierung der Schweizer Wirtschaft bei; in der chemisch-pharmazeutischen Industrie äusserte sich das in Zusammenschlüssen wie der ‹Basler Interessensgemeinschaft›.98 Ein weiteres, von Autarkiebestrebungen getragenes Gemeinschaftsprojekt war die Gründung der Säurefabrik in Schweizerhall. Für den Absatz ihrer Produkte blieb der Binnenmarkt jedoch viel zu klein. Die Industrie konzentrierte sich nach dem Ersten Weltkrieg stärker auf den angelsächsischen Raum: zuerst auf Grossbritannien und in den 1930er-Jahren auf die Ostküste Nordamerikas, wo die Basler Unternehmen neue Zentren errichteten. Diese entpuppten sich während des Zweiten Weltkriegs als überlebenswichtig, konnten von hier aus doch Märkte bedient werden, die zeitweise von Basel aus nicht mehr erreichbar waren. Gegenüber Deutschland, dem wichtigsten Absatzmarkt auch während der nationalsozialistischen Herrschaft, bestand die Strategie der Basler Unternehmen aus einer Mischung aus vorauseilendem Gehorsam, Anpassung und vereinzelt auch Widerstand. Alle vier grossen Basler Unternehmen blieben zwischen 1933 und 1945 im deutschen Markt präsent und machten teilweise blühende Geschäfte.99 Ein Beispiel für die Ausdauer und die Wendigkeit innerhalb sich verändernder politischer Konstellationen, die Schweizer Unternehmen bei der Erschliessung neuer Märkte an den Tag legten, ist die Bestrebung, in Indien Fuss zu fassen. Der indische Markt, der für die chemisch-pharmazeutische Industrie wirtschaftlich weniger bedeutend war als Europa, die USA oder Japan, galt aufgrund seiner schieren Grösse als vielversprechend. Aufgrund der Unabhängigkeitsbestrebungen in den 1920er-Jahren zogen es Vertreter der Basler Exportindustrie innerhalb der britischen Kolonie vor, sich von britischen Handelshäusern zu trennen und mit Schweizer Gesellschaften zusammenzuarbeiten. Indem sie eine deutliche Parteinahme vermieden, gelang es ihnen 1947, als Indien seine Unabhängigkeit von der britischen Kolonialmacht erklärte, zu den ersten grösseren Investoren im neuen Staat zu werden. Eine wichtige Grundlage dafür bot die offizielle Schweiz, indem sie Indiens Unabhängigkeit anerkannte und schon 1948 diplomatische Beziehungen aufnahm. Roche, Ciba, Geigy und Sandoz, die zuvor aus den kolonialen Strukturen Nutzen gezogen hatten, passten sich den neuen Verhältnissen an. Unter Premierminister Jawaharlal Nehru, der die Industrialisierung Indiens vorantreiben wollte, verpflichteten sie sich zum Bau eigener Fabriken, zur Schaffung von Arbeitsplätzen und zum Transfer von industriellem Wissen. Als Ciba 1963 in Goregaon bei Mumbai (Bombay) das neu erbaute Forschungszentrum einweihte, nahm Nehru an der Eröffnungsfeier teil.100

Durch ihre internationale Ausrichtung brachten die Chemie- und Pharmaunternehmen Basel mit verschiedensten Orten der Welt in Verbindung, über Produkte, vor allem aber über Menschen.101 Die Ökonomin Alice Keller etwa ging 1930 von Basel nach Japan, wo sie die Führung der Roche-Filiale übernahm. Aber nicht nur Personen aus den Leitungsgremien reisten. Verbindungen entstanden auch über Techniker oder kaufmännische Angestellte, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg. Der Mechaniker Roland Christen etwa richtete in den Tropen Produktionsbetriebe für Schädlingsbekämpfungsprodukte ein. Sowohl Keller als auch Christen hatten bei ihrer Rückkehr nach Basel Objekte japanischen Kunsthandwerks oder des indischen Alltagsgebrauchs im Gepäck. Sie schenkten diese dem Völkerkundemuseum, dem späteren Museum der Kulturen, und trugen so – wie viele andere auch – zu den Sammlungsbeständen der hiesigen Museen bei.102 Das beruflich bedingte Reisen der Farbarbeiter im Lokal 88 auf dem Geigy-Areal, wo der Boxer Hans Müller täglich Fässer verschob, beschränkte sich auf die jährlichen Betriebsausflüge in Basels nähere Umgebung. Ob Müller 1948 wohl gewerkschaftlich organisiert war? So oder so profitierte er ab 1945 vom ersten Gesamtarbeitsvertrag (GAV) in der Chemieindustrie, einem Meilenstein der Basler und der schweizerischen Sozialgeschichte. Zwar existierten bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts erste Gesamtarbeitsverträge für das Gewerbe. 1937 hatten Gewerkschaften und Arbeitgeberverband für die Maschinen- und Metallindustrie ein Friedensabkommen unterzeichnet, in dem allerdings Bestimmungen über Löhne und andere Arbeitsbedingungen fehlten. Mit dem Vertrag von 1945 hingegen hatte eine Exportindustrie in der Schweiz den Widerstand gegen solche Regelungen durch einen GAV aufgegeben. In der Folge nahmen auf nationaler Ebene gesamtarbeitsvertragliche Regelungen zu.103 Der GAV verbesserte die Situation der Arbeiter und Arbeiterinnen durch höhere Löhne, den Ausbau der Vorsorgewerke und einen strengeren Kündigungsschutz. Die veränderten Bedingungen erlaubten den Arbeiterinnen und Arbeitern eine bescheidene Teilhabe an den neuen Konsummöglichkeiten. Vor allem aber bedeutete der GAV einen Paradigmenwechsel in den Arbeitsbeziehungen, zwischen Kapital und Arbeit. Die Anerkennung der Gewerkschaften ging einher mit einer Abkehr der Basler Chemieindustriellen von ihrer bisherigen autoritären Haltung.

