Frühe Siedlungsspuren

Guido Lassau

In: Auf dem langen Weg zur Stadt. 50 000 v. Chr. – 800 n. Chr. | S. 36-67 | DOI: 10.21255/sgb-01.02-993418 | Lizenz: CC BY-NC 4.0

Über 50 000 Jahre Geschichte von der Altsteinzeit (Paläolithikum) bis zur Bronzezeit zeugen von den Begabungen, die der Mensch wie keine andere Spezies perfektioniert hat: Kreativität, Kooperation, den Gebrauch von Werkzeugen und Waffen sowie seine Lern- und Anpassungsfähigkeit. Weder Ackerbau noch Viehzucht, weder Städte noch Staaten wären ohne diese Fähigkeiten denkbar. Der Weg von den ersten Menschen in Europa, den Neandertalern, bis zu den befestigten Höhensiedlungen der Bronzezeit, von denen auch eine auf dem Münsterhügel entdeckt wurde, ist gekennzeichnet von Innovationen und der Erschliessung neuer Räume und nicht selten auch von gewalttätigen Auseinandersetzungen. Unsere Gene zeigen, dass Migrationen zum Alltag gehörten. Auch die bäuerliche Lebensweise wurde von einwandernden Menschen aus Südwestasien nach Europa gebracht und breitete sich dann fast auf dem ganzen Kontinent aus. Spätestens in der Bronzezeit hatten Landwirtschaft und Holzbedarf die Wälder massiv dezimiert. Rohstoffe und Waren wurden über hunderte von Kilometern verhandelt. Bereits damals war die Region Basel Teil einer vernetzten Welt.

Paläolithikum und Mesolithikum, 50 000–5700 v. Chr.

Die ältesten Nachweise der Anwesenheit von Menschen im Kanton Basel-Stadt stammen aus Bettingen. ‹Auf dem Buechholz› wurden 1991 ein Fragment eines Schabers und 1998 ein Faustkeil aus Quarzit aus der Zeit der Neandertaler entdeckt. Der Faustkeil ist typisch für das Ende des Mittelpaläolithikums vor 40 000–60 000 Jahren.1 Mit derartigen Werkzeugen zerlegte man vermutlich Tiere oder bearbeitete Holz.

Das Paläolithikum ist die längste Epoche der Menschheitsgeschichte. Sie beginnt mit der Herstellung von Steinwerkzeugen durch Menschen vor ca. 2,6 Millionen Jahren und wird in das Alt-, Mittel- und Jungpaläolithikum unterteilt. Innerhalb dieser Phasen gibt es archäologische Kulturen, die über charakteristische Steinwerkzeuge abgegrenzt werden. Im Mittelpaläolithikum lebten in Europa von 300 000 bis vor 40 000 Jahren Neandertaler. Sie bearbeiteten ihre Steinwerkzeuge in der Levallois-Technik. Dabei wird eine Feuersteinknolle so vorbereitet, dass mit einem Schlag das eigentliche Werkzeug gewonnen werden kann. In der weiteren Umgebung von Basel sind über zwanzig mittelpaläolithische Fundstellen bekannt. Der Faustkeil von Bettingen ist ein Hinweis auf einen der seltenen Lagerplätze von Neandertalern. Am Ausserberg in Riehen wurden 1967 zahlreiche Tierknochen mit Bissspuren von Hyänen ausgegraben. In einer eisfreien Landschaft, vergleichbar mit dem heutigen Alaska, haben Höhlenhyänen an einem Tümpel Knochen von Wildpferden, Wisenten und ihren eigenen Artgenossen sowie ihren Kot hinterlassen.2 In der Nähe müssten sich Neandertaler aufgehalten haben, befand die Ausgräberin Elisabeth Schmid.3 Ein winziges Steinobjekt mit Bearbeitungsspuren verweist auf das enorme wissenschaftliche Potenzial dieser 46 000–50 000 Jahre alten Fundstelle. Der Homo sapiens brachte neue Techniken der Steinbearbeitung nach Europa. Seine Einwanderung markiert den Beginn des Jungpaläolithikums mit dem Aurignacien (40 000–33 000 v. Chr.), gefolgt vom Gravettien (33 000–25 000 v. Chr.). In den ersten über 15 000 Jahren nach dem Aussterben der Neandertaler gibt es keinen Hinweis auf menschliche Aktivität in der Basler Region, obwohl in Südwestdeutschland das Aurignacien und Gravettien belegt sind. Extreme Kälte und damit ein knappes Angebot an Jagdtieren in der Übergangszone zu den Gletschern, die weite Teile der Schweiz überdeckten, könnten der Grund dafür sein. Der älteste Beleg, dass sich in unserer Region frühe Homo sapiens aufhielten, stammt von der Kastelhöhle bei Himmelried südlich von Basel und datiert in die Zeit vor 23 000 Jahren. Nach dem Maximum der letzten Eiszeit zogen sich die Gletscher in die Alpen zurück. Der Lebensraum der heutigen Nordwestschweiz wurde für mobile Gruppen attraktiver. Aus der Zeit von ca. 14 000–12 000 v. Chr., dem späten Magdalénien, sind 16 Fundstellen bekannt.9 In der Tundrensteppe, die von Zwergbirke und Kriechweide dominiert war, stellten Wildpferde und Rentiere eine wichtige Nahrungsgrundlage dar. Speere mit Geschossspitzen konnten mit Geweihschleudern über 100 Meter weit geschleudert werden. Erste domestizierte Hunde halfen bei der Jagd oder beim Transport.10 Der Fang von Lachs und anderen Fischen im Rhein und seinen Zuflüssen bildete eine wichtige Ergänzung, wovon Angelhaken und Harpunen zeugen. Kleider und Zeltplanen aus Leder wurden mit Knochennadeln genäht. Bohrer, Pfrieme oder Kratzer dienten als Werkzeuge. Die Menschen des Magdalénien hinterliessen Fels- und Höhlenmalereien wie in Lascaux und beeindruckende Darstellungen von Tieren auf Objekten aus Geweih, Knochen und Steinen, wie sie im Kesslerloch bei Thayngen im Kanton Schaffhausen gefunden wurden.

