Die römische Zeit

Markus Asal, Dagmar Bargetzi, Andrea Hagendorn, Sven Straumann

In: Auf dem langen Weg zur Stadt. 50 000 v. Chr. – 800 n. Chr. | S. 146-231 | DOI: 10.21255/sgb-01.04-168013 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

Roms Aufstieg zur Weltmacht hat die eisenzeitlichen Kulturen Europas nachhaltig verändert: von der Wirtschaft über die Schrift bis zur Kunst. Unter dem Einfluss der neuen Provinzen wandelte sich die römische Kultur. Rom war ein Stadtstaat, der sich zu einem multikulturellen Imperium entwickelte, ein Reich unterschiedlichster lokaler Ausprägungen mit einem einheitlichen Währungssystem, dessen relative Sicherheit seine Bewohner:innen dazu einlud, sich in anderen Gegenden niederzulassen. Trotz seiner zweifellos integrativen Fähigkeiten ging es letztendlich an regionalen Autonomieansprüchen, Machtgier und seiner Grösse unter. Was rückblickend wie das Scheitern der ersten europäischen Grossmacht erscheint, war eine lange Geschichte voller Gegensätze: Sklaverei und die modern anmutende soziale Mobilität, Tyrannei und das Ringen um demokratische Aspekte in der Politik, rücksichtslose Kriegsführung und Offenheit gegenüber den Kulturen der unterworfenen Gemeinschaften, religiöse Toleranz und barbarische Verfolgung – all das sind Facetten dieses antiken Staates, der so nah und doch fremd erscheint.

Roms Werden und Scheitern: Eine Grossmacht am Scheideweg

Von der Ausrufung der Republik bis zum ersten Kaiser Roms vergingen fast fünfhundert Jahre. Die Römische Republik vereinte aristokratische und demokratische Elemente. Senat und Volksversammlung waren für die Gesetzgebung zuständig und kontrollierten die Amtsträger. Mit der Zeit hatten sich Regeln und Strukturen gebildet, die einer Verfassung entsprachen, von denen aber nur die wichtigsten verschriftlicht wurden. Unser Bild der Republik ist vor allem von der Zeit zwischen 133 und 27 v. Chr. bestimmt. Innerhalb von 70 Jahren hatte Rom zahlreiche Provinzen erobert und beherrschte das Mittelmeer. Der rasante Aufstieg hatte seinen Preis: Strukturell war der einstige Stadtstaat nicht in der Lage, den neuen Herausforderungen zu begegnen, ohne das politische System zu schwächen. Ab 133 v. Chr. bis zum Untergang der Republik durchlebte Rom daher schwere, andauernde Krisen.1 Berühmte Politiker wie die Gracchen, Marius, Sulla und Caesar beeinflussten die Entwicklungen, die zum Ende der Republik führten. Mit unlauteren Mitteln setzten sie Reformen durch oder versuchten es zumindest und eigneten sich durch Verfassungsbrüche politische Macht an.

Die Verarmung der Kleinbauern war Auslöser für einen Reformversuch mit fatalen Folgen. Da Bauern zum Militärdienst verpflichtet waren, konnten einige ihre Landgüter nicht mehr regelmässig bewirtschaften. Grossgrundbesitzer, die durch Kriegsbeute noch reicher geworden waren, erwarben das Land der Kleinbauern und machten daraus riesige Latifundien. Tiberius S. Gracchus, Spross einer der angesehensten Familien Roms, schlug daher 133 v. Chr. vor, Grossgrundbesitz zu begrenzen. So sozial diese Bodenreform anmutet, Gracchus wollte damit seine politische Popularität stärken. Da seine Bestrebungen bei der vermögenden Elite auf Widerstand stiessen, schreckte er nicht davor zurück, sein Ziel auch auf gesetzeswidrigen Wegen zu erreichen. Er wurde wegen Verfassungsbruch angeklagt und ermordet; ähnlich erging es seinem Bruder. Doch die Durchsetzung politischer Ziele wider die Verfassung fand Nachahmer. Die Fronten zwischen ‹Popularen› und ‹Optimaten›, die den Einfluss des Senats wahren wollten, verhärteten sich.

Nicht minder folgenschwer war die Reform Gaius Marius’. Marius’ Siege über Kimbern und Teutonen um 109 v. Chr., die tief im kollektiven Gedächtnis Roms verankert blieben, wusste er für seine Heeresreform zu nutzen: Aus einer Milizarmee machte er ein Berufsheer mit ausgebildeten Soldaten, die einen hohen Sold, Anteile der Kriegsbeute und nach zwanzig Dienstjahren ein Stück Land erhielten. Die Ausrüstung wurde ihnen zur Verfügung gestellt, für die Verpflegung sorgte der Feldherr. Dadurch entwickelten die Krieger eine starke Bindung an ihre Feldherren und nicht mehr an Rom.

Nach dem Krieg mit den italischen Bundesgenossen (92–89 v. Chr.) eskalierte der Konflikt zwischen Optimaten und Popularen. Zweimal marschierte der Führer der Optimaten Lucius C. Sulla mit seinen Truppen gegen Rom, um die Herrschaft der Popularen zu beenden. Schliesslich liess er sich zur ‹Neuordnung des Staatswesens› zum Diktator auf unbegrenzte Zeit ernennen und errichtete 82–79 v. Chr. eine Schreckensherrschaft. Danach legte er seine Diktatur zwar freiwillig nieder, seitdem galt das Militär jedoch als Machtfaktor. Die zunehmende Akzeptanz verfassungswidrigen Handelns und der verstärkte politische Einfluss der Feldherren bereiteten die Bühne für den berühmtesten römischen Staatsmann: Gaius Julius Caesar. Er setzte seine Legionen skrupellos für einen Staatsstreich ein und trug massgeblich zum Ende der Römischen Republik bei. Als Abkömmling eines alten Adelsgeschlechts absolvierte er die traditionelle Ämterlaufbahn und wurde 59 v. Chr. Konsul. Kurz davor oder zu Beginn seiner Amtszeit schloss er ein Bündnis mit dem reichen Marcus Licinius Crassus und dem erfolgreichen Feldherrn Gnaeus Pompeius Magnus, das sogenannte Triumvirat, ein Novum in der Römischen Republik.

Um seine Position zu festigen, erwirkte Caesar eine ungewöhnlich lange Statthalterschaft über die gallischen Provinzen. 58–51 v. Chr. unterwarf er das freie Gallien und überflügelte Pompeius an Ansehen. Nach Crassus’ Tod gipfelte die Konkurrenz der beiden verbliebenen Triumvirn in einem Bürgerkrieg (49–45 v. Chr.). Caesar siegte und liess sich zum Diktator auf Lebenszeit ernennen. Der verfassungswidrige Titel veranlasste einige Senatoren, unter ihnen Brutus, 44 v. Chr. zum Attentat. Caesars Tod folgten innere Machtkämpfe bis 30 v. Chr. Sein Grossneffe Octavius, der spätere Kaiser Augustus, setzte das Prinzipat als neue Staatsform durch. Nach aussen blieb das Römische Reich eine Republik. Tatsächlich standen Augustus und seine Nachfolger aber an der Spitze der Herrschaft. Caesars Name war fortan Bestandteil des Titels aller Herrscher des Römischen Reichs.

Caesars Schicksal war Augustus jedoch eine Lehre. Zumindest pro forma wurde der Senat wieder stärker eingebunden. Deshalb überliess man ihm die befriedeten Provinzen. Die nicht befriedeten Regionen und die dort stationierten Legionen unterstanden aber direkt dem Prinzeps. Dadurch waren Augustus und seine Nachfolger Herren der Armeen und der wichtigsten Provinzen. Unter Augustus’ Nachfolgern in der mittleren Kaiserzeit prosperierten Wirtschaft und Kultur. Verkehrswege und die Besiedlung des ländlichen Raums wurden ausgebaut. Die Pax Romana brachte eine Konsolidierung des Staatsgefüges und die Neustrukturierung der Verwaltungsbezirke.

Mit der Niederlage des römischen Feldherrn Varus und der Vernichtung von drei Legionen im Jahr 9 n. Chr. beim Teutoburger Wald (beim heutigen Kalkriese [D]) war die römische Expansionspolitik zu einem vorläufigen Ende gekommen. Tiberius (reg. 14–37 n. Chr.), Roms zweiter Kaiser, liess die verlustreichen Feldzüge in Germanien abbrechen und entlang des Rheins die Grenzen sichern.2 Bald schon wurden diese aber weiter nach Nordosten verschoben. Kürzere und mit der Zeit auch topografisch günstigere Strassenverbindungen wurden gebaut, unter anderem um bei allfälligen Konflikten Truppen schneller zwischen Donau und Rhein verlagern zu können. Kurz nach der Mitte des 2. Jahrhunderts erreichte die Grenzbefestigung, der sogenannte Obergermanisch-Rätische Limes, seine grösste Ausdehnung. Das Imperium Romanum erstreckte sich vom heutigen England bis nach Nordafrika und von der Iberischen Halbinsel bis nach Kleinasien. Es umfasste über vierzig Provinzen und bildete damit einen Wirtschaftsraum, der grösser war als die heutige Europäische Union.

Bereits um 85 n. Chr. hatte Kaiser Domitian die Verwaltungseinheiten reorganisiert: Zur neu geschaffenen Provinz Obergermanien (Germania Superior) mit der Provinzhauptstadt Mainz gehörten neben Teilen Ostgalliens, insbesondere des Elsass, auch solche der Nordschweiz sowie die Agri Decumates, das heisst das Gebiet des Schwarzwalds und der umliegenden Regionen des heutigen Südwestdeutschlands zwischen Rhein, Donau und Main. Für über 150 Jahre war die Oberrheinregion geeint und der Rhein keine Grenze. Doch die Wirren des 3. Jahrhunderts zwangen, den Limes wieder zurück an den Rhein zu verlagern.

Die Krise des 3. Jahrhunderts hatte den römischen Staat finanziell zerrüttet und die Macht der Kaiser spürbar geschwächt.3 Immer häufiger griffen Germanen im Norden und Sassaniden im Osten die von Rom eroberten Provinzen an. Die staatlichen Strukturen des Prinzipats, aber auch das ökonomische und militärische Gefüge des Reichs vermochten den veränderten geopolitischen Anforderungen nicht mehr zu genügen.

Mit der Rückeroberung der Sonderreiche und der Sicherung der Reichsgrenzen gelang eine erste Stabilisierung. Diokletian führte nach seinem Amtsantritt 284 n. Chr. die Tetrarchie (Viererherrschaft) ein und schaffte es, mit tiefgreifenden Reformen das Reich nachhaltig zu konsolidieren. Zwar kehrte Rom mit Konstantin I. wieder zu einer dynastischen Alleinherrschaft zurück, aber auf den Grundlagen seiner Vorgänger konnte er das Reich durch weitere Reformen in eine relativ friedliche und prosperierende Phase lenken. Er legte den Keim für die Anerkennung des Christentums als Staatsreligion durch Theodosius I. gegen Ende des 4. Jahrhunderts.

Seit Mitte des 4. Jahrhunderts herrschte jeweils ein Kaiser im Osten und einer im Westen. Valentinian I. (Westkaiser von 364 bis 375 n. Chr.) baute die Rhein- und Donaugrenze aus und schützte so das Reich gegen germanische und gotische Kriegerverbände, die ab den 70er-Jahren des 4. Jahrhunderts von Hunnen aus dem Osten immer mehr gegen Westen gedrängt wurden. Gegen Ende des 4. Jahrhunderts kam es zur faktischen Teilung in ein Ost- und Westreich. Unter dem zunehmenden Druck der nach Westen strebenden Goten und Germanen zerfiel das Westreich. Mit der Absetzung des Usurpators Romulus Augustulus 476 durch Odoaker war sein Ende besiegelt.

Das Imperium Romanum expandiert, 58 v. Chr.–15/20 n. Chr.

Nachdem das römische Militär die Gebiete nördlich der Alpen besetzt hatte und diese ins Imperium Romanum integriert wurden, veränderte sich das Leben der Menschen in der Region Basel stark. Antike Texte berichten über die Anfänge der Okkupation, insbesondere Julius Caesar beschreibt in epischer Breite seinen Krieg gegen die Gallier, den er von 58–51 v. Chr. führte (vgl. ‹Kriegszüge›, S. 79–82).4 Zudem ermöglichen archäologische Zeugnisse eine Rekonstruktion von Ereignissen und Entwicklungen in dieser Zeit. Im ersten Kapitel des ‹De Bello Gallico› schildert Caesar, wie die Helvetier, die im Gebiet des heutigen Schweizer Mittellands siedelten, durch germanische Bevölkerungsgruppen unter Druck gerieten, die von Norden über den Rhein drängten. Deshalb hätten sie beschlossen, ins südwestliche Gallien auszuwandern. Der Anführer der Germanen könnte Ariovist gewesen sein, der bei den Entwicklungen am südlichen Oberrhein eine wichtige Rolle spielte. Den Auswanderungsplänen der Helvetier schlossen sich unter anderen die Rauriker an (vgl. ‹Kriegszüge›, S. 82). Als Tag des Zusammentreffens und Auszugs wurde der 28. März 58 v. Chr. festgelegt. Ob aber tatsächlich die gesamten einheimischen Bevölkerungen ihre Siedlungsgebiete verlassen haben oder vielmehr nur einzelne Bevölkerungsgruppen, ist unklar. Migrationsbewegungen dieser Art waren im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. kein Einzelfall. Ihre Ursachen liegen in grossräumigen politischen Destabilisierungen, die zum Teil auch auf klimatische Veränderungen zurückzuführen sind.5

Das Territorium der Helvetier war aus Caesars Sicht von strategischer Bedeutung. Die Alpenpässe sicherten die Verbindungen nach Süden, durch das Oberrheintal führten wichtige Wege nach Norden und entlang des Hochrheins nach Osten. Im Westen grenzte es an die römische Provinz Gallia Transalpina. Caesar befürchtete, dass sich hier rechtsrheinische Germanen niederlassen würden, was eine Bedrohung für das Imperium Romanum dargestellt hätte. Deshalb versuchte er, die Auswanderung der Helvetier und ihrer Nachbarn zu verhindern. Da sich diese nicht aufhalten liessen, verfolgte er die Auswandernden mit seinen Legionen und besiegte sie in der Schlacht von Bibracte. Den unterworfenen Helvetiern zwang Rom wohl noch unter Caesar einen foedus (Bündnisvertrag) auf, wodurch ihr Territorium nicht nur unter römische Kontrolle, sondern de facto unter römische Herrschaft gestellt wurde.6 Caesar nutzte den Auszug der Helvetier und ihrer Nachbarn als Anlass für militärische Interventionen, mit denen er den Krieg gegen Gallien begann, der sieben Jahre dauerte. Er inszenierte diesen als bellum iustum (gerechten Krieg) – ein moderner Begriff hierfür wäre ‹Verteidigungskrieg› – mit der Absicht, durch militärische Erfolge seine politische Position in Rom zu festigen. Sein Bericht über den Gallischen Krieg muss daher auch als geschickt konzipierte Rechtfertigung seiner Interventionen gesehen werden. Er stellte die Ereignisse aus seiner an politischen und wirtschaftlichen Zielen orientierten Sicht dar.7

Im Jahre 57 v. Chr. leitete Caesar die Eroberung der Zentralalpen ein, um die Übergänge des Grossen und Kleinen St. Bernhard unter römische Kontrolle zu bringen. Er wollte zwischen Nordgallien, dem Rheintal und dem nördlichen Teil der Provinz Gallia Transalpina schnelle Verbindungen mit Italien schaffen und den Handel erleichtern, den die gentes alpinae (Alpenvölker) mit hohen Transitzöllen erschwerten. Der Feldzug scheiterte am Widerstand der Einheimischen.8 Erst Augustus, seinem Nachfolger, gelang es, 41 Jahre später – lange nach Caesars Tod –16/15 v. Chr. die Zentralalpen völlig unter römische Kontrolle zu bringen. Nach Caesars Sieg über Vercingetorix bei Alesia 52 v. Chr. (vgl. ‹Kriegszüge›, S. 79–82) befand sich ganz Gallien unter römischer Herrschaft. Caesar legte erstmalig in der Geschichte den Rhein als politische und kulturelle Grenze zwischen Gallien und germanischen Gebieten fest. Obgleich dies nicht den tatsächlichen Gegebenheiten entsprach, beeinflusste es die historischen Entwicklungen bis heute.9 Zur Sicherung des Schweizer Mittellandes und der Region am Rheinknie wurden recht früh römische Kolonien gegründet: am Genfer See, im Stadtgebiet des heutigen Nyon zwischen 46 und 44 v. Chr. die Colonia Iulia Equestris und am Rhein, sehr wahrscheinlich in Basel, zwischen 44 und 43 v. Chr. die Colonia Raurica (vgl. ‹Colonia Raurica›, S. 140–141). Als Neusiedler waren Veteranen vorgesehen. Durch ihre Ansiedlung in nach römischem Vorbild konzipierten städtischen Zentren sollten die eroberten Gebiete kontrolliert werden, bis sich die Provinzverwaltung etablieren konnte.10 Die Colonia Iulia Equestris sicherte die Grenze und die Verkehrswege zur Provinz Gallia Transalpina, die Colonia Raurica die Rheingrenze und die Verbindung durch die Burgundische Pforte sowie Strassen entlang des Hochrheins ins östliche Mittelland und an die obere Donau.11