Für die Chemiearbeiterinnen und -arbeiter gestalteten sich die Verhältnisse damit ganz anders als noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts: Damals hatten sie innerhalb der Arbeiterschaft der städtischen Gesellschaft zur untersten Schicht gezählt.104 Die Branche galt den Zeitgenossen noch in der Zwischenkriegszeit als Ort für jene, die in anderen Berufen gescheitert waren. In der Chemie fanden sie ein kärgliches Auskommen, nicht selten auf Kosten ihrer Gesundheit. Die Farbstoffe, die sie herstellten, zeichneten ihre Körper – nicht zufällig wurden sie im Volksmund ‹Papageien› genannt.

Keinen Paradigmenwechsel jedoch gab es trotz GAV bei der Lohndifferenz zwischen Männern und Frauen. Während der Minimallohn eines über zwanzigjährigen Arbeiters 1945 auf 1.49 Franken festgeschrieben wurde, betrug er für Arbeiterinnen 95 Rappen. Die markant tieferen Frauenlöhne sind eine historische Konstante, nicht nur in der Industrie.105 Die Differenz wurde mit dem Ideal des ‹Alleinernährers› begründet: Eine Familie sollte allein vom Lohn des Mannes leben können. Die Arbeit von Frauen in Fabriken, Verwaltung oder Schulen hingegen hatte den Status des Zusatzverdiensts, eines allenfalls notwendigen Übels. In der Arbeiterschaft allerdings arbeiten bis weit in die Nachkriegszeit oft beide Eheleute. Ambivalent war auch die Frauenschutzgesetzgebung, wie etwa das Nacht- und Sonntagsarbeitsverbot in der Industrie oder das Verbot im Umgang mit giftigen Stoffen. Von den Arbeiterinnen erkämpft, verminderte sie gleichzeitig ihre Einsatzmöglichkeiten und erschwerte ihnen den Zugang zu vielen Berufen, zur Ausbildung als Chemielaborantin zum Beispiel. Erst in der Hochkonjunktur der 1960er-Jahre wurde der Ausbildungsweg zu diesem modernen Beruf für junge Frauen geöffnet.106

Die Arbeit in den Fabriken war weitgehend nach Geschlechtern getrennt: Die Farbherstellung lag vorwiegend in Männerhand und der Frauenanteil nahm hier erst durch die Diversifikation in pharmazeutische Produktion und Agrochemie zu. Für die diffizile und personalintensive Konfektionierung und Verpackung hingegen schien die günstige Frauenarbeit gut zu passen.

Ab 1966 wurden bei Roche die Fläschchen in einer modernen Verpackungsstrasse gefüllt, verschlossen, etikettiert und verpackt – Tätigkeiten, die zuvor von Hand ausgeführt worden waren.107 Die neue Anlage war Teil der fortschreitenden Automatisierung und Rationalisierung. Die Belegschaft in der chemisch-pharmazeutischen Industrie nahm indes nicht ab: Ihren Höchststand sollte sie mit 27 483 Personen erst 1975 erreichen.108 Sie differenzierte sich jedoch aus: Zu den angelernten und den gelernten Arbeitskräften, den Laborantinnen und Chemikern kamen immer mehr kaufmännische Angestellte, Juristinnen oder Ökonomen. So vollzog sich in der Zusammensetzung der Belegschaft eine Verschiebung von der Arbeiterschaft hin zu Angestellten.109

Gezählt und ungezählt: Die Stadt als Ort der Arbeit

Im Herbst 1925 wurde in den Hallen der Mustermesse unter dem Titel ‹Arbeit der Frau› eine Ausstellung eröffnet, die für Diskussionen sorgte. Die Absicht der Initiantinnen war eine doppelte: Erstens wollten sie auf die Bedeutung von Frauenarbeit aufmerksam machen. Zweitens sollte die Ausstellung jungen Frauen bei der Berufswahl Anregung bieten. Dafür sollte nichts weniger als ein Gesamtbild weiblicher Arbeit in Basel gezeichnet werden.

Auch staatliche Akteure wollten sich einen Überblick in Sachen Arbeit verschaffen. Im Rahmen der eidgenössischen Betriebszählungen von 1929 wurde fortgeführt, was 1905 zum ersten Mal stattgefunden hatte: die Zählung aller Betriebe der Privatwirtschaft. Aus unterschiedlichen Perspektiven entstanden so innerhalb weniger Jahre zwei verschiedene Bilder von Basel als Ort der Arbeit. Die ‹Basler Frauenzentrale› war 1916 aus dem Zusammenschluss bürgerlicher Frauenvereine hervorgegangen und hatte sich die Besserstellung erwerbstätiger Frauen zum Ziel gesetzt.110 Inspiriert durch eine Frauengewerbeausstellung, die 1923 in Bern stattfand, veranstaltete sie zwei Jahre später ihre eigene Ausstellung in den Räumen der Mustermesse. Diese stiess auf grosses öffentliches Interesse, erntete aber auch Kritik: Ob Frauenarbeit es wert war, ausgestellt zu werden? Einige Fasnächtler frotzelten über den wertlosen Plunder überdrehter Gewerbeschülerinnen.111 Schwerer wog die Kritik, dass die Frauenarbeit in Fabrik und Handel, der zahlenmässig bedeutendsten Gruppe, an der Ausstellung untervertreten sei. Rudolf Schwarz etwa, ein sozialengagierter Pfarrer, vermisste die Wicklerin der elektrotechnischen Industrie und die Ausrüsterin der Stickerei. So sei die Ausstellung über Frauenarbeit eine über die Arbeit der ‹Dame› geworden, fokussiert auf künstlerische und soziale Berufe. Einer nächsten Ausstellung wünschte er mehr «instruktiven als aesthetischen, mehr volkswirtschaftlichen als kunstgewerblichen, mehr alltäglichen als luxuriösen Charakter».112

