Der (un)getrübte Blick nach draussen...: Zur Entwicklungsgeschichte des Glasfensters in Europa
Über diese Publikation
Von Italien aus erfuhr das Glasfenster seit dem 1. Jahrhundert n. Chr. seine schnelle Verbreitung bis nach Nordeuropa. Fensterverglasung blieb jedoch seit der Römerzeit bis zum hohen Mittelalter ein Privileg der Oberschichten sowie der Kirchen und Klöster. Im bürgerlichen Hausbau finden sich Glasfenster vereinzelt seit der Zeit um 1000. Erst mit dem Übergang vom Holz- zum Steinbau (13./14. Jahrhundert) werden Glasfenster allgemein üblich. Dennoch bediente man sich bis in die Neuzeit hinein sowohl in der Stadt als auch auf dem Land alternativ anderer Materialien als Fensterverschluss.
Von den verschiedenen Herstellungstechniken setzte sich am nachhaltigsten das zylindergeblasene Flachglas durch. Die anderen Techniken verschwanden aber nicht gänzlich, sondern wurden in kleinerem Maße beibehalten, gelegentlich auch weiterentwickelt. Durch den Import von Glasprodukten und Glastechniken aus unterschiedlichen Regionen sind einheitliche Aussagen zur vorherrschenden Flachglas-Produktionstechnik eines bestimmten Gebietes oft nicht möglich, da die Produktionstechniken abhängig vom eingeführten Knowhow waren. Erst seit Mitte des 18. Jahrhunderts kann man davon sprechen, dass die gleichen Fertigungstechniken zur Flachglasherstellung (insbesondere das Gussglas-Verfahren) in Süd-, Mittel- und Nordeuropa verbreitet waren.