Aus der Zeit der frühen römischen Einflussnahme (50/40–20 v. Chr.) stammen Importe, die bei Ausgrabungen in strategisch und politisch wichtigen städtischen Siedlungen des schweizerischen Mittellands entdeckt wurden. Sie belegen die intensiver werdenden Südkontakte der Einheimischen. Insbesondere die Oberschicht hatte zunehmend Elemente des römischen Lebensstils übernommen (vgl. ‹Kulturwandel in der Eisenzeit›, S. 84; ‹Romanisierung›, S. 170–172). Waffen und Fibeln von römischen Truppenangehörigen deuten darauf hin, dass in den Siedlungen kleine, bewegliche Kontingente stationiert waren, die bei Bedarf rasch zusammengezogen werden konnten. Die einheimische Bevölkerung stand demnach zeitweise oder permanent unter militärischer Kontrolle.12

Nach der Ermordung Caesars im Jahre 44 v. Chr. brach in Rom ein Bürgerkrieg aus, der sich in den Gebieten nördlich der Alpen allenfalls an wichtigen Strassenverbindungen und Übergängen der Alpen bemerkbar machte. Gallien war in dieser Zeit selbst durch Unruhen destabilisiert. Der römischen Herrschaft machten immer wieder aufflackernde Aufstände von keltischen Gesellschaften und ihren Verbündeten zu schaffen. Einen weiteren Brennpunkt stellten Konflikte mit Germanen dar, vor allem nördlich und östlich des Mittelrheins.13 Die Bürgerkriege hatten notwendige Massnahmen wie die Einrichtung einer Provinzialverwaltung und die Sicherung der östlichen Provinzgrenzen lange verzögert.14

Erst Jahrzehnte später gelang es Augustus, die eroberten Gebiete ganz unter römische Herrschaft zu bringen. Roms erster Kaiser hatte geopolitisch grossräumige Ziele, zu denen die Eroberung der Germania Magna gehörte. Hierzu musste er die Verkehrswege zwischen den Gebieten nördlich der Alpen und der Apenninhalbinsel sichern: In Fortsetzung der Politik Caesars brachte er nach mehreren Feldzügen und umfangreichen logistischen Vorbereitungen die Alpenübergänge unter seine Kontrolle. 25 v. Chr. unterwarf er die Salasser im Aostatal, sodass die Pässe am Grossen und Kleinen St. Bernhard offen standen und über das Wallis eine direkte Verbindung ins schweizerische Mittelland möglich war.15 Mit den entscheidenden Feldzügen von 16/15 v. Chr., über die schriftliche Quellen ausführlich, aber dennoch lückenhaft berichten, war die Eroberung der Alpen abgeschlossen.16 Danach gehörte das gesamte Gebiet der heutigen Schweiz zum Römischen Reich. Gallien und die Alpenprovinzen waren erfolgreich erobert, aber nun mussten sie auch administrativ ins Römische Reich integriert werden. Zwar hatten sowohl M. Vipsanius Agrippa, der 39–38 und 20–19 v. Chr. Statthalter von Gallien war, als auch Kaiser Augustus, der sich 40 v. Chr. und von 27 bis 23 v. Chr. längere Zeit in Gallien aufhielt, römische Verwaltungsstrukturen aufgebaut. Jedoch erst als Augustus in den Jahren 16–13 v. Chr. erneut in Gallien war, gelang es ihm, eine gut durchorganisierte Provinzverwaltung zu etablieren. Diese Veränderungen nahmen einige Zeit in Anspruch. Zunächst wurde die Provinz Gallia Comata wahrscheinlich zwischen 16 und 13 v. Chr. reorganisiert und in die kleineren Provinzen Gallia Belgica, Gallia Lugdunensis und Gallia Aquitania aufgeteilt. Mit der Einrichtung einer Provinzialverwaltung wurden neue Städte gegründet, die landwirtschaftliche Nutzung des Umlands weiter intensiviert sowie das Strassennetz ausgebaut und erweitert. Im Zuge dieser Massnahmen wurde die politische Autonomie der gallischen Bevölkerung weiter eingeschränkt. Ihre civitates (vgl. ‹Eisenzeit›, S. 81–82) wurden zu halbautonomen Verwaltungseinheiten umgewandelt mit städtischen Zentren als Zentralorten, die nach römischen Kriterien strukturiert wurden. Sie unterstanden der Provinzverwaltung, waren aber für die Umsetzung der neuen staatlichen Verwaltung von grosser Bedeutung. Auch kleinere städtische Siedlungen wurden umgestaltet oder neu gegründet. Administrativ waren sie dem Zentralort untergeordnet und somit ein Bindeglied zwischen diesem und den ländlichen Siedlungen. Der politische Status der gallischen Oberschicht änderte sich ebenfalls. Sie hatte Zugang zu Ämtern in der civitas- und mit der Zeit sogar in der Provinz- und Reichsverwaltung, sodass sie weiterhin Einfluss ausüben konnte. Mit der politisch geschickten Integration grosser Teile der grundbesitzenden einheimisch-keltischen Elite in die neuen Machtstrukturen sicherte sich Rom deren Loyalität und Bereitschaft, den Prozess des Umbruchs und Wandels zu unterstützen.20 Die einheimische Oberschicht trug so wesentlich dazu bei, dass sich Roms Herrschaft festigte, alte Traditionen sich bewahren und zugleich der neuen Zeit anpassen konnten.21

Im Territorium der Helvetier und Rauriker blieben die städtische Siedlungslandschaft (vgl. ‹Eisenzeit›, S. 81–82) und das Netz der Verkehrswege, die sich in spätkeltischer Zeit herausgebildet hatten, weitgehend bestehen, wurden aber sukzessive verdichtet. Ab 20 v. Chr.–10 n. Chr. wurden städtische Siedlungen in wichtiger Lage zu Städten nach römischem Vorbild ausgebaut und den neuen verkehrsgeografischen Entwicklungen entsprechend teils kleinräumig verlagert. In diese Zeit fällt die Neugründung der Colonia Augusta Raurica in Augst. Archäologische Untersuchungen zeigen, dass nach der Zeitenwende ein Bauboom stattgefunden haben muss. Der Prozess wurde von der römischen Provinzverwaltung gelenkt und vom Militär sicherlich logistisch und durch Bautrupps unterstützt.

Die Sicherung der eroberten Gebiete und die geplante Expansion in die Germania Magna, die von der Donau bis an die Nord- und Ostsee reichte, erforderten auch Anpassungen der militärischen Strategie: In dieser Zeit war das römische Militär oftmals in und bei städtischen Siedlungen stationiert.22 Bereits unter Julius Caesar war römisches Militär in einheimischen Siedlungen einquartiert worden. Augustus hatte an diesem Vorgehen zunächst festgehalten,23 liess aber auch an strategisch wichtigen Orten grosse Lager für römische Truppen errichten. Nördlich des Hochrheins wurde wahrscheinlich um 20 v. Chr. bei Dangstetten ein Legionslager eingerichtet, das bis um 10 v. Chr. bestand. Es sicherte die Verkehrswege an die obere Donau, während etwa zeitgleich Militärstationen im heutigen Schweizer Mittelland aufgebaut wurden, um die Verbindung nach Süden zu gewährleisten.24 Am Oberrhein wurde erst im Verlauf des 2. Jahrzehnts n. Chr. die militärische Kontrolle von Truppen übernommen. Diese Einheiten waren in Standlagern stationiert.25 Augustus’ Okkupationspolitik führte zu Veränderungen im befestigten spätlatènezeitlichen ‹Zentralort› auf dem Basler Münsterhügel.26 Der murus Gallicus, sein repräsentatives Symbol, wurde zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr instand gehalten. Seine Frontmauer war in Teilen verstürzt.27 Die mächtige Wallkonstruktion und der breite Graben hatten aber noch immer einen fortifikatorischen Charakter und trennten das Siedlungsgelände auf dem Münsterhügel in einen inneren und äusseren Bereich.

Archäologische Forschungen zeigen, dass mit den politischen Umbrüchen auch ein kultureller Wandel einherging. In einer ersten Phase zwischen 30/25 bis 15/10 v. Chr. machten sich die neuen Einflüsse insbesondere mit Veränderungen in der materiellen Kultur und in den Ernährungsgewohnheiten bemerkbar.

Fragmente von Schwertern, Dolchen, Bestandteile des Pferdegeschirrs und andere militärische Ausrüstungsgegenstände belegen, dass in der Zeit römisches Militär, darunter Soldaten einer Reitertruppe, auf dem Münsterhügel stationiert wurden.28 Trachtbestandteile und Geschirr zeugen von der Koexistenz mit der einheimisch-keltischen Bevölkerung, an deren gesellschaftlicher Spitze nach wie vor die Oberschicht stand.

Zur Versorgung des Militärs gelangte ein breiteres Spektrum an Waren aus dem Süden in die Siedlung auf dem Basler Münsterhügel. Neben Terra Sigillata, dem römischen Tafelgeschirr, finden sich Becher aus Feinkeramik und Krüge.29 Mit der Zeit ersetzte das Tafel- und Trinkgeschirr einheimische Schalen und Flaschen. Dies lässt darauf schliessen, dass die lokale Bevölkerung neue Tischsitten übernahm. Wein wurde aus dem gesamten Mittelmeerraum in Amphoren auf den Münsterhügel geliefert. Reibschüsseln und Platten zum Backen und Überbacken von Gerichten belegen, dass mediterrane Gepflogenheiten bei der Zubereitung des Essens Einzug hielten. Die neuen kulinarischen Vorlieben lassen sich auch an zahlreichen Amphorenfunden ablesen, in denen Olivenöl, Oliven und defrutum aus der Provinz Baetica, heute Südspanien, sowie garum aus der Baetica und der Provinz Lusitania, heute westliches Spanien und Portugal, auf den Münsterhügel transportiert wurden.30 Bei defrutum handelte es sich um unvergorenen eingekochten Traubenmost. Er wurde in römischer Zeit zum Süssen von Speisen und Wein verwendet. Garum ist eine charakteristische, viel verwendete Gewürzsauce der römisch-mediterranen Küche aus vergorenem Fisch. Erstmalig werden aus den Gebieten südlich der Alpen Walnüsse und Feigen importiert.31 Diese wurden in frührömischer Zeit noch nicht in der Region angebaut. Die Tierknochenfunde zeigen, dass in römischer Zeit weniger Schaf und Ziege, dafür mehr Rind und Schwein gegessen wurde, wobei der Konsum von Schweinefleisch nicht nur kulturelle, sondern auch soziale Gründe haben konnte. Es stand insbesondere auf dem Speiseplan von finanzkräftigen Gourmets.32 Zudem war der Anteil an Jungtieren hoch. Sie wurden offenbar extra für die Fleischproduktion gezüchtet.

Trotz der Intensivierung des Fernhandels blieben keltische Münzen zunächst noch vorrangiges Zahlungsmittel. Römisches Geld begann erst nach 15/10 v. Chr. zu dominieren. Während zu Beginn der augusteischen Expansion die materielle Kultur der einheimischen Bevölkerung (vgl. ‹Eisenzeit›, S. 68–143) insgesamt noch stark vertreten war, überwog ab 15/20 n. Chr. der Anteil der neuen Sachkultur im Fundmaterial. So war rund vierzig bis fünfzig Jahre nach dem Beginn der augusteischen Okkupation in einem mehrstufigen Prozess eine gallo-römische Mischkultur entstanden. In ihr verbanden sich Einflüsse der einheimisch-keltischen Bevölkerung, des römischen Militärs und zugewanderter ziviler Bevölkerungsgruppen wie zum Beispiel Händler, die dem Militär folgten. Die neu eingeführten Zubereitungsweisen der mediterranen Küche erfreuten sich weiterhin grosser Beliebtheit, aber auch einheimische Speisen wie in Sud gekochte oder eintopfartige Gerichte und Breie wurden gegessen. Sie wurden in grossen Schüsseln serviert. Machart und Verzierung der Schüsseln standen jedoch nicht mehr in einheimisch-keltischer, sondern in römischer Tradition. Anfang des 1. Jahrhunderts n. Chr. hatten sich die verschiedenen Bevölkerungsgruppen in ihrer Lebensweise so sehr angeglichen, dass sich in der materiellen Hinterlassenschaft keine kulturellen Unterschiede mehr widerspiegeln. Parallel zu den Veränderungen in der Alltagskultur und der Ernährung lassen sich auch in der Bauweise Neuerungen fassen. Da jedoch während der über 2000-jährigen, kontinuierlichen Besiedlung des Münsterhügels zu allen Zeiten neue Gebäude erstellt wurden, die ältere Bauten überprägten und zerstörten, sind bislang keine Gebäudegrundrisse bekannt. Pfostenlöcher sowie Balken- und Pfostengräben33 sind die einzigen Hinweise auf die Standorte von Häusern. Sie belegen eine Holz-Fachwerkbauweise. Die Anlage von Pfostengräben ist eine Bautechnik, die in militärischer Tradition steht.34 Im Gegensatz zu den beiden anderen Holzbautechniken findet sie sich nur selten in einheimischen Siedlungen. Gedeckt waren die Häuser offenbar mit Holzschindeln, da Hinweise auf Dachziegel fehlen. Im Innern waren sie mit Lehm- oder Holzböden ausgestattet sowie mit Feuerstellen aus Lehm und später mit Herdstellen aus Ziegeln.

Sowohl innerhalb der Siedlung als auch im offenen Vorgelände lassen sich mehrere Phasen von Holz-Fachwerkbauten nachweisen. Die Strukturen legen eine dichte Bebauung nahe, die sich mehrheitlich rund um den heutigen Münsterplatz konzentrierte. Auch im Gelände südöstlich vor dem murus Gallicus, das schon in der Spätlatènezeit bebaut war, nimmt die Besiedlungsdichte mit Beginn der Okkupation unter Augustus zu.

Die Häuser standen meist in einheimisch-keltischer Tradition. Sie waren relativ klein und eingeschossig. In den jüngeren Phasen machen sich beim Hausbau aber zunehmend neue kulturelle Einflüsse bemerkbar. Manche Gebäude, sogenannte Streifenhäuser, wiesen nun hintereinander gereihte Räume und eine umfangreichere Innenausstattung auf. Teilweise sind sogar verputzte Wände mit Resten von Bemalung belegt. Spuren von Flechtwerkwänden lassen auf die Umzäunung der Hofareale schliessen. Einige Strukturen könnten von langgestreckten, schmalen Häusern stammen.35 Diese Bauform ist auf militärische Einflüsse zurückzuführen.36 Eine massive Baustruktur mit vorspringenden Pilastern könnte auf ein öffentliches Gebäude hinweisen.