Während die bürgerlichen Frauen sich bemühten, die Bedeutung der Frauenerwerbsarbeit aufzuzeigen, wurde am Recht der Frauen auf Arbeit massiv gerüttelt. Angegriffen wurden im Speziellen die verheirateten Frauen im Staatsdienst.113 So beschloss etwa der Grosse Rat 1922, verheiratete Lehrerinnen nicht mehr fest anzustellen. In der Krise der 1930er-Jahre sorgte der ‹Kampf gegen das Doppelverdienertum› landesweit für Diskussionen. Es ging um den Ausschluss verheirateter Frauen aus dem Arbeitsmarkt, der als Massnahme gegen die Arbeitslosigkeit begründet wurde. In Basel sprach sich 1936 eine Mehrheit der stimmberechtigten Männer für eine Initiative aus, in deren Zentrum das Erwerbsverbot für ‹Ehegatten› stand – womit die Ehefrauen gemeint waren. Sie durften, sofern sie mit einem beim Staat angestellten Mann verheiratet waren, nicht mehr erwerbstätig sein. Gegen diese Regelung reichten Hildegard und Paul Bürgin-Kreis beim Bundesgericht Rekurs ein.114 Sie arbeitete seit 1932 als erste selbständige Anwältin und Notarin in Basel, während ihr Ehemann als Gerichtsschreiber beim Kanton angestellt war. Wäre die Initiative umgesetzt worden, hätte sie ihren Beruf aufgeben müssen. Ansonsten drohten Paul Bürgin Lohnkürzungen oder gar die Entlassung. Soweit kam es jedoch nicht, denn die Umsetzung der Initiative verlief schliesslich im Sand. Als 1942 der Gesetzesentwurf nochmals vors männliche Stimmvolk kam, wurde er verworfen.

Doch die Debatte verstummte auch während der Hochkonjunktur nicht, sie hatte «Gewohnheiten» geschaffen, wie die Juristin und Feministin Iris von Roten beobachtete. In grossen Firmen wie der Geigy verloren Frauen, die in der Verwaltung arbeiteten, bei der Heirat bis weit in die 1950er-Jahre ihre Stelle.115 Verheiratete Fabrikarbeiterinnen hingegen durften bleiben, denn im Kern ging es immer nur um die besser bezahlte Arbeit. Im «Kampf um das Doppelverdienertum» erkannte von Roten eine «widerrechtliche Methode, die fähige weibliche Konkurrenz auszuscheiden»116 – mit weitreichenden Konsequenzen, wurde damit doch das Recht der Frauen auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung beschränkt. Erst 1968 sollte in Basel die Diskriminierung verheirateter Frauen im Staatsdienst fallen. Nachdem die Frauenerwerbsquote zu Beginn des Jahrhunderts in Basel um fünfzig Prozent betragen hatte, sank sie in den Kriegsjahren um fast einen Fünftel, obschon diese für die Frauen zusätzliche Arbeit bedeuteten. Sie ersetzten die mobilisierten Männer in den Familienbetrieben, im Verkehr, sie wurden zum Landdienst aufgeboten oder organisierten die Soldatenwäscherei.117 Die Einsätze von Frauen galten jedoch als temporär und tauchten in den Statistiken deshalb nicht auf. Das hatte System: Keineswegs sollte der Eindruck entstehen, Frauen verdrängten die Männer aus dem Arbeitsmarkt. Was in den Zahlen dargestellt wird, ist dem Erkenntnisinteresse und den Wertvorstellungen der Zeit geschuldet. Der Anteil arbeitender Frauen dürfte tatsächlich immer viel höher gewesen sein, denn viele ihrer Tätigkeiten waren nur schwer zu erfassen: Unter welcher Rubrik sollte zum Beispiel Kostgeberei oder die Mitarbeit im Familienbetrieb aufgezeichnet werden? Für viele dieser Arbeiten war keine Zählkategorie vorgesehen. In den Augen der Statistiker war Arbeit primär marktvermittelt und bezahlt. Zudem hatte man mit der männlichen Vollerwerbstätigkeit eine Norm geschaffen, in der Teilzeitarbeit bis 1960 nicht zählte. So trug die Statistik massgeblich dazu bei, Frauenerwerbsarbeit unsichtbar zu machen; von der unbezahlten Arbeit im eigenen Haushalt ganz zu schweigen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg stieg der Anteil der ausserhäuslich erwerbstätigen Frauen, was wiederum die Auseinandersetzungen um die Erwerbstätigkeit von Müttern befeuerte. Fachleute erwarteten gravierende Folgen für das Familienleben und sahen die Grundlage der Gesellschaft in Gefahr. Gleichwohl wurden nun im Zuge des chronischen Arbeitskräftemangels Frauen zunehmend in den Arbeitsmarkt integriert.118 Allerdings war die Erhöhung des Frauenanteils kaum einem Anstieg der Berufstätigkeit von Schweizer Ehefrauen und Müttern geschuldet, vielmehr war sie zu beträchtlichen Teilen auf den Zuzug ausländischer Arbeitnehmerinnen zurückzuführen. So nahm zwischen 1955 und 1965 der Anteil erwerbstätiger Ausländerinnen an der weiblichen Erwerbstätigkeit in Basel von 10.5 auf 21.5 Prozent zu. Bei den Schweizerinnen hingegen sank der Anteil im selben Zeitraum um 11 Prozent – dank steigender Reallöhne und dem Zuzug von Ausländerinnen wurde es für viele Basler Familien möglich, das ‹Ernährer-Hausfrauen-Modell› auch tatsächlich umzusetzen.119 Die wirtschaftliche Tätigkeit in ihrer Gesamtheit zu erfassen war das Ziel, als der Bund 1905 zum ersten Mal eine nationale Betriebszählung durchführte. Nach der ersten Bestandesaufnahme versandeten mehrere Anläufe, bis 1929 eine neuerliche stattfand. Es folgten weitere in unregelmässigen Abständen.

Mit der Zählung von Betrieben, arbeitenden Frauen und Männern sowie Maschinen wurde ein Inventar der schweizerischen Volkswirtschaft erstellt, auf der Grundlage ihrer kleineren Einheiten, der Kantone und Gemeinden. Das 1902 gegründete Statistische Amt wurde mit der Erhebung für den Kanton Basel-Stadt beauftragt. Die gewonnenen Daten boten in den Krisenjahren bis nach dem Zweiten Weltkrieg verschiedenen Interessengruppen Grundlagen und auch Rechtfertigung für sozial- und wirtschaftspolitische Massnahmen.

