Wirtschaft und Wirtschaften: Keine Industriellen ohne Dienstmägde

Oliver Kühschelm

In: Die beschleunigte Stadt. 1856 – 1914 | S. 210-259 | DOI: 10.21255/sgb-06.05-710534 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

Basel war seit Jahrhunderten ein Knotenpunkt von überregionalem Handel und Verkehr, der Beziehungsnetze, Wissen und Kapital konzentrierte. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts verwandelte sich der alte Wohlstand in die Dynamik raschen Wachstums. Diese Entwicklung setzte Basel in mehreren Branchen an die globale Spitze. Sie brachte ihre Helden hervor, am prominentesten die Textilunternehmer und die Industriellen von Chemie und Pharma. Sie werden gefeiert, ausgeblendet wird dagegen, dass die Risiken und Lasten des Unternehmerhandelns von vielen getragen wurden. Oft waren es Menschen, die prekär wirtschafteten und dabei nicht weniger unternehmend agierten als die Eliten. Doch sie brauchten ihr Leben für ihr Überleben auf. Welche Leistungen mit Geld vergütet werden, ist eine Frage von sozialer Macht. Ihre Beantwortung entschied über die höchst ungleiche Verteilung von Kosten und Gewinnen. Modernes Wirtschaftswachstum entschärfte um 1900 die sozialen Gegensätze innerhalb der Stadt. Die Kosten verlagerte Basel nach aussen – nicht nur in die Region, sondern auch in die europäischen Kolonien.

Was tun? An Fleiss und liberale Ökonomie glauben

Der Ökonom Traugott Geering wurde in eine Familie geboren, die sich in einer endzeitlich orientierten Erweckungsbewegung engagierte. Sein Vater fungierte als Prediger und erster Vorstand der Basler apostolischen Gemeinde. Der Sohn schlug einen anderen Weg ein: «Als Traugott dann die Zweifel wegen dem Studium der Theologie kamen […], das war eine schwere Zeit», erinnerte sich Jahrzehnte später eine Freundin der Familie. Sie hatte einen Verdacht, woher die Zweifel rührten, denn wie einst Sokrates in Athen drohte aus ihrer Sicht auch im Basel der 1870er-Jahre ein charismatischer Philosoph die Jugend zu verderben. Friedrich Nietzsche, der scharfe Kritiker des Christentums, zählte an Gymnasium und Universität zu Traugotts Lehrern.1

Die Theologie wurde nicht Geerings Metier, doch er fand seine Berufung und Befreiung vom Zweifel. Er wandte sich der Geschichte der Nationalökonomie zu. 1887 erhielt er die neu geschaffene Stelle des Leiters der Schweizer Handelsstatistik in Bern, ab 1896 war er Generalsekretär der Basler Handelskammer. Er fungierte als ihr Sprachrohr in der regionalen und nationalen Öffentlichkeit. Als Fürsprecher einer liberalen Ökonomie war er kompromisslos gegenüber ihren und damit seinen Gegnern. Geering gehörte, so wie Jahrzehnte später Hans Bauer, Redaktor der Basler ‹National-Zeitung›, zu einer kleinen Gruppe von Experten, die das Wissen über die Geschichte der Basler Wirtschaft geprägt haben. Die Arbeiten von beiden sind unentbehrlich, doch sie führen zu einer Wirtschaftsgeschichte Basels, die sich nahe an den Dogmen der jüngeren Wirtschaftswissenschaften bewegt. Diese sind seelenverwandt mit den Überzeugungen der Liberalen des 19. Jahrhunderts. Beide neigen zu universalgültigen Annahmen über die Gesetze wirtschaftlichen Handelns, an denen sie die Menschen messen.

Ein Fehler wäre es zudem, bloss die Historie erfolgreicher Unternehmen zu schreiben. Irrwege und Pleiten sind ebenso Teil des Wirtschaftens. Auch darf man Wirtschaft nicht auf das Geschick bahnbrechender Unternehmer reduzieren und nur tatkräftige oder zumindest anständige und jedenfalls reiche Bürger würdigen. In Basel wiederholen sich die einschlägigen Namen in einem solchen Ausmass, dass paradoxerweise jeder Überblick verloren geht: Burckhardt, Geigy, Koechlin, Merian, Sarasin, Vischer. Der Grad der Wiederholung verweist auf die Stabilität, die Besitz den Besitzenden verschafft. Sich nur an diesen Namen zu orientieren, ergibt eine Geschichte von Wirtschaft als Werk der Reichsten. Neben Seidenbandfabrikanten hatten unter anderen Schuster, Sattler, Hausiererinnen, Metzger, Speziererinnen und Spezierer, Hausmädchen, Arbeiterinnen und Arbeiter Anteil an der Basler Ökonomie. Das Hotel Univers am Centralbahnplatz war das vornehmste der Stadt.2 Doch in derselben Branche war auch die in Kleinbasel ansässige Josefa Schnyder-Kessler tätig. Sie betrieb eine Schlafgängerei mit fünf Gastbetten. Ausserdem wusch und putzte sie für andere.3 Damit stossen wir auf die prekäre Gegenseite im Spektrum des Wirtschaftens, wo die meisten Arbeitenden lebten. Sie waren täglich elf Stunden oder mehr tätig, zu geringem Lohn in Fabriken, Werkstätten oder in Heimarbeit. Die Fähigkeit zur kapitalistischen Steigerung hat Max Weber dem Geist eines Protestantismus zugeschrieben, der in Arbeitsaskese und wirtschaftlichem Erfolg die Hauptmerkmale von Gottgefälligkeit sah. Damit formulierte er eine der berühmtesten Thesen der Soziologie, zu deren Begründern er zählt. Nun ist protestantische Religiosität sicherlich nicht der einzige Weg, der zum kapitalistischen Wirtschaften führt. Doch fällt es schwer, sie in Basel nicht für einen wichtigen Faktor zu halten.

Für einen genaueren Blick auf das Verhältnis von Glaube und Geschäft in der Stadt eignet sich die Basler Missions-Handlungs-Gesellschaft.4 Sie wurde 1859 von vermögenden Basler Familien als ein Instrument der protestantischen Mission in Westafrika und Ostindien gegründet. Indem sie Niederlassungen in Indien und Westafrika aufbaute, ging sie beträchtliche Risiken ein. Dem Geschäftsbericht des Jahres 1873 ist zu entnehmen: «Der Ausbruch des Kriegs zwischen England und dem Königreich Ashantee hätte uns mit Besorgnis um unsre afrikanischen Stationen erfüllen müssen, wenn wir uns nicht bewusst gewesen wären, dass unsre Arbeit nicht um eitler Ehre oder Gewinns willen gethan wird.»5 Gottvertrauen half bei der Bewältigung von Unsicherheiten, die sich nicht in kalkulierbare Risiken umwandeln liessen. Die finanzielle Basis der Handelsgesellschaft stellten reiche Unternehmer. Sie gaben Risikokapital und konnten darauf bauen, dass ihnen bei einem kommerziellen Scheitern des Unterfangens immer noch die Erfüllung des barmherzigen Bemühens bleiben würde. Für dieses Bemühen wählte man die Form der Aktiengesellschaft. Alljährlich warfen die Wertpapiere sechs Prozent Verzinsung ab, im ersten Jahrzehnt des Bestehens der Firma belief sich der Ertrag zuzüglich Superdividende im Schnitt auf 12,5 Prozent.6 Die Geschäftsberichte der Handelsgesellschaft durchzieht eine unentwirrbare Mischung von religiösen und unternehmerischen Bewertungen sowie rassistischen Annahmen über die Menschen Indiens und Afrikas: vom «eingeborenen» Buchhalter, der zugleich der tüchtigste Katechist war, aber als «Sklave der Flasche» dem Alkoholismus verfiel,7 bis zu den Strategien, derer sich die Handelsbrüder bedienten, um die Einheimischen die rechte Arbeitshaltung zu lehren. Für die Handelsgesellschaft verlief der Weg von den Wohltaten, die sie ihren Schützlingen angedeihen liess, zum Gewinn, den der Herr ihr bescherte. Religiöses und gewinnorientiertes Handeln, Philanthropie und Geschäft waren eins. Als man 1912 eine Anleihe über 1,5 Millionen Franken mit einer Verzinsung von 4,5 Prozent ausgab, tat man bereits den Schritt vom Wachsen aus Eigenkapital zur Expansion durch Fremdmittel. Der Prospekt pries einen Grossbetrieb an, der neben knapp achtzig europäischen Mitarbeitern viertausend indische und afrikanische Beschäftigte zählte.8 Zwischen Geschäft und Religion passte kein Blatt Papier oder nur jenes, auf dem man die Bilanz notierte. Relevant war jedoch der Unterschied zwischen «Heiden» und Christen sowie «Eingeborenen» und Europäern. Die Taufe machte Afrikaner oder Inder zu «Heidenchristen»; sie rückten näher, doch eine Differenz blieb bestehen.

Der Anspruch, andere zu zivilisieren, war weder eine Eigenheit der Missionsgesellschaft noch wurde er nur auf die Fremden in der kolonialen Ferne angewandt. Er betraf in Basel und Umgebung generell die Menschen ausserhalb des Bürgertums. Das bürgerliche Credo entfaltete seine disziplinierende Wirkung, indem es auf die Sanktionsmittel von Staat und Unternehmern baute, aber auch auf die kulturelle Attraktion der Idee des Aufstiegs zu Anerkennung und Wohlstand. Ihre Absicht sei, «Achtung zu gewinnen mit Ehre und Fleiss», versicherte Elisabeth Rauber 1871 dem Basler Niederlassungskollegium.9 Die «hochgeachteten Herren» mögen ihr die Chance geben, sich «empor schwingen zu können», indem sie ihr eine Gewerbebewilligung für die Führung des Geschäftes der Mutter erteilten. Sechs Jahre zuvor war die junge Frau wegen Diebstahls einer goldenen Kette zu einem Jahr Haft verurteilt und danach «ausgeschafft» worden. Die Rückkehr nach Basel hatte man ihr erlaubt, nicht aber die Ausübung eines Gewerbes. Erst als sie Einspruch gegen die Entscheidung erhob, liess sich der Kleine Rat überzeugen: von ihrer Selbstunterwerfung unter die bürgerliche Leitvorstellung des Fleisses und wegen der «mit Vergnügen» notierten Aussicht, dass die Mutter, eine «arge Säuferin», nach Übergabe des Geschäftes den Kanton verlassen wolle.10

Wirtschaft darstellen: Vom Zählen und Zeigen

In der Gliederung der Erwerbstätigen nach Wirtschaftszweigen sticht 1870 unter den produzierenden Gewerben die Textilindustrie hervor. Ihre Bedeutung als Arbeitgeberin war allerdings rückläufig. Betreffend die Zahl der Beschäftigten lag sie 1910 weit hinter der Baubranche. Dabei waren in den neuen Industrien des Maschinenbaus und der Chemie immer noch vergleichsweise wenige Menschen tätig, obwohl vor allem die chemische Industrie zugelegt hatte. Sie wies am deutlichsten eine grossbetriebliche Struktur auf.11 Da die Textilindustrie überwiegend Frauen beschäftigte, stellten diese bis Ende der 1880er-Jahre die Mehrheit der Fabrikarbeiterschaft. Überhaupt ergaben sozial- und wirtschaftsstatische Erhebungen einen Anteil von Frauen, der bürgerliche Experten beunruhigte.12 Sie schrieben Frauen geringere Produktivität zu und betrachteten weibliche Berufsarbeit ausser Haus als Entfremdung von der ‹natürlichen› Berufung der Frau. Dabei unterschlug die Statistik die unbezahlte Arbeit im Familienverband und erfasste Nebenerwerbe nur unvollständig. Die zahllosen Dienstbotinnen wurden gar nicht erst zu den Erwerbstätigen gerechnet. Statistisch war somit die patriarchale Einordnung in einen Haushalt – und sei es der fremde des Dienstgebers – stärker gewichtet als die bezahlte Tätigkeit. Wohlanständige Normalität wurde gleichgesetzt mit weiblicher Abhängigkeit. Diese Vorstellung strukturierte den Raum des Wirtschaftens in einer Weise, die auf die geringe oder fehlende Entlöhnung weiblicher Arbeitsleistung hinauslief.