Abris und Höhlen nutzten sie für saisonale Lager. So war die Hollenberg-Höhle 3 bei Arlesheim in einem Seitental der Birs um 12 500 v. Chr. im Herbst und Winter zur Jagd auf Rentiere, Wildpferde, Schneehasen und Schneehühner aufgesucht worden.11 Aus der Höhle Birseck-Ermitage in Arlesheim stammen 273 Kalksteinbruchstücke, die teils mit roten Streifen bemalt sind und bei rituellen Handlungen eine Rolle gespielt haben dürften.12 Auf der Flur ‹Hechtliacker›, Bruderholz, wurden bereits im Jahr 1874 Silexgeräte entdeckt, die auf temporäre Lager hindeuten. In der magdalénienzeitlichen Freilandstation ‹Monruz› im heutigen Neuchâtel dienten Hütten aus Ästen, Zweigen und Tierhäuten als Unterkunft. Davor lagen Feuerstellen, wo handwerkliche Tätigkeiten stattfanden.13 Am Ende der Eiszeit begann das Mesolithikum (9600–5700 v. Chr.). Die durchschnittliche Temperatur stieg stark an. Hasel und Ulmen, später auch Eichen und Buchen breiteten sich aus. Mit Pfeil und Bogen erlegten die Menschen Rothirsche, Rehe und Wildschweine. Daneben war die Jagd auf Vögel und Kleintiere sowie Fischfang mit Angelhaken, Harpunen und Netzen wichtig. Die reichen Ressourcen erlaubten, Vorräte für die kalte Jahreszeit anzulegen. Die schnelle Ausbreitung der Hasel wird mit spezialisierter Sammelwirtschaft in Verbindung gebracht, wobei Nüsse auf Röstplätzen haltbar gemacht wurden. Haselstandorte wurden gefördert und gepflegt, was der erste Nachweis der Kultivierung einer Pflanze in Mitteleuropa ist.

Im Kanton Basel-Landschaft sind ca. fünfzig mesolithische Fundstellen entlang der Birs und ihrer Seitentäler bekannt. Sie zeugen von einer saisonalen Nutzung mit Sammelwirtschaft, Jagd und vor allem Fischfang. Typisch für das Mesolithikum sind Mikrolithen, winzige Feuersteinobjekte, die in Holz- und Geweihstäbe geschäftet waren. Im Kanton Basel-Stadt gibt es bisher keine mesolithischen Funde, aber auf der nahen Rütihard bei Muttenz wurden zahlreiche mittelsteinzeitliche Mikrolithen aufgesammelt. Die Fundstelle bei Oberlarg im Elsass lässt Rückschlüsse auf das Aussehen eines Jagdlagers zu: Es bestand aus Zelten mit ovalem Grundriss von etwa 3 Metern. Im Innern gab es eine Feuerstelle. Das Lager war in einzelne Aktivitätszonen unterteilt, in denen Silexgeräte hergestellt, Tiere zerlegt und Abfälle deponiert wurden.

Vermutlich wurden Tote so beigesetzt, dass sich kaum Spuren erhielten. Die älteste Bestattung der Schweiz wurde in der Birsmatten-Basisgrotte bei Nenzlingen entdeckt. Es handelte sich um eine ca. 40-jährige Frau, die um 6300 v. Chr. an einem Kieferabszess verstorben war. In jungen Jahren hatte sie unter Mangelernährung gelitten, als Erwachsene unter Arthrose und Knochenhautentzündungen. Zudem hatte sie zwei Kopfverletzungen durch einen stumpfen Gegenstand überlebt.14 Ihr prekärer Gesundheitszustand erinnert an eine Sonderbestattung von Bad Dürrenberg, Sachsen-Anhalt. Um 7000 v. Chr. wurden dort eine 25−35-jährige Frau und ein 6−12 Monate altes Kind in einem mit roten Mineralien durchsetzten Grab bestattet. Die Beigabe von über hundert Tierknochen, Schildkrötenpanzern, einem Behältnis aus Kranichknochen für 29 kleine Feuersteinobjekte sowie reicher Hals- und Kleiderschmuck aus Tierzähnen und Eberhauern und ein Kopfschmuck aus Rehgeweih sprechen dafür, dass hier eine Schamanin beerdigt wurde. Sie litt an einem Schiefhals und an Arthrose, bevor auch sie an einem Kieferabszess starb.15

Neolithikum, 5700–2200 v. Chr.