Kurz bevor im Sommer 1929 über 1000 Zählerinnen und Zähler mit ihren Formularen Basel und die beiden Landgemeinden durchkämmten, mahnte ein amtlicher Instruktor an, selbst der unscheinbarste Betrieb solle nicht übersehen werden.133 In den gesammelten Zahlen wird die Stadt als Ort des vielfältigen Wirtschaftens sichtbar: Da stehen Kinobetriebe und selbstständige Hohlsaumnäherinnen neben grossen Ingenieurfirmen, Giessereien und Korbflechtern.

Die Darstellung als Grafik bildet die Lebendigkeit und Vielfalt der Tätigkeiten nicht ab, ermöglicht jedoch ein paar allgemeine Betrachtungen: So wirft die Zahl der Beschäftigung im Vergleich ein Licht auf die jeweiligen Konjunkturen. Zwischen 1929 und 1939 nahm sie ab, während die Wohnbevölkerung im Kanton um fast zwölf Prozent zunahm. Entsprechend fiel die erfasste Arbeitslosigkeit aus: Sie war 1939 knapp dreimal höher als zehn Jahre zuvor.134 Unbeachtet bleiben die Zwischenräume, das Jahr 1936 zum Beispiel, als die Arbeitslosigkeit am höchsten war. Gross sind die Sprünge zwischen 1939 und 1955, stieg die Zahl der Beschäftigten in diesem Zeitraum doch um über fünfzig Prozent an. Während der Hochkonjunktur nahm die Beschäftigung in beinahe allen Wirtschaftszweigen zu oder verharrte zumindest auf ähnlichem Niveau. Prominenteste Ausnahme war die vormals so wichtige Seidenbandindustrie, die in der Zwischenkriegszeit fast vollständig verschwand. Da an der Seidenbandproduktion die gesamte Region beteiligt war, zog die Krise weit über den städtischen Arbeitsmarkt hinaus ihre Kreise. Auf der Landschaft, wo ein grosser Teil der Bänder im Verlagswesen produziert worden war, verarmten viele Heimarbeiterfamilien.

Nur wenige Unternehmen aus der Branche überlebten bis nach dem Zweiten Weltkrieg: Zu den letzten Seidenindustriellen gehörten Rudolf und Hans De Bary. Als sie 1960 ihre Bandfabrikation im Gellert stilllegten, überführten sie den Betrieb in eine Immobiliengesellschaft.135 Hatte die Firma zuvor zu Industrie und Handwerk gehört, zählte sie jetzt neu zum Dienstleistungssektor: eine Verschiebung, wie sie für den Zeitraum charakteristisch ist. Zwar blieb Basel durch die Dominanz der Chemie- und Pharmabranche eine Industriestadt, zugleich wurde ihre Wirtschaft um den neuen Dienstleistungssektor erweitert.136 Erstmals taucht der Begriff Dienstleistung in den Betriebszählungen 1965 auf; er fasst zusammen, was weder zur Landwirtschaft noch zur Herstellung materieller Güter zählt, vom Coiffeur, der Buchhalterin bis hin zur Pflegerin.

Zahlenmässig umfasste die neu geschaffene Kategorie bei ihrer Einführung als Dienstleistungssektor bereits ähnlich viele Beschäftigte wie Handwerk, Industrie und Baugewerbe zusammengenommen. Dass auch in Industrie und Handwerk die Zahl derjenigen Angestellten zunahm, deren Tätigkeit eher als dienstleistend denn als herstellend zu beschreiben ist, wird hier nicht sichtbar, denn gezählt wurde nach Zweigen und nicht nach Beruf. Das systematische Zählen von Beschäftigung und Arbeitslosigkeit war für Politik und Behörden eine wichtige Grundlage für ihre Einflussnahme auf den Arbeitsmarkt. Eine der Strategien im Kampf gegen die Arbeitslosigkeit lag im Abschotten: Je höher die Arbeitslosigkeit in den 1930er-Jahren stieg, desto schwieriger wurde es für ausländische Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer, eine Arbeitsbewilligung zu erhalten. Wie viele von diesen ausgestellt werden sollten, war bereits nach Aufhebung der Personenfreizügigkeit im August 1914 zu einer Frage kantonaler Arbeitsmarktpolitik und zum Thema nationaler Leitlinien geworden. Die zugewanderten italienischen Arbeitnehmerinnen und -nehmer mussten sich nebst einer Arbeits-auch um eine Niederlassungsbewilligung bemühen, wollten sie in Basel Wohnsitz nehmen. Diejenigen Frauen und Männer aus Südbaden und dem Elsass hingegen, die auf dem Weg zur Arbeit die Landesgrenze überschritten, wechselten ihren Wohnort nicht. Für die basel-städtischen Behörden bedeutete der grenzüberschreitende Arbeitsmarkt so ein besonders flexibles Instrument der Steuerung.137

Als Beginn einer neuen kantonalen Arbeitsmarktpolitik gilt der 1936 geschaffene ‹Arbeitsrappen›. Finanziert durch eine proportionale Lohnsteuer – ein Rappen pro verdientem Franken, daher der Name – sollte der Fonds im grossen Stil neue Arbeitsstellen finanzieren. In der Vorstellung der Initianten – Vertreter von Wissenschaft, Gewerkschaften, Gewerbeverein und Politik – würden die neugeschaffenen Stellen die Konsumausgaben gesamthaft erhöhen und so die Wirtschaft als Ganzes ankurbeln. Zur Bekämpfung der Krise kam der Arbeitsrappen allerdings zu spät, denn infolge der Frankenabwertung setzte zeitgleich ein konjunktureller Aufschwung ein. Dennoch ging das Projekt in die Geschichte ein, handelte es sich doch um den Versuch einer neuen Krisenpolitik in den 1930er-Jahren. Um die unpopuläre Lohnsteuer akzeptabler zu machen, hatten seine Urheber zudem das Arbeitsrappengesetz an den Weiterbestand von Gesamtarbeitsverträgen im Bau- und Metallgewerbe gebunden, was dem sozialen Frieden zuträglich war. Bis weit in die 1970er-Jahre finanzierte der bis 1946 geäufnete Fonds wichtige Bauvorhaben, aber auch Sanierungsarbeiten in der Altstadt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wich die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit dem Anliegen der «richtigen Verteilung der Arbeitskräfte», wie der Autor einer Studie über Grenzgängerinnen und Grenzgänger in Basel formulierte: Man versuchte sie nun gezielt in Branchen zu lenken, für die schweizerisches Personal nur schwer zu finden war.138 In Basel zu arbeiten war aufgrund der vergleichweise hohen Löhne für viele aus dem grenznahen Ausland attraktiv. So attraktiv, dass in Süddeutschland und dem Elsass Arbeitskräfte fehlten, als dort etwas später als in der Schweiz in den 1950er-Jahren der Wirtschaftsaufschwung ebenfalls einsetzte. Elsässische Behördenvertreter beklagten sich gegen Ende der 1960er-Jahre, dass Frankreich die Ausbildungskosten seiner Bürger trage, der Profit jedoch Basel zugute käme.139 Tatsächlich kam es nun auch in Basel zu kritischeren Reflexionen: So hinterfragte der Kantonsstatistiker 1964 den bisherigen, wenig partnerschaftlichen Umgang mit Grenzgängerinnen und Grenzgängern – den die Stadt sich nicht länger leisten könne. Ihre Lage verbiete es, «die Entwicklung ihrer Nachbarschaft in gleicher Weise als Metropole zu dominieren, wie andere Grossstädte es zuweilen können». Er begrüsste daher die Gründung von grenzüberschreitenden Initiativen wie der ‹Regio Basiliensis›, deren Ziel der Austausch über die Landesgrenzen hinweg war.140 Die Zahl der Grenzgängerinnen und Grenzgänger wuchs in den Folgejahren weiter und blieb – wenig überraschend – ein Schwerpunkthema des länderübergreifenden Vereins.141