Den grössten Betrieb am Standort Basel unterhielt im Jahr 1905 die Gesellschaft für chemische Industrie (Ciba), bei der über neunhundert Personen arbeiteten.13 Der Seidenbanderzeuger Vischer & Cie. zählte zwar rund 1400 Beschäftigte, von denen aber sechshundert in Heimarbeit tätig waren und nur hundert in der Stadt, hingegen siebzig Prozent im Baselbiet.14 Die Bandindustrie selbst umfasste unterschiedliche Strategien der Produktion: Die Firma De Bary stellte ihre Waren in einer Anlage mit fünf Websälen her, in denen durch Wasserkraft betriebene Jacquard-Webstühle standen.15 Andere Seidenbandfabrikanten operierten weiterhin mit dem Verlagssystem, Heimarbeit und handbetriebenen Webstühlen. Das scheint ein scharfer Kontrast von Innovation versus Tradition. Der elektrische Strom als neue Energiequelle ermöglichte im frühen 20. Jahrhundert aber auch die Mechanisierung von Webstühlen, die in Heimarbeit betrieben wurden.

Branchen mit stabilen Beschäftigtenzahlen standen ausserdem anderen gegenüber wie dem Bauwesen, wo die Anzahl der Mitarbeiter eines Unternehmens je nach Auftragslage und Saison zwischen achtzig und sechshundert schwankte. Die Kommandohöhen der grossen Firmen waren stets Männern vorbehalten, doch im Warenhaus und in der Seidenbandfabrik arbeiteten ansonsten fast nur Frauen; im Bauwesen, aber auch in Banken und Versicherungen waren hingegen fast nur Männer tätig. Der Anteil ausländischer Arbeitskräfte variierte zwischen beinahe neunzig Prozent in der Baubranche und ein paar Prozent an den Hauptsitzen der beiden wichtigsten Banken und der Spedition Danzas. Die ausländischen Beschäftigten kamen grösstenteils aus dem Deutschen Reich, zu dem seit 1871 auch das Elsass gehörte. Nur in der Bauwirtschaft wurden in erster Linie Arbeiter aus Italien eingesetzt. Die Beschäftigtenzahl ist in manchen Bereichen ein guter Indikator der Bedeutung einer Branche und einzelner Unternehmen für das Wirtschaftsgefüge, in anderen dagegen überhaupt nicht. So hatte die Privatbank Speyr & Co. zwar annähernd dieselbe Beschäftigtenzahl wie das Hotel Storchen, aber einen ungleich grösseren Einfluss. Die Firma scheint ausserdem in den Erhebungsbögen der Betriebszählung gleich zweimal unter den Grossen auf, als Bank und als Spedition.16 Wenn Unternehmen Betriebe ausserhalb der Stadt, im nahen oder fernen Ausland unterhielten, zeigte die Statistik vor allem eines: Ihr Wissen über Grösse und die Grossen endete an den Kantonsgrenzen.

Allerdings arbeiteten die meisten Menschen in kleinen Betrieben und konsumierten auch überwiegend deren Produkte und Dienstleistungen. Schneiderei, Schuhmacherei, Wäscherei – das war zumeist nur eine Person pro Betrieb, dafür gab es über tausend Herren- und Damenschneidereien in der Stadt.17 Klein- und Kleinstunternehmen prägten auch Erzeugung und Handel mit Lebensmitteln. In weit mehr als der Hälfte der 1300 Betriebe waren nur eine oder zwei Personen am Werk.18 Grossformen wie das Warenhaus stellten eine Seltenheit dar. Es gab nur vier ‹Kathedralen des Konsums› an zentralen Punkten der Stadt. Das Warenhaus fiel durch seine Verkaufsfläche aus dem von kleinen Detailgeschäften gesteckten Rahmen, Filialunternehmen durch ihre sich über mehrere Orte erstreckende Vertriebsform. Auch diese hielt in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts ihren Einzug in Basel, jedoch blieb es meist bei einem Verbund weniger Verkaufsstellen. Die Witwe Gertrud Riggenbach hatte 1828 ein Spezerei- und Südfrüchtegeschäft eröffnet, das ihr Sohn Franz 1861 um ein zweites Geschäft erweiterte. 1914 verfügte die Firma über fünf Verkaufsstellen.19

Die Ausnahme von den Ausnahmen war der Allgemeine Consumverein (ACV). Er verfügte nach der Jahrhundertwende über mehrere Produktionsstätten sowie 85 Verkaufslokale und zählte mit siebenhundert Beschäftigten zu den grössten Arbeitgebern der Stadt. 1865 gegründet, hatte die Genossenschaft Mitte der 1880er-Jahre bereits die organisierte Gegnerschaft des Kleinhandels auf den Plan gerufen. Das trug dazu bei, dass sich der ACV mit den Konsumgenossenschaften anderer Städte zu einem Verband zusammenschloss.20 So wuchsen Selbsthilfeorganisationen der Arbeiterschaft zu einem schweizerischen Handelskonzern heran. Die Geschichte des ACV ist der Basler und Schweizer Fall eines europaweiten Phänomens. Seine Besonderheit im internationalen Vergleich fällt ausserhalb des Betrachtungszeitraums: Der Genossenschaftsriese überstand als Coop Schweiz die Innovationen im Einzelhandel in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts, während in vielen Ländern die Genossenschaften aus dem Einzelhandelsmarkt verdrängt wurden.

Der Handel war ein Konglomerat aus vielen Detailgeschäften mit lokaler oder allenfalls regionaler Beschaffung und jenen Händlern und Agenturen, die über weite Distanz grosse Warenmengen vermittelten – ob als Importeure für den Basler Bedarf, durch den Export von Produkten, die in Basel erzeugt wurden, oder als Drehscheibe für Waren, die in Basel weder produziert noch verbraucht wurden. Gross- und Detailhandel trafen einander aber auch oft in derselben Firma. Zudem waren Finanzierung, Spedition und Grosshandel noch bis Mitte des 19. Jahrhunderts kaum voneinander geschieden und wurden von denselben patrizischen Häusern betrieben. Indem die Handelsfirmen sich von Basler Bedarf und Basler Produktion lösten, konnten sie Steigerungen erzielen, die der lokale und regionale Wirtschaftszusammenhang nicht hergab – sofern Dritte, die ansonsten keine Beziehung zu Basel hatten, die Vermittlung von Basler Firmen akzeptierten. Diese Form des Transithandels erforderte auch nicht, dass die gehandelten Produkte jemals Schweizer Boden passierten. Als älteste Firma dieser schwer greifbaren Branche gilt Simonius, Vischer & Co., die seit 1719 von Basel aus mit Wolle handelte. Lange auf Kontinentaleuropa beschränkt, ging sie ab Mitte des 19. Jahrhunderts dazu über, ihre Geschäfte auch mit Wolle aus Übersee zu betreiben.21 Die Basler Handelsgesellschaft sollte anfangs die Niederlassungen der Basler Mission mit Gütern aus Europa versorgen, verkaufte aber bald Palmöl und Palmkerne, Kautschuk und Kakao auf dem Weltmarkt. Im Gegenzug brachte sie Industrieprodukte nach Afrika und wurde dadurch zu einem bedeutenden Unternehmen des Transithandels.22 Die Pointe war, nur zwei Berührungspunkte mit der Schweiz zu haben: den Unternehmenssitz als Entscheidungsspitze und die Gewinne der Teilhaber. Der globale Handel der Firma bewegte sich in einem ungewissen Verhältnis zu Kompetenz und Reichweite der Rechtsprechung einzelner Staaten. Die Handelskammern von Basel, Zürich und Genf schufen daher früh eine Infrastruktur für Rechtsstreitigkeiten. Bereits 1869 veröffentlichte die Basler Handelskammer ein entsprechendes Regelwerk und war damit in die Anfänge einer internationalen Schiedsgerichtsbarkeit involviert, die abseits staatlicher Gerichte operierte. Ihre Ausmasse und Konsequenzen sind seither parallel zur globalen wirtschaftlichen Verflechtung enorm gewachsen.23

Mit Gewissheit wussten die zeitgenössischen Statistiker: Basel war eine Industriestadt. Der Anteil des produzierenden Gewerbes lag höher als in Zürich und Genf, den beiden anderen Grossstädten der Schweiz, und übertraf gar den Schnitt von 28 Grossstädten des Deutschen Reiches.24 Nun ist die Vorstellung einer nach Sektoren gegliederten Wirtschaft zwar gängig. Bei kleinen Betrieben ist die Trennung nach Sektoren allerdings oft künstlich: Der Schuster stellt den Schuh her und verkauft ihn an Konsumenten oder er bessert kaputte Schuhe wieder aus. Er vereint somit Produktion und Dienstleistung, Gewerbe und Handel. Aber auch grosse Produktionsbetriebe integrieren Aktivitäten von Reparatur bis Marketing, die – sofern sie an Dritte ausgelagert werden – als Dienstleistungen gelten. Umgekehrt führte vom ‹Drogenhandel› und der vormodernen Apotheke ein Weg zur Massenerzeugung von Pharmaprodukten. Handel und Verkauf ist in allen Etappen dieser Entwicklung enger mit der Produktion verschlungen, als die Teilung in Dienstleistung und gewerbliche Produktion erkennen lässt. Man muss daher neben den statistischen Schubladen zumindest auch die Netze diskutieren, über die sich Produktion, Distribution und Konsum, die grossen und kleinen Betriebe, die kapitalkräftigen und prekären Akteure verbinden. Diese Netze verknüpfen zugleich Basel mit seinem Umland und mit Orten von Batavia (heute: Jakarta) bis Accra an der Goldküste. An ihnen beteiligen sich Heimarbeiterinnen ebenso wie die Unternehmer aus Patriziat und Grossbürgertum oder Weber in Indien.

Die jüngere Forschung interessiert sich vermehrt für Positionen und Tätigkeiten der Vermittlung. Damit reagiert sie auf eine Gegenwart, in der Handelskonzerne und digitale Plattformen deutlich machen, dass die Massenfertigung in riesigen Fabrikkomplexen nur ein Moment des globalen Wirtschaftens neben anderen ist. Wenn man das Basel des 19. Jahrhunderts mit einem Etikett versehen will, ist es weniger das der Industriestadt als vielmehr jenes der Handelsstadt.25 Als wirtschaftlicher Knotenpunkt griff Basel auf ein Kapital zurück, das nicht nur ökonomischer Natur war, sondern ebenso soziales und kulturelles Kapital umfasste und über Jahrhunderte aufgebaut worden war. Hier konzentrierten sich Kompetenzen des Kommunizierens und Beobachtens über Distanz, des Kaufens und Verkaufens, des Lagerns und Transportierens, des Finanzierens und Versicherns.26 Das ermöglichte es unter anderem, Dinge zu produzieren, aber es war nicht erst die Transformation von Gewerbe in Industrie, die diese Fähigkeiten verlangte und hervorbrachte. In den unternehmerischen Grossformen nahm das kaufmännische Know-how freilich die Form einer differenzierten Organisation an. Das galt bereits für die Seidenbanderzeugung, und noch mehr gründeten hierauf Maschinenindustrie, Färberei, Chemie und Pharmazeutik ihren internationalen und globalen Absatz.29

Hoffmann-La Roche ist ein eindrückliches Beispiel. Ein Kennzeichen des Mitte der 1890er-Jahre von einem Kaufmann begonnenen Unternehmens war von Anfang an seine Marketingorientierung. Bevor es selbst Heilmittel erzeugen konnte, wussten seine Akteure bereits, wie sie die Produkte über Handelsvertreter und eigene Niederlassungen verkaufen konnten – und das schon früh weltweit, vor allem aber dort, wo sich wie in Basel selbst die Entwicklung einer Massenkonsumgesellschaft abzeichnete.30