Auch wenn bislang keine vollständigen Gebäude ausgegraben werden konnten, gibt die Verteilung der Funde Aufschluss über Zonen im Innern der Siedlung, in denen sich unterschiedliche Personengruppen niedergelassen hatten. Hinweise auf handwerkliche Produktionsstätten wie zum Beispiel die Verarbeitung von Metall, Knochen und Geweih fanden sich vor allem in Zone 1 und 2.37 In Zone 3 weisen die Funde auf die einheimische Oberschicht und Angehörige des römischen Militärs hin. Die sozialen Unterschiede, die sich in den Zonen feststellen lassen, spiegeln sich auch in der Verteilung der Tierknochenabfälle wider: In Zone 3 wurde neben Geflügel vor allem Schweinefleisch konsumiert, während in Zone 2 neben Schaf und Wildvögeln hauptsächlich Rind verspeist wurde.38 Militärbauten wie etwa Mannschaftsbaracken können zwar bislang nicht nachgewiesen werden. Allerdings fanden sich Fragmente von Waffen und andere Ausrüstungsgegenstände besonders in Zone 1 und 4 sowie im Vorgelände, sodass hier wohl Unterkünfte des Militärs lagen.39 Die römischen Soldaten hatten sich demnach in unterschiedlichen Zonen niedergelassen, ohne dass diese erkennbar von den Wohnbereichen der einheimischen Bevölkerung getrennt waren. Botanische Makroreste deuten darauf hin, dass das Areal im Vorgelände des Münsterhügels unter anderem als Standort für Ställe und Pferche genutzt wurde.40 Heu, Weidezeiger und gute Futterpflanzen wie zum Beispiel Hafer sind belegt. Offenbar gab es in nicht allzu grosser Distanz zum Vorgelände Grünflächen. Die römische Einflussnahme führte aber nicht nur zu Veränderungen in der Wohn- und Lebensweise, sie wirkte sich auf die gesamte Siedlungsdynamik aus. In der Zeit von 30/25 v. Chr. bis kurz vor der Zeitenwende fanden im Innern und im Vorgelände markante Veränderungen und Umgestaltungen statt. In der frühen Phase wurde ein 3 Meter breiter und 1,8 bis 2 Meter tiefer Spitzgraben ausgehoben. Bis auf einen Durchgang trennte er das Areal auf dem Martinskirchsporn von der Siedlung ab. Zusammen mit dem baufälligen, aber noch Schutz bietenden murus Gallicus könnte er der fortifikatorischen Sicherung gedient haben. Um 10 v. Chr. oder einige Zeit später wurde der Graben jedoch wieder verfüllt. Der Martinskirchsporn war in der Frühphase offenbar nur dünn besiedelt. Es liegen aber Hinweise vor, dass um 15/10 v. Chr. das Terrain für eine neue Bebauung umgestaltet wurde, die mit einer Änderung in der Ausrichtung der Siedlungsstrukturen einherging.41

Im gleichen Zeithorizont wurden in der Siedlung auf dem Münsterhügel grossflächig Fachwerkbauten abgebrochen und die Strasse ausser Funktion gesetzt. Sie wurde auf einer Länge von weit über 150 Meter mit unverbranntem Abbruchschutt überdeckt. Hinweise auf Schuttschichten etwa gleicher Zeitstellung konnten auch unmittelbar vor dem murus Gallicus bei der Zufahrtsstrasse zur Siedlung festgestellt werden.42 Die im Inneren der Siedlung nachgewiesene Schicht wurde zum Teil mikromorphologisch untersucht. Die Analysen zeigen, dass die Oberfläche begangen worden war und sich in Folge ein morastiges Milieu mit einer Vegetationsdecke entwickelt hatte. Das Gelände muss also längere Zeit offengelegen haben. Spätestens kurz vor oder um die Zeitenwende wurde an gleicher Stelle eine neue, etwa 6,50 Meter breite Strasse angelegt. Sie besass eine Substruktion aus einem Balkengitter, das mit einer Kieskofferung überdeckt und mit Branntkalk stabilisiert worden war. Die Erbauer haben damit offensichtlich auf den ungünstigen Bauuntergrund aus Abbruchschutt und Siedlungsabfällen reagiert.43

Im Vorgelände gibt es aus der frühen Okkupationszeit Hinweise auf eine diagonal zu den heutigen Baufluchten ausgerichtete Bebauung. Sie nahm auf eine überregionale Strassenverbindung Bezug, die südlich des Hochrheins verlief und sich ab Basel links des Oberrheins nach Norden fortsetzte. Um 15/10 v. Chr. lässt sich ein Brandereignis feststellen, auf das eine Neubesiedlung folgte. Bei dieser wurden die Gebäude rechtwinklig zur Zufahrtsstrasse der Siedlung ausgerichtet. Die Baurichtung der jüngeren Gebäude wurde bis heute beibehalten.44

In der Siedlung und in ihrem Vorgelände wurden somit grossflächige Abbruchmassnahmen durchgeführt, die auch die Infrastruktur wie die zentrale Strasse und den Spitzgraben im Inneren der Siedlung ausser Funktion setzten. Um die Zeitenwende wurde mit der Neubebauung begonnen und mit grossem Aufwand wieder eine funktionierende Strassenachse hergestellt. Die Besiedlung verlagerte sich nun mehr ins Vorgelände, hin zur Fernstrasse, wo ein römischer vicus entstand. Der murus Gallicus war von diesen Massnahmen vorerst nicht betroffen, er wurde offenbar dem allmählichen Zerfall überlassen.

Abbruchmassnahmen und Neubebauung sind mit einer geplanten Neustrukturierung der Siedlung in Verbindung zu bringen. Die Angehörigen einer Reitereinheit, die innerhalb der Siedlung und auch in deren Vorgelände Quartier bezogen hatten, gehörten sehr wahrscheinlich zu den Truppen, die im Legionslager von Dangstetten stationiert waren. Sie sicherten am Rheinknie die Verbindungswege und den Nachschub entlang des Hochrheins.45 Um 10 v. Chr. wurde das Legionslager bei Dangstetten aufgelassen. Die hier stationierte 19. Legion wurde für die Eroberung der Germania Magna nach Norden abgezogen. Am Rückgang der Militaria im Fundmaterial lässt sich ablesen, dass in dieser Zeit auch auf dem Münsterhügel ein Abzug oder Wechsel von römischen Truppen stattgefunden hat. In die gleiche Zeit fällt die Neugründung der Colonia Augusta Raurica in Augst an einer Stelle, die den neuen verkehrsgeografischen Anforderungen entsprach. Den Funden nach zu urteilen, waren etwa ab 10 v. Chr. deutlich weniger Militärpersonen auf dem Münsterhügel stationiert. Sie hatten wohl die Aufgabe, die Transformation der spätkeltischen Siedlungsorganisation zu lenken und logistisch zu unterstützen. Denn mit der Etablierung der neuen Verwaltungsstrukturen in der Colonia Augusta Raurica hatte das oppidum auf dem Basler Münsterhügel seine zentralörtliche Bedeutung verloren.

Prosperität im Schatten der Koloniestadt, 15/20–260 n. Chr.

So verunsichernd und turbulent die römische Okkupation anfangs gewesen sein muss, am Ende dieses langen Prozesses hatten Einheimische und Besatzer sich angenähert. Nach der Zeitenwende konsolidierte sich das Miteinander, und die Region erlebte eine bereichernde Phase innerer Stabilität. Doch die Ruhe war trügerisch, die Konfliktherde hatten sich nur verschoben. Am Rückgang militärischer Ausrüstungsgegenstände im Fundmaterial zwischen 15/20 und 30/40 n. Chr. lässt sich ablesen, dass die Militäreinheiten bis nach 20 n. Chr. vom Münsterhügel abgezogen wurden. Zu dieser Zeit wurde die römische Expansionspolitik in die Germania Magna eingestellt, in Vindonissa (Windisch) das Legionslager der 13. Legion eingerichtet und am Rhein bei Kaiseraugst ein Hilfstruppenlager gegründet, das die militärische Kontrolle der Grenze am Rheinknie übernahm.53 Der städtische Ausbau von Augusta Raurica und der wirtschaftliche Aufschwung der ganzen Region dürften eine Sogwirkung auf Einheimische gehabt haben, von denen vermutlich einige in die Hauptstadt der Kolonie abwanderten. Ab diesem Zeitpunkt liessen die Siedlungsaktivitäten auf der Kuppe des Basler Münsterhügels stark nach und die Siedlung verlagerte sich zunehmend ins Vorgelände.

Um die Mitte des 1. Jahrhunderts n. Chr. kontrollierte das römische Militär bereits wieder Gebiete nördlich des Rheins. Kastelle sicherten die Grenzlinie, die in den nachfolgenden hundert Jahren in mehreren Etappen nach Nordosten verschoben wurde. Nach der Eroberung neuer Gebiete jenseits des Flusses wurden die westlichen Provinzen neu organisiert. Die Region befand sich nun im Inneren der Provinz Germania Superior, die um 85 n. Chr. geschaffen worden war. Die Verlegung der Grenzen führte zudem zur Entmilitarisierung im Innern der neuen Provinz: Hilfstruppenlager und Kastelle wurden aufgegeben. In der Mitte des 2. Jahrhunderts erreichte das Imperium Romanum seine grösste Ausdehnung nach Norden. Der 550 Kilometer lange Obergermanisch-Rätische Limes bildete die Grenze. Er verlief rund 200 Kilometer nordöstlich von Basel und wurde von zahlreichen Kastellen geschützt.

Mit der Vergrösserung des römischen Reichs ging eine Phase des inneren Friedens (Pax Romana) einher. Gravierende innenpolitische Krisen, die sich bis ins Gebiet der heutigen Schweiz auswirkten, sind nur im sogenannten Vierkaiserjahr (69 n. Chr.) überliefert. Ob diese Unruhen auch in der Region des heutigen Basel spürbar waren, ist bislang nicht sicher belegt. Die klimatisch günstigen Bedingungen und die weitgehend stabile politische Lage wirkten sich positiv auf die Entwicklung der Siedlungen aus. An wichtigen Verkehrsknotenpunkten entstanden kleinstädtische lokale Zentren für Handwerk, Märkte und Dienstleistungen aller Art – so auch in Basel. Den Mittelpunkt der Region bildete zu dieser Zeit die Koloniestadt Augusta Raurica. Sie war die Metropole für Handel und Handwerk, Rechtsprechung, Administration und Kulte. Während Kunst und Kultur in der Koloniestadt prosperierten, entwickelte sich der vicus auf dem Münsterhügel im Lauf der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts zu einer offenen, eher einfach ausgestatteten Zivilsiedlung. Dabei verlagerten sich die Siedlungsaktivitäten seit augusteischer Zeit immer mehr vom Münsterhügel weg und in dessen Vorfeld. Nördlich der Rittergasse sind bis in die Spätantike kaum noch Baustrukturen vorhanden. Ein gemauerter Keller aus der Mitte des 1. Jahrhunderts ist eine der letzten klar fassbaren Gebäudestrukturen.54 Keramikfunde und eine Grube, die mit Schlacht- und Gewerbeabfällen verfüllt war, bezeugen jedoch, dass auch der Nordteil des Münsterhügels weitergenutzt wurde. Zu denken ist zum Beispiel an gewerbliche Tätigkeiten und Viehhaltung.55

Solche kleinstädtischen Siedlungen werden von der Forschung als vici bezeichnet. Bei einigen Orten wie Solothurn (Salodurum), Windisch (Vindonissa) und Baden (Aquae Helveticae) ist durch Inschriften belegt, dass sie bereits in der Antike so benannt wurden. Die vici waren ebenso wie die Koloniestädte den Verwaltungs- und damit Sozialstrukturen des römischen Reichs unterworfen. Sie übernahmen ebenfalls administrative Aufgaben und wählten ihre eigenen Magistraten.

Die archäologischen Quellen zeigen dagegen, dass der römische vicus gut in das überregionale Strassennetz eingebunden war. Die von Augusta Raurica kommende Fernstrasse verzweigte sich im Vorfeld des Münsterhügels. Der eine Strang führte auf das Plateau, der andere entlang der Westflanke in Richtung Nordsee und zur Burgundischen Pforte. Eine weitere – in Basel bisher allerdings nicht gefasste – Strasse verlief durchs Birstal über den Jura ins Schweizer Mittelland. Durch seine Lage an der Fernstrasse und am Rhein (Wasserstrasse) dürfte der vicus eine gewisse wirtschaftliche Bedeutung besessen haben. Die hier lebenden Menschen zogen sicherlich dank Handel und Dienstleistungen einen Vorteil aus diesem Verkehr. Der überregionale Warenfluss brachte Güter wie Wein, Olivenöl und Tafelgeschirr aus weiten Teilen des Imperiums auf die lokalen Märkte.

Im Bereich des Antikenmuseums wurde die Fernstrasse im frühen 1. Jahrhundert n. Chr. angelegt und bis ins 2. Jahrhundert immer wieder neu aufgekoffert. Zwei Meter mächtige Überreste des römischen Strassenkörpers kamen bei Ausgrabungen zutage. Auf einzelnen Strassenniveaus zeichneten sich zum Teil noch Karrenspuren der römischen Fuhrwerke ab.56 Wie zuvor wurden die Häuser der Siedlung weiterhin in Holz- und Lehmbauweise errichtet. Um die Lebensdauer zu erhöhen, standen sie teilweise auf Fundamenten aus trocken gemauertem oder seltener gemörteltem Mauerwerk. Für das 2. Jahrhundert ist nebst Fachwerkbauten auch ein Haus belegt, das ein Steinbau gewesen sein könnte.57 Die Dächer deckte man vermutlich noch bis mindestens Mitte des 1. Jahrhunderts mit Holzschindeln, Dachziegel wurden erst danach benutzt. Die langrechteckigen Streifenhäuser, die typisch für den kleinstädtischen gallo-römischen Hausbau sind, scheinen dicht neben- und aneinandergebaut gewesen zu sein. Sie stiessen mit ihren Giebelseiten an die Strasse, zugehörige Portiken sind aber in Basel bisher nicht bezeugt. Eindeutige Hinweise auf eine Nutzung der strassenseitigen Gebäudeteile für Handwerk, Handel oder Dienstleistungen, wie es von anderen Orten bekannt ist, fehlen. Einzig eine Grube, die im hinteren Bereich einer Parzelle lag und mit viel Tischgeschirr und zahlreichen Knochen von Lämmern und Zicklein verfüllt war, könnte zu einem kleineren Gastronomiebetrieb (taberna oder caupona) gehört haben.58 Hinter den Häusern befanden sich divers genutzte Hof- und Gartenareale, vermutlich auch kleine Wirtschaftsgebäude. Wie zahlreiche Brandschichten bezeugen, fielen die Fachwerkbauten immer wieder dem Feuer zum Opfer. Oftmals wurden Gebäude danach etwa an der gleichen Stelle erneut errichtet.59

Die Innenräume waren wie in den Jahrhunderten zuvor mit Stampflehmböden ausgestattet, teilweise finden sich jetzt aber auch Mörtelgussböden und mit Ziegel ausgekleidete Feuerstellen. Manche waren verputzt und mit schlichten Wandmalereien verziert.60 Eine Bodenheizung (Hypokaust) wurde bisher nur in einem Streifenhaus entdeckt, das nach 170 n. Chr. gebaut worden war.61 Einzelne Gruben wurden wohl für die kühle Lagerung von Vorräten genutzt. Mit der Zeit ersetzte man die Erdgruben durch Schächte, die mit Trockenmauern ausgekleidet waren. Bereits Mitte des 1. Jahrhunderts wurde ein Keller aufwendig mit Mörtel gemauert. Er ist das älteste Zeugnis dieser Bauweise und dürfte zu einem grösseren Privathaus gehört haben. Noch heute ist er im Innern des Münsters erhalten.62 Im Antikenmuseum sind zwei einfachere Keller aus dem 1. und frühen 2. Jahrhundert in situ konserviert.

Das Nutzwasser wird man wohl weiterhin vor allem von ausserhalb der Siedlung geholt haben. Einzig bei einem Schacht an der Rittergasse, der mit Trockenmauerwerk ausgekleidet war, könnte es sich um einen Sodbrunnen handeln. Allerdings ist dessen Datierung in die frühe Kaiserzeit unsicher.63 Die Notdurft verrichtete man auf Latrinen, die im hinteren Hofbereich lagen. Um unliebsame Gerüche zu binden, überdeckte man sie ab und zu mit dicken Ascheschichten.64

Hinweise auf Sakralbauten sind kaum vorhanden. Singulär ist bislang das Fragment eines floral verzierten Stirnziegels, das in der Bäumleingasse zum Vorschein gekommen ist. Es könnte von einem Tempel oder öffentlichen Gebäude stammen, das wohl bis ins frühe 2. Jahrhundert hier gestanden hatte.65 Kultisch könnte auch die Deponierung eines Militärdolches aus der Zeit um 25–50 n. Chr. sein: In ein Tuch gewickelt wurde er mit einem vollständigen Gefäss und einem Welpen in eine Grube gelegt.66 Architekturfragmente von Tempeln wie zum Beispiel ein Halbsäulenfragment aus der spätrömischen Umfassungsmauer am Schlüsselberg, der Teil eines Tempelgesimses aus der Freien Strasse oder die Inschrift, die beim heutigen Fischmarkt entdeckt wurde und der gallo-römischen Pferdegöttin Epona geweiht war, stammen sehr wahrscheinlich aus Augusta Raurica und kamen erst in Sekundärverwendung nach Basel. Wo man in der Frühzeit der römischen Siedlung die Verstorbenen bestattete, ist bislang unklar. Im Laufe des 1. Jahrhunderts entwickelten sich aber mindestens zwei Bestattungsareale entlang der Zufahrtsstrassen zum Münsterhügel (in der St. Alban-Vorstadt und Aeschenvorstadt). Im späten 2. Jahrhundert entstand ein neuer Bestattungsplatz (Bäumleingasse) am Ausgang des vicus in Richtung der heutigen Freien Strasse. Sämtliche Friedhöfe lagen ausserhalb der Siedlung. Gemäss römischem Gesetz war es verboten, Tote innerhalb der Siedlung zu begraben.

Im Gegensatz zur keltischen Epoche (vgl. ‹Umgang mit den Toten›, S. 123–126) verbrannte man Leichen meist auf Scheiterhaufen. Knochen und Asche wurden in Urnen oder direkt in Gruben beigesetzt, oft mit mehr oder weniger umfangreichen Beigaben, die mitverbrannt oder im Grab deponiert wurden. In der St. Alban-Vorstadt sind mehrere Bestattungen aus dem mittleren 1. Jahrhundert ausgegraben worden, unter anderem die eines 16- bis 18-jährigen Jugendlichen. Er muss kurz vor der Mitte des 1. Jahrhunderts verstorben sein. Einige Beigaben wurden bereits auf den Scheiterhaufen gelegt: Totenspeisen in Form eines Spanferkelbeins und Schweinefusses, Teile eines Huhns sowie ein Rasiermesser. Die weiteren unverbrannten Objekte – zwei Knochenwürfel, zwei Münzen, Nägel von Sandalen und ein Pferdegeschirranhänger – wurden erst nach der Kremation ins Grab gelegt. Die Funde legen nahe, dass es sich beim Verstorbenen um einen Reitersoldaten gehandelt hat.67 Die Münzen, eine häufige Beigabe in römischer Zeit, zeugen vom Brauch, Verstorbenen einen Obolus für die Fahrt ins Jenseits über den Unterweltsfluss Styx mitzugeben.