Um 5700 v. Chr. kam es in unserer Gegend zu ersten Kontakten von Wildbeutergruppen mit bäuerlichen Lebensweisen, wie Keramik und einzelne Getreidefunde in spätmesolithischen Fundstellen zeigen. Die älteste bekannte Keramik der Schweiz stammt aus Liestal. Am Schleifenberg kamen 2001 eine asymmetrische Pfeilspitze und Feuersteinklingen mit eindeutig mittelsteinzeitlichen Merkmalen sowie ein Meissel aus geschliffenem Felsgestein und Keramikfragmente vom Typ La Hoguette zum Vorschein. Meissel und Keramik stehen mit der westlichen Ausbreitung der bäuerlichen Lebensweise in Verbindung. Die La Hoguette-Kultur gilt als Ausläufer der Cardial- oder Impressokultur, die typisch für das westmediterrane Frühneolithikum ist. La Hoguette-Keramik war an Rhone, Rhein und Seine verbreitet. Die bandkeramische Kultur, die im Karpatenbecken entstanden war, expandierte ab 5700 v. Chr. von der Donauregion nach Mitteleuropa. Während in den Lössgebieten des Oberrheins bereits bandkeramische Gemeinschaften siedelten, lebten im Jura und Mittelland vermutlich noch bis zum Mittelneolithikum um 4900 v. Chr. Wildbeutergruppen. Die jungsteinzeitliche Lebensweise führte zu hohen Geburtenraten, sodass neue Räume erschlossen werden mussten.16 Basel befand sich zu dieser Zeit in einer Kontaktzone: Nur wenig entfernt von der La Hoguette-Fundstelle wurden in Bottmingen-Bäumliackerstrasse und etwas weiter weg, in Herznach im Fricktal, Befunde und Keramik der bandkeramischen Kultur entdeckt. Zahlreiche Siedlungen sind rechts und links des Oberrheins bekannt. Sie lagen am Rand von fruchtbaren Flussauen und waren von Gräben und Erdwällen umgeben. Die bis zu 40 mal 8 Meter grossen Häuser dienten als Wohnraum und Speicher. Grossflächige Ausgrabungen in Bischoffsheim, Entzheim und Sierentz belegen, dass die Weiler lange Zeit bestanden. Die Häuser wurden zwar nach fünfzig Jahren baufällig, aber durch Neubauten auf benachbarten Arealen ersetzt.21 Robuste und einfach zu lagernde Spelzweizenarten – Emmer, Einkorn und Dinkel – wurden angebaut, Rinder, Schafe, Ziegen und wenige Hausschweine gehalten. Für die Fleischversorgung spielten Rothirsch, Reh, Wildschwein und Auerochse eine bedeutend grössere Rolle als Haustiere. Vieh wurde zur Weide in Wälder getrieben, die auch fürs Sammeln von Früchten und Nüssen sowie zur Laubgewinnung für Tierfutter wichtig waren.22

Ihre Toten begruben die ‹Bandkeramiker:innen› in Hockerstellung innerhalb oder nahe der Siedlungen und gaben ihnen Rötel, Keramik, Pfeilspitzen, geschliffene Steingeräte, Knochen- und Geweihwerkzeuge, manchmal sogar exotischen Schmuck aus Spondylus, einer Muschel aus dem Schwarzen Meer oder dem Mittelmeer, ins Grab.23 Um 5000 v. Chr. lösten Klimaschwankungen und die Einführung des ertragreicheren, aber empfindlichen Nacktweizens Missernten und somit Ernährungskrisen aus. Die Siedlungen wurden kleiner und ihre Zahl ging zurück.24 Das enge Zusammenleben von Mensch und Tier begünstigte die Ausbreitung übertragbarer und neuer Krankheiten, sogenannter Zoonosen. Epidemien traten auf, wie DNA-Untersuchungen an neolithischen Skeletten zeigen. Vor allem Kinder waren betroffen: für die arbeitsintensive, landwirtschaftlich geprägte Lebensweise fatal, da Nachkommen essenziell waren. Konflikte, die oft gewalttätig endeten, nahmen zu. In einem Massengrab bei Talheim, Baden-Württemberg, wurden 34 Schädel mit Traumata gefunden. Der dramatische Befund bezeugt einen Überfall auf ein Dorf um 5100 v. Chr. Junge Frauen sind unter den Opfern untervertreten, was auf deren Entführung schliessen lässt. Im südpfälzischen Herxheim sind Skelettteile von Angehörigen ortsfremder Bauerngemeinschaften aus höheren Mittelgebirgslagen rituell in bis zu 3 Meter tiefen Gruben deponiert worden.25

Von 4600 bis 4400 v. Chr. prägte die mittelneolithische Rössener Kultur unsere Region. Der Siedlungsraum wurde verstärkt für Viehwirtschaft genutzt. Neben Einkorn und Emmer baute man hauptsächlich ertragreiche mehrzeilige Nacktgerste an. Diese Diversifizierung in Kombination mit Hülsenfrüchten ermöglichte es, die Sammeltätigkeit zu verringern.26 Die Menschen lebten in bis zu 65 Meter langen, trapez- und schiffsförmigen Gemeinschaftshäusern und bestatteten ihre Toten in gestreckter Rückenlage oder leichter Hockstellung. Neu war die Beigabe von Waffen wie Steinäxten. Im Osten der Schweiz sind Funde der Kulturgruppen ‹Grossgartach› und ‹Rössen› bekannt. In den frühen Seeufersiedlungen des Jungneolithikums wurden vereinzelt Keramikgefässe dieser Gruppen gefunden, die aus nahen, bisher unbekannten Fundstellen stammen müssen. Sie belegen, dass das Mittelland im Mittelneolithikum allmählich besiedelt und die letzten Wildbeuterkulturen Mitteleuropas vollständig verdrängt wurden.

In der Umgebung Basels ist das Mittelneolithikum bisher nicht bekannt. Im elsässischen Achenheim wurde 2016 eine Siedlung der Zeit zwischen 4400 und 4200 v. Chr. entdeckt, die mit Gräben und Toranlagen gesichert war. In einer Grube fanden sich Skelette von fünf jungen Männern und einem Jugendlichen aus dem Pariser Becken mit zahllosen Knochenbrüchen sowie abgetrennte Arme von weiteren männlichen Individuen.27 Im südlichen Elsass sind etliche Einzelgräber und Gräberfelder des Mittel- und frühen Jungneolithikums bekannt.28 Im Jungneolithikum (4300–3500 v. Chr.) entstanden um den Alpenraum Feuchtbodensiedlungen an Seen, Flüssen und Mooren mit bis zu hundert Gebäuden. Die ca. 50 Quadratmeter grossen Häuser besassen Subkonstruktionen mit Dielenböden und Lehmestrichen, Wände aus lehmbestrichenem Flechtwerk oder Brettern und Balken sowie mit Weisstannenschindeln gedeckte Dächer. Im Inneren gab es offene Feuerstellen oder Öfen. Organische Reste, die sich im feuchten Milieu über Jahrtausende erhalten haben, bieten einzigartige Einblicke in den prähistorischen Alltag. Ähnlichkeiten bei Hausrat und Speiseabfällen benachbarter Häuser belegen enge Beziehungen zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern.29 Nach wenigen Jahren waren Reparaturen oder Umbauten fällig. Die Siedlungen bestanden selten über zwanzig Jahre. Ackerflächen, Nuss- und Wildobsthaine sowie Fisch- und Wildbestände wurden intensiv genutzt. In den Wäldern schneitelte man Laub für Viehfutter und holte Bau- und Brennholz. Vermutlich wurden die Siedlungen rund um die Wirtschaftsflächen verlagert, bis eine Übernutzung der natürlichen Ressourcen einsetzte und der Siedlungsraum verlassen werden musste.30 Angebaut wurden Hartweizen, Emmer, Einkorn und mehrzeilige Gerste sowie Lein für Öl und Textilien. Mit Hacken, Furchenstöcken und Hackpflügen, die von Ochsen gezogen wurden, bearbeitete man die Felder, gönnte diesen aber nur kurze Brachzeiten. Zum Transport wurden erste Karren mit Scheibenrädern eingesetzt.31