Die höchsten Exportwerte verzeichnete um 1900 aber nach wie vor die Textilindustrie, allen voran die Seidenbanderzeugung.31 Sie verkaufte den grössten Teil ihrer Waren nach Grossbritannien, allerdings überwiegend nicht für den britischen Konsum, sondern als Zwischenstation des Handels mit dem Empire. Die Exportstatistik produzierte auch deshalb ein verzerrtes Bild, weil ein Drittel der von Basel aus kontrollierten Seidenbanderzeugung im Ausland erfolgte, primär in Südbaden und im elsässischen St-Louis.32 Unter den wichtigsten Basler Exportartikeln war das Seidenband das einzige Konsumgut. Schappe, das aus Abfällen der Rohseide erzeugte Garn, ging hingegen als Vorprodukt überwiegend an die deutsche Industrie. Wesentlich breiter verteilt zeigte sich der Export von Farben. Vielerorts war die Textilindustrie auf Lieferungen aus dem Deutschen Reich und der Schweiz angewiesen.33 Selbst die USA verfügten noch über keine nennenswerte Farbenindustrie, sodass 1900 ein Viertel des Exports dieser Basler Branche am US-Markt Abnahme fand. Als nach der wirtschaftsliberalen Phase in der Mitte des 19. Jahrhunderts Zölle wieder zu einer grösseren Hürde wurden, errichteten exportorientierte Firmen zunehmend Produktionsstandorte in Zielmärkten: Schappe- und Farbenindustrie expandierten in den 1880er-Jahren nach Frankreich, Geigy und Ciba gründeten oder beteiligten sich an Werken im Russischen Reich, in Grossbritannien und den USA.34 Basel war daher weit mehr als ein bloss regionaler Knotenpunkt des Wirtschaftens. Viele Fäden erstreckten sich direkt oder vermittelt hinaus in eine Welt, die grossenteils von europäischen Staaten kolonial beherrscht wurde. 1932 beschrieb der Soziologe Richard Behrendt die Schweiz als Trittbrettfahrerin des Imperialismus. Wenige Jahre später fragte eine Studie zur Entwicklung der Basler Exportindustrie, ob die Schweizer Unternehmen ihren «friedlichen Imperialismus» nur als «Anhängsel des Machtimperialismus der Grossstaaten» hatten betreiben können.35 Die durchgängige Friedlichkeit scheint zweifelhaft angesichts der Beteiligung von Basler Handelsherren am Sklavenhandel.36 Auch dem Autor der Studie, die in der Weltwirtschaftskrise den Basler Export untersuchte, drängten sich Fragen auf. Sie betrafen und betreffen die Beurteilung der Geschichte des Kapitalismus:37 als globalisierende Mechanik, die Wohlstand schafft und verteilt, oder als Verschlingung von Menschen und natürlichen Ressourcen, die auf eine finale Grenze zuläuft. Für beides lassen sich Argumente finden, und auch seine Basler Lokalgeschichte liefert Beispiele in beide Richtungen. Ausstellungen waren die «Hauptreklame» des 19. Jahrhunderts.38 Während die Unternehmen ihre Produkte bewarben, rückten die Veranstalter die Leistungsfähigkeit von Nation, Land oder Stadt ins Licht. Am spektakulärsten waren die Weltausstellungen, einen exklusiv schweizerischen Rahmen boten die Landesausstellungen. Die erste fand 1883 in Zürich statt. Seither hat es fünf weitere gegeben. Keine davon wurde in Basel ausgerichtet; wohl aber hatte hier seit 1917 über viele Jahrzehnte die Schweizer Mustermesse ihren Platz. Ihr waren wiederum drei Ausstellungen vorausgegangen, die das Gewerbe und die Industrie der Stadt Basel inszenierten.

Die erste Gewerbeausstellung fand zwar 1830 noch vor der Kantonstrennung statt, doch von rund zweihundert Ausstellern kamen nur zweiunddreissig von der Landschaft.39 1877 liess das Reglement «Erzeugnisse der hiesigen Industrie» zu – und solche «aus der nächsten Umgebung Basels, welche das Bild unserer Hauptindustrie vervollständigen».40 Einbezogen waren somit jene Schweizer Gebiete, in denen die Stadt ihre Ergänzung sah. 1901 definierte das Programm seine Reichweite als «kantonal baslerisch», es verstand darunter beide Halbkantone. Erstmals wollte man das Netz zwar auch weiter auswerfen, wenngleich auf verhaltene Weise: Man plante eine «eidgenössische Abteilung», die aber «lediglich alle Arten von Arbeitshilfsmaschinen umfassen» sollte.41 Achtzig Schweizer Firmen wurden angeschrieben, doch nur wenige zeigten sich interessiert. 1830 warnte Leonhard Bernoulli-Bär in seinem Bericht zur Gewerbeausstellung, dass Basel nicht weiterkomme, «weil wir, anstatt durch Wetteifer die Geschicklichkeit und Thätigkeit zu fördern, durch Beschränkung nur die Mittelmässigkeit heben».42 Bernoulli-Bär war Besitzer eines bedeutenden «Drogenhauses», eines Handels mit pharmazeutischen Produkten. Er richtete seine Kritik gegen das Zunftsystem.43 Bei der zweiten Ausstellung 1877 hatte hingegen auch in Basel bereits die Gewerbefreiheit Einzug gehalten. Der freisinnige Regierungsrat Carl Burckhardt-Iselin nutzte seine Eröffnungsrede für eine wirtschaftsliberale Ausdeutung der Rolle des Staates: Statt wie früher die «freie Concurrenz» zu fesseln, gehe es darum, alles zu beseitigen, «was der Entwicklung der Intelligenz und des Fleisses hindernd in den Weg treten kann».44 Auch die dritte Ausstellung 1901 wurde wirtschaftsliberal gerahmt. In seinem Vorwort zum Ausstellungskatalog zitierte Handelskammersekretär Traugott Geering den Bericht von Bernoulli als Beleg einer liberalen Hellsichtigkeit, die von 1830 in die Gegenwart reichte und in die Zukunft führen würde.

Aus dieser Perspektive schien die Durchsetzung der Gewerbefreiheit ein wichtiger Baustein des wirtschaftlichen Erfolgs von Basel. Die Publikationen und Reden durchzog eine Fantasie der Stärke. Basel war nicht vordringlich eine Ortsangabe, sondern als vorgestellte Gemeinschaft ein Projekt, an dem nur teilhaben konnte, wer bestimmte Voraussetzungen erfüllte. Nicht Erfolg zu haben, schloss Erwerbszweige, Betriebe und Menschen aus. Branchen und Betriebe, die der Konkurrenz nicht standhielten oder deren Dienste nicht mehr gebraucht wurden, blieben allenfalls Gegenstand nostalgischer Erinnerung; und schwache Menschen wurden das Ziel wohltätigen Engagements, wie es federführend die Gesellschaft für das Gute und Gemeinnützige (GGG) betrieb. Auch diese beschränkte sich bezeichnenderweise nicht darauf, die Folgen liberalen Wirtschaftens karitativ abzufedern; sie hatte auch die erste Basler Industrieausstellung von 1830 initiiert. Intelligenz und Fleiss, moderiert durch den Wettbewerb, versprachen Gewissheit. 1877 erklärte Georg Kiefer, der Präsident der Ausstellungskommission, dementsprechend: «Basels Wohlstand ist auf der Arbeitsliebe gegründet und wird durch diese immer bestehen.»45

Die Textilerzeugung war damals noch mit grossem Abstand die wichtigste Industrie, aber die Eröffnungsreden erwähnten sie nicht. Sie vermieden es, die Basler Ökonomie an eine bestimmte Ressource oder Produktkategorie zu binden. Stattdessen hoben die Sprecher ein Arbeitsethos hervor, das es mit Verstand einzusetzen gelte. Diese Vorstellung war kein Basler Exklusivbestand, aber sie zu beschwören zielte darauf, Basel an der Spitze bürgerlicher Tugend zu positionieren. Carl Burckhardt-Iselin meinte: «Wenn irgendwo neben den grossen internationalen Ausstellungen Gewerbe-Ausstellungen lokaler Art gerechtfertigt sind, so ist dies bei uns der Fall.» Warum gerade «bei uns»? Weil Basel – anders als Zürich oder Bern – nur eine Stadt und kein «ausgedehntes Land» war und ihren Gewinn allein «der Intelligenz und dem Fleisse jedes Einzelnen unter uns» verdankte.46 Im rohstoffarmen, aber tüchtigen Land durfte der Stadtkanton den moralischen Vorrang beanspruchen, der Schweiz zu zeigen, wohin ihre wirtschaftliche Idee führen musste. Am stärksten traten Bezüge auf die Nation bei der dritten Ausstellung hervor, der Gewerbeausstellung auf der Schützenmatte von 1901, denn im selben Jahr feierte der Kanton das 400-Jahr-Jubiläum seines Beitritts zur Eidgenossenschaft. Aus diesem Anlass wollte Basel «eine öffentliche Probe seiner wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit» geben.47

Für die Besucher und Besucherinnen waren die Ausstellungen hingegen vor allem ein Erlebnis,48 Orte hedonistischen Konsumierens. Zwar galt 1877 aus der Sicht der Organisatoren: kein «aufgedonnerter Flitter», sondern Belehrung, nicht Glanz, sondern «praktische Zwecke».49 Die Antwort des Publikums lautete: «32,920 Liter Bier, 2,283 Flaschen Wein, 36,600 Klöpfer, zu welchen 75 Kilogramm Senf genossen wurden».50

Warum Basel? Die Gnade guter Lage und ihre Nutzung

Basel befindet sich inmitten einer der ökonomisch aktivsten Regionen Europas und der Welt. Das trifft seit der Antike zu.51 Das wichtigste Merkmal ihrer Lage ist, dass der Rhein durch die Stadt fliesst – ein schiffbarer Fluss und deshalb schwer zu überqueren. Die mittelalterliche Brücke war bis Mitte des 19. Jahrhunderts stromabwärts über viele hundert Kilometer der einzige feste Übergang. Die Stadt erfreute sich eines Lagevorteils, der erst unter Druck geriet, als sich die Eisenbahn anschickte, die Geografie des kontinentalen Transports umzukrempeln. Nach einigem Zögern erkannte man in Basel, dass bei aller Liebe zu konservativen Verhältnissen die Rolle der Stadt für Handel und Verkehr Vorrang haben musste. Die Eisenbahn schuf eine konkurrenzfähige Alternative zum Flusstransport. Die Eigenart der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts besteht darin, dass der Fluss eine so geringe Rolle als transregionaler Transportweg spielte wie nie zuvor und auch später nicht mehr. Zeitgleich verwandelten Regulierungsarbeiten den Rhein von einem Fluss mit Sandbänken, Stromschnellen und Überschwemmungsflächen in eine schnell fliessende Transportrinne. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde in Basel das ‹goldene Tor› wieder geöffnet, neue Hafenanlagen errichtet und ein kommerziell tragfähiger direkter Wasserweg zum Meer geschaffen.

Ein zweites Merkmal der Lage Basels ist von Menschen gemacht. Der Kanton liegt am Rand der Schweiz, an der Grenze des 1848 gegründeten Bundesstaats zu anderen Nationalstaaten. Zum ersten Mal von der bürgerlichen Öffentlichkeit markant erlebt wurde diese Grenze im Spätsommer 1870, als der Krieg Preussens gegen Frankreich Verunsicherung auslöste. Mit einem Mal war es nicht mehr möglich, Lebensmittel und Brennmaterial aus den nördlichen Nachbarregionen zu erhalten. Aus der Sicht vermögender Menschen in den kriegführenden Staaten war Basel aber auch der erste Bankenplatz jenseits der Grenze. Daher floss reichlich Fluchtkapital in Basler Kassen. Die Einnahmen der Bahngesellschaften stiegen um zwanzig Prozent, weil viele Waren über die neutrale Schweiz geführt werden mussten. Ausserdem schnitt das Vorrücken der deutschen Armeen das Elsass vom französischen Markt ab, was den Schmuggel aus Basel profitabel machte. Nachdem die französischen Zollbeamten abgezogen waren, konnte man eine Zeit lang Waren ungehindert über die Grenze bringen: Zucker wurde ein Spekulationsobjekt, auch mit Kaffee liess sich viel Profit machen. Der Seidenbandindustrie half, dass Paris als Umschlagplatz ausfiel. Händler versorgten sich direkt in Basel. Zudem fehlten der Konkurrenz aus Lyon und St-Etienne die Arbeiter, die nun im Feld standen. Und in den Bilanzen der Basler Seidenbandindustrie schlugen sich die Menschenverluste positiv als Bedarf nach schwarzen Bändern nieder.52 Obwohl der Krieg Routinen des internationalen Handels störte, verdienten Basler Unternehmen sehr gut daran. «Manches Vermögen ist damals vom Gross- und vom Kleinhandel, wie von der Industrie gesammelt worden», stellte der Basler Ökonom Fritz Mangold fest.53 Der Bevölkerung brachte der Krieg allerdings Versorgungsengpässe und hohe Preise für Grundnahrungsmittel. 1914 wiederholte sich das im Massstab eines Weltkriegs.54

Zwar wurde Zürich, nicht Basel zum Zentrum des Schweizer Binnenmarkts. Die meisten der grossen Basler Unternehmen interessierten sich aber ohnehin mehr für den Absatz im Ausland. Basel war zudem ein günstiger Ort, um von den Vorteilen der Produktion im benachbarten deutschen Binnenmarkt zu profitieren. Der zollfreie «Veredelungsverkehr» ermöglichte insbesondere der Textilindustrie, einzelne Produktionsstufen auf Basel und sein Umland jenseits der Grenze zu verteilen.55 Umgekehrt war Basel der erste Ort, an dem sich vom Ausland gesehen der Schweizer Markt erschloss, und zwar in einer für den Absatz von Konsumgütern günstigen Ballung grossstädtischer Nachfrage. Die Firma Henkel errichtete 1912 eine Waschmittelerzeugung in Pratteln, die sie von Basel aus verwaltete.56