Yeah! Auf der Schwelle zur Konsumgesellschaft

Der Rock’n’Roll kam 1954 per Langwellen nach Basel: Kommerzielle Anbieter wie Radio Luxemburg brachten die Songs von Bill Haley, Cliff Richards und ‹The Shadows› in die Zimmer der Jugendlichen. Der Landessender Beromünster hatte für junge Ohren mit seinem Programm aus Klassik, Volksmusik und ein bisschen Jazz wenig zu bieten.142 Vier Jahre später gründete Robert Wittner sechzehnjährig mit Schulfreunden ‹The Little Robin Band›. Sie probten im Saal eines Kleinhüninger Restaurants, später im Pfarrhaus am Wiesendamm. Ihre Band, 1960 in ‹The Red Dynamites›, ab 1963 schlicht ‹The Dynamites› umbenannt, gilt als erste Rock’n’Roll Band der Region. Die jungen Musiker füllten bald Kleinbasler Lokale. 1962 traten sie in der restlos ausverkauften Safranzunft auf.

Geboren während des Zweiten Weltkriegs, hatten die vom Rock’n’Roll begeisterten Jugendlichen früh Knappheit und Rationierung erlebt, waren mit Lebensmittelmarken und dunklem Brot aufgewachsen. Statt Inspiration von aussen hatten sie einheimische Schlager zu hören bekommen. Die Möglichkeiten, selber Musik zu machen, waren für Kinder aus Arbeiter- und Angestelltenhaushalten aus finanziellen Gründen auf Trommel, Piccolo oder Handorgel innerhalb grosser Gruppen beschränkt gewesen.143 Nun aber markierten die neuartigen Klänge aus Grossbritannien und den USA die Öffnung der kulturellen Grenzen nach dem Krieg und einen der vielen Anfänge, für welche die Zeit zwischen 1948 und 1963 steht: Zunächst noch zögerlich, dann aber deutlich merkbar entstand die sogenannte Massenkonsumgesellschaft.144 Die Aufbruchstimmung der ‹langen 1950er-Jahre› begann mit der Aufhebung der letzten Lebensmittelrationierungen im Juli 1948.145 Bereits einige Monate zuvor hatte die Migros in Zürich den ersten Selbstbedienungsladen eröffnet. Auch in Basel setzte sich das neue Verkaufssystem, vorab im Handel mit Lebensmitteln, schnell durch. Hausierer und Gemüsehändlerinnen mit ihren Handwagen gehörten zwar in den Quartierstrassen weiterhin zum Stadtbild, vorbei aber waren die Jahre von Mangel und Not durch Kriege und Weltwirtschaftskrise. Immer mehr Konsumgüter – bis hin zu Kühlschränken und Automobilen – wurden für Arbeiter- und Angestelltenhaushalte erreichbar. Sie brachten das Versprechen eines schöneren, müheloseren Lebens für eine neue Mittelschicht mit sich, während nun vor allem neu zugewanderte Ausländerinnen und Ausländer in prekären Verhältnissen lebten.

Zu einer eigentlichen Feier der erweiterten Konsummöglichkeiten entwickelte sich in diesen Jahren die schweizerische Mustermesse. 1917 als Instrument der Wirtschaftsförderung gegründet, als Leistungsschau der schweizerischen Industrie und Vermittlungsplattform zwischen Fabrikanten und Händlern, verschob sich ihr Charakter hin zu einer Konsumgütermesse. Aus der Schweiz und dem Ausland reisten die Besucherinnen und Besucher an und bestaunten die immer reicher werdende Auswahl an Angeboten des persönlichen Konsums. Seit 1945 nahm der Publikumsandrang kontinuierlich zu. 1950 verzeichnete man rund 650 000 Eintritte, anlässlich ihrer 50. Durchführung im Jahr 1966 wurde gar die Millionenmarke geknackt.146 Weiterhin zogen die imposanten Erzeugnisse der Maschinenindustrie, die für Fortschritt und schweizerische Präzisionsarbeit standen, das Publikum an. Die stetige Erweiterung und Differenzierung der Konsumgüter führten aber auch zu einer sukzessiven Ausgliederung der technischen Bereiche in separate Fachmessen. Wie zwei im Abstand von zehn Jahren durchgeführte Umfragen des schweizerischen ‹Beobachters› zeigen, verbreiteten sich nicht nur Staubsauger und Kühlschränke, auch die Musik «als Liebhaberei» hielt mit neuen Produkten Einzug in die Haushalte. Innerhalb eines Jahrzehnts stieg die Zahl der Befragten, die einen elektrischen Plattenspieler oder eine Hi-Fi-Anlage besassen, von einigen wenigen auf 40.5 Prozent.147 Schallplatten avancierten zu Produkten des Massenkonsums. In Warenhäusern und Plattenläden – in Basel gab es 1965 deren acht – versorgten sich die jungen Rock’n’Roll-Liebhaber mit der Musik ihrer Vorbilder: Der bewunderte, aber auch kritisierte American Way of Life wurde übernommen, neu interpretiert und mit Eigenkompositionen ergänzt. Dank Aushilfsjobs und ersten Löhnen partizipierten die Jugendlichen am Konsum der neuen Waren. Von der Unterhaltungs- und Werbeindustrie wurden sie als eigene Konsumentengruppe entdeckt: «eine halbe Million neue Kunden».148