Bis um 4000 v. Chr. stand die Basler Gegend unter dem Einfluss westlicher Kulturen. Vom Bodenseegebiet breitete sich dann die Hornstaader/Pfyner Kultur immer weiter nach Westen aus; Einzelfunde sind in Riehen und Bettingen belegt. Mit der Pfyner Kultur gelangten erstmals Beile und Dolche aus Kupfer in unsere Region. Unter östlichen Einflüssen entwickelte sich die Horgener Kultur mit ihren dickwandigen Gefässen. Um 3200 v. Chr. lag die Region Basel am westlichen Rand dieser Kultur. In Mumpf-Kapf wurde 1991 auf einer 3 Hektar grossen Terrasse eine Siedlung der westlichen Cortaillod- und der jüngeren östlichen Horgener-Kultur ausgegraben. An der Immenbachstrasse in Riehen wurden im Jahr 2021 Fragmente Horgener Keramik geborgen. Von etwa fünfzig weiteren Orten im Kanton Basel-Stadt sind neolithische Einzelfunde bekannt. In Riehen und Bettingen konnten dank intensiver Prospektion die Siedlungsplätze eingegrenzt werden. Die Dörfer lagen auf fruchtbaren Böden in leichten Hanglagen, an Terrassenkanten und auf geschützten Hügeln. Im Klybeck-Quartier kamen im Ciba Areal und beim Aushub des Hafenbeckens 2 zwei Streitäxte beziehungsweise -hämmer des 4. Jahrtausends v. Chr. zum Vorschein. 2021 wurde in Morschwiller-le-Bas (Haut-Rhin) eine Grabanlage der Zeit von 3500–3100 v. Chr. entdeckt. In einer 15 mal 5 Meter grossen Konstruktion aus Kalksteinblöcken und Holz lagen über zweihundert menschliche Knochenfragmente, die alle stark zerbrochen sind, was auf ein mehrstufiges Totenritual hinweist.32 Die Anlage gehört zu Ganggräbern mit Kollektivbestattungen wie jenes von Oberbipp und zwei Ganggräbern der Zeit um 2900 v. Chr. in Laufen. Um 2750 v. Chr. erfasste Mitteleuropa eine Migrationswelle aus dem Osten, die sich markant in den Genen der Mitteleuropäer niederschlug: Ein Drittel unseres Erbguts stammt aus der pontischen Steppe aus Zentralasien. Dort siedelten Menschen der Jamnaja-Kultur. Ihre Einwanderung äussert sich am Zürichsee um 2750 v. Chr. in einem abrupten Wechsel des Keramikstils innerhalb von dreissig Jahren. Die Horgener Kultur wurde von der Schnurkeramischen Kultur abgelöst mit ihren s-profilierten Gefässen, die mit Schnureindrücken verziert waren. Die lokale Wirtschaftsweise und der Bau von Seeufersiedlungen wurde jedoch bis um 2400 v. Chr. fortgeführt. Auf dem markanten Sporn von St. Margarethen in Binningen konnten mehrere Vorratsgruben mit verkohltem Getreide der Schnurkeramik-Kultur (2800–2450 v. Chr.) untersucht werden. Unter anderem wurde ein fast vollständiges Gefäss gefunden.

In Mitteleuropa stiessen die Menschen aus dem Osten auf endneolithische Gemeinschaften, die durch bisher unbekannte Krankheiten geschwächt waren. Sie sprachen vermutlich indogermanisch und brachten Pferdewagen, die Kenntnis der Bronzeverarbeitung sowie viel Erfahrung in der Viehzucht und Milchverarbeitung mit. Genetische Untersuchungen zeigen, dass zu 80 Prozent Männer einwanderten.33 Sie waren gross, besassen Pferde und bessere Waffen wie Streitäxte in Bootsform und effektive Pfeilbögen. Mit einheimischen Frauen zeugten sie Nachkommen. In Burnhaupt-le-Bas und in Eguisheim sind schnurkeramische Siedlungsbefunde wie Öfen, Pfostengruben, mehrere Vorratsgruben und ein grosser, mit Steinen ausgelegter Platz entdeckt worden. In unserer Gegend bestattete man die Toten in Kollektivgräbern unter Hügeln. Das Dolmengrab von Aesch (um 2400 v. Chr.) hatte eine rund 4 mal 3 Meter grosse Kammer aus mindestens 17 aufrechten Steinplatten. Ursprünglich war es mit Steinplatten bedeckt. Das 1997 in Spreitenbach entdeckte Kollektivgrab besass eine Holzkammer, in der um 2500 v. Chr. zwölf Menschen in der typischen schnurkeramischen Hockerstellung bestattet wurden. Bei einem Mann konnte Laktoseverträglichkeit nachgewiesen werden, was als der bislang früheste Beleg in der Region gilt.