Dass im badischen Wiesental niedrigere Löhne für Fabrikarbeit gezahlt wurden, wussten die Unternehmer zu nutzen. Die Staatsgrenze zu Baden fiel mit der Grenze des Stadtkantons zusammen, erfüllte aber keine andere Funktion, als es die Stadtmauern zuvor gegenüber der Landschaft getan hatten: Produktion und Armut draussen halten, von der ländlichen Mischökonomie aus agrarischer Selbstversorgung und Geldlöhnen zum Vorteil des Unternehmensgewinns profitieren. Das Lohngefälle trug zu einem funktionalen Zusammenhang zwischen Basel und seinem Umland bei, aber beide wurden darüber hinaus durch kulturelle Ähnlichkeiten verbunden. Die Nähe der Dialekte verlor erst durch die unterschiedlichen Sprachpolitiken der Nationalstaaten an Relevanz für den Alltag. Bürgertum und Arbeiterschaft hatten ihre Verhaltenscodes, ihre Möglichkeiten und Gewohnheiten. Klassenunterschiede erzeugten soziale Profile, deren Erkennbarkeit nicht an Staatsgrenzen Halt machte. Auch ideologische Verwandtschaften sind auffällig. So legte der südwestdeutsche Liberalismus grossen Wert auf die kommunale Selbstverwaltung, die Basler Sozialdemokratie wurde durch den Zuzug aus Baden angetrieben. Institutionelle Strukturen des Wirtschaftens glichen sich: Eine Handelskammer gab es nicht nur in Basel, sondern ebenso in Lörrach. Die Mobilität von Arbeiterinnen und Arbeitern, Händlerinnen und Händlern, Dienstbotinnen und Unternehmern brachte dichte kommerzielle und soziale Beziehungen hervor.57 Im Sommer 1884 bezogen Direktoren, Angestellte und Bedienstete des Basler Bankvereins ein neues Gebäude am Aeschenplatz. Am früher durch Mauern bewehrten Eingang zur Stadt stand nun das Verwaltungsgebäude einer Bank. Sie war so sehr Symbol der Moderne wie die neue Verkehrsinfrastruktur, die den Platz überwältigte. Der Architekt Johann Jakob Stehlin-Burckhardt bemerkte in seinen ‹Architectonischen Mitteilungen›:58 «Kaum dürfte es heute eine grössere Stadt in Europa geben, welche sich nicht des Schmuckes eines oder mehrerer grossartiger Bankgebäude zu erfreuen hätte.» Das war der europäische Rahmen, in den sich das Gebäude des Bankvereins einordnete. Als Basler Besonderheit benannte Stehlin die Zurückhaltung des Baus, der die «theure Reclame» monumentaler Grösse vermied. Die Baukosten von 365 000 Franken waren freilich keine Kleinigkeit.

Ein ‹Unternehmenssitz› ist vorderhand ein Gebäude oder Gebäudekomplex mit Direktionsbüro, Comptoir und Sitzungsraum. Die Machtzentren wirtschaftlichen Handelns wirken auch nach aussen und prägen den Stadtraum. Sie folgen einer Logik des Geschäftlichen und seiner Repräsentation, haben aber auch ihre lokalen Charakteristika. Am Unternehmenssitz fallen Entscheidungen, er hat somit insbesondere eine organisatorische Funktion. Die Rede vom Unternehmenssitz fungiert zudem als Metapher der Sesshaftigkeit. Sie steht für die Bündelung von Kontrolle, das Festmachen von Austausch und Geldströmen. Hier ‹sitzt›, was sich oft über viele Länder verteilt.

Der Handel, der Export und die Investitionen jenseits der administrativen Grenzen der Stadt tragen diese überall hin. Diese Entwicklung wirft Fragen auf: Wurde die Speditionsfirma Danzas erst – und nur dadurch – ein Fall für die Basler Geschichte, dass sie im Gefolge des Kriegs von 1870/71 ihren Sitz von St-Louis auf die ‹richtige› Seite der Staatsgrenze verlegte? Die Investitionen anderswo und im Ausland schufen dort Arbeitsplätze. Gehört der Standort der Bandfabrik von Trüdinger & Co. im zweihundert Kilometer entfernten Bregenz zur Stadtgeschichte von Basel, wie die Fabriken im Wiesental und die Heimarbeiter der Landschaft? Nach Basel wirkten die Investitionen nur in der Form zurück, dass die nicht lokal reinvestierten Gewinne als Kapital verfügbar wurden. Letzteres war im Grunde körperlos und ohne Ort, lag aber in der Verfügungsgewalt von Menschen, die in einer Basler Villa wohnten und in der Stadt Beziehungen aller Art pflegten. Wirtschaftlich wirksam wurde es lokal durch den Luxuskonsum seiner Eigentümer und dadurch, dass diese sich an weiteren Investitionen in Unternehmen beteiligten, die ihren Sitz in Basel hatten.

Reich wie nie zuvor? Wachstum und Wohlstand, Ausbeutung und Elend

Von 1890 bis 1910 stieg die Bevölkerung der Stadt um über siebzig Prozent. Gleichzeitig nahm das kantonale Volkseinkommen59 um über hundertsiebzig Prozent zu, stieg also auch pro Kopf um eindrucksvolle fünfzig Prozent. Hier hatte eine städtische Ökonomie Fahrt aufgenommen. Die Schweiz insgesamt war in der zweiten Jahrhunderthälfte auf einen Wachstumspfad eingeschwenkt, der das Land bis zum Ersten Weltkrieg zu den wohlhabendsten der Welt machte.60

Im europäischen Vergleich erreichten Schweizer Arbeiter bereits in den 1880er-Jahren eine hohe Kaufkraft. Sie war zwar geringer als in den reichsten westeuropäischen Ländern, aber höher als im Deutschen Reich und viel höher als in Italien.61 Die Integration in globale Märkte und der technische Fortschritt machten Nahrungsmittel und Kleidung in grösserer Menge und besserer Qualität zugänglich, ausserdem neue und vielfältigere Produkte. Eine zeitgenössische Studie über die Kaufkraft des Geldes kam zum Schluss, dass das Konsumniveau von Facharbeitern und Angestellten im frühen 20. Jahrhundert demjenigen bürgerlicher Familien ein Jahrhundert zuvor entsprach.62

Die grossen Städte liessen als Umschlagplätze für Dienstleistungen und Zentren der gewerblich-industriellen Produktion die landwirtschaftlichen Gebiete hinter sich. In der Schweiz bildeten sich diese Unterschiede vor allem in Kleinregionen aus.63 Das Stadt-Land-Gefälle erreichte in Basel und seinem schweizerischen Umland im späten 19. Jahrhundert seinen statistischen Höhepunkt. Ihm entsprachen im zeitgenössischen Erleben starke Eindrücke moderner Urbanität: neue Strassen und Viertel, Schaufenster, Verkehr, «Menschenmasse», Migration, Vielfalt der Erwerbsmöglichkeiten, «Freiheit in Handel und Wandel», «Riesenbetriebe». So fasste es Fritz Mangold,64 als er ein um 1900 europaweit boomendes Diskussionsthema aufgriff: die Grossstadt.

Diese repräsentierte einen historisch nie gesehenen Wohlstand, der indes höchst ungleich verteilt war. Warenhaus und Stadtvilla betraten die meisten Menschen nur als Lieferanten, Bedienstete und Verkäuferinnen. 1901 deklarierten 173 Basler gegenüber der Finanzbehörde ein Vermögen von über einer Million Franken.65 Rund 7600 Personen unterlagen der Vermögenssteuer, weil sie ein Vermögen von mindestens 5000 Franken besassen. Für die meisten Menschen war hingegen Kapitalbildung fast ausgeschlossen. Was man verdiente, wurde verbraucht. Daten zur Gemeindesteuer, einer städtischen Einkommensteuer, geben Auskunft drüber, wie sich die Einkommensverteilung um die Jahrhundertwende entwickelte. Für ein Ehepaar galt ein jährliches Einkommen von 1200 bis 1300 Franken als Existenzminium.66 Wer weniger hatte, konnte kaum überleben. Zwei Drittel der Basler Steuerzahlenden lebten an dieser Grenze, 1904 war es die Hälfte. Immerhin stieg nicht nur die Zahl, sondern auch der Anteil jener, die ein Einkommensniveau von 1500 bis 3000 Franken erreichten. Dieses erlaubte ihnen eine etwas stabilere Existenz, die ins Kleinbürgerliche reichte. Mit 3000 Franken durfte man sich Anfang der 1890er-Jahre ein «behagliches, wenn auch bescheidenes Heim» erhoffen.67 Reichtum bewegte sich hingegen in anderen Sphären: Der Seidenbandindustrielle Johann De Bary gab 1888 ein Einkommen von 136 000 Franken an.68

Wie die soziale Ungleichheit zu beurteilen war, hing davon ab, wen man fragte. Die Handelskammer pries 1902 die Vorteile eines Wohnsitzes in Basel für «kleine Existenzen». Zu verdanken habe man dies dem «bedeutenden Reichtum der höheren Stände und feste[n] Traditionen weitgehender Wohltätigkeit und Gemeinnützigkeit».69 Der ‹Basler Arbeiterfreund› hatte zehn Jahre zuvor eine andere Deutung vertreten: «So steht’s in dem reichen und frommen Basel. Ja ‹reich›, weil die meisten Einwohner arm sind!»70 Die moralische Empörung über Ungerechtigkeit ergänzte die Basler Arbeiterbewegung bereits um 1900 mit dem Argument, dass Massenkaufkraft die Produktion anstosse, während Reichtum unproduktiv bleibe.71 Mit Blick auf Gewerbe und Handel traf das sicherlich zu, soweit sie den lokalen Bedarf bedienten. Die Interessen der Führungsschicht aus Industrie, Grosshandel und Banken lagen aber in Aussenhandel und Export. Für sie stellten Arbeiterinnen und Arbeiter primär Lohnkosten dar, verkaufen wollten sie ihnen nichts. Mit Menschen, die knapp an der Hungergrenze lebten, konnte man offenbar – zumal bei Abfederung des grössten Elends durch fromme Werke72 – erfolgreich eine Textilindustrie betreiben, deren Produkte billiger als die der Konkurrenz sein mussten. Für die neuen technologie- und wissensbasierten Branchen benötigte man demgegenüber ein ‹Humankapital›, das in ungezieferverseuchten Wohnungen bei unzureichender Nahrung nicht gedieh. Da hatte man nichts dagegen, dass gewerkschaftliche Organisation und staatliche Regulierung die Arbeits- und Lebensbedingungen der Arbeiterschaft zu verbessern begannen. Am 4. April 1884 fand sich Jakob Sutter beim Polizeidepartement ein, das ihn wegen einer anonymen Anzeige vorgeladen hatte. Sutter war Inhaber der Läden ‹zum Wilden Mann›, einem der grössten Konfektionsgeschäfte Basels. Ihm war vorgeworfen worden, dass er die Arbeitszeitgesetze nicht einhielt. Er gab zu Protokoll: «Richtig ist, dass ich in der strengen Saison, wie solche gerade jetzt herrscht, den Arbeiterinnen noch Arbeit nach Hause gebe. Das geschieht aber nur selten u. sofern die betr. Arbeiterinnen damit einverstanden sind. Da ich meinen Arbeitslohn nach der Stückarbeit berechne, so liegt es im Interesse der Arbeiterinnen, wenn sie noch zu Hause arbeiten.»73 Das Departement des Innern erhielt einerseits häufig solche Anzeigen, andererseits ersuchten laufend Unternehmen um Ausnahmegenehmigungen – für längere Arbeitszeiten, Sonntags- und Nachtarbeit. Eine Influenzawelle musste wettgemacht werden, es ‹pressierte› gerade wegen der Auftragslage, man war mit der Produktion in Rückstand, es galt dringend eine Reparatur durchzuführen, und so weiter. Meist erteilte die Behörde die Bewilligung. Wenn die Unternehmer argumentierten, dass den Mitarbeitenden die Ablehnung freistand, übersahen sie ihre Macht gegenüber Menschen, die den völligen Verlust ihres Einkommens befürchten mussten. Ein Müller teilte den Behörden mit, «dass sich bis jetzt Niemand von meinen Leuten mit Recht über zu lange Arbeitszeit zu beklagen hatte noch beklagte, als vielleicht so einige Taugenichtse, die ich entlassen habe».74 Die Unternehmer betonten auch, dass die Mehrarbeit im Interesse der Arbeitenden lag. Bei Stücklöhnen war das nicht völlig falsch. Sutters Arbeiterinnen konnten ein höheres Einkommen erzielen, indem sie als Unternehmerinnen ihrer prekären Existenz agierten. Moderne Vorstellungen des Arbeitens kreisen um die Erwerbsarbeit. Sie ist aber nur der sichtbare Kern, um den sich Haushalt und Beziehungspflege, die Erneuerung und Bewahrung der eigenen Arbeitskraft anordnen – Tätigkeiten, die sich mit dem Bezahlen und Bezahltwerden notorisch schlecht verrechnen lassen.