Wenige frühkaiserzeitliche Brandbestattungen sind ebenfalls vom spätrömisch-frühmittelalterlichen Gräberfeld in der Aeschenvorstadt (vgl. ‹Frühmittelalterliche Bestattungstraditionen›, S. 256–272) bekannt. Unter den Funden gibt es jedoch auch einige mittelkaiserzeitliche Objekte, die andeuten könnten, dass der Bestattungsort durchgängig von der frühen Kaiserzeit bis ins Frühmittelalter belegt war.68 Vom Gräberfeld im Bereich der heutigen Bäumleingasse, das im späten 2. und 3. Jahrhundert genutzt wurde, sind bisher sechs Brandgräber dokumentiert, die Leichenbrand, Asche vom Scheiterhaufen und verbrannte Beigaben aufwiesen.69

Körpergräber setzten sich in unserer Region erst wieder ab der Spätantike durch. Eine Ausnahme bildeten Neugeborene und Säuglinge. Der römische Schriftsteller Plinius der Ältere (23/24–79 n. Chr.) berichtet, dass verstorbene Kinder, die noch vor dem ersten Zahndurchbruch standen, nicht kremiert wurden. Dies wurde auch in der gallo-römischen Welt so gehandhabt. Auf dem Friedhof in der St. Alban-Vorstadt wurden gleich mehrere Körpergräber von Neugeborenen und Säuglingen freigelegt.70 Öfters wurden so kleine Kinder in unserer Region aber auch in der Nähe oder im Innern der Wohnhäuser beerdigt. Erst kürzlich wurden vor dem Kunstmuseum zwei Skelette von Säuglingen entdeckt, von denen eines in einem Dachziegel (imbrex) bestattet worden war. Sie könnten wohl einst ebenfalls unter dem Fussboden eines Wohnhauses gelegen haben.71 Hinweise auf die Bewohnerinnen und Bewohner des vicus geben einerseits die Skelette selbst. Da die Knochen aber bislang noch nicht systematisch analysiert wurden, können weder Aussagen zur durchschnittlichen Lebenserwartung, Grösse und Herkunft noch zu Krankheiten gemacht werden. Man darf aber davon ausgehen, dass es sich in Basel ähnlich verhielt wie an anderen Orten des Römischen Reichs. Wegen der hohen Kindersterblichkeit lag die mittlere Lebenserwartung nur zwischen 20 und 25 Jahren.72 Das effektiv erreichte Alter konnte aber bei einzelnen Personen weitaus höher gewesen sein. Bei den verbrannten Knochenresten eines 30−40-jährigen Mannes, die sich in einer Urne im Gräberfeld an der St. Alban-Vorstadt fanden, handelt es sich um den bisher ältesten fassbaren Bewohner des vicus. Von römischen Grabsteinen aus der Schweiz sind aber auch Personen bekannt, die älter als 60 Jahre wurden.

In der spätantiken Wehrmauer verbaute Grabsteine werfen ein Licht auf die Bevölkerungs-, Migrations- und Militärgeschichte des 1. bis 3. Jahrhunderts. In der Archäologischen Informationsstelle zur spätrömischen Umfassungsmauer sind drei Grabsteine ausgestellt. Sie erwähnen eine romanisierte Keltin, einen freigelassenen Sklaven und einen thrakischen Veteranen. Schlaglichtartig veranschaulichen sie die Zusammensetzung der römischen Gesellschaft, in der sich einheimische und zugewanderte Personen vermischten. Sie verdeutlichen aber auch die Durchlässigkeit der patriarchal geprägten römischen Gesellschaft, in der Bewohner der Provinzen nach ihrer Freilassung oder Absolvierung des Militärdienstes zu römischen Bürgern aufsteigen konnten. Unklar bleibt, ob diese Grabsteine aus der römischen Siedlung von Basel stammen oder ob sie erst in den unruhigen Zeiten des späten 3. Jahrhunderts als Spolien aus Augusta Raurica nach Basel verschifft und in der spätantiken Befestigung verbaut worden waren.

Die Durchmischung der Bevölkerung zeigt sich auch in den archäologischen Funden. In der Zeit zwischen 15/20 und 30/40 n. Chr. hat sich eine eigene gallo-römische Kultur herausgebildet. Die zuvor noch verwendete lokale Feinkeramik ist nahezu verschwunden, während römische Gefässe nun traditionellen keltischen Formen nachgebildet wurden. Auch das Tafelgeschirr verrät, dass Speisen sowohl nach römischen als auch einheimischen Zubereitungsarten auf den Tisch kamen.

Anhand der Funde lassen sich in dieser Zeit auch keine höhergestellten Personen mehr fassen, und Objekte, die in einen militärischen Kontext gehören, sind kaum noch vorhanden. Ab etwa 15/20 n. Chr. waren hier wohl nur noch wenige Soldaten des nahen Kaiseraugster Kastells zur Überwachung des Verkehrs stationiert, und möglicherweise wohnten weiterhin einige Veteranen in der Siedlung.73 Auch aus dem 2. und der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts gibt es kaum Funde, die auf eine Präsenz des Militärs hinweisen.74 Das Vorgelände des Münsterhügels hat sich im 1. Jahrhundert zum Zentrum einer Zivilsiedlung entwickelt, in der eine gallo-römische Bevölkerung wohnte. Am Charakter des Ortes an der Strassenkreuzung änderte sich in den nachfolgenden Zeiten wenig. In der ersten Hälfte des 3. Jahrhunderts mehren sich jedoch Hinweise auf markante Eingriffe: Mehrere Gebäude wurden durch Brände zerstört und im Anschluss nicht wiederaufgebaut. Bis vor Kurzem ging man deshalb davon aus, dass der vicus im Verlauf der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts vollständig einplaniert und das Areal in römischer Zeit kaum noch besiedelt war.75 Römische Texte, die von brandschatzenden und plündernden Germanen berichten, schienen perfekt zum archäologischen Befund zu passen. Doch was passierte wirklich in jener Zeit? Jüngste Untersuchungen der Münzfunde scheinen eine – allenfalls reduzierte – Besiedlung bis in die Spätantike anzudeuten, allerdings fehlen bisher noch konkrete Baubefunde.76

Das Umland von Basel in römischer Zeit

In kaum einer historischen Epoche wurde Basel so zur Peripherie degradiert wie zwischen dem 1. und 3. Jahrhundert n. Chr. Augusta Raurica, die blühende römische Koloniestadt, überstrahlte in der Kaiserzeit die einstige Festung und den regen Warenumschlagplatz am Rheinknie. Dennoch bescherte die römische Besatzung der Region eine ungekannte Blüte: Wohnte man früher auf Lehmböden, zierten jetzt Mosaike beheizte Fussböden. Einheimische Eliten und reiche Zugezogene bauten prächtige Landsitze nach mediterranem Vorbild, sogenannte villae rusticae. Statt in Gruben lagerte man Olivenöl und Wein aus den Mittelmeerprovinzen in gemauerten Kellern. Pfirsiche, Feigen und Trauben standen ebenso auf dem Speiseplan wie Walnüsse. Knapp zweihundert Jahre lang war der Rhein keine Grenze. Diesseits und jenseits war Basels Umland geeint in der Provinz Germania Superior. Von den Soldaten, die einst auf dem Münsterhügel stationiert waren, verliert sich die Spur. Die eher unscheinbare Siedlung hoch über dem Rhein glich vielen anderen Orten wie den römischen vici von Frick oder Kembs, die im 1. Jahrhundert n. Chr. an wichtigen Verkehrsknotenpunkten angelegt worden waren.

Zu einer römischen Koloniestadt gehörte nicht nur das eigentliche Stadtgebiet, sondern auch ein landwirtschaftlich genutztes Territorium. Die Quellenlage erlaubt allerdings nur eine indirekte Rekonstruktion des Koloniegebiets.77 Konkrete Texte sucht man vergeblich. Zwei überlieferte Inschriftensteine mit der Abkürzung PCR (Publicum Coloniae Rauricae, öffentliches Gut der Colonia Raurica) könnten als Grenzsteine interpretiert werden,78 befanden sich jedoch nicht mehr an ihrem ursprünglichen Aufstellungsort: Der eine war als Spolie verbaut in einem Stadtviertel, einer sogenannten insula, im Südosten von Augusta Raurica und der andere mit unbekanntem Fundort im Historischen Museum in Basel eingelagert. Somit sind es nur indirekte Anzeiger wie etwa die Verbreitung lokaler Keramik79 oder die bekannten Grenzen von benachbarten Territorien, die helfen, die Grösse der Kolonie mit einer gewissen Unschärfe zu definieren. Naturlandschaftliche Gegebenheiten beeinflussten diese massgeblich: Im Süden ist es der Jura, der das Koloniegebiet vom Schweizer Mittelland und dem Machtbereich der Helvetier trennt. Am Hochrhein markiert die Bauinschrift von 371 n. Chr. an einem spätrömischen Wachturm in Etzgen eine östliche Begrenzung,80 während der Schwarzwald und die Vogesen den östlichen und westlichen Rand der oberrheinischen Siedlungslandschaft bildeten. Im Südwesten grenzte die Kolonie an das Gebiet der Sequaner um den Zentralort Epomanduodurum (Mandeure) an der Burgundischen Pforte, im Norden an das Territorium um die heutige Ortschaft Riegel am Kaiserstuhl als mögliche kaiserliche Domäne (saltus) und an die nördlich anschliessende civitas Aurelia Aquensis mit dem Hauptort Aquae (Baden-Baden [D]).81

In etwa entspricht damit das Koloniegebiet von Augusta Raurica dem alten Siedlungsgebiet der Rauriker. Wie andernorts hat sich Rom an den vorhandenen gesellschaftlichen Gegebenheiten orientiert und diese in seine Verwaltungsstrukturen überführt. Das civitas-Gebiet der Rauriker wurde von zwei Zentralorten dominiert: Augusta Raurica als caput coloniae (Hauptort der Kolonie) und das vom griechischen Geografen Ptolemaios bezeugte Argentovaria (wohl Oedenburg-Biesheim [F]) als caput einer civitas Rauracorum/Rauricorum (Hauptort der Gebietskörperschaft der Rauriker).82 Beiden gemeinsam ist ihre verkehrsgünstige Lage bei Rheinübergängen. Verkehrswege in Form von Strassen werden in ihrem Verlauf mit Hilfe von unterschiedlichsten Hinweisen und Beobachtungen auf dem Kartenmaterial zwar grosszügig rekonstruiert, im archäologischen Befund lassen sich diese aber jeweils nur punktuell oder auf kurzen Abschnitten nachweisen. Bei vielen vermeintlichen ‹Römerstrassen›, die heute noch im Umland von Basel sichtbar sind, gibt es berechtigte Zweifel, ob diese nicht jüngeren Datums sind, so zum Beispiel am Oberen Hauenstein bei Langenbruck. Dennoch ist von einem dichten Strassennetz diesseits wie jenseits des Rheins auszugehen, welches die Menschen in der Region verband. Landwirtschaftliche Erzeugnisse, Handelsgüter und Rohstoffe gelangten so in die städtischen Zentren. Überregionale Verkehrswege zu Wasser und zu Land führten am Rheinknie vorbei und verbanden die germanischen Provinzen mit dem Süden. Die Rheinübergänge bei Kaiseraugst und Kembs spielten eine wichtige Rolle, um auf schnellstem Weg die rechtsrheinische Nord-Süd-Route zu erreichen. Wasserwege stellten damals bedeutende und kostengünstige Transportmöglichkeiten dar. Auch die Zuflüsse des Rheins wie Ergolz, Birs, Birsig und Wiese dürften genutzt worden sein. Dahingegen glich die oberrheinische Tiefebene wohl eher einer Malaria-verseuchten Sumpflandschaft, da der Rhein stark mäandrierte. Ausserhalb der Überschwemmungszonen und vor allem in der Vorbergzone wurde die Landschaft intensiv kultiviert. Zahlreiche Siedlungen entstanden, die über die Nord-Süd verlaufenden Überlandstrassen verbunden waren. Bei Augusta Raurica verzweigten sich zwei strategisch bedeutsame Routen, die entweder durch das Fricktal85 mit seinen beiden vici Laufenburg und Frick, über den Bözberg oder durchs Waldenburgertal über den Oberen Hauenstein ins heutige schweizerische Mittelland und in den Süden führten oder weiter durchs Mittelland in Richtung Osten nach Raetien. Über diese Kommunikationswege zwischen Stadt und Land wurden nicht nur Waren transportiert. Sie erleichterten auch den politischen und gesellschaftlichen Austausch. Besonders dicht besiedelt war das unmittelbare Umfeld der Koloniestadt in einem Radius von 5 bis 8 Kilometern. Dies betrifft auch das rechtsrheinische Gebiet entlang des Hochrheins. Im Umfeld der Stadt entstanden kleinstädtische Zentralorte, die teilweise über den Status eines vicus(agglomération secondaire) verfügten und zu denen wohl auch das spätere Basel gehörte.86 Diese liegen praktisch ausschliesslich an wichtigen Verkehrsknotenpunkten (zum Beispiel Frick) und wie im Fall von Basel und Breisach am Standort einer Vorgängersiedlung aus spätkeltischer Zeit. Auf langen Reisen dienten solche, teils als Strassensiedlungen angelegte vici auch als Etappenorte wie zum Beispiel derjenige von Ihringen in der Oberrheinebene am Kaiserstuhl. Zusätzliche Standortfaktoren bildeten Rohstoffe: Silber, Blei und Eisen oder Wasserquellen. So hatte sich am Schwarzwaldrand der vicus von Badenweiler87 als Heilquellen- und Kultort einen Namen gemacht, wo bereits zuvor bergmännisch Silbererz geschürft worden war. Keine 8 Kilometer weiter nördlich lag der vicus von Sulzburg, der sich auf den Abbau von Blei-Silber-Erzen im Schwarzwald konzentrierte. Aus dem Schwarzwald und den Vogesen selbst fehlen (noch) eindeutige Siedlungsbelege. Die Urbarmachung der Gebirge fand vermutlich erst im Frühmittelalter statt (vgl. ‹Frühmittelalter›, S. 253). So sind es nur die beiden genannten vici sowie einzelne ländliche Siedlungen und Gutshöfe, die ein wenig in den Schwarzwald hineinreichten. Bei den regionalen Zentralorten oder den inschriftlich bezeugten vici fällt auf, dass sich diese in relativ regelmässigen Abständen über das Umland verteilen. Je nach verkehrsgeografischem und historisch-strategischem Standort kann eine gewisse hierarchische Abstufung in ihrer Bedeutung angenommen werden. Im Einzelnen werden aber dennoch alle von einer unmittelbaren Einflusszone umgeben, für die sie zentralörtliche Funktionen übernahmen. Selbst wenn sich viele Siedlungen entlang der Strassen aufreihten, war auch in römischer Zeit noch immer die Bodenqualität für die Standortwahl der landwirtschaftlichen Produktionsorte das entscheidende Kriterium. Das Gros der gallo-römischen Bevölkerung arbeitete nach wie vor in der Landwirtschaft. Den zumindest zahlenmässig wichtigsten Siedlungstyp bildeten daher die Gutshöfe (villae rusticae88). Sie prägten das Siedlungsbild bis auf eine Höhe von 600 m ü. M. und standen in vielerlei Hinsicht in engem Austausch mit den städtischen Zentralorten, vorab dem caput coloniae Augusta Raurica. Bestimmt war manches Gehöft im Umland in Besitz der städtischen Oberschicht, die auf diese Weise auf dem Land verwurzelt war und gleichzeitig in der Stadt wichtige Ämter übernahm. Dieser neue Siedlungstyp vereinte städtischen Luxus mit handwerklicher und landwirtschaftlicher Produktion. Im repräsentativen Teil, der pars urbana, wohnten die vornehmen Gutsbesitzerinnen und -besitzer, während in der pars rustica Nahrungsüberschüsse und Waren auch für die Städte und das Umland produziert wurden. Eines der eindrücklichsten Beispiele für ein solches Gehöft ist die Axialhofvilla von Liestal-Munzach.89 Ihr Herrenhaus in der pars urbana war luxuriös, unter anderem mit Mosaiken ausgestattet. Der Ökonomieteil umfasste mehrere Gebäude, die von einer Mauer umgeben waren. Auch wenn von einer dichten Aufsiedlung des Basler Umlands während der Blütezeit der römischen Kolonie auszugehen ist, fehlen die Menschen selbst. Die wenigen bislang gefundenen Bestattungsplätze reichen mitnichten, um die angenommene Besiedlungsdichte zu belegen. So sind diese in erster Linie von den städtischen Zentren bekannt wie in Neuallschwil,90 wo 74 Bestattungen bereits 1937/38 gefunden wurden, oder von einem Gräberfeld mit 94 Grablegen am Fusse des Tüllinger Bergs bei Weil am Rhein.91 Vereinzelte Bestattungen fanden sich in der Nähe einiger Gutshöfe wie etwa in Allschwil oder nahe der villa rustica beim ehemaligen Landauerhof in Riehen.92

Genetische oder anthropologische Untersuchungen der wenigen Skelette gibt es (noch) nicht. Die Lebens- und Leidensgeschichte der Toten kennen wir deshalb nicht. Unklar ist auch, wer hier bestattet wurde. Hatten Einheimische den römischen Brauch übernommen, Leichen zu verbrennen, oder waren es römische Zugezogene, die ihre Bestattungsweise auch in der Provinz weiter praktizierten?