Doch Musik wurde nicht nur ab Schallplatte oder Radio konsumiert: Neue Bands schossen wie Pilze aus dem Boden. Mit ihren Konzerten und der Organisation von Festivals trugen sie zur Erweiterung des Freizeit- und Kulturangebots in Basel bei. In erster Linie ging es ihnen um die Musik. Ihre explosiven Auftritte waren jedoch auch Protest gegenüber der Kultur der Erwachsenen. Noch einen Schritt weiter ging die Rebellion der sogenannten Halbstarken, die gegen Ende der 1950er-in Schweizer Städten auftauchten. Sie irritierten die Erwachsenenwelt durch ihre Kleidung und vor allem durch ihr ostentatives Nichtstun in der Öffentlichkeit.

Für die meisten Jugendlichen beschränkte sich die Abgrenzung von der Elterngeneration allerdings auf die Freizeit: Der Sänger Robert Wittner jedenfalls beugte sich den Vorstellungen seiner Eltern und machte eine Ausbildung.149 Seine Band, die ‹Dynamites›, blieb eine Amateurband, die sich sich trotz nationalen und internationalen Erfolgen 1966 auflöste. Zwei der Bandmitglieder stiegen bei der erfolgreichen Zürcher Band ‹Les Sauterelles› ein, Wittner hingegen machte eine Karriere als Abteilungsleiter bei der ‹Union Trading Company› und später als Ökonom.