Um 2400 v. Chr. setzte sich auch in unserem Gebiet die endneolithische Glockenbecherkultur durch. Ihre glockenförmigen Gefässe glichen den schnurkeramischen Bechern sehr, waren aber mit einer Vielfalt geometrischer Muster verziert. Eine genetische Studie von 400 Skeletten zeigt, dass sich Glockenbecher zwischen Mitteleuropa und der iberischen Halbinsel anfangs verbreiteten, ohne dass Menschen einwanderten. In einigen Teilen Deutschlands, vor allem aber in Grossbritannien kam es erst mit dem Aufkommen der Glockenbecher zu genetischen Umwälzungen, wie sie zu Beginn der Schnurkeramik beobachtet werden konnten.34 Glockenbecher mitteleuropäischen Stils sind aus Kaiseraugst und Allschwil bekannt. In Allschwil wurden Gräber von zwei Frauen und einem Kind mit zwei Glockenbechern und einem Silexmesser gefunden, und 1938 wurden auf dem Friedhof Hörnli zwei endneolithische Bestattungen entdeckt. Bei einem der Toten lag eine Armschutzplatte, die das Handgelenk eines Bogenschützen vor der zurückschnellenden Sehne schützte, ein typisches Merkmal der Glockenbecherkultur. Leider sind beide Skelette verschollen, sodass unklar bleibt, ob der Bogenschütze aus dem Osten stammte. Gegen Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. kam es in weiten Teilen Europas zu einem epochalen Wandel. Wenngleich die frühbronzezeitlichen Kulturen viel von den endneolithischen Vorfahren übernahmen, war die Herstellung von Geräten, Waffen und Schmuck aus Bronze so prägend, dass sich das Zusammenleben in Europa für immer veränderte.

Bronzezeit, 2200–800 v. Chr.

Objekte aus Bronze, einer Legierung aus 10 Prozent Zinn und 90 Prozent Kupfer, tauchen am Ende des 3. Jahrtausends v. Chr. vereinzelt und ab dem 2. Jahrtausend regelhaft in Mittel- und Westeuropa auf, nachdem bereits zuvor im Raum zwischen Ägäis und Persischem Golf Bronzeschmuck, -waffen und andere Prestigeobjekte hergestellt worden waren. Zinnbronze entwickelte sich zu einem weitverbreiteten Werkstoff. Sie führte zur Entstehung einer ersten ‹Europäischen Epoche› mit weiträumig ähnlichen Gesellschaftsformen und religiösen Vorstellungen und zu zunehmender Arbeitsspezialisierung. Während Kupfererze in den Alpen oder im Erzgebirge verfügbar waren, musste Zinn aus dem Erzgebirge oder aus West- und Südeuropa importiert werden. Bronzeringe und -beile dienten als normierte Handelsware und Zahlungsmittel. Dadurch entwickelte sich ein gut organisierter Fernhandel. Die Mobilität ermöglichte den Transfer technischer Innovationen und neuer Gesellschaftskonzepte sowie Glaubensvorstellungen. Objekte aus Bernstein bezeugen Handelskontakte von Nordeuropa bis in die Ägäis. Der Warentransport erfolgte auf ausgebauten Wegenetzen mit Pferde- oder Ochsenkarren sowie mit Schiffen und Booten über Wasser.