So wenig Informationen über die Toten der gallo-römischen Bevölkerung vorliegen, so spärlich sind die Spuren der sakralen Gebäude. Drei kleine sogenannte gallo-römische Umgangstempel sind aus den ländlichen Gebieten der Kolonie bekannt: in Riehen-Pfaffenloh93 und Frenkendorf-Schauenburger Fluh94 sowie einer auf der prominenten Anhöhe im Riehener Maienbühl. Bei diesen Gebäuden handelt es sich um eine Bauform in einheimischer Tradition. Als Besonderheit verfügt die Umfassungsmauer im Pfaffenloh über einen halbkreisförmigen Abschluss, der an ein Theaterhalbrund erinnert und wohl für religiöse Versammlungen genutzt wurde. Etwas mehr Aufschluss über die religiösen Praktiken gibt das Mithraeum, das am Ortsrand von Riegel gefunden wurde. Offenbar wurden hier Riten des Mithraskultes praktiziert, wie sie von anderen Fundorten bekannt sind. Neben dem Strassennetz investierten die Römer auch in die Wasserversorgung und Sicherheit. Im Umland von Augusta Raurica versorgte die 6,5 Kilometer lange unterirdische Wasserleitung ausgehend von einem vermuteten Stausee bei Lausen die Koloniestadt mit Frischwasser.95 Typisch für die spätrömische Zeit waren die kleineren und grösseren Befestigungsanlagen, zumeist in Form von Wachtürmen, die sich entlang des Hochrheins aufreihten,96 aber auch mit unterschiedlich grossen Kastellen wie etwa diejenigen von Kaiseraugst, Basel und Breisach. Derartige grosse und funktional zusammenhängende Bauwerke bilden ausserhalb der regionalen Zentralorte jedoch die Ausnahme. Bei vielen römischen Fundstellen verweisen nur Ansammlungen von Einzelfunden, die beispielsweise bei Prospektionen zum Vorschein kamen, auf eine römische Siedlungsstelle. Ähnliches gilt für die Kategorie von Depot- und Hortfunden, bei denen vor allem in spätrömischer Zeit wertvolle Habseligkeiten dem Boden zur Verwahrung anvertraut wurden. So gibt es nicht nur in den bekannten Siedlungen, sondern auch ausserhalb so manchen Münzschatz wie zum Beispiel den von Ueken im Fricktal.97 Die Fundstellenkarte vermittelt somit das Bild einer sehr dichten und vielfältigen Siedlungslandschaft. Dennoch sind die Grundlagen und der Kenntnisstand zu den einzelnen Orten sehr unterschiedlich. Die topografische und chronologische Verteilung der Siedlungen wird durch unterschiedliche Erhaltungsbedingungen beeinflusst. Je nach Nutzung ist die Landschaft und mit ihr das Kulturgut im Boden bis heute stark von Veränderungen geprägt. Die Fundumstände spielen daher eine zentrale Rolle bei der quellenkritischen Beurteilung des Aussagewertes. Von vielen Siedlungen sind lediglich ein paar Lesefunde überliefert, die an der Ackeroberfläche gemacht wurden. Gerade in dicht besiedelten Gebieten wie in den Städten und Agglomerationen rund um Basel sind es Baumassnahmen, die archäologische Ausgrabungen auslösen und einen Blick in das ‹Archiv im Boden› ermöglichen. Dennoch bleibt das archäologische Fundbild oft lückenhaft und der Spielraum für Interpretation entsprechend gross. So können bei vielen römischen Siedlungen keine Aussagen zur damaligen Ausdehnung und Bedeutung gemacht werden. Da zumeist auch (in-)schriftliche Quellen weitgehend fehlen, lassen sich die regionalen Zentralorte und deren offizieller Status vielfach nicht sicher belegen. Einen möglichen Hinweis auf die Bedeutung der verschiedenen Siedlungen und deren Verkehrsanbindungen gibt die zuletzt in der 1. Hälfte des 5. Jahrhunderts n. Chr. ergänzte Strassenkarte ‹Tabula Peutingeriana› sowie das Strassenverzeichnis des ‹Itinerarium Provinciarum Antonini Augusti›, das unter Kaiser Caracalla verfasst wurde. Neben den wichtigsten Reiserouten durch das römische Reich sind darin auch Ortsnamen aufgeführt.

Bei den meisten römischen Siedlungsstellen kann die Besiedlungsdauer nur relativ allgemein auf das 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. beziffert werden. Grund dafür sind auch hier die Fundumstände, die je nach angewandter Methode eine unterschiedliche Genauigkeit mit sich bringen. Ab spätrömischer Zeit ist jedoch ein deutlicher Siedlungsrückgang zu beobachten. Da die datierenden Anzeiger für diese Spätzeit allerdings je nach Ausgrabungsmethode und Kenntnis der Forschenden nur schwer zu identifizieren sind, ist davon auszugehen, dass vor allem die spätantike Siedlungslandschaft noch einige (Forschungs-)Lücken aufweist. Die dauerhafte römische Besiedlung in unserem Gebiet begann vermutlich frühestens im Zuge der augusteischen Eroberungen ab 15 v. Chr. im Rahmen des Alpenfeldzugs. Ausgehend von dieser Kolonisierung erfolgte der Landesausbau und die Gründung von ersten villae rusticae im unmittelbaren Umfeld von Augusta Raurica. Zu diesen frühesten Siedlungen gehören beispielsweise Pratteln-Kästeli, Liestal-Munzach, Bubendorf-Fieleten, Gelterkinden-Mühlstett, Reinach-Brühl und Laufen-Müschhag98 sowie die etwas abseits gelegene Fundstelle Bennwil-Dorf. Beim heutigen Reinach (Nord) wurde ein spätkeltisches Gehöft bis in augusteische Zeit betrieben und nach einem Besiedlungsunterbruch im 1. Jahrhundert n. Chr. zu einem römischen Gutshof mitsamt Bestattungsplatz ausgebaut.99

Auf der linksrheinischen Seite gab es bereits zuvor in spätrepublikanischer, respektive augusteischer Zeit zentralörtliche Siedlungen wie etwa Basel, Kembs und Oedenburg-Biesheim. Zumindest die beiden erstgenannten vici dienten wohl als Ausstrahlungs- und Bezugsorte für rechtsrheinische Siedlungen, die sich etwas später in der ersten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. etablierten und sich anfänglich auf das südliche Oberrhein- und das Hochrheintal konzentrierten.100 Die um 30 n. Chr. gebaute Axialhofvilla von Heitersheim101 und die villae von Rheinfelden-Herten und Laufenburg-Rhina sowie die Siedlung beim heutigen Auggen bilden die frühesten bekannten Siedlungsplätze auf rechtsrheinischem Gebiet, das damals noch zu einer Militärzone gehörte, die von Kaiser Tiberius eingerichtet worden war. In der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n. Chr. setzte nicht nur in der Koloniestadt ein erster Bauboom ein. Auch am Ober- und Hochrhein wurden weitere villae und kleinere ländliche Siedlungen angelegt wie die villa rustica von Riehen-Hinterengeli, deren bescheidener Grundriss mit Hilfe von geophysikalischen Messungen nachgewiesen werden konnte.102 Spätestens zu dieser Zeit wurden auch rechtsrheinisch erste vici beim heutigen Herten/Grenzach-Wyhlen und auf der Rheininsel von Bad Säckingen gegründet, deren Lage verdeutlicht, dass hier das caput coloniae der Ausgangs- und Bezugspunkt war. Weiter nördlich in Richtung Kaiserstuhl erfolgte der Ausbau der römischen Siedlungslandschaft mit den vici von Riegel103 und Bad Krozingen104 zeitlich leicht verzögert, erst nach militärischen Unternehmungen unter Kaiser Vespasian. Auf der gegenüberliegenden linksrheinischen Seite war das Militär aus dem claudisch-neronischen Lager von Oedenburg-Biesheim bereits abgezogen, das heisst, dass eine zivile Besiedlung offenbar erst möglich wurde, nachdem das Gebiet seine militärische Funktion verloren hatte. Gleiches gilt auch für das claudische Militärlager in der Kaiseraugster Unterstadt. Somit richtete sich diese Aufsiedlung nicht nach naturräumlichen Gegebenheiten, sondern entsprang einer übergeordneten staatlichen Planung. Mit dem Ausbau verbesserte man bewusst die landwirtschaftliche Versorgung der städtischen Siedlungen auf der linksrheinischen Seite. Die staatliche Verwaltungsstruktur des caput coloniae war sicherlich auch verantwortlich für den Ausbau der Verkehrswege, grossflächige Rodungen, Grundstückszuweisungen und die Ansiedlung von Kolonisten. Um 85 n. Chr. wurde die Provinz Germania Superior eingerichtet. Ihr gehörte das Umland der Colonia Augusta Raurica an, das dadurch nicht mehr unmittelbar an der Reichsgrenze lag. Die Siedlungsverdichtung, die gegen Ende des 1. Jahrhunderts stark zugenommen hatte, setzte sich Anfang des folgenden Jahrhunderts fort. So wurden auf rechtsrheinischer Seite mit Badenweiler und Umkirch105 weitere vici gegründet. Bei den ländlichen Siedlungen und villae lässt sich ein Ausbau der vorhandenen Strukturen und teils auch eine Monumentalisierung feststellen. Spätestens damals wurde rechtsrheinisch am Westabhang des Dinkelbergs die villa rustica von Riehen-Landauerhof106 angelegt. Der punktuell ausgegrabene Komplex weist neben einem beeindruckenden Wohnbereich einen Säulenhof sowie einen Getreidespeicher auf. Unweit davon kam eine Gräbergruppe zum Vorschein, die möglicherweise zu diesem Landgut gehörte.

Ebenfalls rechtsrheinisch wurde um die Mitte des 2. Jahrhunderts die Bergbausiedlung Sulzburg107 gegründet, wo fortan Blei-Silbererz in kaiserlichem Eigentum abgebaut wurde. Ungefähr in derselben Zeit wurde die Grundfläche der villa von Heitersheim im landwirtschaftlichen Teil auf rund 3000 Quadratmeter vergrössert. Die Speicherkapazitäten für Getreide vervierfachten sich damit. Es ist anzunehmen, dass dieser landwirtschaftliche Grossbetrieb zusätzlich Zugriff auf die Produktion umliegender villae erhielt oder gar deren Anbauflächen übernahm. Denn ab der zweiten Hälfte des 2. Jahrhunderts kann infolge unterschiedlicher Krisenfaktoren im ländlichen Raum eine rückgängige Siedlungsentwicklung festgestellt werden. Viele Gutshöfe wurden verkleinert oder sogar ganz aufgegeben. Es scheint, dass nur noch wenige, aber durchschnittlich grössere villae rusticae weiter betrieben wurden. Dazu passt auch die sinkende Anzahl von Bestattungen auf den ländlichen Gräberfeldern, die für einen allgemeinen Bevölkerungsrückgang spricht.108

Die Ausdünnung der Besiedlungsdichte setzte sich im 3. Jahrhundert fort. Besonders eindrücklich zeigt sich dies bei den vici entlang der Nord-Süd verlaufenden Rheintalstrasse, bei denen sich Siedlungsfläche und Gebäudebestand markant reduzierten oder die komplett aufgegeben wurden wie im Fall von Bad Krozingen und Umkirch. Dort spielten auch wirtschaftliche Faktoren eine Rolle. Denn die rechtsrheinische Nord-Süd-Achse verlor gegenüber dem Rhein und der linksrheinischen Überlandstrasse an Bedeutung. Auch bei den ländlichen Siedlungen und villae reduzierte sich die Siedlungstätigkeit im ersten Drittel des 3. Jahrhunderts. Weitere Orte wurden vollständig verlassen. Gegenüber der Blütezeit waren im Umland von Augusta Raurica nur rund ein Viertel der villae noch besiedelt. Dieser Rückgang spiegelt sich auch bei den Bestattungsplätzen wider, die sich fast nur noch im näheren Umfeld der Koloniestadt konzentrierten. Ein weiterer Anzeiger sind Um- und Einbauten, die sich besonders in repräsentativen Bereichen der Wohngebäude finden. Wohnraum wurde offensichtlich zweckentfremdet und gewerblich genutzt, der Gebäudebestand reduziert, Hypokaustanlagen verkleinert und die übrigen Räume umfunktioniert sowie kleinteiliger. Ein allmählicher Niedergang lässt sich auch bei den städtischen Bauten und Infrastrukturen des caput coloniae feststellen. Bei dieser Abwärtsspirale beeinflussten sich Stadt und Land als Produktions- und Absatzmarkt wohl gegenseitig. Gleichzeitig kam es zur Regionalisierung der Wirtschaft, bei der die Beziehungen zwischen den Zentralorten und den ländlichen Siedlungen nicht mehr so eng verflochten waren. Eine Klimaverschlechterung und Überschwemmungen führten zudem zu Ernteausfällen.

Wie das Beispiel der villa von Heitersheim zeigt, gab es aber auch die gegenläufige Entwicklung, bei der einzelne Gutshöfe vergrössert und deren repräsentative Räumlichkeiten ausgebaut wurden. Diese noch im 3. Jahrhundert n. Chr. florierenden villae wurden schliesslich zu den wichtigsten Orten der öffentlich-politischen Machtdarstellung der Eliten und markierten den Beginn der spätantiken Villen-Architektur. Einen gewichtigen Einfluss auf die spätrömische Siedlungslandschaft hatten sicherlich auch die neuen politisch-strategischen Rahmenbedingungen. Nach dem Abzug des römischen Militärs zwischen den 240er- und 260er-Jahren gehörte das rechtsrheinische Gebiet zumindest verwaltungstechnisch nicht mehr unmittelbar zum Römischen Reich. Der Rhein bildete wieder eine Grenze, die durch militärische Anlagen gesichert wurde. Dennoch prägten gallo-römische Siedlungs- und Wirtschaftsformen bis etwa um 280/90 n. Chr. weiterhin das Landschaftsbild im rechtsrheinischen Gebiet. Verschiedene villae sowie der Bergbau-vicus Sulzburg und die vici Ihringen und Kirchzarten-Burg waren bis ins letzte Viertel des 3. Jahrhunderts besiedelt.

Erst in tetrarchischer Zeit unter Kaiser Diokletian (reg. 284–305) wurden die gallo-römischen Siedlungen auf dem rechtsrheinischen Gebiet aufgegeben. Durch die räumliche und organisatorische Umstrukturierung und die militärische Sicherung der Rheingrenze mit den castra Brisiacum (Breisach), Rauracense (Kaiseraugst) und wohl Basilia (Basel) übernahmen diese die Funktion als administrative und urbane Zentren ihres Umlands.

Mit dem Anreiz einer sicheren Wohnsituation und besserer wirtschaftlicher Bedingungen zog die noch verbliebene gallo-römische Restbevölkerung auf linksrheinisches Gebiet um. Ein Grossteil wird vermutlich sogar direkt in den neu gegründeten castra Unterschlupf gefunden haben, denn es gibt im suburbium von Basel und Kaiseraugst sowie im ländlichen Umfeld keine Anzeichen für eine Bevölkerungszunahme. Vermutlich auch aufgrund der Quellen- und Forschungslage ist aus dem Linksrheinischen mit der villa Rheinfelden-Görbelhof110 bisher nur eine einzige Neugründung aus den Jahren um 270/80 n. Chr. bekannt.

In der ersten Hälfte des 4. Jahrhunderts wurde die sogenannte ripa Rheni (Wachposten entlang des Rheinufers) weiter ausgebaut. Damals wurden beispielsweise am Oberrhein bei Horbourg eine Strassenbefestigung und das Praetorium von Oedenburg-Biesheim angelegt. Als Teil eines von Kaiser Valentinian I. initiierten Bauprogramms wurden insgesamt rund fünfzig Wachtürme und Kleinfestungen entlang des Hochrheins zwischen Basel und dem Bodensee errichtet. Ein horreum (Speicherbau) in Rheinfelden-Augarten, der mit Gräben befestigt worden war, diente als militärisches Versorgungsdepot.111 In Zusammenhang damit stand auch eine Magazinstation in Mumpf.112 Neben den befestigten Anlagen unmittelbar an der ripa Rheni gab es an verkehrsgünstiger und strategischer Lage auch im Hinterland Befestigungen wie etwa in Liestal-Kirche oder Frick.

Unruhige Zeiten: Die spätrömische Epoche, 260–476 n. Chr.