Anmerkungen

  1. SWA, Bv D10, Einladungskarte zur Jahresversammlung; «Der badische Bahnhof in Basel», in: BN, 11.05.1911.
  2. Gelpke 1911.
  3. Zur Bedeutung der Schifffahrt und zum Ausbau der Basler Rheinhäfen vgl. Lüem 2003, S. 22, 40–45.
  4. Thomann 1999, S. 34.
  5. Speiser-Sarasin 1935, S. 131.
  6. StABS, STA DS BS 9 2081, Ratschlag und Entwurf eines Grossratsbeschlusses betr. Erstellung eines Rheinhafens bei Kleinhüningen, 04.12.1917, S. 16–17.
  7. StABS, Protokolle: Grosser Rat 53, 26.04.1917.
  8. Der Hafen aus der Perspektive der Statistik vgl. Böhner 1968, S. 77.
  9. Spechtenhauser 2016a.
  10. Schneider 1944, S. 12.
  11. StABS, STA DS BS 9 2257, Ratschlag betreffend Abgrenzung der Bauzonen und Industriequartiere im Gebiete der Stadt Basel, 06.11.1919, S. 5.
  12. StABS, STA DS BS 9 2013, Ratschlag und Entwurf eines Grossratsbeschlusses betreffend Verkauf von Land der ehemaligen Klybeckinsel an die Gutehoffnungshütte behufs Erstellung eines Kohlenlagerplatzes und einer Briketfabrik, 28.10.1915.
  13. Zur Schweizerischen Schleppschifffahrt vgl. Lüem 2001; Lüem 2003, S. 34–39; Merzweiler; Vogt 2004, S. 16–30.
  14. Zur Schweizer Hochseeschifffahrt vgl. Arquint 2018; Lüem 2003, S. 48–55 und 94–97; Lüem 2001.
  15. Lüem 2003, S. 141.
  16. Hier und im Folgenden vgl. Salvisberg 2001; Heim 2019, S. 13–44; Schärer 2005.
  17. Dommann 2012; Wanner 1972.
  18. Mangold 1935, S. 5; Haller 2019, S. 256.
  19. Für eine umfassende Studie zum Transithandel in der Schweiz vgl. Haller 2019; für eine erste Erfassung des Umfangs der Branche vgl. Mangold 1935.
  20. Haller 2019, S. 11–18.
  21. Ebd., S. 241; Mangold 1935, S. 24.
  22. Als umfassende Studie zur Basler Handelsgesellschaft vgl. Franc 2007.
  23. SWA, H + I C602, «Ein gutes Samenkorn geht auf. 100 Jahre Basler Handels-Gesellschaft», in: NZ, 27.06.1959.
  24. Schwarz 1947, S. 165.
  25. Zum Flughafen Basel-Mulhouse vgl. Fehr 2014; Löw 1989.
  26. Interview mit René Bolliger, 09.02.2022.
  27. Zum Energieregime in der Schweiz, insbes. Kohle vgl. Kupper 2016, S. 26–36.
  28. Tréfás; Manasse 2006, S. 20–53; Kunz 2002.
  29. Labhardt 2014, S. 221–256; Geering 1928, S. 88.
  30. Paquier 2014.
  31. SWA, H + I Bi 102, «1959 – 60 Jahre Elektrizitätswerk Basel», in: Basler Volksblatt, 07.01.1959.
  32. StABS, Santität P 3, Rauchbelästigungen 1885–1934 und BD REG 4a 6 (1) 1931 bis ca. 1960.
  33. Schmidt 2000, S. 12–13.
  34. «Die erste Schweizer ‹Wasser›-Mühle», in: BN, 25./26.06.1938; «Die ersten 350 Tonnen Hafer im neuen Klingental-Silo», in: NZ, 25./26.06.1938.
  35. Zur Modernisierung im Gewerbe vgl. Salin 1955; Mooser 2000, S. 231–234.
  36. Aktienmühle 1995.
  37. Klingentalmühle AG 1968.
  38. Wipf 2016; Cottier 2016; Moser 2014.
  39. «Tagesausgaben einer fünfköpfigen Familie für Brot, Milch und Fleisch 1891–1924», in: StaJB 1924, S. 191.
  40. Lorenz; Schweizerisches Arbeitersekretariat 1922, S. 108–109.
  41. Hier und im Folgenden Koellreuter; Unternährer 2006, S. 135–138 und 161 f.
  42. StABS, DI-REG 5a 2-4-3 (2) 7, 1006, Das Bäcker- und Konditorengewerbe in der heutigen Wirtschaft, um 1960; StABS, Adressbücher der Stadt Basel 1945 und 1965.
  43. Klingentalmühle AG 1968, S. 4.
  44. Schwarz 1966, S. 170–172.
  45. Bauer 1987, S. 156–173; Polivka 2016, S. 500–505.
  46. Mazbouri; Guex; Lopez 2012, S. 468–470; Cassis 2007, S. 188–193.
  47. Haller 2019, S. 140–145.
  48. König 2016, S. 59–61.
  49. Oeri-Sarasin 1955.
  50. Mazbouri; Guex; Lopez 2012, S. 469–470 und 483–488; Mazbouri 2008.
  51. König 2001; Perrenoud 2020, S. 87.
  52. SWA, Banken 1113, «Die Stadt der Weltbank», in: BN, 20.11.1929; «Basel Sitz der internationalen Bank», in: Frankfurter Zeitung, 10.11.1929.
  53. SWA, Banken 1113, «Basler Brief», in: Neue Zürcher Zeitung, 20.10.1929.
  54. «Rund ums halbrunde Arbeitsamt», in: Arbeiter-Zeitung, 07.02.1933.
  55. «Verhindert die Steuerbefreiung für die BIZ-Kapitalisten in Basel», in: Basler Vorwärts, 11.02.1933.
  56. Für eine umfassende Studie zur Geschichte der BIZ vgl. Toniolo 2005.
  57. StABS, STA DS BS 9 3285, Ratschlag betr. Übereinkunft zwischen dem Kanton Basel-Stadt und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, 27.10.1932, S. 3–6.
  58. Trepp 1996, S. 22. StABS, Protokolle: Grosser Rat 61, 01.12.1932, S. 194.
  59. «Warum das B. I. Z.-Referendum?», in: BN, 04.02.1933.
  60. «Stimmfreigabe unter dem Druck der Arbeiter», in: Basler Vorwärts, 06.02.1933; «Parteiversammlung», in: Arbeiter-Zeitung, 04.02.1933.
  61. Trepp 1996; Toniolo 2005, S. 201–256.
  62. Perrenoud 2020, S. 85.
  63. Bauer 1972, S. 490.
  64. König; Unabhängige Expertenkommission Schweiz – Zweiter Weltkrieg 2002, S. 261–267; Tanner 2015, S. 215–216; Cortat; Perrenoud 2002, S. 242–244; Perrenoud 2020; Guex 2002.
  65. Perrenoud 2020, S. 88–90.
  66. Gusset; Zahn 2020, S. 172–173.
  67. Fritz Liebrich: «Basel als Bankenplatz – heute», in: NZ, Sonderbeilage «50 Jahre Schweizerische Bankiervereinigung», 05./06.10.1962.
  68. SWA, Vo H I 4, «Lohnen sich die Bemühungen um das USA-Konsulat?», in: Arbeiter-Zeitung, 05.09.1963.
  69. SWA, Vo H I 4, «Basels Stellung als Finanz- und Handelsstadt», in: BN, 10.01.1964.
  70. Mach; David; Ginalski 2017, S. 22–32.
  71. Verwaltungsratsmitglieder des Schweizerischen Bankvereins vgl. Bauer 1972, S. 520–524.
  72. «Der Olympiade-Boxer Hans Müller erzählt», in: Unsere Arbeit und wir, Werkzeitung der J. R. Geigy, Februar 1949; «Interview mit Hans Müller, Lokal 88», in: Unsere Arbeit und wir, Werkzeitung der J. R. Geigy, August/September 1949.
  73. Frühe Frauenkarrieren bei Roche vgl. Hochreiter 2021, S. 59–61; Bieri 2021b; «Frauen in der Industrie – ein Blick in die Geschichte», in: Live, Magazin für die Mitarbeitenden der Novartis in der Schweiz, 8–9, 2012.