Um 1890 lebten der 37-jährige Schneidergeselle R und seine Frau im obersten Stock eines dreistöckigen Hauses, wo er für ein Geschäft der Herrenkonfektion arbeitete.75 Bezahlt wurde er pro Stück, so erzielte er 1700 Franken im Jahr. Mit diesem Einkommen zählte R zu den bessergestellten Arbeitern. Allerdings arbeitete er meist zwölf bis vierzehn Stunden pro Tag und nicht allein, denn seine Frau hatte nicht nur den Haushalt zu führen, sondern war in die Produktion eingespannt. In Spitzenzeiten engagierte der Schneider ausserdem einen Gesellen, den er entlöhnte und der seinerseits bis zu siebzehn Stunden am Tag arbeitete. Daraus zog R Gewinn, dem Gesellen gegenüber trat er somit als Unternehmer auf. Die Angaben sind der Untersuchung des Sozialforschers Carl Landolt entnommen. Er meinte über das Ehepaar: «Müssten die Leute sich nicht so abrackern, man könnte ihre Lage im Allgemeinen als eine recht glückliche und zufriedene bezeichnen.»76 Sich nicht abzurackern hätte hingegen das Ende des Glücks gebracht, denn Kapitalpolster bauten auch bessergestellte Arbeiter kaum auf.

Zum Wirtschaften gehören stete Anpassungen: an saisonale Häufungen und Flauten, an Veränderungen der Nachfrage durch den Wandel von Moden oder der Konjunktur, an neue Produkte und Anbieter, an Ausfälle von menschlicher Arbeitskraft und Maschinen, an Absehbares und Zufälliges. Das gilt für alle Wirtschaftssubjekte, egal ob sie Institutionen oder Personen sind. Wer die Lasten der Anpassung trägt, ist Verhandlungssache. Ein steter Reibepunkt zwischen Unternehmen und ihren Beschäftigten, der sich aber nicht in dieser Gegenüberstellung erschöpft, denn unbezahlte Arbeit durch mithelfende Familienmitglieder gehört ebenso zum Kalkül wie die Weitergabe von Aufträgen. Ein Schneider agiert dann eben als Subunternehmer des Konfektionsgeschäfts, für das er tätig ist. Um Leistungen, die nicht in Geldwert aufgerechnet und daher auch nicht bezahlt werden, in unternehmerischen Gewinn umzuwandeln, bedarf es sozialer Macht: des Meisters über den Gesellen, des Vaters über die Kinder und die Ehefrau, des grossen Produktions- oder Handelsbetriebs über kleine Handwerker und Gewerbetreibende.

Dieses Prinzip kapitalistischen Wirtschaftens ist in einer arbeitsintensiven Ökonomie besonders leicht zu greifen. Darauf baute Basels Hauptindustrie auf, die Seidenbandindustrie. Sie reagierte auf Veränderungen der Nachfrage, indem sie die Kosten ihrer Flexibilität auf die Landschaft abwälzte und damit jenseits des städtischen Horizonts verschwinden liess. Dort ratterten unzählige Webstühle in Heimarbeit für die Basler ‹Bändelherren›. Genauso verschwanden die italienischen Maurer jeden Herbst mit der Eisenbahn Richtung Süden, um erst wieder im Frühjahr nach Basel zurückzukehren, wenn die Bauunternehmen sie von Neuem benötigten.

Was tun mit dem vielen Geld? Grosse Banken

Basel hatte in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts die kapitalkräftigsten Bankiers der deutschsprachigen Schweiz. Ihr Einzugsgebiet reichte weit über die Stadt hinaus, in die anderen Kantone ebenso wie nach Baden und ins Elsass. Das war eine gute Ausgangsbasis für den Kapitalbedarf der Industrialisierung – oder ein Ruhepolster, das es erlaubte, auf die sich abzeichnenden Veränderungen abwartend oder ablehnend zu reagieren. Die alten Bankiersfamilien hatten meist mit Warenhandel und Spedition begonnen, dazu kamen Wechselverkehr, Kreditgewährung und Anlagen. Diese Geschäfte bildeten oft den Schwerpunkt.77 Man betrieb sie mit dem eigenen Vermögen, dem von Verwandten und eines engen patrizischen Kreises.

In einigen Ländern nahmen neue Bankformen Gestalt an. Gemeinsam war ihnen die Konstituierung als Aktiengesellschaften. Diese ermöglichten es, ein viel grösseres Betriebskapital aufzustellen, und emanzipierten die Unternehmensführung gegenüber den Eigentümern. Zunächst in Schottland, dann in England entstanden Depositenbanken, die über Zweigstellen Kapital aufsaugten. In Belgien, Frankreich und Deutschland war eher das Interesse an Wertpapieremissionen, an der Eisenbahn- und Industriefinanzierung charakteristisch.78 In der Schweiz dauerte es länger und in Basel noch etwas mehr, denn weder Staatsbedarf noch Eisenbahnprojekte drängten – bis sie es dann doch taten. Beinahe hätten die Basler Bankiers die Transformation des Bankwesens verschlafen.

Der erste erfolgreiche Vorstoss kam von einem jungen Tuchhändler, der keinem der alten Häuser angehörte. Johann Jakob Speiser stand unter den Eindrücken, die er in England gewonnen hatte. Die etablierten Bankiers liessen sich von dem Vorhaben eines Institutes überzeugen, das als gemeinsame Kasse von Basler Geschäftspartnern den lokalen Geldverkehr erleichtern sollte. Hieraus ging 1845 die ‹Bank in Basel› als erste Aktienbank der Region hervor, welche die Aufgabe einer Notenbank erfüllte.79 Speiser wurde Direktor. Für ihn waren Geld und Kredit «das Nervengewebe, längs dessen Fäden, gleich einem elektrischen Strom, mit unsichtbarer aber oft urplötzlicher Schnelligkeit alle Sensationen dem grossen kommerziellen Körper sich mitteilen».80 Der Körper, an den er dachte, war jener von Nationalökonomie und Nationalstaat. Sein Funktionieren fasste er in den liberalen Metaphern freier Zirkulation. Diese bedurfte der Infrastrukturen, der Banken und Eisenbahn. Daher stiess Speiser auch die Gründung der Schweizerischen Centralbahn an. Wo Eisenbahn und Aktienbanken zusammengedacht wurden, konnte überregionale Macht aufgebaut werden – wie es in Zürich Alfred Escher vorführte. Speiser war nicht das Basler Pendant, was mit Unterschieden von sozialer Herkunft und Persönlichkeit, aber auch mit den Bedingungen zu tun hatte, die Basel seiner Biografie bot. In der kleinstädtischen Gesellschaft war jeder Leiter eines Handels- und Bankhauses mit jedem Fabrikanten und Unternehmer grösseren Stils verwandt oder zumindest durch geselligen Verkehr vertraut. Wenn Investitionen einmal nicht aus Eigenem finanziert werden konnten, liessen sich für sie unschwer die erforderlichen Mittel aufbringen.81 Mit seinen Vorschlägen zur Modernisierung des Bankenwesen stiess Speiser daher auf begrenzte Gegenliebe.

Die Bereitschaft zur Veränderung ergab sich erst aus dem Wunsch, vom expandierenden Geschäft mit Staatsobligationen und Eisenbahnaktien zu profitieren. Diese Wertpapiere am Markt zu platzieren hätte jede der Bankiersfamilien für sich allein genommen überfordert. Um die neuen Möglichkeiten trotzdem auf die alten Mühlen ihrer Häuser lenken zu können, schlossen sie sich in den 1850er-Jahren zu losen Bündnissen zusammen, dem grossen und dem kleinen Bankverein.82 Damit aber aus dem koordinierten Vorgehen nicht unversehens ein neues Machtzentrum entstand, vermied man die Schaffung einer Grossbank, wie sie in Zürich seit 1856 in Gestalt der von Alfred Escher gegründeten Schweizerischen Kreditanstalt existierte. Die Bankvereine sollten sich auf jene Anlagedimensionen beschränken, die für die einzelnen Häuser nicht zu stemmen waren, und den Privatbanken ansonsten keine Konkurrenz machen. Schliesslich verwandelten sich die Vereine aber doch in Grossbanken: Aus dem kleinen Bankverein wurde 1862 die Handelsbank mit zwanzig Millionen Franken Grundkapital. Aus dem grossen Bankverein ging 1872 auch die grössere Bank hervor: der Basler Bankverein, dessen Kapital bei der Gründung fünfzig Millionen Franken betrug. Die Bankiers hatten lange gezögert. Wie im Fall der Eisenbahn blieb der Basler Elite letztlich keine andere Wahl. Im internationalen Gründeroptimismus der Jahre 1871/72 schlugen Banken aus Frankfurt, Berlin und Wien dem Basler Bankverein die gemeinsame Gründung einer Aktienbank vor. Die Basler lehnten ab. Doch rasch sahen sie ein, dass die ausländischen Bankiers nötigenfalls ohne ihre Kooperation agieren würden. Man entschied sich für Zusammenarbeit und für die Kontrolle in eigenen Händen.

Der Bankverein startete als Emissions- und Investitionsbank, deren Geschäft sich auf Staatsanleihen und Eisenbahnaktien konzentrierte. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde er aber zu einer überregional aufgestellten Depositenbank. Als Schweizerischer Bankverein integrierte er Banken in Zürich und St. Gallen.83 Seine erste Auslandsniederlassung wurde in London gegründet. Sukzessive verlor er den Charakter eines von Basler Privatbankiers gelenkten Instituts.

Um die Kredit- und Anlagebedürfnisse von Klein- und Kleinstgewerbe, von Schustergesellen und sparendem Dienstpersonal kümmerten sich die Privatbankiers mit ihren Aktienbanken nicht. Hier war nichts oder zu wenig zu holen. Es ist ein Anzeichen der Entstehung von breiter geteiltem Wohlstand, wenn sich das ändert. Um 1850 erkannte die Elite hier nur ein Feld wohltätiger Initiative, die sie bei der GGG gut aufgehoben sah. Diese betrieb eine Vorschusskasse, wohlgemerkt als Erziehungsmittel, nicht als Geschäft. Der Handwerker- und Gewerbeverein gründete schliesslich 1860 die Handwerkerbank, um dem Gewerbe Zugang zu Kredit zu geben.84 In vielen Kantonen übernahmen es die Kantonalbanken, Bankgeschäfte für den Mittelstand zu besorgen. Eine solches Institut erhielt Basel erst 1899.85

Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war der Bankverein die mit Abstand grösste Bank in Basel, auch in der Schweiz übertraf seine Bilanzsumme deutlich die Schweizerische Kreditanstalt. International war der Bankverein keines der ganz grossen Institute. Er kam aber besser durch den Krieg als seine Schweizer Konkurrenz und war somit gut platziert, um den Aufstieg der Schweiz als internationaler Finanzplatz zu nutzen und voranzutreiben. Die grossen Banken bildeten ein auffälliges Scharnier in der Transformation des Finanzierens und Investierens. Diese Veränderungen brachten einen der spektakulärsten und spekulativsten Orte des Kapitalismus hervor: die Effektenbörse als neuen Umschlagplatz für die steigenden Volumina des Wertpapierhandels.86 Vielerorts entstanden sie bereits im 18. Jahrhundert oder noch früher. In der Schweiz machte Genf 1850 den Anfang, Basel und Zürich folgten 1876 und 1877, dazu kamen weitere regionale Börsen. Die Zahl der kotierten Wertpapiere war überschaubar. In Basel startete man mit neunundneunzig Papieren, darunter nur acht aus dem Ausland. Überwiegend handelte es sich um Obligationen, ausgegeben von Staat, Kantonen und Städten sowie Eisenbahnen. Bis 1897 stieg die Zahl der in Basel kotierten Wertpapiere auf rund zweihundert. Zu zwei Dritteln waren sie Anleihen. Nun bedienten sich auch Banken und Industrieunternehmen dieses Instruments der Kapitalaufbringung.87 Um die Jahrhundertwende gewannen die Papiere von Holding-Gesellschaften als Anlageobjekt an Bedeutung – insbesondere Aktien von Elektrotrusts, die in Verbindung mit deutschem Kapital entstanden. In Basel engagierte sich die Handelsbank mit Siemens in der Schweizerischen Gesellschaft für elektrische Industrie (Indélec).88 Die Finanzierungsgesellschaften beteiligten sich vermehrt an Projekten im Ausland und wurden zum Motor der verstärkten internationalen Rolle von Schweizer Finanzkapital.