Das Jahr 260 n. Chr. war für den gallo-römischen vicus von Basel ein Schicksalsjahr, das die Lebensumstände seiner Bewohnerinnen und Bewohner für lange Zeit verändern sollte. Bis dahin gehörte die Region am Rheinknie zum römischen Hinterland. Das Gebiet rechts des Rheins, das ‹Dekumatenland›, war unter römischer Kontrolle. Kriege fanden in sicherer Entfernung an den Reichsgrenzen statt. Doch die Ereignisse des Jahres 260 veränderten dieses geopolitische Umfeld schlagartig. Die Gefangennahme des römischen Kaisers durch die Perser, zahlreiche Usurpationsversuche und Kriege im Osten erschütterten das Reich in seinen Grundfesten. Im Sommer 260 ermordeten aufständische Armeeangehörige den römischen Unterkaiser (Caesar) Saloninus in der Colonia Claudia Ara Agrippinensium, dem heutigen Köln, und erhoben den General Postumus (reg. 260–269) zum Kaiser. Von Britannien bis zur iberischen Halbinsel schlossen sich ihm etliche Provinzen an und bildeten fortan das sogenannte Gallische Sonderreich (vgl. ‹Das Gallische Sonderreich›, S. 198–200). Seine Herrschaft reichte im Nordosten bis an den Obergermanisch-Rätischen Limes, im Süden und Osten an Rhein und Donau. Vermutlich gehörten auch der vicus von Basel und die Kolonie Augusta Raurica zum Sonderreich.

Bald nach 260 war der Obergermanisch-Rätische Limes als Grenze zu den germanischen Völkern nicht mehr zu halten. Er bildete kein Hindernis für Übergriffe germanischer Verbände.113 Nach der Machtergreifung des Postumus entschieden die Machthaber des Gallischen Sonderreichs, diese Reichsgrenze aufzugeben und sich aus dem Dekumatenland zurückzuziehen. Wie dieser Rückzug genau ablief, wissen wir nicht. Ging man früher davon aus, dass Alamannen ‹in Horden› ins römische Gebiet eingefallen seien und sich das Siedlungsgebiet angeeignet hätten (‹Limessturm›), wird dies heute nicht mehr vertreten.114 Wahrscheinlicher ist, dass die Römer über einen längeren Zeitraum militärische und administrative Einrichtungen sukzessive aufgaben und ihre Siedlungsplätze verliessen. Es gab aber auch Personen, die vor Ort blieben und sich mit den zugezogenen germanischen Gruppen arrangierten.115 Aus Schriftquellen wird klar,116 dass römische Autoren das rechtsrheinische Gebiet gegen Ende des 3. Jahrhunderts nicht mehr als Teil des Römischen Reichs ansahen, sondern der ‹Alamannia› zurechneten. Für den vicus in Basel änderte sich die politische und militärische Ausgangslage fundamental. Innerhalb kurzer Zeit rückte die Reichsgrenze an den Rhein und damit vor die Haustüre seiner Einwohner:innen. Entlang des Rheins bis zum Bodensee, entlang der Iller und Donau weiter gegen Osten wurde die Flusslinie mit Kastellen und Wachtürmen befestigt und zum neuen ‹Donau-Iller-Rhein-Limes› ausgebaut. Der Rhein bildete allerdings nicht die Grenze; das galt nicht nur für die Region Basel. Rom beanspruchte weiterhin rechtsrheinische Gebiete bis hin zu den Abhängen des Schwarzwalds117 und sicherte sich so den Fluss als Transportweg. Als Reaktion auf diese unsicheren Zeiten wurde zwischen 275 und 285 n. Chr. der von Birsig und Rhein gebildete Geländesporn, der heutige Münsterhügel, mit einer mächtigen Befestigung und einem vorgelagerten Graben geschützt. Diese Anlage bot umliegenden Siedler:innen einen Rückzugsort bei germanischen Übergriffen. Waffenfunde belegen, dass hier eine militärische Garnison stationiert war, um die Siedlung zu sichern und die Verteidigung zu koordinieren. Die Analyse der Münzfunde konnte aufzeigen, dass südlich der Mauer eine Art Vorstadt (suburbium) existierte, wie sie auch beim Castrum Rauracense, dem römischen Kastell der Colonia Augusta Raurica, nachgewiesen ist.118

Aber nicht nur Basel wurde im Zuge dieses Grenzausbaus befestigt. Zur gleichen Zeit wurde auf dem Breisacher Münsterberg eine Wehranlage errichtet, und rheinaufwärts bezeugen massive Mauerreste auf dem Geländesporn von Kastelen, dass auch der Nordrand von Augusta Raurica gesichert wurde. Es wird vermutet, dass hinter diesen gleichzeitigen Bauvorhaben ein staatliches Gesamtkonzept stand. Aufgrund der Bauzeiten kommen die Kaiser Probus (reg. 276–282), Carinus (reg. 282–283) oder Diokletian (reg. 284–305) als Auftraggeber infrage. Für Probus als Initiator der Festungen von Basel, Breisach und Kastelen spricht einiges, da belegt ist, dass er in Gallien zahlreiche Verteidigungsanlagen errichten beziehungsweise bestehende Städte umwehren liess.119 Für die Zeit nach dem Bau der Befestigung bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts lässt sich über die Geschehnisse in der Region am Rheinknie nur wenig aussagen. Nach der Verwaltungsreform des Diokletian gehörte Basel zur neu geschaffenen Provinz Maxima Sequanorum, die von einem Provinzstatthalter (praeses provinciae) mit Sitz in Besançon (Vesontio) verwaltet wurde. Im Castrum Rauracense wurden etwa tausend Soldaten der Legio Prima Martia stationiert, während Basel eine kleine Garnison erhielt.120

Die Armee und die Rheingrenze121 sicherten das Gebiet wirksam gegen Übergriffe der Germanen. Unter Kaiser Konstantin I. (reg. 306–337) und seinen Söhnen herrschte bis Mitte des 4. Jahrhunderts weitgehend Ruhe in der Region. Das Wirtschaftsleben florierte auch in Basel, was sich unter anderem am Import von Handelsgütern wie exquisitem Tafelgeschirr oder Nahrungsmitteln aus entfernten Gegenden des Römischen Reichs, aber auch an der luxuriösen Ausstattung einiger Häuser erkennen lässt.

In Augusta Raurica wurde um 300 n. Chr. die Befestigung auf Kastelen durch ein wuchtiges Kastell am Rheinufer, das Castrum Rauracense, ersetzt.122 Die hier stationierte Legio Prima Martia trug wesentlich zur Friedenssicherung und zum regionalen wirtschaftlichen Aufschwung bei. Davon zeugt zum Beispiel die villa rustica von Rheinfelden-Görbelhof.123 Sie versorgte die Region mit landwirtschaftlichen Produkten, und vermutlich füllten ihre Erträge auch den Getreidespeicher von Rheinfelden-Augarten West, der unter anderem dazu diente, Nahrungsmittel für Grenztruppen zu lagern.124 Gegen Mitte des 4. Jahrhunderts wurden die Zeiten in den Provinzen nördlich der Alpen und auch in der Region wieder unruhiger. Reichsinterne Machtkämpfe zwischen Kaiser Constantius II. (reg. 337–361) und dem Usurpator Magnentius (reg. 350–353) sowie zahlreiche damit einhergehende Alamanneneinfälle führten am Rhein zu vielen verlustreichen Kämpfen. Sie waren vermutlich der Grund, weshalb ein Offizier im Castrum Rauracense sein Tafelsilber, den berühmten Silberschatz, vergraben hat.125 An der Siedlung auf dem Münsterhügel scheint dieser Sturm vorbeigegangen zu sein. Jedenfalls gibt es bis heute keine Anhaltspunkte für militärische Auseinandersetzungen.126 Nach dem Sieg Constantius’ über Magnentius im Jahr 353 wurden die Alamannen in mehreren Feldzügen wieder über die Rheingrenze zurückgedrängt. Unsere Quellen zu diesen unsicheren Zeiten erwähnen nicht weniger als acht Mal das Castrum Rauracense als Ort militärischer Aktivitäten und kaiserlicher Präsenz127 im Zusammenhang mit den Kämpfen gegen die Alamannen, kein einziges Mal aber Basel. Der Name Basilia taucht erstmals in den Schriftquellen128 unter Kaiser Valentinian I. (reg. 364–378) auf, als die Siedlung für kurze Zeit in den Fokus der Ereignisse rückte. Valentinian I. widmete sich ausgiebig der Verstärkung der Grenzbefestigungen am Rhein. Die Wachturmreihe zwischen Basel und Bodensee wurde ausgebaut, neue Kastelle errichtet, Versorgungsposten und Brückenköpfe auf der rechten Rheinseite angelegt. Im Zuge dieser Grenzbefestigungen entstand am rechten Rheinufer gegenüber dem Münsterhügel eine Kleinfestung, deren genaue fortifikatorische Einordnung bis heute Fragen aufwirft.129 Höhepunkt in diesem Zeitraum war sicher der Besuch Kaiser Valentinians I. persönlich (vgl. ‹Valentinian I.›, S. 210–211). Valentinians Nachfolger waren noch über Jahrzehnte mit den Germanen beschäftigt. Bündnisverträge mussten zur Sicherung der Rheingrenze regelmässig erneuert und bekräftigt werden. Zudem wurden zahlreiche German:innen auf römischem Gebiet angesiedelt. Dennoch kam es immer wieder zu Übergriffen, die von der römischen Armee zurückgeschlagen werden mussten. Die Germanen waren Feinde und Verbündete in einem. Teil dieser ambivalenten Stellung war bis weit ins 5. Jahrhundert, dass Germanen in höchste Positionen in der römischen Armee aufsteigen konnten.130

Die Region am Rheinknie stand zu dieser Zeit nicht mehr im Fokus kriegerischer Handlungen oder militärischer Aufmärsche. Weder Schriftquellen noch archäologische Funde liefern Hinweise auf nennenswerte Ereignisse. Neben der zunehmenden Instabilität infolge von Usurpationen und armeeinternen Machtkämpfen sollte sich allerdings auch der Migrationsdruck durch westgotische Kriegerverbände bemerkbar machen, die von den Hunnen nach Westen gedrängt wurden. Germanen, Vandalen, Burgunden und Alanen überschritten 406/07 den nur noch spärlich verteidigten Rhein und zogen durch Gallien bis nach Spanien. 410 wurde Rom von den Westgoten erobert und geplündert, bevor sie sich schliesslich in Westfrankreich niederliessen. Rom gelang es nicht mehr, seine Herrschaft über Gallien zu stabilisieren. Zwar versuchte man weiterhin, die Rheingrenze zu sichern, und wies zu diesem Zweck den Burgunden neuen Lebensraum am Mittelrhein zu. Doch wandten sich diese bald wieder gegen ihre ‹Bündnispartner›. 435 schlug der weströmische Heermeister (General) Aëtius die Burgunden vernichtend und siedelte sie 443 in der ‹Sapaudia› (heute Savoyen) an.131 Hier errichteten sie als neue Nachbarn Basels ihr eigenes Reich, das gut neunzig Jahre Bestand hatte und 534 schliesslich im Frankenreich aufging.

Die Kaiser des Imperium Romanum verloren im 5. Jahrhundert zunehmend an Macht und Einfluss, die Geschicke des Reichs wurden fast nur noch von hohen Militärs, oft germanischen Ursprungs, gelenkt. Diese konnten dem Expansionsdruck der ‹Barbaren› jedoch nicht standhalten, und das Zentralreich zerfiel nach der erneuten Plünderung Roms durch Vandalen im Jahr 455 vollständig. 22 Jahre später wurde der letzte in Italien herrschende weströmische Kaiser Romulus Augustulus (reg. 475–476) abgesetzt. Damit war auch in unserer Region die Macht Roms formell beendet. Unter den Merowingern dehnten die Franken ihr Reich von Norden her im gallischen und germanischen Raum aus. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts besiegten sie die Alamannen. Ihr Territorium und in der Folge auch Basel fielen unter fränkische Herrschaft. Trotz all dieser Wirren zeigt die Besiedlung auf dem Münsterhügel eine erstaunliche Kontinuität: Archäologische Funde belegen, dass auch nach der Mitte des 5. Jahrhunderts der Ort weiterhin bewohnt und es bis zur Landnahme durch die Merowinger nie zu einem vollständigen Abbruch gekommen war. Das Gräberfeld an der Aeschenvorstadt mit seinen Bestattungen bis ins 7. Jahrhundert stützt diese Annahme. Mit dem sukzessiven Rückzug der Römer nach der Aufgabe des Limes veränderte sich auch die Zusammensetzung der Bevölkerung im Dekumatenland. Germanische Gruppen kamen aus ihren Siedlungsgebieten im Norden und Osten hierher und liessen sich nieder. Aus Mangel eines Eigennamens nannten die Römer diese bereits gegen Ende des 3. Jahrhunderts schlicht Alamanni. Wer waren die «zusammengespülten und vermengten Menschen» – wie sie der römische Chronist Asinius Quadratus beschrieb – wirklich? Als erste sichere Nennung gilt derzeit eine römische Lobrede auf Kaiser Maximian (reg. 286–305) aus dem Jahr 289. Nach allem, was wir heute wissen, gab es bei den Germanen selbst jedoch keine Bevölkerungsgruppe, die sich ‹Alamannen› nannte und sich aufmachte, um sich im römischen Gebiet niederzulassen. Vielmehr geht man davon aus, dass sich die ‹Alamannen› aus verschiedenen zugezogenen germanischen Personenverbänden im ehemaligen Dekumatenland erst formierten, nachdem die Römer den Obergermanisch-Rätischen Limes aufgegeben hatten. Ob sich diese Menschen selbst als einheitlichen Volksverband betrachteten und ob sie sich ‹Alamannen› nannten, verschweigen die römischen Autoren. Unsere einzigen Quellen dazu sind antike Texte, Inschriften und Münzlegenden ab dem Ende des 3. Jahrhunderts. Sie nennen jedoch nur die Fremdbezeichnungen Alamanni oder die Alamannia, liefern aber kaum Informationen, da sie sich meist auf die Namensnennung zu Propagandazwecken beschränken. Immerhin können wir daraus aber schliessen, dass die Bewohnerinnen und Bewohner im Dekumatenland von den Römern als eine Einheit wahrgenommen und als Alamanni bezeichnet wurden.

Die frühen Alamannen aus der zweiten Hälfte des 3. Jahrhunderts sind uns weitgehend unbekannt, denn die schriftlichen Quellen stammen vornehmlich aus dem 4. Jahrhundert. Der römische Geschichtsschreiber Ammianus Marcellinus schildert die Situation um die Mitte des 4. Jahrhunderts. Von ihm wissen wir, dass die Alamannia in kleinräumige Gaue (pagi) gegliedert war.132 Das Siedlungsgebiet reichte bis an die Grenzflüsse Rhein, Iller und Donau. Wie weit es sich nach Norden und Nordosten erstreckte, bleibt unklar. Von einigen Bewohnern dieser Gaue kennen wir die Namen und den Siedlungsraum: Lentienses (Linzgau, Raum Bodensee), Raetovarii (Raum Nördlinger Ries), Bucinobantes (Buchengau, Region Mainz) und nicht zuletzt die Brisigavi (Breisgau), deren historisches Territorium bis zum Rheinknie reichte. Ihre Anführer werden von den Römern ‹rex› beziehungsweise ‹reges› genannt. Diese lokalen Machthaber übten ihre Herrschaft jeweils in einem der Gaue aus. Viele dieser reges übernahmen teils hohe militärische Posten in der römischen Armee oder liessen sich bisweilen mit ihren Kriegern ins römische Heer einbinden. Oft traten sie aber auch als Gegner Roms auf und unternahmen Plünderungszüge im Römischen Reich.

Die Bevölkerungsdichte war in den alamannischen Gebieten wahrscheinlich nicht besonders hoch, denn bis heute sind nur wenige Siedlungen entdeckt worden.133 Dies ist unter anderem auf die schlechte Erhaltung alamannischer Gebäude zurückzuführen. Die Alamannen wohnten in Pfostenhäusern aus Holz und Lehm, von denen heute nur noch Verfärbungen im Boden zeugen (vgl. ‹Frühmittelalter›, S. 237–242).134 Urbane Zentren, wie sie in den römischen Provinzen entstanden waren, sind aus dem alamannischen Gebiet bislang nicht bekannt. Stattdessen gab es Höhensiedlungen, die auf Randbergen gegenüber dem Rhein, so zum Beispiel auf dem Zähringer Burgberg, oder auf Bergkegeln wie dem Runden Berg bei Bad Urach auf der Schwäbischen Alb errichtet wurden. Da man zahlreiche Waffen und militärische Ausrüstungsgegenstände in diesen Siedlungen gefunden hat, wird ihnen vor allem militärische Funktion zugeschrieben.135

Erst ab der Wende zum 5. Jahrhundert lassen sich Alamannen auch in den archäologischen Quellen der Region Basel besser fassen. Ihre materielle Kultur ist aufgrund von Siedlungs- und Grabfunden relativ gut bekannt, wenngleich es grosse Schwierigkeiten macht, die einzelnen Objekte wie Keramik, Waffen, Schmuck oder Trachtbestandteile genauer zu datieren. Häufigstes Fundgut aus alamannischen Siedlungen und Gräbern ist die Keramik, die regelmässig freihändig hergestellt war. Daran lässt sich eine grundlegend andere Handwerkstradition erkennen als bei römischer Keramik, die fast ausschliesslich auf der schnelldrehenden Töpferscheibe gefertigt wurde. Einige der Gefässformen und -verzierungen finden Parallelen im elbgermanischen Raum, was mindestens auf Handelsbeziehungen dorthin, möglicherweise aber auch auf die Herkunft bestimmter Bevölkerungsteile der Alamannia hinweist. So facettenreich sich die Beziehungen zu den ‹neuen Nachbarn› gestalteten, die baulichen Unternehmungen auf dem Münsterhügel nach dem Schicksalsjahr von 260 sprechen eine deutliche Sprache. Egal ob als Machtdemonstration oder als sicherer Rückzugsort, die neu errichtete Befestigungsmauer war ein gigantisches Bauunternehmen, das man nur auf sich nahm, wenn man sich bedroht fühlte. Bereits 1885 wurden an der Rittergasse erstmals Reste der spätrömischen Kastellmauer freigelegt, die einst quer über den südlichen Münsterhügel verlief. Die mindestens 1,2 Meter dicke Mauer, von der heute keine Spuren mehr existieren, stand auf einem bis zu 3 Meter breiten Fundament. Zahlreiche sogenannte Spolien – wiederverwendete Bausteine, oft Architekturfragmente oder Grabsteine –, wie sie für die spätrömische Zeit typisch sind, waren darin verbaut.143 Aufgrund von Vergleichen mit anderen Befestigungen144 gehen wir heute von einer Höhe der Mauer von bis zu 8 Metern aus.