Die frühbronzezeitlichen Gräber Süd- und Südwestdeutschlands, darunter auch die wenigen Befunde vom Oberrheingebiet, zeigen kulturelle Bezüge zum Donaugebiet und nach Westeuropa. 96 unterschiedlich reich ausgestattete Gräber der Frühbronzezeit (2200–1550 v. Chr.) sind aus Singen am Bodensee bekannt. Männer wurden in linker Hockerlage mit Dolchen und Armspiralen bestattet, Frauen in rechter Hockerstellung mit Ruder- und Scheibennadeln, Armspiralen und Blechschmuck. In der Mittelbronzezeit (1550–1300 v. Chr.) setzten sich mehr und mehr Bestattungen in gestreckter Rückenlage unter Hügeln durch. Mehrere Grabhügel bildeten an topografisch erhöhten Orten Nekropolen. Neue Waffen wie Schwerter und Lanzen, Schmuckformen wie Arm-, Fussringe und Nadeln sowie zahlreiche Geräte verbreiteten sich in ganz Mitteleuropa. Aus der Ägäis kamen Kampftechniken mit Stichschwertern und Lanzen sowie etwas später mit Schilden, Helmen, Brust- und Schienbeinpanzern in unseren Raum, wie sie Homer in der ‹Ilias› schildert. Die Ausrüstungen symbolisierten den Status ihrer Träger. In der Mittelbronzezeit und der beginnenden Spätbronzezeit bildeten Waffenträger und ihre reich ausgestatteten Frauen und Kinder Eliten. In Prêles im Berner Jura wurde 2017 ein besonderes Hügelgrab von Sondengängern geplündert. Neben einem Dolch, einer grossen Gewandnadel und einem Lockenring lag eine lebensgrosse Bronzehand mit einer Manschette aus Goldblech im Grab. Dem Toten waren möglicherweise auch ein Beil und eine Lanze mitgegeben worden, die ihn zusammen mit der aussergewöhnlichen Hand als ranghohe Persönlichkeit auszeichneten. Vielleicht war diese älteste bekannte anthropomorphe Bronzeplastik Mitteleuropas Teil eines Zepters oder Feldzeichens. Sie könnte aber auch zu einer Statue einer Gottheit oder eines Ahnen gehört haben. Das Grab einer Frau der Oberschicht des 13. Jahrhunderts v. Chr. kam in den 1860er-Jahren in Binningen zum Vorschein. Die reichen Beigaben umfassen ein Goldblech, zwei Nadeln, ein Messer, drei Armringe, ein Armband sowie eine Kette, die wohl um die Hüfte getragen wurde. Zu Beginn der Spätbronzezeit (1300–800 v. Chr.) kam es im östlichen Mittelmeerraum zu Krisen. Berühmte Kulturen und Stadtstaaten wie Troja wurden zerstört. Handelsströme brachen ab. Um 1300 v. Chr. fand im Tollensetal im heutigen Mecklenburg-Vorpommern die bisher älteste bezeugte Schlacht Mitteleuropas statt. An einem Handelsweg kämpften bis zu viertausend Männer gegeneinander. Einige von ihnen stammten aus dem südlichen Mitteleuropa. Bisher wurden die sterblichen Überreste von 144 Gefallenen im Alter von 18 bis 40 Jahren geborgen.37 In dieser unruhigen Zeit etablierten sich Brandbestattungen und Beisetzungen in Urnenfeldern, was von grundlegenden Veränderungen der Jenseitsvorstellungen und der religiös-ideologischen Werte zeugen könnte. Die weitverbreitete Darstellung von Wasservögeln, Sichelmonden, Sonnenbarken oder -wagen wird von der Forschung in einen religiösen Zusammenhang gestellt. Die Errichtung befestigter Grosssiedlungen und die offensichtliche Nivellierung sozialer Unterschiede in den Urnenfeldern lassen auf eine tiefgreifende Zentralisierung schliessen. Nur noch wenige Personen hoben sich im Tod durch besonderes Prestige hervor. Sie wurden wie zum Beispiel in Kaisten, Bern-Kirchenfeld oder Saint-Sulpice mit einem Wagen auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Dabei handelt es sich um metallbeschlagene Zeremonial- oder Prunkwagen und zweirädrige Streitwagen mit Speichenrädern. An heiligen Orten wurden während der gesamten Bronzezeit Waffen, Werkzeuge und Schmuck aus Bronze als Weihegaben an die Götter im Boden oder im Wasser deponiert. Funde wie die Himmelsscheibe von Nebra verdeutlichen, dass die Menschen über ein komplexes astronomisches Wissen verfügten. Lebensrhythmus und Feste waren auf die Jahreszyklen abgestimmt. Anhand von Sonne, Sternen und des letzten beziehungsweise ersten sichelförmigen Mondlichts wurden Daten im bäuerlichen religiösen Jahr festgelegt. Sicheln mit Gussmarken in einem Zählsystem von 1−29 und sogenannte Mondhörner in den Siedlungen könnten auf einen Mondkalender hinweisen. Während der Frühbronzezeit lebten die Menschen in der Region Basel in unbefestigten Gehöften mit Wohn- und Ökonomiegebäuden sowie in kleinen Dörfern auf Geländeterrassen oder an Bächen und Flüssen, wo sie Landwirtschaft betrieben. Von 1830 bis 1500 v. Chr. wurden – mit Unterbrüchen – wieder Seeufersiedlungen gebaut. Arbon-Bleiche/TG besitzt mit 5000 Quadratmetern das bisher grösste untersuchte Siedlungsareal der Schweiz. Während man in der heutigen Westschweiz reine Pfostenbauten errichtete, gab es in der Zentral- und Nordschweiz Pfostenhäuser mit Fundamentplatten aus Holz. Einige Gebäude besassen Rahmen aus sogenannten Schwellbalken und 5,5 Meter hohe Firstpfosten. Die Keramikstile und Bronzeobjekte waren im gesamten Mittelland und in den Gebieten nördlich des Jura sehr ähnlich. Der gemeinsame Kulturraum dehnte sich im 13. Jahrhundert v. Chr. auf das Wallis und Tessin aus.38 Ein systematisches Monitoring im Fricktal führte zur Entdeckung von über zwanzig bisher kaum bekannten mittel- bis frühen spätbronzezeitlichen Siedlungen an Hangfüssen und auf Schuttfächern von Bächen am Ausgang kleiner Seitentäler. In Gränichen konnte 2017 auf ca. 10 000 Quadratmetern ein Areal mit zahlreichen Vorrats- und Pfostengruben sowie Wegen untersucht werden. Von 1500 bis 1100 v. Chr. gab es trotz einer ausgeprägten Warmphase keine Seeufersiedlungen. Die Bevölkerung wuchs, landwirtschaftliche Flächen wurden erweitert und marginale Räume wie der Jura und die Alpen besiedelt. An der Julierroute auf dem Padnal bei Savognin standen drei Reihen aneinandergebauter Block- oder Ständerbauten mit Wänden aus Balken, die auf Steinsockel gesetzt waren. Sie besassen grosse Herdstellen oder Öfen. Zwischen 1100 und 800 v. Chr. lebten die Menschen vermehrt in befestigten Siedlungen in Schutzlagen wie Anhöhen und besonders während Kaltphasen an Uferzonen von Gewässern. Die Häuser waren häufig in Zeilen angeordnet, dazwischen gab es Gassen oder Wege und Plätze. Die grössten Dörfer massen über zwei Hektar, wie in Grandson-Corcelettes oder Zürich-Alpenquai. In Greifensee-Böschen gruppierten sich unterschiedliche Gebäude in aufgelockerter Weise. Diese kleine Siedlung, deren Baugeschichte um 1051 v. Chr. einsetzte, umfasste 24 Häuser, einen Zaun und hunderte von zugespitzten, schräg eingerammten Stangen, die den Zugang erschwerten.