Um 1910 war Basel weiterhin ein finanzielles Zentrum der Schweiz, hatte aber an Terrain verloren. In vielen europäischen Ländern waren Finanzdienstleistungen im Tandem mit nationalen und imperialen Ambitionen gewachsen, was die Konzentration an deren Knotenpunkten begünstigte. So verlegte der Crédit Lyonnais in den 1880er-Jahren seinen Hauptsitz nach Paris. Der Schweizer Bankenplatz blieb zwar dezentral organisiert,89 doch Zürich überrundete die Grenzstädte Basel und Genf.

Viel, verwirrend, folgenreich: Moderne Risiken

Im Dezember 1882 erschien eine neue Wochenzeitschrift in Basel, ‹Der Capitalist›. Sie beabsichtigte die «Förderung des soliden Börsengeschäftes» durch Information über Wertpapierkurse und Börsenentwicklung.90 1886 stellten die Macher der Zeitschrift ein Handbuch zusammen, das sich an «kleine und mittlere Kapitalisten» richtete und einen Überblick über die wichtigsten in der Schweiz gehandelten Wertpapiere gab. Dazu kamen Erläuterungen, wie man mit Wertpapieren spekulieren konnte. Das Handbuch ist ein frühes Beispiel von Finanzliteratur für ein Laienpublikum.91 Als Herausgeber trat die 1884 gegründete Allgemeine Creditbank Basel auf. Dahinter stand Samuel Heinrich Wüest, ein junger Mann ohne Mittel und Ausbildung, dafür mit Charisma, Ehrgeiz und rhetorischer Begabung. Als er den ‹Capitalist› gründete, zählte er gerade achtzehn Jahre.92

Die Zeitschrift und das Handbuch beruhten allerdings auf systematischem Betrug. Wüest mischte nützliches Wissen über profitable Unternehmen mit fiktiven Bilanzen. Menschen aus der ganzen Schweiz liessen sich auf diese Weise wertlose Papiere der Vereinigten Eiswerke aufschwatzen: vom Zürcher Bankanstellten bis zum Landwirt aus Schaffhausen, vom alten Schustergesellen, der seine ganzen Ersparnisse verlor, bis zur Berner Telegrafistin und vielen Witwen. Wüest hatte für jeden und jede die richtige Geschichte parat. Ein Pfarrer bekam zu hören, dass die Bank diese Obligation «nicht ins grosse Publikum, sondern nur ihren guten Klienten» abgebe.93 ‹Der Capitalist› pries die Allgemeine Creditbank an, um die Bankaktien beim Publikum unterzubringen. Zunächst fehlte es an Vertrauen in den neuen Marktteilnehmer, doch nach einigen Jahren vorgetäuschter Geschäftserfolge fanden die Aktien ihre Abnehmer, die Bank platzierte Anleihen und vermittelte Anlagen.94 Auf Fehlspekulationen reagierten Wüest und sein Geschäftspartner Camille Kling kurz vor Weihnachten 1891 damit, dass sie die Kasse plünderten und mit einer grossen Menge Bargeld nach London flüchteten. 1893 kam es in Basel zu einem Aufsehen erregenden Prozess.95

Fasziniert war die Presse vom souveränen Auftreten Wüests. Seine Geschäfte erfüllten den Tatbestand des Betruges, was zu seiner Verurteilung führte. Zum Teil sah der Staatsanwalt allerdings nur «Auswüchse im Börsenwesen», die er für «verwerflich», doch nicht für strafbar hielt.96 Möglicherweise trennten Wüest vom gefeierten Unternehmer nur die soziale Position und der Kapitalmangel, der ihn zu übermässig riskanten Strategien zwang und zu kriminellen Handlungen verleitete. In der Verbindung aus Charisma, Mediennutzung und dem Experiment mit neuen Formen war er eine moderne Figur. Innovation ist eine Grenzüberschreitung. Zudem waren Finanzgeschäfte kaum gesetzlich reguliert.97 Bei den windigen Geschäften der Creditbank handelte es sich nur um einen – international wahrgenommenen – Beitrag des Basler Platzes zu einem Schweizer und internationalen Phänomen.

In Berlin war 1891 das Entsetzen gross, als ein angesehenes Bankhaus insolvent wurde, das – wie die Basler Creditbank auch – Einlagen und Depots veruntreut hatte.98 Dort führte die Empörung zum Börsengesetz von 1896, in der Schweiz blieb es bei kantonalen Regelungen. Der vorherrschende Liberalismus sah nur begrenzten Handlungsbedarf. Börsen- und Bankenskandale erschienen nicht als systemisches, sondern als moralisches oder anthropologisches Problem – die menschliche Gier! In Basel sorgte man sich zudem um Standortnachteile in der Konkurrenz mit Zürich. 1897 beschloss die Basler Regierung aber, die bis dahin private Börse zu verstaatlichen und unter die Aufsicht der Regierung zu stellen. Börsenunkundige zur Spekulation zu verleiten war von nun an strafbar.

Die Vermehrung von Kapitalgesellschaften, darunter der Wechsel von Privat-zu Aktienbanken, die Häufung von Wertpapieremissionen und der Handel an der Börse waren miteinander verwoben. Sie erzeugten Bedarf nach neuen Formen öffentlichen Wissens. Unternehmen mussten Geschäftsberichte drucken, Wertpapierkurse wurden publiziert, Zeitungen boten Einschätzungen zu betriebs- und volkswirtschaftlichen Entwicklungen. Die Verknüpfung von Öffentlichkeit und Aufschreibesystemen diente dazu, dass Investoren, vom Industriellen bis zur ihre Ersparnisse anlegenden Witwe, nicht auf blossem Papier sitzen blieben. Die Sicherheiten waren jedoch oft nur vermeintlich. Dieses Problem modernen Wirtschaftens nahm in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts Kontur an. Seither findet sie immer wieder in Börsenkrächen, Bankenpleiten und Finanzkrisen ihren spektakulären Ausdruck. Im Sommer 1901 wird in der Aeschenvorstadt auf einer grossen Baustelle gearbeitet. Wo zuvor der Gasthof zum Schwarzen Bären stand, soll ein neues Hotel entstehen und so rasch wie möglich den Betrieb aufnehmen. Am 28. August ist um sechs Uhr abends ein lautes Geräusch zu hören, darauf folgen eine Erschütterung und ein starker Windstoss, eine gewaltige Staubwolke breitet sich aus: Der fünfstöckige Rohbau ist vollständig in sich zusammengebrochen. Sieben Arbeiter sind ums Leben gekommen, sechs haben schwere Verletzungen erlitten.

Der Bau war das erste grosse Projekt einer im Jahr zuvor gegründeten Aktiengesellschaft, der Basler Baugesellschaft, vormals Rudolf Linder. Er war schon seit den 1870er-Jahren als Architekt und Bauunternehmer tätig gewesen,99 aber die Gründung der Aktiengesellschaft mit zwei Millionen Franken Kapital zeigte den Willen zum Quantensprung an. Das neue Grossunternehmen sollte in mehreren Sparten und über Basel hinaus tätig werden. Den Anfang machte die umfassende Immobilienentwicklung am Stammplatz. Dafür musste das Unternehmen mit der Basler Elite vernetzt sein. Als Verwaltungsräte fungierten unter anderen Alfred Sarasin, Leiter der Privatbank gleichen Namens, und sein Cousin Rudolf Sarasin, Seidenbandindustrieller und später Präsident der Handelskammer. Linder war Teilhaber und Mitglied des Verwaltungsrats, als dessen Delegierter übernahm er leitende Funktion. Werbebriefe wiesen auf die Kontinuität hin: «An der Spitze steht wie bisher …»

Das Baugewerbe war eine wichtige, im Stadtbild sichtbare Branche und trug seit Mitte der 1890er-Jahre die Hochkonjunktur. Die Expansion brachte Beschäftigungsmöglichkeiten im Bau und in Nebengewerben wie Schreinerei, Malerei und Spenglerei.100 Investoren verdienten gut an Immobiliengeschäften. Die Kehrseite der Spekulationsgewinne von Vermögenden waren steigende Mietpreise, die vor allem kleine Einkommen belasteten.101

Das Desaster des Hotelbaus legt wie unter dem Brennglas Chancen und Defekte kapitalistischen Wirtschaftens bloss. Beim Bau wurde das System des französischen Ingenieurs François Hennebique angewendet. Der Pionier des Eisenbetonbaus hatte vertikale Stützen, Deckenträger und -platten zu einem Skelett verbunden. Man konnte auf diese Weise Gebäude schneller errichten und war im Aufstellen der Wände frei, was flexible Nutzungen erlaubte. Für den Verbund aus Eisen und Beton sprach ausserdem die Feuersicherheit. Hennebique verkaufte sein System international in Lizenz.103 Rudolf Linder gehörte zu den Ersten, die in der Schweiz Eisenbetonbauten errichten liessen. Wichtige materialtechnische Fragen waren aber noch ungeklärt, Experten schien daher Vorsicht geboten. Dem standen die Ambition der Baugesellschaft und Linders Ungeduld entgegen. Das Renommierprojekt in der Aeschenvorstadt besuchte er häufig. Mit seinen Anordnungen umging er den zuständigen Ingenieur, drängte zur Eile und setzte seinen Willen durch, nötigenfalls mit Geschrei. Kaum hatte der Bau das Dachgeschoss erreicht, ordnete er die Entfernung der Baustützen an, um die Innenarbeiten zu beginnen. Mit der Bauführung waren zwei junge Männer betraut worden. Sie liessen die Stützen auch im Erdgeschoss entfernen, weil sie deren statische Bedeutung nicht erkannten. Der Rohbau brach wie ein Kartenhaus zusammen.

Ein Thema der Gerichtsverhandlung war der Umgang mit Risiken. Indem Linder und die Bauleitung lästige Zwischenschritte ausliessen, per ‹avanti, avanti› die Arbeiten antrieben und die Hinweise italienischer Maurer auf Risse im Beton ignorierten, bürdeten sie die Risiken den Arbeitern und prospektiv den Beschäftigten und Gästen des Hotels auf. Das Expertengutachten hielt fest, dass ein «wissenschaftliches System zur Berechnung der Hennebiquebauten noch nicht vorhanden» war.104 Genau besehen hatten es die Akteure nicht mit Risiko, sondern mit Ungewissheit zu tun. Die moderne Wirtschaft machte die Abschätzung von Technikfolgen zu einer nie abzuschliessenden Aufgabe, die ständiger Aufmerksamkeit bedarf. Das musste und muss die Gesellschaft lernen.

Vor Gericht berief sich Linder darauf, dass die Zuständigkeiten in dem neuen Unternehmen anders geregelt waren als in der patriarchalen Geschäftstradition. Er gab allein den Mitarbeitern die Schuld. Trotzdem wurde er als Hauptverantwortlicher verurteilt – wegen «leichter Fahrlässigkeit» zu einem Monat Haft. Der ‹Basler Vorwärts› rechnete aus: Viereinhalb Tage pro Arbeiterleiche, «so billig ist das Arbeiterfleisch geworden!»105 Zu einer Protestversammlung des Arbeiterbundes erschienen 1500 Personen. Die Arbeiterbewegung sprach von der skandalösen Spitze systematischer Ungerechtigkeit. Dazu gehörte die Nachsicht, mit der die Justiz Wirtschaftsverbrechen behandelte.