Ein gut 40 Meter langer Fundamentabschnitt der westlichen Umwehrung konnte 1921 beim Schulhaus ‹Zur Mücke› am Schlüsselberg ausgegraben werden. Dieser Abschnitt war ebenfalls mit Spolien bestückt. Er ist bis heute erhalten und kann besichtigt werden. Weitere Reste sind zwar bislang nicht bekannt, eine grosse spätrömische Baustelle, die an der Martinsgasse 6/8 freigelegt wurde, bestätigt jedoch, dass die Mauer den gesamten Münsterhügel umgab. Die Grossbaustelle zeugt von umfangreichen Bauarbeiten an der westlichen Wehrmauer im Norden des Münsterhügels.145 In unmittelbarer Nähe wurde ein sogenannter Halbwalzenstein gefunden, der ehemals die Mauerkrone vor Regenwasser schützte. Reste von Türmen und Bastionen konnten bislang nicht sicher identifiziert werden, aber im Bereich der Martinskirche gibt es neuerdings Hinweise auf einen möglichen Eckturm.146 Die Ausstattung der Mauer mit Bastionen oder Türmen lässt sich zudem indirekt belegen: Funde von massiven Geschossbolzen verraten, dass schwere Torsionsgeschütze (ballistae) eingesetzt wurden, die nur auf Türmen oder Bastionen wirksam platziert werden konnten.

Vor der Südmauer verlief ein etwa 20 Meter breiter und gut 8 Meter tiefer Wehrgraben im Bereich der heutigen Bäumleingasse. Zusammen mit einem kleineren vorgelagerten Graben bildete er ein mächtiges Annäherungshindernis gegen Angreifer und Belagerer.

Der Bau dieser imposanten Befestigung war ein enormes Unterfangen, das nebst den finanziellen Mitteln auch planerisches, logistisches und bautechnisches Know-how voraussetzte. Tausende Kubikmeter Steine und weiteres Baumaterial mussten herbeigeschafft und durch gut organisierte Bautrupps vermauert werden. Die Bewohner:innen des kleinen Basler vicus alleine wären mit dieser Aufgabe überfordert gewesen. Es ist deshalb naheliegend, dass dieses Unternehmen staatlich finanziert und mit Beteiligung des römischen Militärs ausgeführt wurde. Keramik und Münzen aus der bereits erwähnten Baustelle an der Martinsgasse und römische Münzen aus dem südlichen Vorgelände der Befestigung lassen darauf schliessen, dass sie zwischen 275 und 285 n. Chr. gebaut wurde. Darüber, wie die Siedlung hinter den Mauern aussah, liegen heute nur noch sehr punktuelle Informationen vor.147 Viele spätrömische Strukturen wurden durch die Bautätigkeit der letzten Jahrhunderte beseitigt. Dennoch gelingt es, anhand der verbliebenen Überreste und Vergleichen mit anderen Fundstellen ein plausibles Bild zu zeichnen: In den Innenbereich gelangte man von Süden durch eine geschützte Toranlage bei der heutigen Rittergasse.148 Die spätrömische Zugangsstrasse konnte bislang nirgends sicher identifiziert werden, sie ist heute wohl vollständig abgetragen. Sie verlief aber vermutlich auf der gleichen Trasse wie in der Früh- und Mittelkaiserzeit. Münzfunde und die Ausrichtung spätrömischer Gebäude an der früh- und mittelkaiserzeitlichen Strasse lassen diesen Verlauf glaubhaft rekonstruieren.149 Die Strasse führte entlang der Rittergasse durch den westlichen Teil des Münsters über den kleinen Münsterplatz und durch die Augustinergasse bis zur Einmündung der Martinsgasse. Von dort aus bestand gegen Westen und abzweigend gegen Norden ein unbebauter Zugangskorridor150 bis zum Martinskirchsporn. Der heutige Münsterplatz war, abgesehen von einem Sodbrunnen, nicht überbaut. Schon in spätrömischer Zeit musste hier eine Freifläche existiert haben, die vielleicht für militärische Übungen und Aufmärsche oder als Sammelplatz für die umliegende Bevölkerung in Kriegszeiten diente.

Wer die Befestigung von Süden her betrat, gelangte zu einem monumentalen Gebäude, von dem Mauerreste unter dem Münster zum Vorschein kamen. Aufgrund seiner Grösse und Architektur ist zu vermuten, dass dieses stattliche, wohl zweistöckige Haus mit Innenhof eine militärische oder administrative Funktion hatte, etwa als Sitz eines hohen Funktionärs mit seinem Offiziers- oder Beamtenstab. An der Nordwestecke des Münsterplatzes befand sich ein beeindruckender Hallenbau, der möglicherweise als Getreidespeicher und Magazin für Gerätschaften diente. Die übrige Innenbebauung bestand aus Holz-, Fachwerk- oder Steinhäusern, von denen die meisten vermutlich für Wohnzwecke genutzt wurden. Mehrere Gebäude des 4. Jahrhunderts waren mit Boden- und Wandheizungen (Hypokausten) ausgestattet. An der Martinsgasse 6/8 befand sich noch im 3. Jahrhundert eine Parzelle, auf der zwei einfache Fachwerkhäuser und zwei Holzschuppen standen, die an die westliche Wehrmauer angebaut waren. Um 300 n. Chr. wurden sie abgerissen. Danach blieb das Areal unbebaut und wurde nur noch als Garten und Viehgehege genutzt.

Am oberen Ende des Archivgässleins stand ein Gebäude mit Holzbohlenwänden, dessen Boden grossflächig mit Spuren von Fäkalien versetzt war. Diese stammten nicht von einer Latrine, vielmehr dürfte es sich um Stallungen gehandelt haben.

Weitgehend unbekannt ist die Wasserversorgung der Siedlung. Der oben erwähnte Sodbrunnen beim nördlichen Münsterplatz und die zwei weiteren Sodbrunnen im suburbium, die vor Kurzem zum Vorschein kamen, reichten kaum für die Wasserversorgung. Es gibt keine Hinweise auf Aquädukte, sodass der grösste Teil des benötigten Wassers vermutlich aus dem Rhein oder Birsig geschöpft und in die Siedlung transportiert wurde.

Das Bild der Innenbebauung hat sich im Verlauf der etwa zweihundert Jahre spätrömischer Siedlungstätigkeit kontinuierlich gewandelt. Fachwerk- und Holzhäuser wichen vermehrt einem Ausbau in Stein. Monumentalbauten befanden sich nur im Süden, der vermutlich eher auf administrative oder militärische Funktionen ausgerichtet war, während der nördliche Bereich vor allem Wohn- und Handwerkszwecken sowie der Nahrungsproduktion in bescheidenem Umfang diente. Bis vor Kurzem ging man davon aus, dass unmittelbar südlich der Befestigung, im Bereich der Zufahrts- und Umfahrungsstrassen, niemand wohnte. 2021 konnte im Rahmen einer Auswertung151 spätrömischer Münzen jedoch aufgezeigt werden, dass vor dem Südtor auffallend viele spätrömische Münzen verloren gingen. Auch wenn wegen der intensiven neuzeitlichen Bodeneingriffe bislang Spuren spätrömischer Gebäude fehlen, lassen die vielen Münzfunde keine andere Interpretation zu, als dass auch vor dem Südtor während der gesamten spätrömischen Zeit gesiedelt wurde. In dieser Art Vorstadt (suburbium) lebten wahrscheinlich Händler:innen, Gastwirt:innen und Handwerker:innen, deren Kundschaft aus der Befestigung kam, aber auch Reisende kauften hier ein oder machten Station. Im Bedrohungsfall fanden die Bewohner:innen im Innern der Befestigung Schutz.

Auch nordwestlich der Umwehrung sind spätrömische Siedlungsspuren nachgewiesen. In den 1930er-Jahren kamen beim heutigen Spiegelhof152 auf einem Kieselwackenboden 295 spätrömische Münzen zum Vorschein, dazu ein einbaumförmiger Trog, Überreste von Holzkanälen, Spuren von Pfostenstellungen und eine Reisigmatte. Das Ensemble ist schwer zu deuten, es könnte sich um eine Strassenstation mit überdachter Viehtränke gehandelt haben, wie der damalige Auswerter Ludwig Berger vermutete. In neuester Zeit häufen sich zudem spätrömische Funde entlang der Schneidergasse und am Andreasplatz, was nahelegt, dass die Ansiedlung sich offenbar vom Fischmarkt bis hierhin erstreckte. Auch im Bereich der Freien Strasse wurden neuerdings vermehrt Hinweise für eine Strassenrandbesiedlung entdeckt, die an der Strasse entlang des westlichen Hangfusses des Münsterhügels lag. Diese wurde bereits in römischer Zeit befahren. Aus dem spätrömischen Basel kennen wir mangels Inschriften oder Grabsteinen niemanden mit Namen. Dennoch erlauben die zahlreichen Objekte, die in der Befestigung gefunden wurden, ein – wenn auch vages – Bild vom Leben im spätantiken Basilia zu zeichnen. Viele dieser Informationen lassen sich innerhalb der spätrömischen Besiedlung allerdings zeitlich nicht genauer verorten, sodass wenig über die Entwicklung der Lebensumstände gesagt werden kann.

Neben Soldaten und Veteranen der hier stationierten Garnison, die durch Waffenfunde belegt sind, lebte vor allem Zivilbevölkerung in der Befestigung.153 Die verlässlichsten Indizien zu deren Lebensumständen besitzen wir vom Nordteil des Münsterhügels, wo die einzige erhaltene spätrömische Nutzungsschicht Basels viele Informationen über die Anfangszeit der Besiedlung lieferte. Vor dem eher ländlich anmutenden Ensemble aus zwei Fachwerkhäusern und zwei Holzschuppen auf dem Areal der heutigen Martinsgasse 6/8 lagen Feuerstellen, bei denen kleine Eisenobjekte geschmiedet oder Werkzeug und Waffen repariert wurden. In einem der Holzschuppen hatte ein Bronzehandwerker, wohl ein Kesselflicker, sein Atelier eingerichtet und zahlreiche Bronzeabfälle hinterlassen. Aus benachbarten Gebäuden haben wir Hinweise auf die Verarbeitung von Blei. Tiegel mit Schlackeresten weisen zudem auf Metallgiesser hin. Die Bewohner:innen hielten Nutztiere, vor allem Ziegen oder Schweine, Hunde streunten um die Häuser und Schuppen.

Der Lebensstandard in dieser Wohn- und Handwerkszone war eher niedrig. Dies lässt sich nicht nur am bescheidenen Wohnkomfort erkennen, sondern auch am Konsum von qualitativ eher minderwertigem Fleisch, der anhand von Tierknochen aus Schlacht- und Speiseabfällen rekonstruiert werden kann. Demnach assen die Menschen hier vor allem alte Tiere, überwiegend Schwein und Rind, gelegentlich Schaf oder Ziege, was typisch für den Fleischkonsum ärmerer Bevölkerungsschichten ist. Besseres Fleisch wie Jungschwein, Huhn oder Wild kam kaum auf den Tisch. Dieses Fleisch war teuer, nur die Oberschicht konnte es sich leisten. Ergänzt wurde der Speisezettel durch Hühnereier, Fisch (Lachs und Karpfen) und vermutlich Gemüse, das in Gärten innerhalb der Befestigung angebaut wurde. Viele Alltagsgegenstände veranschaulichen den Haushalt in den beiden Fachwerkhäusern: Küchenkeramik wie Kochtöpfe, Reibschüsseln (grosse mörserähnliche Schüsseln zur Herstellung von Saucen und Pasten), Eisenmesser und Vorratsgefässe (Amphoren) zeugen von der Nahrungszubereitung, teils gepflegtes Tafelgeschirr und Gläser von der römischen Tisch- und Esskultur. Von der Inneneinrichtung ist hingegen kaum etwas erhalten, sie dürfte überwiegend aus Holz hergestellt worden und im Laufe der Zeit vollständig verschwunden sein. Lediglich einige Kastenbeschläge, Scharniere und Ziernieten lassen erahnen, dass es Schränke und Truhen gab. Funde von insgesamt elf Haarnadeln aus Knochen und Bronze sowie weiterer Schmuck belegen, dass hier auch Frauen wohnten.

Aus anderen Bereichen des Münsterhügels gibt es aber auch Hinweise auf Gebäude mit weitaus höherem Wohnstandard, oft Steinhäuser, die allerdings meistens in die spätere Siedlungszeit des 4. Jahrhunderts datieren. Ein Haus an der Martinsgasse 9–13 verfügte über vier Räume mit Bodenheizung (Hypokaust). Aus dessen Haushalt stammen zwei silberne Löffel, was sich nur wohlhabende Personen leisten konnten. Andere Häuser waren mit Mosaikböden geschmückt, verfügten über Wandverkleidungen aus polierten Steinplatten und Mobiliar mit vergoldeten Appliken. Hier wohnten wahrscheinlich Angehörige der militärischen oder gesellschaftlichen Elite.

Neben all den römischen Objekten kommt auf dem Münsterhügel immer wieder, wenn auch in geringer Zahl, germanische Keramik zutage. Germanen waren im 4. Jahrhundert als Bündnispartner Roms zunehmend mit militärischen Aufgaben an der Reichsgrenze betraut und dienten im römischen Heer. Die Keramik könnte daher ein Indiz sein, dass es auch in der Garnison von Basilia Soldaten germanischer Herkunft gab, die mit ihren Angehörigen hier lebten.

Zahlreiche Waren bezeugen, dass bis ins 5. Jahrhundert rege Handelsbeziehungen mit teils weit entfernten Regionen des Imperium Romanum bestanden. Qualitätsvolle Keramik wurde aus den Argonnen und dem Rhein-Main-Neckar-Gebiet importiert, nach der Mitte des 4. Jahrhunderts zudem aus der Eifel. Hier diente der Rhein als Transportweg. Wein, Olivenöl, Fischsauce und eingelegte Früchte gelangten in Amphoren aus Nordafrika, Kleinasien, Spanien und vor allem Südfrankreich über das Mittelmeer, die Rhone, Saône und den Doubs oder über Land in die Gebiete nördlich der Alpen. Dass auch Basilia an diesem Handel teilnahm, zeugt von der Kaufkraft der Bevölkerung. Über die religiösen Verhältnisse Basilias besitzen wir erstaunlich wenig Informationen. Hinweise auf Tempel in der Befestigung fehlen, und auch frühchristliche Kirchen sind bislang nicht bekannt. Nur ein paar Objekte belegen den allmählichen Einzug des christlichen Glaubens, etwa eine Reliquiar-Gürtelschnalle aus einem Grab154 oder ein sogenannter Brotstempel, der liturgischen Zwecken diente und ein kreuzförmiges Muster trägt.155 Bestattet wurden die Toten seit der Errichtung der Befestigung in einem grossen Gräberfeld an der Aeschenvorstadt. Dieses Gräberfeld lag, für römische Friedhöfe typisch, an einer von Süden kommenden Zufahrtsstrasse und wurde bereits in der Früh- und Mittelkaiserzeit als Brandgräberfeld genutzt. In spätrömischer Zeit, als Brandbestattungen ausser Mode kamen, wurden neue Körpergräber über den Urnen angelegt. Erst im Frühmittelalter wurde der Friedhof aufgegeben. Ein weiteres Gräberfeld befand sich an der nördlichen Ausfallstrasse beim heutigen ‹Totentanz›. Vermutlich wurden die Bewohner:innen der Siedlung am Birsig hier bestattet. Die Rekonstruktion der Endphase der römischen Herrschaft in den nördlichen Provinzen ist nicht nur für Basel eine grosse Herausforderung. Mit dem ausgehenden 4. und dem frühen 5. Jahrhundert versiegen unsere Quellen über die hier lebenden Menschen und die baulichen Verhältnisse fast vollständig. Aus historischen Quellen weiss man, dass Rom seinen Machtanspruch in den Nordprovinzen mit dem Untergang des Westreichs um 476 endgültig aufgab. Der partielle Rückzug der Armeen vom Rhein, insbesondere unter Stilicho im Jahr 401/02, sowie die ständigen Auseinandersetzungen in Gallien und am Rhein hatten bereits ab der Wende zum 5. Jahrhundert sukzessive zum Verlust der direkten militärischen Kontrolle über die Grenzgebiete geführt.156 Deren Sicherung war vielerorts germanischen Verbänden vertraglich übergeben worden.