Spätbronzezeitliche Bäuerinnen und Bauern pflügten ihre Äcker und versuchten durch Fruchtwechsel, Brache und mit Viehdung zu verhindern, dass die Böden auslaugten. Die Felder waren vermutlich bereits parzelliert, wie dies für Westeuropa belegt ist. Angepflanzt wurden Getreide, die gegen Trockenheit resistent sind wie Hirse und Gerste, sowie Hülsenfrüchte. Neben Dinkel- und Emmerbrot bildeten Breie und Eintopfgerichte aus Gerste, Hirse und Hülsenfrüchten die Nahrungsgrundlage. Sammelwirtschaft war weiterhin wichtig, wie Haselnüsse und Wildäpfel in den Siedlungen beweisen. Auch der Fischfang — am Rhein vor allem während der Lachszüge — dürfte eine bedeutende Rolle für die Ernährung gespielt haben. 2020 konnte am Haselrain in Riehen auf knapp 4500 Quadratmetern eine Siedlung der Mittel- und Spätbronzezeit untersucht werden. Die gute Erhaltung verleiht dem Platz grosse Bedeutung. Die bronzezeitlichen Häuser standen auf der hochwassersicheren Niederterrasse der Wiese, auf dem Schwemmkegel eines Baches. In der ersten Phase waren die rund 30 Quadratmeter grossen Gebäude unregelmässig angeordnet. Sie waren mit Schwellbalken fundamentiert und mit ein oder zwei Binnenwänden unterteilt. Der Fussboden lag auf einem Unterzug aus diagonalen Balken. Die Flechtwerkwände waren mit Lehm abgedichtet und mit Kalkschlämme hell getüncht. Holzschindeln dienten als Dachabdeckung. Die zweite Siedlungsphase bestand aus Pfostenbauten, die sich stirnseitig an engen Gassen orientierten. In der dritten Phase waren die Gebäude locker angeordnet und Nord-Süd oder Ost-West ausgerichtet. Ihre Grösse war in beiden Phasen mit 40 bis 60 Quadratmetern ähnlich. Im Inneren waren sie unterteilt. Daneben existierten einräumige Häuser mit einer Stirnlaube sowie 7,5 Quadratmeter grosse Speicher. Die 14C–Datierung eines Schwellbalkengebäudes ergab eine mittelbronzezeitliche Datierung für Phase 1. Phase 2 liegt am Übergang der Mittel-zur Spätbronzezeit um 1300 v. Chr. Phase 3 entspricht einem Siedlungsmuster, das in der entwickelten Spätbronzezeit im 11. und 10. Jahrhundert v. Chr. typisch war. Es gab auch einzelne Vorrats- und Werkgruben. Eine der Gruben war mit Lehm ausgestrichen und mehrfach hohen Temperaturen ausgesetzt worden, wie sie beim Brennen von Keramik oder der Metallverarbeitung entstehen. Bei einer anderen Grube handelte es sich um eine sogenannte Darre, in der man Getreide und Obst trocknen konnte. Spinnwirtel, die als Schwunggewichte auf Spindeln aufgeschoben worden waren, zeugen davon, dass man aus Wolle und Pflanzenfasern Garn gesponnen hat. In den rituellen Bereich gehören Funde von fragmentierten Mondhörnern. Vorratsgefässe waren teilweise in den Untergrund neben den Gebäuden eingegraben worden. Gerste, Emmer, Dinkel und Hirse wurden auf den fruchtbaren Lösshängen oberhalb der Siedlung angebaut.39 Am Siedlungsrand wurde 2018 eine 1,60 mal 1,30 Meter grosse Grube entdeckt, die mit Keramik der Zeit um 1300 v. Chr. gefüllt war. Die Scherben wiesen deutliche Brandspuren auf und waren sorgsam in der einst mit Holz ausgekleideten Grube in einem rituellen Zusammenhang deponiert worden. Eine ähnliche Grube wurde bei Frick entdeckt und als ‹Der Rest vom Fest›40 interpretiert. 1907 stiessen Arbeiter an der Burgstrasse in Riehen bei Kanalisationsarbeiten auf Teile einer bronzezeitlichen Ausrüstung: ein Schwert mit Griffplatte und eine defekte Lanzenspitze aus der Zeit um 1300 v. Chr. Das Schwert war 67 Zentimeter lang und wurde rituell verbogen, bevor es vermutlich in der Nähe einer Quelle oder eines kleinen Gewässers niedergelegt wurde. Auch die Lanzenspitze war verbogen und somit unbrauchbar. Dieser Weihefund ist einer der frühen Belege für die Etablierung einer neuen Kampftechnik mit Lanze und Stichschwert in Mitteleuropa. Auch in Basel sind Weihefunde gut belegt. In der Elisabethenanlage wurden 1858 zwei Gefässe mit 21 teilweise zerstückelten Bronzeobjekten aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. geborgen. Als Flussdeponierungen zu deuten sind ein mittelbronzezeitliches Randleistenbeil beim St. Alban-Rheinweg, ein Randleistenbeil aus der Birs und ein Dolch aus dem Rhein im Bereich des Basler Münsters. Ein Messer mit Ringgriff und ein Schwert stammen aus dem Rhein bei Kleinhüningen. Ein spätbronzezeitliches Hiebschwert wurde im Rhein nördlich des Dreiländerecks gefunden. Der Fund eines äusserst seltenen Bronzehelms aus dem 12. Jahrhundert v. Chr., der sich an mediterranen Vorbildern orientiert, stammt aus einer Kiesgrube.

Im Britzigerwald von Riehen wurden schon 1969 und 1971 zwei Grabhügel untersucht, die vielleicht zur bronzezeitlichen Siedlung am Haselrain gehörten: Der eine besass einen Durchmesser von 7 Metern und enthielt ein Grab mit Leichenbrand. Auf einem halben Quadratmeter verstreut lagen Tonscherben, geschmolzene Klümpchen aus Bronze und die Bronzehülse einer Halskette. Im anderen fand sich ein beraubtes Zentralgrab eines ca. 1,70 Meter grossen Erwachsenen. Ein Golddraht und eine Bronzenadel sind die spärlichen Reste der reichen Bestattung. Kurz nach der Aufschüttung wurde der Hügel seitlich angegraben und auf der freigelegten Oberfläche eine Frau verbrannt. Ihre Asche, geschmolzener Schmuck und ein Keramikgefäss waren in einer Art Steinkiste deponiert.