Auch Linder sah Ungerechtigkeit. Er ging in Berufung – vergeblich. Für die Basler Baugesellschaft wurde er zum Imageschaden. Er verlor die Leitungsfunktion, «vormals R. Linder» wurde aus dem Namen gestrichen. Nach einigen Jahren war Linder wieder im Baugeschäft aktiv. Der Nachruf der liberalkonservativen ‹Basler Nachrichten› verkehrte 1928 den Tod der Arbeiter in eine Tragödie des Bauherrn. Sie habe ihn «allzu hart getroffen».106 Die Opfer und ihre Hinterbliebenen waren weniger an Haftstrafen für die Verantwortlichen als an Entschädigungen interessiert. Dafür wurden sie ans Zivilgericht verwiesen. Die Witwe des Bauarbeiters Bitterli ging bis vor Bundesgericht. Da Linders Fahrlässigkeit nur eine «leichte» war, schien Schmerzensgeld für den Verlust des Familienvaters nicht nötig. Entgolten wurde der entgangene Verdienst für Ehefrau und Kinder. Linder scheiterte am Versuch, niedrigere Beträge für Familie und Ehefrau zu erreichen.107

Die Arbeit am Bau verschleisst Menschen als Ressource. Damals kamen zur schweren körperlichen Tätigkeit mit hoher Unfallgefahr die tiefen Löhne hinzu. Die Lebens- und Wohnsituation wurde zudem kaum durch staatliche Sozialpolitik verbessert, es mangelte an Vorsorge für Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter. Unter diesen Bedingungen war das Gewerbe, das Basel in die Moderne baute, ein Menschenfresser – vor allem von Migranten.

Textiles Werken – das Zeitalter der Fabriken?

Das 19. Jahrhundert stellt man sich als Epoche der Fabriken vor. Grosse Gebäude, darin wasser- oder dampfgetriebene Maschinen monströsen Ausmasses, bedient von Arbeiterinnen und Arbeitern in langen Schichten, ohrenbetäubendes Rattern, Klappern, Zischen, rauchende Schlote. All das gab es und war doch die Ausnahme, nicht die Regel des Wirtschaftens oder auch nur des Produzierens. So bewegte sich die Seidenindustrie zwar auf eine Zentralisierung der Erzeugung zu, doch noch im späten 19. Jahrhundert betrieben Unternehmen wie Forcart-Weis & Burckhardt-Wildt keine Fabriken. Die Seidenbänder wurden in Heimarbeit an 359 Handwebstühlen erzeugt, die sich über Baselland verteilten. Für diesen Produktionsmodus hat die Forschung den Begriff Protoindustrie geprägt. Das Unternehmen erscheint in diesem Blick als Überbleibsel, das durch den Fortschritt, den Zug zur Grossindustrie beseitigt werden musste. Dass Forcart-Weis bis Mitte der 1890er-Jahre eine umfangreiche Geschäftstätigkeit pflegte, weist aber auf einen wichtigen Punkt hin: Eine Seidenbandfabrik mochte ein Gebäude mit Maschinen sein, doch dieses war bloss ein Knotenpunkt im Geflecht des Wirtschaftens, das sich lokal und regional verdichtete und fast global erstreckte, ein Glied einer langen Kette, in der an jedem Punkt produziert, disponiert und verbraucht wurde. Das setzte handwerkliche Fertigkeiten und mehr noch kaufmännisches Wissen voraus.

Die an Forcart-Weis & Burckhardt-Wildt ergangenen Korrespondenzen vermitteln ein vielschichtiges Bild der Geschäftsbeziehungen, ihrer Intensität und regionalen Verteilung. Kleinere Städte oder Dörfer erfüllten oft fast nur eine einzige Funktion im Netzwerk. Schwerpunkte zeichneten sich in den grossen Städten ab, den überregionalen und internationalen Drehscheiben von Handel und Konsum. Man muss ausserdem zwischen den Inputs im Produktionsprozess, Dienstleistungen von Banken und Versicherungen, Speditionen und Transportunternehmen sowie Export-Importhäusern und Handelsagenturen unterscheiden.

Inputs für den Produktionsprozess kamen aus Basel und seinem Umland, sowohl in der Schweiz als auch im Deutschen Reich, in einem Radius von hundertfünfzig Kilometern mit Ausreissern auf grössere Distanz: Papierfabriken in Neukochen, Württemberg und in Lausen, Baselland, die mechanische Bindfarbenfabrik in Oberachern, Baden, die Baumwollspinnerei Escher in Uster, die Seiden-und Baumwollzwirnerei Guggenbühl in Wallisellen, eine Seidenbandweberei und -zwirnerei in Liestal. Die umfangreichsten Korrespondenzen betreffen Speditionen und Export-Import-Firmen oder Handelsagenturen, die für Forcart-Weis Seidenbänderbestellungen anderer Händler beschafften und dafür Provision erhielten. Die Beziehungen zu den Händlern, die als Drehscheiben für den Export wirkten, waren teils sehr langfristig. Die Firma erhielt von der Pariser Firma Henry Peltzer von 1833 bis 1917 immerhin 8425 Korrespondenzstücke. Gute Beziehungen unterhielt Forcart-Weis nach Amerika. Das Unternehmen erkannte als eines der Ersten das Potenzial dieses Exportmarkts.108 In den USA dienten New York und Philadelphia als Knotenpunkte, in Südamerika war Buenos Aires ein bedeutendes Konsumzentrum. Je nach Ort und Funktion im Netzwerk unterschieden sich die Geschäftsmodelle: Peltzer in Paris vermittelte nur Geschäfte und stellte Forcart-Weis dafür Provision in Rechnung; er unterhielt kein Lager und musste sich nicht um den Transport zu den Kunden kümmern, denn Paris und Frankreich waren dank der Eisenbahn bestens mit Basel verbunden. Rasche Herstellung und Lieferung des Gewünschten durch Forcart-Weis sicherten Aufträge, Peltzer drängte demgemäss stets auf schnelle Durchführung. Andere Firmen wie Moevius Eggers & Co. im damals nordchilenischen Tacna nahmen die Seidenbänder in Konsignation. Sie verkauften somit die Ware auf Risiko von Forcart-Weis aus einem Lager, das der Erzeuger immer wieder durch Lieferungen auffüllte. Für die Lagermiete zog die Firma ein Prozent vom Verkaufspreis ab, für «Commission und Delcredere» zehn Prozent. Delcredere war die Übernahme eines Zahlungsrisikos. Um dessen Ausmass einzuschätzen, musste man den lokalen Markt kennen. Wenn ein Kunde, den die Firma vermittelt hatte, die übernommene Ware nicht bezahlte, hatte die Firma in Tacna den Schaden und nicht Forcart-Weis. Zehn Prozent ist dann viel – oder wenig; je nachdem, wie gut Moevius Eggers die Kunden kannten, wie instabil der Markt war und wie oft es zu Zahlungsausfällen kam. Die Firma Moevius Eggers & Co. beklagte 1885 immer wieder, dass die Geschäfte nicht gut liefen. Ein ungünstiger Wechselkurs109 und eine in Summe unbefriedigende Nachfrage110 führten zu «bedeutenden Verlusten». Die Firma wurde 1886 liquidiert.111 Robert Lühdorff, ein Mittelsmann in Antwerpen, hatte jedoch anderes gehört: Herr Eggers habe sich zur Liquidation entschlossen, weil er Kapital benötigte, «um eine Erbschaft flüssig zu bekommen». An den Korrespondenzen lassen sich die Informationsmechanismen erkennen, auf deren Grundlage ein Basler Unternehmen in weit entfernten Ländern Ware absetzen konnte. Die Mittler und Importhändler verkauften Forcart-Weis nicht Ware, sondern Wissen. Für die Empfänger der Korrespondenz in Basel bestand die Herausforderung darin, die Auskünfte zu interpretieren. Es galt das Potenzial des lokalen Markts, das geeignete Sortiment, die möglichen Preise, Engagement, Verlässlichkeit und Reputation des ‹Freundes› einzuschätzen. Die erzielten Umsätze und Gewinne boten Bestätigung und Korrektiv, doch den Zusammenhang zwischen den von den ‹Freunden› erhaltenen Auskünften mit den erreichten Umsätzen und Gewinnen konnte man von Basel aus im Einzelfall immer nur vermuten. Die Konventionen der Geschäftskorrespondenz boten Halt, aber dazu gehörten auch der Gestus der vertraulichen Information und Schmeicheleien über das Sortiment der Erzeugerfirma. Damit suchten die ‹Freunde› Vertrauen zu pflegen. Ob es aus Sicht von Forcart-Weis & Burckhardt-Wildt gerechtfertigt war, liess sich nur mittel- und langfristig beurteilen. Dass das Netzwerk im grossen Ganzen funktionierte, ist durch seine Dauer und Widerstandsfähigkeit belegt.

Wege und Abwege: Industrielle Pfade ins 20. Jahrhundert

Vielerorts nahm der Maschinenbau seinen Anfang, indem er die Textilherstellung unterstützte, in Zürich markanter als in Basel. Hier war die Burckhardt AG die stolzeste Vertreterin der Branche. Nach 1900 hatte der Betrieb um 280 Beschäftigte112 und produzierte Vakuumpumpen und Kompressoren, die weltweit Abnehmer fanden. Neue Horizonte eröffneten die Erzeugung und Verteilung von Elektrizität. 1881 gründeten die Techniker Emil Bürgin und Rudolf Alioth eine Elektrizitätsgesellschaft. Letzterer entstammte einer Familie, deren Name für die Schappeindustrie stand. Rudolfs Bruder leitete die Schappefabrik in Arlesheim. Zu dieser Branche gab es noch eine weitere Verbindung, indem das neue Unternehmen in Kleinbasel in Fabrikräumen Quartier bezog, die eine Schappespinnerei beherbergt hatten. In Basel führte stets nur ein kurzer Weg zu den Netzwerken der Seidenindustrie zurück – und damit zur langen Geschichte des Aufbaus von wirtschaftlichem und sozialem Kapital.

Die Aktivitäten der Elektrizitätsgesellschaft Alioth wuchsen rasant, sie nahm 1895 die Form der Aktiengesellschaft an und verlegte ihren Sitz nach Münchenstein. In der neuen Anlage waren zunächst 350 Beschäftigte tätig, innerhalb der nächsten fünf Jahre stieg ihre Zahl an diesem Standort auf 900. Alioth hatte die Ambition, ein international tätiger Elektrokonzern zu werden. In Frankreich war die Firma zuerst durch eine Handelsvertretung präsent, begann aber bald mit einem Partner in Lyon zu produzieren und übernahm die Betriebsstätte schliesslich im Alleineigentum. 1900 hatte Alioth mit dem Zweigwerk in Lyon insgesamt 1350 Beschäftigte. Elektrizität und elektrotechnische Industrie entwickelten als Symbole von Modernität ausserordentliche Anziehungskraft. Davon war das Unternehmen selbst überzeugt. Als die Leitung 1895 den ersten Jahresbericht der neu geschaffenen Aktiengesellschaft vorlegte, begründete sie die traumhaften Zukunftsaussichten mit der Losung: «Wir stehen unter dem Zeichen der Elektrizität!»113 Bei der Basler Gewerbeausstellung von 1901 legte sich Alioth mächtig ins Zeug. Elektrischer Strom durfte nicht bloss ein Antriebsmittel für Maschinen bleiben, die als Investitionsgüter in Fabrikhallen verschwanden, sondern sollte Teil des städtischen Alltags werden – zunächst in Form der Beleuchtung von Strassen und Wohnungen oder durch elektrisch betriebene Strassenbahnen. Um Infrastrukturen der Stromversorgung aufzubauen, bedurfte es der Kooperation des Staats und damit der Unterstützung durch die Öffentlichkeit.