Was dies für Basilia und seine Einwohner:innen konkret bedeutete, ist kaum zu ermitteln, da aussagekräftige schriftliche und archäologische Quellen fehlen. Es gibt bislang keine Gebäude oder Nutzungsschichten und kaum Funde, die sicher ins 5. Jahrhundert datieren. Daran ist nicht nur die nachrömische Überbauung des Münsterhügels schuld, die Schwierigkeiten beruhen auch auf methodischen Problemen. Kurz nach 400 brach die Zufuhr von neu geprägten Münzen in unser Gebiet ab, während die älteren weiter zirkulierten. Dies verunmöglicht es, Schichten und Strukturen zu datieren und sie dem 5. Jahrhundert zuzuweisen oder innerhalb des 5. Jahrhunderts zeitlich einzuordnen. Auch die regionale Keramik aus dem 5. Jahrhundert hilft nicht weiter, da wir sie noch kaum kennen.

Als Orientierungshilfen bleiben nur datierbare importierte Objekte, namentlich Keramik. Vom Münsterhügel gibt es importierte Tongefässe aus den Argonnen und der Eifel, die in die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts datieren. Offenbar existierte nach 400 in Basilia eine Abnehmerschaft für diese Importe, was eine Nutzung der Befestigung bis mindestens zur Mitte des 5. Jahrhunderts nahelegt. Zwei Einwohner aus dieser Zeit konnten im Gräberfeld an der Aeschenvorstadt anhand ihrer Beigaben identifiziert werden: Beide Bestatteten trugen Gürtelgarnituren, die typisch für die erste Hälfte des 5. Jahrhunderts sind und ranghohe germanische Offiziere auszeichneten.157 Diese Gräber und die alamannische Keramik auf dem Münsterhügel zeigen, dass neben der wohl überwiegenden lokalen romanischen Bevölkerung – wie zu erwarten – im 5. Jahrhundert auch Germanen, teils mit militärischen Aufgaben, in der Befestigung lebten. Im Gegensatz zur früheren Forschung geht man heute nicht mehr davon aus, dass der Abzug der römischen Truppen vom Rhein unter Stilicho im Jahr 401/02 die Aufgabe der Befestigung beziehungsweise das Ende der Siedlungstätigkeit auf dem Münsterhügel bedeutete, auch wenn wir nicht genau wissen, wann diese tatsächlich abbrach.

Nach ihrem Sieg über die Alamannen begannen die Merowinger gegen Ende des 6. Jahrhunderts auch den Münsterhügel zu bewohnen. Dies belegen zahlreiche Grubenhäuser aus dieser Zeit, die verstreut über das Plateau gefunden wurden. Was aber wirklich ab Mitte des 5. Jahrhunderts bis zur Neuaufsiedlung durch die Merowinger geschah, in welchem Zustand sich die Befestigung befand und wer darin lebte, darüber kann nur spekuliert werden. Es gibt keine Spuren einer gewaltsamen Zerstörung oder eines Grossbrandes. Für zahlreiche Häuser sind zwar Zerstörungshorizonte bekannt, aber es ist unklar, wann sie einstürzten. An einigen Stellen zeigt sich, dass alte römische Bausubstanz noch in der Merowingerzeit genutzt wurde. Sogar die Wehrmauer weist in ihren Fundamenten Reparaturstellen aus dem Mittelalter auf, was ihren Bestand bis weit über die Römerzeit hinaus wahrscheinlich macht.

Im Gräberfeld an der Aeschenvorstadt gibt es viele beigabenlose Bestattungen, die möglicherweise zeitlich zwischen den teils prunkvoll ausgestatteten Gräbern aus der Mitte des 5. Jahrhunderts und den ersten merowingerzeitlichen des frühen 7. Jahrhunderts liegen. Es könnte sich bei diesen Bestatteten um Angehörige der romanischen Bevölkerung handeln, die nach dem Abzug der Römer in der Befestigung verblieben waren und nach der Christianisierung die Sitte der Grabbeigaben aufgegeben hatten. Heute wird davon ausgegangen, dass es in Basel am Übergang von der Römerzeit in die Merowingerzeit wohl nie zu einem vollständigen Siedlungsabbruch kam. Isotopen- und aDNA-Analysen sowie Radiokarbondatierungen, die am Skelettmaterial der Gräbergruppe Basel-Waisenhaus158 durchgeführt wurden, unterstützen diese Hypothese.159 Sie zeigen, dass in der Spätantike auch rechts des Rheins einheimische Gemeinschaften lebten.

Während fast fünfhundert Jahren wechselvoller Ereignisse unter römischer Besatzung hatten sich Einheimische, Militärs und Migrant:innen auf dem Münsterhügel arrangiert. Im 5. Jahrhundert verkehrten sich jedoch die Machtverhältnisse so, dass Bevölkerungen aus Mittel- und Nordeuropa für lange Zeit die Geschehnisse lenkten. Doch so sehr sich die weltlichen Zentren nach Norden verschoben hatten, Rom blieb die Macht frühchristlicher Religion. Wie stark die geistlichen Potentaten im frühen Mittelalter die Geschehnisse mitprägten, zeigt auch das weitere Schicksal Basels, das spätestens im 8. Jahrhundert zum Bischofssitz wurde und damit seine Vormachtstellung in der Region erneut behauptete.

Anmerkungen

  1. Bringmann 2002, S. 202 ff. Linke 2005.
  2. Kemkes 2005.
  3. Witschel 2011.
  4. Commentarii ‹De Bello Gallico›.
  5. Krausse 2006, S. 306. Meyer; Hornung 2022, S. 75–83.
  6. Martin-Kilcher 2015, S. 237.
  7. Fischer 2002, S. 33–36. Hornung 2022, S. 86–87.
  8. Martin-Kilcher 2011, S. 27–28.
  9. Andreocci 2008, S. 27–32. Reddé 2022, S. 65.
  10. Martin-Kilcher 2015, S. 237, 251, 269.
  11. Trumm 2002a, S. 212–213. Wieland 1994, S. 213.
  12. Deschler-Erb 2011, S. 239. Martin-Kilcher 2011, S. 57.
  13. Hornung 2022, S. 86–89. Reddé 2022, S. 65–66.
  14. Krausse 2006, S. 352–353. Reddé 2022, S. 66.
  15. Deschler-Erb 2011, S. 245. Martin-Kilcher 2011, S. 30–32.
  16. Vogt; Schwarz 2023, S. 12–18.
  17. Burkhardt 2014.
  18. Litwan 2014, S. 242.
  19. Ebd. 2014, S. 239.
  20. Paunier 2014, Kap. 2. Reddé 2022, S. 66–67.
  21. Martin-Kilcher 2015, S. 273–276.
  22. Flück 2022, S. 100–102. Hagendorn; Doppler; Huber u. a. 2003, S. 32–33. Martin-Kilcher 2015, S. 269–271. Reddé 2015, S. 307.
  23. Flück 2022, S. 100–102. Reddé 2015, S. 307.
  24. Ebd. 2015, S. 299–309.
  25. Ebd. 2015, S. 308–309.
  26. Deschler-Erb 2011, S. 241.
  27. Deschler-Erb; Richner 2013, S. 53–60, 77, 121.
  28. Deschler-Erb 2011, S. 241–245.
  29. Ebd. 2008, S. 213, 2011, S. 215–217.
  30. Ebd. 2011, S. 158–160.
  31. Ohnsorg 2004, S. 18.
  32. Stopp 2011, S. 386.
  33. Ackermann; Wimmer in Vorb., Befund 22. Alder; Bargetzi; Flück 2008, S. 119. Deschler-Erb 2011, S. 43–44. Ohnsorg 2004, S. 15, 106.
  34. Hagendorn; Pauli-Gabi 2005, S. 104–105.
  35. Deschler-Erb 2011, S. 45–48, 229, 252.
  36. Hagendorn; Doppler; Huber u. a. 2003, S. 31. Hagendorn; Pauli-Gabi 2005, S. 101–102.
  37. Deschler-Erb 2011, S. 241.
  38. Stopp 2011, S. 385.
  39. Deschler-Erb 2011, S. 244.
  40. Camenzind 2024. Ohnsorg 2004, S. 18–19.
  41. Ackermann; Wimmer in Vorb., Befund 23, Hist. Res. 2 ff. Deschler-Erb 2011, S. 44.
  42. Hagendorn; Rentzel; Pümpin u. a. 2017, S. 105–108, 128–143. Helmig; Schön 1995, S. 48–55. Lanzicher 2017a, S. 80–81, 86.
  43. Hagendorn; Rentzel; Pümpin u. a. 2017, S. 118–119.
  44. Ohnsorg 2004, S. 15–17, 29–30, 33.
  45. Deschler-Erb 2011, S. 247. Hagendorn; Rentzel; Pümpin u. a. 2017, S. 122–125.
  46. Krausse 2006, S. 48–55.
  47. Sommer 2013, S. 108.
  48. Krausse 2006, S. 53.
  49. Ebd. 2006, S. 50–51.
  50. Sommer 2013, S. 108–109.
  51. Deschler-Erb 2011, S. 251–256.
  52. Sommer 2013, S. 110.
  53. Deschler-Erb 2011, S. 247.
  54. Ebd. 2011, S. 227 ff.
  55. Asal 2023, S. 13. Bargetzi 2006, S. 134 ff.
  56. Helmig; Schwarz 2000, S. 28.
  57. Helmig 1987, S. 232.
  58. Ohnsorg 2004, S. 22 ff.
  59. Camenzind 2024.
  60. Deschler-Erb; Helmig; Schwarz 2005, S. 162.
  61. Ammann 2002, S. 27 ff.
  62. Furger 2011, S. 45 ff.
  63. Deschler-Erb 2011, S. 229.
  64. Ohnsorg 2004, S. 22.
  65. Hagendorn; Schön 2006, S. 39 ff.
  66. Deschler-Erb; Deschler-Erb 2015, S. 89 f.
  67. Helmig; Schön 1996, S. 28 ff.
  68. Freundliche Mitteilung Markus Asal.
  69. Hagendorn; Schön 2006, S. 39 ff.
  70. Helmig; Schön 1996, S. 35.
  71. Allemann; Flatscher; Asal u. a. 2021, S. 83.
  72. Bielman; Brem; Hedinger 2002, S. 280 ff.
  73. Deschler-Erb 2011, S. 247.
  74. Ohnsorg 2004, S. 24.
  75. Ammann 2002, S. 68. Asal 2023, S. 13.
  76. Ebd. 2023, S. 13.
  77. Salvisberg 2010.
  78. Vgl. Fellmann 1987, S. 319–321.
  79. Schmid 2008, S. 199–209.
  80. Trumm 2002b.
  81. Zehner 1998.
  82. Blöck 2016, S. 250–251. Reddé 2019.
  83. Fellmann 1995.
  84. Berger 2012.
  85. Zur römischen Siedlungslandschaft im Fricktal vgl. Matter; Schwarz 2016.
  86. Ebnöther; Monnier 2002. Ebnöther; Schucany 1999.
  87. Seitz 2005, S. 363–368.
  88. Lenz 1998.
  89. Allgemein zu diesem Villentyp: Ferdière; Nouvel; Gandini 2010. Vgl. Zehner 2013. Zur villa von Munzach siehe Schmid 2016.
  90. Ettlinger; Schmassmann 1945, S. 181–235.
  91. Asskamp 1989.
  92. Ettlinger; Schmassmann 1945. Deschler-Erb; Hagendorn; Helmig 2008, S. 189.
  93. Moosbrugger-Leu 1972, S. 48–55.
  94. Strübin 1974, S. 34–46. Von Wartburg 2021, S. 40–43.
  95. Ewald; Hartmann; Rentzel 1997. Marti 2019.
  96. Schwarz; Ammann; Deschler-Erb u. a. 2015.
  97. Zum Münzschatz von Ueken: Doppler; Peter; Zanchi 2016.
  98. Zur römischen Siedlungslandschaft im heutigen Kanton Basel-Landschaft: Hecht; Tauber 1998, S. 429–456. Marti 2000, S. 308–327. Zu Laufen-Müschhag: Marti 2017.
  99. Tretola Martinez 2021. Vgl. Ammann 2003.
  100. Grundlegend zur römischen Besiedlung im rechtsrheinischen Oberrheingebiet: Blöck 2016.
  101. Ebd. 2016, S. 88–111. Nuber 2005. Nuber; Seitz 2010.
  102. Allemann 2022, S. 74–75.
  103. Dreier 2010.
  104. Blöck 2016, S. 151–153.
  105. Ebd. 2016, S. 153–155.
  106. Deschler-Erb; Hagendorn; Helmig 2008, S. 189. Moosbrugger-Leu 1972, S. 43–48.
  107. Blöck 2016, S. 158–159, 425–426.
  108. Ebd. 2016, S. 247.
  109. Bakker 1993. Peter 2001. Schwarz 1996.
  110. Bögli; Ettlinger 1963.
  111. Asal 2005.
  112. Häseli; Schwarz 2019, 2021.
  113. Witschel 2017, S. 16.
  114. Margreiter 2019, S. 48. Witschel 2017, S. 77.
  115. Witschel 2011, S. 44.
  116. Z. B. Lobrede auf Kaiser Maximian, 289 (Panegyrici latini 10,5).
  117. Blöck 2019, S. 230.
  118. Asal 2023, S. 53.
  119. So etwa Nimwegen, Remagen, Bingen oder Wiesbaden am Rhein oder Isny, Goldberg, Augsburg und Kempten im Osten. Vgl. Kreucher 2003, S. 220–227.
  120. Hirt 2005, S. 123.
  121. Ebd. 2005, S. 123 mit weiteren Verweisen.
  122. Peter 2001, S. 253–254. Ebd. 2003, S. 217.
  123. Bögli; Ettlinger 1963, S. 53–57.
  124. Asal 2005, S. 129–131.
  125. Hächler; Näf; Schwarz 2020, S. 180–182. Peter 2003, S. 222.
  126. Asal 2023, S. 17–18.
  127. Vgl. Hächler; Näf; Schwarz 2020, S. 193.
  128. Erste Nennung von Basilia im Geschichtswerk des Ammianus Marcellinus (Ende 4. Jh.).
  129. Schwarz 2019, S. 29–34.
  130. So z. B. die fränkischen Generäle Merobaudes (unter Valentinian I.), Bauto (unter Gratian) und Arbogast (unter Theodosius I.), der Halbvandale Stilicho (General unter Honorius) oder der Westgote Fravitta (General unter Arcadius).
  131. Hächler; Näf; Schwarz 2020, S. 293.
  132. Witschel 2017, S. 84.
  133. Schoenenberg 2019, S. 238.
  134. Z. B. Vörstetten: Schoenenberg 2019, S. 244.
  135. Fingerlin 1998, S. 126 f. Fischer 2019, S. 248 f.
  136. Schneider; Schwarz in Vorb.
  137. Codex Theodosianus 8,5,33.
  138. Ammianus 27,9,4; 30,8,1; 30,9,1; 30,9,6.
  139. Ebd. 30,9,5.
  140. Symmachus or. 1,16.
  141. Ammianus 28,2,1.
  142. Ebd. 30,3,1.
  143. Deschler-Erb; Richner 2013, Band A, 65, Abb. 67.
  144. Vgl. z. B. Wehrmauer von Meaux (F): Asal 2014, S. 120–121.
  145. Ebd. 2017a, S. 75 f.
  146. Vgl. ebd. 2014, S. 117–118, Abb. 8.
  147. Ebd. 2014, S. 113, Abb. 1.
  148. Deschler-Erb; Richner 2013, Bd. A, S. 65, Abb. 66i.
  149. Asal 2017a, Band A, S. 281 f.
  150. Ebd. 2017a, Band A, S. 198 f.
  151. Ebd. 2023.
  152. Vgl. Berger 1963.
  153. Asal 2017a, S. 163 (zu den Militaria), S. 304.
  154. Grab 379 im Gräberfeld an der Aeschenvorstadt. Fellmann Brogli; Fünfschilling; Marti u. a. 1992, S. 51, Tafel 32.
  155. Allemann; Ristow 2013–2014, S. 165, Abb. 3.
  156. Hächler; Näf; Schwarz 2020, S. 284–288 mit weiteren Quellen.
  157. Gräber 379, 429. Vgl. Fellmann Brogli; Fünfschilling; Marti u. a. 1992. Zur Deutung: Helmig 2008a.
  158. Baumann; Asal; Allemann 2018.
  159. Depearmentier; Krause-Kyora; Hajdas u. a. 2023.
  160. Berger 2000, S. 30 (T13).
  161. Schwarz 2012, S. 307–350, bes. S. 335–345 (mit Verweis auf ältere Literatur).
  162. Berger 2000, S. 31–32 (T19).
  163. Steinmann 2000, S. 24.