Neben den Grabhügeln in Riehen-Britzigerwald und dem Grab von Binningen sind in der Umgebung von Basel wenige weitere Gräber der Bronzezeit bekannt. In Münchenstein-Gartenstadt wurde ein Schwert des 13. Jahrhunderts v. Chr. in einem Grab mit Leichenbrand entdeckt. Wie in der Zeit der Körperbestattungen hatte man eine lebensgrosse Mulde ausgehoben, aber den Leichenbrand noch nicht in einer Urne beigesetzt. Vier weitere Brandschüttungsgräber der Zeit um 1200 v. Chr. wurden 1962 an der Sempacherstrasse im Gundeldingerquartier entdeckt. In körperlangen Gruben fanden sich Keramik- und Bronzefragmente sowie verbrannte menschliche Knochen. Urnenbestattungen sind im Kanton Basel-Stadt bisher nicht gefunden worden. In Reinach wurden jedoch 1989 drei Urnen ausgegraben. In einer waren ein 12-jähriges Mädchen und ein 9-jähriger Junge gemeinsam bestattet. Mit den Kindern war auch eine Krähe kremiert worden. Nadeln, ein Armring und Messer aus Bronze sowie vier Bernsteinperlen in einer Schale und eine Schüssel zeugen davon, dass die Kinder aus einer wohlhabenden Familie stammten. Der bisher älteste bronzezeitliche Siedlungsnachweis im Stadtgebiet gelang beim frühmittelalterlichen Gräberfeld Basel-Kleinhüningen. Auf der hochwassergeschützten Niederterrasse von Rhein und Wiese wurde auf etwa 0,5 Hektar Keramik der Zeit um 1500 v. Chr. gefunden. An der Hechtliackerstrasse existierte um 1400 v. Chr. eine mittelbronzezeitliche Siedlung in erhöhter Lage. 2011 wurden an der Utengasse am Kleinbasler Rheinufer sechs Gruben einer 3300 Jahre alten Siedlung entdeckt. Die bisher ältesten Häuser im heutigen Kleinbasel waren vermutlich in Pfosten- oder Blockbauweise mit abgehobenen Böden errichtet worden, um sich vor Überschwemmungen zu schützen. Gleichzeitig gab es Siedlungsaktivitäten bei der Kirche St. Alban und in der Siedlung Riehen-Haselrain. Das Areal des heutigen Novartis Campus diente im 11. Jahrhundert v. Chr. wiederholt als Wohnplatz. Die Spuren dieser spätbronzezeitlichen Dörfer wurden allerdings weitgehend durch jüngere spätlatènezeitliche Siedlungstätigkeit verwischt. Einzigartig ist der Fund eines Bronzemessers aus Nordeuropa mit einem menschlichen Kopf. Aufgrund von zahlreichen Keramik- und Bronzefunden zwischen Rheingasse und Theodorskirchplatz müssen sich von 1000 bis 850 v. Chr. Gebäude am Rheinufer befunden haben.

Um 900 v. Chr. gewann der Münsterhügel aufgrund seiner Topografie an strategischer Bedeutung. Auf dem Martinskirchsporn existierte die bisher älteste bekannte befestigte Siedlung Basels. 2004 konnten an der Martinsgasse 6−8 bronzezeitliche Strukturen dokumentiert werden. Das rund 7000 Quadratmeter grosse Siedlungsareal war durch einen 9 Meter breiten und 3 Meter tiefen Graben und vermutlich einen Wall abgeriegelt. Die Siedlung besass ein 200 Meter breites, durch einen zusätzlichen kleinen Graben gesichertes Vorgelände. Holzkohle sowie Keramik und Hüttenlehm mit Brandspuren bezeugen, dass sie offenbar abbrannte. Danach blieb der Münsterhügel fast während der gesamten Eisenzeit bis zum Bau des spätkeltischen oppidum im 1. Jahrhundert v. Chr. unbesiedelt. Auch im übrigen Gebiet des Kantons Basel-Stadt sind Siedlungsspuren und Funde erst wieder aus der jüngeren Eisenzeit bekannt.

Anmerkungen

  1. Sedlmeier 2008a, S. 59.
  2. Ebd. 2008b, S. 57.
  3. Schmid 1967, S. 30–34.
  4. Hoffmann; Standish; Garcia-Diez u. a. 2018, S. 912.
  5. Krause 2019, S. 48 f.
  6. Knauer 2023, online.
  7. Krause 2019, S. 85–89.
  8. Graeber; Wengrow 2022, S. 105–110.
  9. Sedlmeier 2008c, S. 42–44. Leesch; Müller 2012, S. 119, Tab. 1.
  10. Leesch; Bullinger; Müller 2019, S. 66.
  11. Müller; Leesch 2011, S. 11, 18.
  12. Sedlmeier 2008c, S. 45.
  13. Leesch; Bullinger; Müller 2019, S. 88–93.
  14. Sedlmeier; Pichler 2014, S. 158–161.
  15. Muhl 2005, S. 54–65.
  16. Krause 2019, S. 96 f., 102–105.
  17. Graeber; Wengrow 2022, S. 249–261.
  18. Van Willigen; Röder 2017, S. 93–96.
  19. Krause 2019, S. 96 f.
  20. Ebd. 2019, S. 48, 115 f.
  21. Lefranc 2014, S. 18–25.
  22. Zimmermann; Meurers-Balke; Kalis u. a. 2005, S. 34.
  23. Muhl; Reichenberger 2008, S. 18–21.
  24. Zimmermann; Meurers-Balke; Kalis u. a. 2005, S. 33–39.
  25. Graeber; Wengrow 2022, S. 275–290. Pichler 2017, S. 113–116.
  26. Zimmermann; Meurers-Balke; Kalis u. a. 2005, S. 33–39.
  27. Dönges 2016 online.
  28. Denaire; Lefranc 2014, S. 73–124.
  29. Ebersbach 2017, S. 128–132.
  30. Bleicher 2017, S. 151–155.
  31. Jacomet; Schibler 2017, S. 117–123.
  32. INRAP 2021, online.
  33. Krause 2019, S. 109–134.
  34. Olalde; Brace; Allentoft u. a. 2018, S. 190–196.
  35. Krause 2019, S. 153–160.
  36. Maraszek; Muhl; Zich 2011, S. 177–199.
  37. Krüger; Lidke; Lorenz u. a. 2020, S. 89–94.
  38. Stöckli 2016, S. 171–209.
  39. Graber; Hodel; Steiner 2021, S. 119–151.
  40. Hauser 2019.