  74. Zahlen für das Jahr 1950 vgl. Simon 2000, S. 377; Mooser 2000, S. 415.
  75. Baedeker 1937, S. 4 f.
  76. Bickel 1943, S. 4; König 2016, S. 13.
  77. Fasler-Segi 1960, S. 14–15.
  78. König 2016, S. 59 f.; Hochreiter 2021, S. 29–31.
  79. König 2016; Handelskammer 1924, S. 14 f. und 48.
  80. Bauer 1981, S. 271–273; Weber 2021, S. 26–33.
  81. Hofmann 2016, S. 285–316.
  82. Richter 2016; Huber 2014, S. 285–286; Ehrenbold 2017, S. 70.
  83. Hier und im Folgenden: SWA, H + I, Bf 3, «Hoffmann-La Roche baut», in: NZ, 16.04.1959; «Die chemische Industrie für unsere Stadt lebenswichtig», in: NZ, 17.04.1959.
  84. Zum Verhältnis von Stadt und Chemie vgl. Kreis 2016c.
  85. Forter 2000; Simon 1997, S. 53–54; König 2016, S. 235–240.
  86. Forter 2000, S. 17–30 und 237–260.
  87. «Sandoz Medikamente», Antenne, Schweizer Fernsehen, 19.06.1969.
  88. Zum Thema forschungsintensive Region vgl. Gugerli; Tanner 2012, S. 308 f.; Simon 2000, S. 367 f.
  89. Kutter 1958, S. 80–82.
  90. Zu Vitamin C als Beispiel vgl. Bächi 2009.
  91. Boyle 2020.
  92. Für eine Studie zur Verflechtungsgeschichte von LSD vgl. Bächi 2020.
  93. Hier und im Folgenden: Simon 1997; Tanner 1997.
  94. Meier; König; Tornay 2020; Ehrenbold 2017, S. 57–65.
  95. Ehrenbold 2021, S. 89 f.
  96. Zur Internationalisierung der Basler chemischen Industrie vgl. König 2016; Bieri 2021a; Dettwiler u. a. 2021.
  97. Zu Roche in Indien vgl. Ehrenbold 2021, S. 12–23.
  98. Zur Nationalisierung der Chemie vgl. Straumann 1995, S. 163–172.
  99. Zu Chemieunternehmen im Dritten Reich vgl. Straumann; Wildmann 2001.
  100. Zu Basler Unternehmen in Indien vgl. Ehrenbold 2021, S. 12–16 und 64–93; König 2016, S. 223 ff.
  101. Suter 2018 sowie ausführlich Suter 2022.
  102. Bieri 2021b, S. 99–101; «Roland Christen», in: Werkzeitung Geigy – Unsere Arbeit und wir, Juli/August 1962.
  103. Zum GAV und der Lage der Chemiearbeiter vgl. Stirnimann 1992, S. 235–314; Degen 1986, S. 151–166; Degen 2016.
  104. Zur Gesundheitsgefährdung der Arbeiterschaft vgl. Schaad 2003; Hugger 1984, S. 63–64; Schaffner 2022, S. 55–61.
  105. Zur Situation von Fabrikarbeiterinnen vgl. Wecker 1992; Wecker; Studer; Sutter 2001; Saal 1999.
  106. StABS, DI-REG 5a 2-4-3 (2) 83 (1084) 1934-1980. 25 Jahre LVB, 1942–1967 Laboranten-Vereinigung beider Basel. Basel 1967. Die Öffnung des Berufes für Frauen zu Beginn der 1960er-Jahre ist beispielsweise der Übersicht über die Laborantenprüfungen zu entnehmen. S. 20.
  107. «Rationalisierung in Industrie», Antenne, Schweizer Fernsehen, 19.01.1966.
  108. «Beschäftigte in Industrie, Gewerbe und Dienstleistungen nach Stellung und Heimat 1975», in: StatJB 1977, S. 106.
  109. Simon 2000, S. 372–373.
  110. Zur Frauenzentrale vgl. Argast; Schultze 1997.
  111. «Alti A. B. C.-Clique», 1926, Archiv Schnitzelbank-Comité.
  112. Schwarz, Rudolf: «Die nächste Ausstellung der Frauen-Arbeit», in: NZ, 19.10.1925; SWA A 100, Julie Burckhardt-Matzinger: Ausstellungsbericht, S. 10 f.
  113. Gschwind 2022, S. 117–120; Sokoloff 1989, S. 111 f.
  114. Hebeisen 1996.
  115. Schaffner 2022, S. 152–155.
  116. Von Roten 1996, S. 127.
  117. Wecker 2003; Vonarb 1989.
  118. Sutter 2005; Wecker 1992, S. 34–54.
  119. «Kanton Basel-Stadt, Beschäftigte nach ihrer Stellung im Betrieb, Geschlecht und Heimat», in: Eidgenössisches statistisches Amt 1960, S. 252 f.; «Beschäftigte Ausländer in Industrie- und Gewerbebetriebe nach Stellung und Geschlecht 1965» in: StatJB 1967, S. 100; «Weibliche Beschäftigte in Industrie- und Gewerbebetrieben nach Wirtschaftssektor 1929–1965», in: StatJB 1967, S. 101.
  120. SWA, HS 118, Krippe zu St. Alban, Bericht über das Jahr 1924.
  121. Kinderkrippen Bläsistift 2021.
  122. Krippe zu St Peter 1943; STABS, JD-REG 1c 8-10-7 Kinderkrippe Gundeldingen, Bericht über die Verhältnisse bei den Kinderkrippen, 13.07.1939.
  123. StABS, JD-REG 1a 8-0-1 (1) a, Bericht zum Anzug H. Stebler & Kons. Betr. Platzvermehrung der Tagesheime durch die Jugendfürsorge des Basler Frauenvereins, 19.09.1962.
  124. Lüem 2003, S. 195 ff.
  125. Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt 1964, S. 59.
  126. Banz 1962, S. 104 ff.
  127. StABS, PD-REG 3a 15313.
  128. Vgl. Burri 2023.
  129. Statistisches Amt des Kantons Basel-Stadt 1964, S. 49.
  130. «Tab.G.10b, Durchschnittliche nominale und reale Stunden- und Monatsverdienste von Arbeitern und Angestellten nach Kategorien 1939, 1942–1968 und 1968–1990 (in Franken)», in: HSSO, Historische Statistik der Schweiz, 2012, https://hsso.ch/2012/g/ 10b, abgerufen am 02.02.2023.
  131. Vgl. Burri 2023; zu den Ansätzen für Kost und Logis vgl. Gasser 1931, S. 6.
  132. StABS, DI-REG 1c 11-13-5 (2) Handel, Verkehr und Verwaltung: Hausangestellte,  1961–1974, Normalarbeitsvertrag für Hausangestellte im Kanton Basel-Stadt, 11.12.1942.
  133. «Erlebnisse bei der eidgenössischen Betriebszählung» in: BN, 31.08./01.09.1929.
  134. Moll; Sandtner; Saner 2002 S. 104 und 107.
  135. Amstutz 2002, S. 113–120.
  136. Mooser 2000, S. 232.
  137. Mentha 2014, S. 75–80.
  138. Banz 1964, S. 46–47.
  139. Ebd., S. 10; Haefliger 1973, S. 15.
  140. Wunderle 1964a.
  141. Weber 2013, S. 26–33.
  142. Zur Basler Musikszene und die ‹Dynamites› im Speziellen vgl. Mumenthaler 2019; Krebs 2009, S. 10–12, 21–24; Mumenthaler 2001, S. 67–69; Matti; Müller; Riedo 2000, S. 51–62.
  143. Matti; Matti; Engeler 1995, S. 14–23.
  144. Schumacher 2012, S. 70–72.
  145. Tanner 1992, S. 354.
  146. Kühschelm 2016, S. 88–90; Argast 2016, S. 150–156.
  147. Verlagsgesellschaft Beobachter (Basel) 1961, S. 31–32 und 52–53.
  148. Skenderovic; Späti 2012, S. 16–20; «Jugend und Geschäft», in: Neue Zürcher Zeitung, 17.10.1964.
  149. Krebs 2009, S. 21–24.