Neue Technologien und ihre kommerzielle Verwertung wecken allerdings häufig Erwartungen, die sich zumindest kurzfristig als überdimensioniert erweisen. Als 1900 die Konjunktur einbrach und die Börsenwerte sanken, geriet die junge Branche in Schwierigkeiten. Alioth traf es umso schwerer, als die Gesellschaft in den Jahren davor ihr Aktienkapital von zwei auf sechs Millionen Franken aufgestockt und zusätzlich Anleihen mit dem Ziel aufgenommen hatte, ihre Kapazitäten massiv zu erweitern. 1900 musste sie einen Verlust melden, der über die Reserve hinaus rund die Hälfte des Aktienkapitals verzehrte. Alioth überwand die Krise durch Umstrukturierungen, aber verlor an Terrain gegenüber ihrem dynamischsten heimischen Konkurrenten Brown Bovery. 1910 übernahm nicht Alioth das jüngere Unternehmen aus Baden, sondern ging umgekehrt Alioth in Brown Bovery auf.114 Die Münchensteiner Anlagen der Alioth wurden zu einem Zweigwerk, das die Wirtschaftskrise der 1930er-Jahre nicht überstand. Im Spiel der Konzentration ging der Standort Basel in diesem Fall leer aus. Es hätte auch anders kommen können. Die Stärke eines vielfältigen regionalen Wirtschaftsgefüges zeigt sich auch darin, dass es solche Verluste verkraften kann. Die Formierung der chemischen Industrie seit den 1860er-Jahren zeigt viele Charakteristika des Wirtschaftens in Basel.115 Auch sie ging von den Bedürfnissen der Textilindustrie aus und konnte das in Basel reichlich vorhandene Kapital nutzen, um die Risiken von Innovation zu tragen. Die Tradition der Stadt als Ort von Wissen und Wissenschaft spielte eine Rolle, mehr noch aber die Handelstradition. Die Firma J. R. Geigy hatte seit dem 18. Jahrhundert Farben, sogenannte Kolonialwaren und Heilmittel importiert. Auch die ersten Verfahren der synthetischen Farbenerzeugung waren ein Import. In Lyon wurde 1858 ein Verfahren entwickelt, um aus Steinkohlenteer die rote Farbe Fuchsin zu gewinnen. Der Färber Alexander Clavel kam aus Lyon, war aber seit Jahrzehnten in Basel niedergelassen. Er erwarb eine Lizenz und begann 1859 mit der Erzeugung von Fuchsin, zeitgleich mit der Extraktfabrik Geigy.116

Basels Position als Knotenpunkt für Verkehr und Kommunikation im Dreiländereck erwies sich wieder einmal als Vorteil, denn die Firmengründer konnten die Unterschiede der nationalen Regulierungen optimal nutzen. In Frankreich schützte das Patentrecht das Produkt, nicht das Verfahren. Damit besass der Patentinhaber ein Monopol, das Konkurrenten daran hinderte, auf alternativen Wegen denselben Farbstoff zu erzeugen. Diese Innovationsbremse führte dazu, dass sich französische Chemiker in Basel niederliessen, das keinen Patentschutz kannte. Die Frage geistigen Eigentums zu ignorieren war für die Firmen allerdings nur so lange günstig, bis sie selbst eines besassen, das sie für sich reklamieren wollten. Schon in seiner Gründungsphase richtete Hoffmann-La Roche in Grenzach einen Produktionsbetrieb ein, um vom deutschen Patentschutz zu profitieren. Hier konzentrierte die Firma zunehmend Produktion, Forschung und Werbung. Ob der kleinere Standort im Basler Wettsteinquartier oder der wachsende Betrieb im wenige Kilometer entfernten Grenzach das Zentrum des Unternehmens bildeten, war bald eine offene Frage.117

Als 1872 in Basel die Produktion von Farben mit Arsensäure verboten wurde, kam das einer Fabrik in Schweizerhalle in Baselland gelegen. Sie dehnte die Produktion aus und belieferte unter anderen auch Geigy. Ihr Inhaber Ernst Karl Ferdinand Petersen hatte die Herstellung von Fuchsin ursprünglich im französischen St-Denis betrieben, doch als die Abwässer seines Betriebs ein Fischsterben verursacht hatten, wechselte er 1862 von einem Standort an der Seine nahe Paris an den Rhein bei Basel. Er wohnte ausserhalb der Stadt, verkehrte jedoch in der Basler Bourgeoisie, so wie sein Betrieb jenem Verbund an Technikern und Unternehmern angehörte, der die junge Branche gestaltete. Für ihn arbeitete beispielsweise Robert Bindschedler, ein späterer Gründer der Ciba. Die Farbenindustrie blieb zwar im Stadtkanton konzentriert, doch zum Aus von Petersens Fabrik führte nicht der Standort im Baselbiet. Der Grund dafür waren unternehmerische Fehlentscheidungen. Er verschloss sich der Dynamik von Zusammenschlüssen und Übernahmen, die bereits vor der Jahrhundertwende das Konglomerat der Chemiefirmen prägte.118

Die chemische Industrie ist das Paradebeispiel dafür, dass Strukturwandel für Basel nicht in eine Sackgasse führte, sondern Ressourcen für weiteres Wachstum freisetzte. Ökologische Fragen blieben dabei lange Nebensache. Indem Chemie und Pharma die einstige Rolle der Textilerzeugung als Leitbranchen übernahmen, vollzog Basel den Übergang von der ersten zur zweiten Industrialisierung, die sich auf komplexere Technologien und Wissensbestände stützte. Die Entwicklung verband sich mit mehr Qualität, mehr Produktspezifik, höheren Gewinnen und schliesslich auch höheren Löhnen – zum Vorteil der Kapitaleigentümer, aber auch der städtischen Gesellschaft. Diese hatte sich seit Jahrhunderten in der Kunst des Oben-Bleibens im transregionalen und globalen Wirtschaftsgefüge geübt. Basler Unternehmen waren unermüdlich: Noch «die letzten Stationen der Zivilisation werden in das Absatznetz einbezogen», stellte Fritz Mangold in seiner Studie über den Transithandel fest.119 Nicht auf der Tagesordnung stand die kritische Betrachtung der eigenen Rolle in einer Weltwirtschaft, die von kolonialen Machtgefällen gekennzeichnet war. In Basel selbst lebten 1914 weiterhin viele Menschen in Armut, doch die Erträge des Wirtschaftens und ihre Verteilung deuteten bereits die mögliche Breite der Massenkonsumgesellschaft an.

Anmerkungen

  1. SWA, Biogr. Traugott Geering, Schreiben Elise Affeltranger-Faesch an Gertrud Geering, o. D.
  2. Fuss-Suter 1914, S. 78.
  3. SWA, PA 492 C4 II.
  4. Vgl. Christ 2017. Wanner 1959.
  5. SWA, C 602, Basler Handelsgesellschaft, 14. Bericht über das Geschäftsjahr 1873, 5.
  6. Wanner 1959, S. 45.
  7. SWA, C 602, 46. Bericht über das Geschäftsjahr 1905, 11.
  8. SWA, C 602, Emissionsprospekte, Prospekt 4,5 % Anleihe, 07.02.1912.
  9. Schär 2017, S. 127 f.
  10. StABS, Handel und Gewerbe FF5.
  11. Mangold 1909, S. 65.
  12. Wecker 1997, S. 69–98.
  13. SWA, PA 492, B8 Bd1.
  14. SWA, PA 492, B8 Bf7, Betriebszählung 1905.
  15. Amstutz 2002, S. 40.
  16. SWA, PA 492, C5b3 Cb1 (Bank), D4 (Spedition).
  17. Mangold 1909, S. 53.
  18. Keller 2001, S. 189.
  19. Ebd., S. 104 und 112.
  20. Der allgemeine Consumverein in Basel 1907, S. 102 und 114.
  21. Mangold 1935, S. 3. Polivka 2016, S. 490 f.
  22. Haller 2019, S. 83–90.
  23. Ebd., S. 118–122.
  24. Mangold 1909, S. 44 f.
  25. Vgl. Banaji 2020.
  26. Zur Geschichte der Logistik vgl. Dommann 2023.
  27. Mangold 1931, S. 49.
  28. Sarasin 1990, S. 73.
  29. Mangold 1935, S. 78 und 95.
  30. Hochreiter 2021, S. 32 und 46. Ehrenbold 2021, S. 12–14.
  31. Hahn 1934, S. 84–93.
  32. Ebd., S. 72–76.
  33. Ebd., S. 55–57.
  34. Ebd., S. 76–81.
  35. Mangold 1935, S. 99.
  36. Vgl. Stettler; Hänger; Labhardt 2004.
  37. Vgl. Lenger 2016. Kocka 2013.
  38. Lauterer 1923, S. 12.
  39. SWA, A3 Basler Gewerbeausstellung, Basler Nachrichten (BN), die Industrieausstellung, o. D. [1877].
  40. SWA, A3 Basler Gewerbeausstellung, Programm der Basler Gewerbe-Ausstellung.
  41. Basler Gewerbe-Ausstellung 1901, S. 37.
  42. Geering 1901, S. 12.
  43. Geering 1901.
  44. Basler Gewerbe-Ausstellung 1877, S. 13.
  45. Ebd., S. 10.
  46. Ebd., S. 12.
  47. Basler Gewerbe-Ausstellung 1901, S. 3.
  48. Vgl. Bänziger 2020, S. 216–227.
  49. SWA, A3 Basler Gewerbeausstellung, BN 03.05.1877.
  50. Basler Gewerbe-Ausstellung 1877, S. 7.
  51. Vgl. Banken; Wubs 2017.
  52. SWA, HS 372 Personenarchiv Traugott Geering, Preisarbeit H-G-H (1872) für den Verein junger Kaufleute über den Einfluss des deutsch-französischen Krieges von 1870/71 auf Handel und Industrie der Schweiz.
  53. Mangold 1931, S. 39.
  54. Vgl. Labhardt 2014.
  55. Vgl. Ludwig 1927.
  56. Weh 1932, S. 40 f.
  57. Vgl. Neisen 2013. Moehring; Neisen; Ziegler-Jung 2016.
  58. Stehlin-Burckhardt 1893, S. 65 f.
  59. HSSO Q.19, Kantonale Volkseinkommen 1890–1901.
  60. Vgl. Studer 2008.
  61. Ebd., S. 447. Floris u. a. 2019, S. 218.
  62. Notz 1925, S. 273.
  63. Vgl. Stohr 2018.
  64. Mangold 1909, S. 244–248.
  65. Mangold 1905, Tab. XIV.
  66. Ebd., S. 34.
  67. BA, 23.07.1892.
  68. Sarasin 1997, S. 86 f.
  69. SWA, PA 575a C1, Jahresberichte Basler Handelskammer, 1902, S. 16.
  70. BA, 23.07.1892.
  71. BV, 07.05.1902.
  72. Vgl. Köppli 2012.
  73. StABS, Handel und Gewerbe FF7, Kleiderhandel, Konfektion, Chemiserie, Wäschefabrikation (1540–1934).
  74. StABS, Handel und Gewerbe AA 12.1, Arbeitszeit, Sonntagsarbeit, Nachtarbeit uam. (1798–1891).
  75. Landolt 1891, S. 329–335.
  76. Ebd., S. 330.
  77. Am Beispiel von Ehinger & Co.: Geering 1910.
  78. Cassis 2006, S. 43.
  79. Vgl. Mangold 1904.
  80. Zitiert nach Mangold 1909, S. 36.
  81. Sarasin 1997, S. 90.
  82. Vgl. Bauer 1972. Bauer 1988.
  83. Mazbouri 2003, S. 219–274.
  84. Pfister 2009, S. 11.
  85. Froidevaux 2015.
  86. Vgl. Lüscher 1914; Bauer 1976.
  87. SWA, PA 575a C1, Basler Handelskammer 1877; Basler Handelskammer 1897, Auflistung der kotierten Papiere.
  88. Paquier 2001, S. 175 f. Erbacher 2014, S. 102–104.
  89. Cassis 2006, S. 141.
  90. Der Capitalist, 05.12.1882.
  91. Lüpold 2008, S. 87.
  92. NZ, 17.12.1941. BN, 15.03.1893.
  93. BN, 16.04.1893. NZ, 16.03.1893.
  94. NZ, 15.03.1893.
  95. BN, 19.03.1893. NZ, 17.03.1893.
  96. NZ, 19.03.1893.
  97. Vgl. Straumann; Gabathuler 2018.
  98. Vgl. Tilly 2013.
  99. Kutter 2000, S. 10–12.
  100. SWA, PA 575a C1, Basler Handelskammer 1902, S. 14.
  101. Mangold 1905, S. 43.
  102. Vgl. Meier 1988.
  103. Seim 2018, S. 6 f.
  104. BV, 10.05.1902.
  105. BV, 17.05.1902.
  106. BN, 20.06.1928.
  107. BGE Urteil des Bundesgerichts 29 II 604, 02.10.1903.
  108. Burckhardt-Sarasin 1948, S. 90.
  109. SWA, HS 260, W7732 Moevius Eggers, 16.10.1885.
  110. SWA, HS 260, W8732 Moevius Eggers, 16.12.1885.
  111. SWA, HS 260, W8732 Moevius Eggers, 29.12.1885.
  112. Technische Erinnerungsblätter aus Basel, 1904, S. 30.
  113. SWA, H+I, Bg 80, Erster Geschäftsbericht … für das Jahr 1895, 4.
  114. Paquier; Fridlund 1998, S. 257.
  115. Vgl. Neisen; Stüdli 2016, S. 82–90. Simon 2000, S. 364–375.
  116. König 2016, S. 21–25.
  117. Hochreiter 2021, S. 47 f.
  118. Meier 1997, S. 412–417.
  119. Mangold 1935, S. 95.